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Janny
01.04.2007, 02:00
Stimme Dir zu Stefan, ich würde auch lieber "einmal zuviel" reanimieren und lieber noch ins Krankenhaus fahren. Allerdings teile ich auch deine Meinung, dass es für ihn besser war, das nicht zu überleben bei DEN Verletzungen (Hirn!).

Sackbauer
01.04.2007, 03:27
Wenn du mal eine Zeit auf einer Intensiv gearbeitet hast, dann wirst du eher zum Verfechter der "lieber einmal weniger reanimieren"-Praxis.

//stefan
01.04.2007, 22:55
stimmt...

so, wer hat noch interessante fälle?

//stefan
24.06.2007, 23:00
*gähn*

los, mehr schwung wenn ich bitten darf :-D

puschkin
25.06.2007, 07:29
Wenn du mal eine Zeit auf einer Intensiv gearbeitet hast, dann wirst du eher zum Verfechter der "lieber einmal weniger reanimieren"-Praxis.
die blöde Rumdückerei :-))
so, ich darf jetzt auch mal. Nichts Aufregendes, vielleicht kommen angehende Betäuber unter euch schneller drauf.

Morgens um halb 9
Einsatzmeldung: "Atemnot" RTW+NEF
Eine 64-jährige Frau auf dem Bett liegend, tachypnoisch. Wach und ansprechbar, leich desorientiert.
Was nun.....?

Zaphod.Beeblebrox
25.06.2007, 19:08
Wie sieht sie denn sonst aus? (Zyanotisch? Blass? Kaltschweißig? ...) Und wer hat eigentlich den Rettungsdienst gerufen, d.h. gibt es vielleicht noch Angehörige? Oder kann sie sebst (trotz "leicht desorieniert") erzählen, seit wann sie so kurzatmig ist, ob sie noch andere Krankheiten hat, ob ihr schwindelig ist, etc. Und ob ihr so etwas vielleicht schon öfter passiert ist.
Bis dahin hat dann ja hoffentlich der RA EKG, Pulsoxy und Blutdruck angebracht bzw. gemessen. Ein BZ Stick ist sicher auch nicht verkehrt.
Außerdem würde ich ihr gerne etwas Sauerstoff anhängen, ja nach Sättigung und klinischer Erscheinung irgendwas zwischen 3 und 10 Litern.

puschkin
25.06.2007, 19:47
Also die Tochter und der Schwiegersohn sind anwesend. Soziales Umfeld unauffällig.
Angehörige berichten: Diabetis melitus und KHK seien bekannt,
z.Z. befinde sich die Pat. in Zahnarztbehandlung wegen einem eitrigen Zahn. Jetziger Zustand dauere seit frühen Morgenstunden an.

Der RA ist fleißig beim Schaffen: RR 130/70
BZ 74 mg/dl
Puls 80 /min
AF 25-30 /min
SpO 99%
EKG: Sinusrhythmus

Pat. adipös, keine Zyanose, keine Kaltschweißigkeit, keine Blässe...

O2 läuft mit 4l/min über eine Nasensonde

SidVicious
25.06.2007, 21:26
Fieber ?
Ödeme? Gesicht/Hals
"Hyperventialationstetanie"?
Medikation eitrige Zahnentzündung?
Wann Insulin gespritzt?

Sauerstoff runter auf unter 1L.

Gruß
SidV.

puschkin
26.06.2007, 07:04
Fieber ?
Hat sie wohl am Vortag gehabt, momentan nicht auffällig
Ödeme? Gesicht/Hals
keine
"Hyperventialationstetanie"?
negativ
Medikation eitrige Zahnentzündung?
Antibiotikum (weiß leider nicht was genau) vom Zahni
Wann Insulin gespritzt?
k.A.
Sauerstoff runter auf unter 1L.
gut, machen wir

Gut, wie geht es weiter? Pat ist so weit stabil und kooperativ. Haben immer noch keine Verdachtsdiagnose.

puschkin
26.06.2007, 07:10
Wollt ihr in der Wohnung noch was machen, oder kann man die Pat. zum RTW bringen?

Evil
26.06.2007, 13:45
Man könnte mal zum Äußersten greifen, perkutieren und ein Stethoskop zücken, nebenbei auch mal in den Mund schauen, ob die Atemwege frei sind.

puschkin
26.06.2007, 16:23
Auskultation der Lunge ohne path. Befund.
Atemwege sind frei.
Wie gesagt keine Zyanose, keine Kaltschweißigkeit, keine Erschöpfung der Pat.
Pat. holt tiefe Atemzüge 25-30 pro minute.

"versuchen Sie sich zu beruhigen, atmen Sie etwas langsamer", Händchenhalten bleibt ohne Erfolg.
Sie sei auch gar nicht so arg aufgeregt.

Da muss noch mehr kommen....

bauerlein
26.06.2007, 16:28
Irgendwelche Medikamente genommen?

puschkin
26.06.2007, 16:35
Irgendwelche Medikamente genommen?

nein, nichts, was sie nicht nehmen muss.

Zaphod.Beeblebrox
26.06.2007, 17:54
Ach, dann packen wir sie doch ein, oder? Ein Blutgas und ein paar weitere Laborwerte wären doch interessant, und dafür muss sie halt in die Klinik. Ich könnte mir ja immer noch vorstellen, dass sie sich irgendwie eine metabolische Azidose angelacht hat (renal?) und deshalb diese Atemstörung entwickelt. Aber raten hilft ja nichts, lasst uns losfahren. Was meint ihr?

puschkin
26.06.2007, 18:20
Ach, dann packen wir sie doch ein, oder? Ein Blutgas und ein paar weitere Laborwerte wären doch interessant, und dafür muss sie halt in die Klinik. Ich könnte mir ja immer noch vorstellen, dass sie sich irgendwie eine metabolische Azidose angelacht hat (renal?) und deshalb diese Atemstörung entwickelt. Aber raten hilft ja nichts, lasst uns losfahren. Was meint ihr?

Sehr gut :-top

Habe ich ein paar Fragen überlesen? Hat jemand nach Brustschmerzen gefragt. 12-Kanal-EKG? Also weