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FataMorgana
02.11.2006, 05:48
Wie läuft das eigentlich mit der Privatliquidation heutzutage? Werden den Privatpatienten immer noch Thrombosespritzen vom CA reingedrückt, um 5,50 Euro abzurechnen?

Hab ich 2004 noch so erlebt.

GOMER
02.11.2006, 09:19
Halte ich für ein Gerücht, dass die Heidelberger Ordinarien zweistellige Millionenbeträge kassieren. Das mag zu DM-Zeiten für alte Verträge von vor zehn Jahren in Chirurgie, Radiologie und Anästhesiologie gegolten haben. Wer in der letzten Zeit seinen Posten erhalten hat, wird dieses Geld aber nicht bekommen. Für durchschnittlich verdienende Fächer würde ich eher doppeltes BAT I -Gehalt zugrundelegen, aufgestockt evtl. um einen Leistungsbonus.
Eine halbe Mio EUR ist auch in HD sicher Spitzengehalt.

Zähl nochmal nach, was siebenstellig heisst...;-)


1.) Ordinarius wird nicht nach BAT1 bezahlt sondern C4
2.) Geht vom Brutto natürlich nochmal einiges ab (Stichwort Klinikanteil, Pool, Spitzensteuersatz)
3.) Versuch mal das PP aufkommen in HD einzuschätzen, dürfte m . E. bei rund 10% liegen
4.) und dann frag mal so einen Privaten, was er allein an Rechnungen von der ANÄ bekommt, z.B. kostet ne einfache ITN/LM rund 380€, von nem Neurologen bekommst Du nach nem Apoplex schnell mal ne Rechnung von 7500€

Dr. Hyde
02.11.2006, 09:40
Wie läuft das eigentlich mit der Privatliquidation heutzutage? Werden den Privatpatienten immer noch Thrombosespritzen vom CA reingedrückt, um 5,50 Euro abzurechnen?

nein, das macht nicht der ca, aber privat abgerechnet wird trotzdem ;-)
delegation von leistungen an andere privatärztlich abrechnungsberechtigte...

die in der klinik am besten verdienenden chefs sind radiologen/nuklearmediziner, anästhesisten und labormediziner (allein bei der anästhesie unterschreibt man einen behandlungsvertrag in dem ca. 40 liquidationsberechtigte genannt werden ;-) ), da klingelt die kasse bei jedem in irgendeiner abteilung liegenden privatpatienten.

Porschefahrer
02.11.2006, 17:24
Ok, hoert sich so an, als wuerde man mit unternehmerischem Talent eine gutgehende Praxis betreiben und so um die 200.000 Euros/Jahr verdienen koennen.

Am besten aber: CA werde in einem Haus mix max-Versorgung und Privatliquidationsrecht. Hier winken: 200.000 Euro bis 1 Mio/Jahr?

In den USA ist das uebrigens genau anders herum. Die dicke Knete machen die Niedergelassenen (in der Regel). Deshalb haben die Amis auch kein Bock auf Forschung und lassen das die Auslaender machen.

test
02.11.2006, 17:42
Dermatologische Praxen mit Spezialisierung auf Kosmetik/Laser machen auch ziemlich viel Asche.

Lava
02.11.2006, 18:48
Dermatologische Praxen mit Spezialisierung auf Kosmetik/Laser machen auch ziemlich viel Asche.

Ich sach ja: man muss den Leuten unsinnigen Sch*** andrehen, für den sie auch noch viel bezahlen :-D

PancCa
03.11.2006, 00:43
Zähl nochmal nach, was siebenstellig heisst...;-)


1.) Ordinarius wird nicht nach BAT1 bezahlt sondern C4
2.) Geht vom Brutto natürlich nochmal einiges ab (Stichwort Klinikanteil, Pool, Spitzensteuersatz)
3.) Versuch mal das PP aufkommen in HD einzuschätzen, dürfte m . E. bei rund 10% liegen
4.) und dann frag mal so einen Privaten, was er allein an Rechnungen von der ANÄ bekommt, z.B. kostet ne einfache ITN/LM rund 380€, von nem Neurologen bekommst Du nach nem Apoplex schnell mal ne Rechnung von 7500€


Du liegst natürlich richtig, wenn Du sagst, dass siebenstellig nur einstellige Millionenbeträge bedeutet. Allerdings beziehen sich die Gerüchte in Süddeutschland idR eben auf Beträge um 10-12 Mio., manchmal auch mehr.

Du liegst ebenfalls richtig, wenn Du sagst, dass der Ordiniarius nach C-Besoldung bezahlt wird. Allerdings wird damit wohl kaum jemand zufrieden sein.

Früher hat man sein Geld vornehmlich aus der Privatliquidation gezogen. Auch heute noch existieren alte Verträge, die den alten Chefs für jede Prozedur im KH an Privatpatienten einen gewissen Betrag zuweisen.
Nur ist es nunmal so, dass die Klinikverwaltungen den neuen Chefs in ihren Verträgen diese Privatliquidation nicht mehr zugestehen. Das Geld fließt ans KH. Wenn ich hier also vom doppelten BAT-Gehalt spreche, so ist das die Vergütung, die die Klinikverwaltung den neuen Chefs zusätzlich zum C-Gehalt anbietet. Dafür verzichten sie - natürlich unfreiwillig - auf die Privatliquidation.

Und wenn ich mir meine Privatrechnungen anschaue, so stimme ich Dir ebenfalls zu, dass da viel Geld fließt. Tonsillektomie kostet gut an die 4.000 EUR. Aber wenn du auf diesen Rechnungen und in den Behandlungverträgen mit dem Chefarzt mal genauer lesen würdest, dann wüsstest du auch, dass dieses Geld zwar auf ein Konto des Chefs überwiesen wird, er aber hohe Abgaben rückzahlen muss. Oder denkst du, dass von den 60.000 EUR für den Whipple die Hälfte in die Tasche des Chefs fließt. Der könnte sehr glücklich sein, wenn er davon 5 % vor Steuern sehen würde.

Zum Anteil der Privatpatienten in HD: Der dürfte höher liegen, da ja nur 87 % der Deutschen gesetzlich versichert sind. Da Uniklinika über den idR guten Ruf des Chefs im Vergleich zu peripheren Häusern mehr Private behandeln, schätze ich, dass der Anteil je nach Fach bis auf 30 % steigen kann.
Aber dies bringt dir alles nichts, wenn dein Vertrag - wie heute üblich - keine Privatliquidation vorsieht.

Sprech doch mal mit CA von großen peripheren Häusern. Die bekommen heute Verträge, die ungefähr doppeltes BAT-I Gehalt vorsehen.

Also, mal ganz locker bleiben!

GOMER
03.11.2006, 11:12
Hey! Ich bin locker... ;-)


Und wenn ich mir meine Privatrechnungen anschaue, so stimme ich Dir ebenfalls zu, dass da viel Geld fließt. Tonsillektomie kostet gut an die 4.000 EUR. Aber wenn du auf diesen Rechnungen und in den Behandlungverträgen mit dem Chefarzt mal genauer lesen würdest, dann wüsstest du auch, dass dieses Geld zwar auf ein Konto des Chefs überwiesen wird, er aber hohe Abgaben rückzahlen muss. Oder denkst du, dass von den 60.000 EUR für den Whipple die Hälfte in die Tasche des Chefs fließt. Der könnte sehr glücklich sein, wenn er davon 5 % vor Steuern sehen würde.


Und genau diese Annahme ist falsch. Der durchschnittliche Betrag, den ein Chef an das KH zurückzahlt (Instrumente, Personal, etc.) liegt bei rund 40%, gehen wir davon aus, daß der Chef ein Netter ist, dann wird er nochmal rund 15 % für den Pool zur Verfügung stellen. Dann bleiben ihm noch 40% vor Steuern. Und diese Zahlen sind keine wilden Mutmaßungen von mir, sondern Fakten.
Ich gebe zu, daß ich nicht weiß, wie sich die Vetragslage in den letzten 5 bis 10 Jahren entwickelt hat. Aber 70 bis 80% der sich im Dienst befindlichen Chefs werden nach dem o.g. Muster bezahlt, natürlich wird Dir darüber kein Chef oder OA Auskunft geben, wenn man aber ein Auge für die kleinen, aber feinen Details hat, dann kann man das Bruttojahresgehalt schnell mal überschlagen.
Frag einen Ordinarius mal beiläufig wo er wohnt, was er so am Wochenende macht, wo er zuletzt in Urlaub war, ob er Dir ein gutes Restaurant empfehlen kann, weil Deine Eltern nächste Woche zu Besuch kommen etc.!

test
03.11.2006, 13:55
Also was ich gehört habe kriegt ein Chef heitzutage weit weniger als 60% der Privatliquidation, eher unter 20% oder noch weniger. :-nix

Lava
03.11.2006, 19:10
Ist ja schön, wie fleißig hier über Chefarztgehälter diskutiert wird. Bevor man über sowas nachdenkt, sollte man erstmal zeigen, dass man überhauot dazu in der Lage ist, so einen Job überhaupt zu übernehmen. Es reicht nämlich nicht, am lautesten "hier!" zu schreien.

test
03.11.2006, 19:33
Ist ja schön, wie fleißig hier über Chefarztgehälter diskutiert wird. Bevor man über sowas nachdenkt, sollte man erstmal zeigen, dass man überhauot dazu in der Lage ist, so einen Job überhaupt zu übernehmen. Es reicht nämlich nicht, am lautesten "hier!" zu schreien.

Habe nicht den Eindruck, dass das hier jemand tut. Trotzdem finde ich gehört es dazu, dass man, wenn man sich Gedanken über unsere Klinikstrukturen macht,auch mal über Chefarztgehälter und Arbeitsbedingungen redet bzw. nachdenkt.
Man kann ja auch über Gesundheitsreformen diskutieren ohne gleich GEsundheitsministerin werden zu wollen, oder nicht?
Für mich persönlich ist ein Chefarztposten zudem gar nicht das Ziel schlechthin unter anderem aber nicht nur aus den hier genannten Gründen.
Abgesehen davon muß ich ehrlich gesagt zugeben, dass mcih bisher sehr wenige Chefs wirklich beeindruckt haben und ich daher nicht so viel Ehrfurcht bzw Bewunderung für sie übrig habe. :-meinung

Lava
03.11.2006, 19:46
Auch wenn Chefs Fehler haben und so mancher OA sie an Können locker in die Tasche steckt, muss man Respekt dafür haben, was für eine Verantwortung sie sich aufladen.

test
03.11.2006, 19:54
Auch wenn Chefs Fehler haben und so mancher OA sie an Können locker in die Tasche steckt, muss man Respekt dafür haben, was für eine Verantwortung sie sich aufladen.

Ist halt die Frage inwiefern sie alle dieser Verantwortung gerecht werden.

Lava
03.11.2006, 20:02
Man kann das eigentlich ein bisschen mit einer Monarchie vergleichen eigentlich... der Chef ist der König und der uneingeschränkte Herrscher. Je nachdem, wie gut oder schlecht er regiert, lieben oder hassen ihn seine Untertanen, fährt er sein Königreich gegen die Wand oder lässt es erblühen. :-D

Relaxometrie
03.11.2006, 20:15
muss man Respekt dafür haben, was für eine Verantwortung sie sich aufladen.
Die Frage soll NICHT polemisch sein, sondern ist ernst gemeint:
Welche Verantwortung lädt sich ein Chefarzt denn auf? Seine Kollegen (also Assistenz- und Oberärzte) werden unter normalen Umständen auch ohne den Chef im Nacken immer ihr Bestes geben, weil sie sich ja selbst auch nicht in die Schei$$e reiten wollen.
Und ist der Chef mal im Urlaub, läuft der Betrieb nach meiner Beobachtung lockerer, aber deswegen nicht unseriöser!!!
Klar gibt es eine Person, die den Laden in eine bestimmte Richtung dirigieren sollte, weil es sonst ein heilloses Chaos geben würde. Ich sehe einen Chefarzt eher als Dirigenten, der zwar eine große Aufgabe zu bewältigen hat, aber warum ich vor einem Chefarzt mehr Ehrfurcht haben sollte, als vor anderen Ärzten, die fachlich gut drauf sind, weiß ich nicht.

San Pellegrino
03.11.2006, 20:18
Ein Psychiater hat zu mir einmal gemeint: Wenn man auf kleinem Raum ein möglichst großes Spektrum an fetter Psychopathologie sehen möchte, gehe man in Chefarztbureaus.
Insbesondere das Studium der eigentlich wenig befähigten Narzissen sei in der Medizin bei Chefärzten besonders dankbar. :-))

Dem kann ich aus meiner eigenen Erfahrung wenig hinzufügen.
Psychisch mehr oder weniger offenkundig Kranke wollen sich durch "unangreifbare" Führungspositionen als Ärzte in der Medizin immunisieren gegen ihre sonstige gesellschaftliche Abstiegsgefahr. Denn als Mediziner KANN man doch selbst nicht (psychisch) krank sein. Und zwar, EHE man mit dem Medizinstudium als (z.B.) narzißstischem Akku beginnt.

Oh doch ! :-nix

Wenn viele im 21.Jahrhundert noch glauben, sie könnten mit den Mitteln der preußischen Militärmedizin aus dem 19.Jhdt. und ihren hierarchischen Idiotien international wettbewerbsfähig sein, muß der Horizont von Perleberg bis Friedberg (Hessen) reichen. Denn sonst müßte man sich die Kugel geben. :-top

Die Frage ist doch: Wofür werden Chefärzte besser als andere Ärzte bezahlt ?
Medizinische Verantwortung tragen sie bloß für Auszubildende, nicht für Fachärzte, die sollten es ja können. Verantwortung tragen sie für die Organisation der Medizin an der Abteilung, das ist meist überschaubar. Und sie werden für (theoretisch) dauerhafte Verfügbarkeit als Führungskraft bezahlt.
Mehr brauchen die nicht zu machen, allenfalls ein wenig Marketing fürs Haus.
Ausbildung machen die meisten nicht, dauerhaft verfügbar sind sie auch nicht.
In irgendwelchen Sitzungen kann jeder herumhängen und das kleine 1x1 der DRG-Betriebswirtschaft hat man auch bald heraus.
Als, wozu ein Vielfaches an Bezahlung eines Facharztes ? Ist mir ein Rätsel.

Nur, weil man ein kleiner Führer sein darf ? Nur, weil sonst der Zustrom zum Studium geringer sein könnte ?

Nur, weil die Klinikleitungen damit wenigstens einen Prügelknaben/Watschenmann zur Druckableitung haben ?

An den Unikliniken wird das Ganze bei den Chefs noch absurder: Fachlich ohnehin nicht genügend aufgrund der rapide verstaubenden fachlichen Schmalspur-Habilitation qualifiziert, das Fach in Ausbildung und Lehre zu vertreten, sollen die obendrein als Wissenschaftsmanager und Vorleser tätig sein und ein wenig fotogen abhängen können.
ALLES in EINER Person - wahrscheinlich werden die einfach für den natürlich nicht funktionierenden Gag bezahlt, derartige Organisationsbürden überhaupt noch einem einzigen glorreichen Führer aufbürden zu können - als Repräsentant seiner Zunft, als idiotus pro toto.
Quasi eine Chuzpesteuer. Schmerzensgeld für Hochstapelei. ;-)

Kollegiale Führung durch erfahrene FÄ wie in Uk und mit dem ganzen Diskussion ist Schluß - was ja ohnehin kommen wird angesichts des (Chef)Ärztemangels. :-love

Relaxometrie
03.11.2006, 20:24
Ein Psychiater hat zu mir einmal gemeint: Wenn man auf kleinem Raum ein möglichst großes Spektrum an fetter Psychopathologie sehen möchte, gehe man in Chefarztbureaus.
Oder in den OP, wenn der Chef der Chirurgie operiert und der Chef der Anästhesie die Narkose macht.
Wenn ich als PJler diese Situation beobachten musste, wusste ich nie, ob ich hysterisch lachen, oder weinen und Mitleid haben sollte :-nix

San Pellegrino
03.11.2006, 20:40
Habe mal im Rahmen einer Famulatur eine "kombinierte" Chefarztvisite zwischen (ehemaligem) habilitierten Charité-OA und seinem habilitierten Kollegen aus der Strahlentherapie erlebt. :-top

Der Strahlentherapeut, bei dem man sich in der Klinik fragte, wie der sich seine Habil erkauft haben muß, galt als völlig unfähig und hatte deswegen auch keine eigene Bettenstation mehr, sondern "Leihbetten" auf der Inneren.
Selbst 2 Rumänen waren ihm binnen eines Monats als Stationsärzte davongelaufen, irgendwoher hatte er aber wieder jemanden für die Station gefunden. :-lesen

Der Internist war ein Mephisto sondergleichen, kam zunächst mal viel zu spät zur Visite, auf die der offenkundig alkoholisierte Starhlentherapeut seine Mannschaft aus insgesamt 3 Leuten mit einem "Coaching" für ebendiese vorbereitet hatte. Man solle den Internisten nicht zu Wort kommen lassen, seine Fragen ignorieren und bei der Patientenvorstellung den Strahlentherapeuten und ja nicht den Internisten ansehen ! :-music

Demungeachtet hat dann der Internist aufs arroganteste den Strahlentherapeuten coram publico bei der Visite in jedem Patientenzimmer fachlich blamiert und ihm sogar strahlentherapeutische Details schullehrerhaft ex cathedra erklärt.
Was bei dessen fachlicher Peinlichkeit nicht verwunderlich war. :-dafür

Wenn man nicht unter Kranken gewesen wäre, hätte man sich glatt bei den Barbaren gewähnt. :-sleppy

Evil
03.11.2006, 22:17
Oh erleuchtete Pellegrino-san, wir sind Dir dankbar, daß Du uns unermüdlich die Niederungen des deutschen Gesundheitsbetriebs kundtust.

KarlKonrad
03.11.2006, 23:52
Halte ich für ein Gerücht, dass die Heidelberger Ordinarien zweistellige Millionenbeträge kassieren.

Nach Mitarbeiteraussagen (Krankenpflege) kann ich das Gegenteil bestätigen. Bisher habe ich zwar noch keinen Chefarzt persönlich nach seinem Gehalt gefragt, jedoch bei einem Gespräch über den letzten Uralub im Burj al-Arab (Dubai) zugehört. So ein Trip ist nicht ganz billig. :-))


Was ist eigentlich das lukrativste Fachgebiet? :-nix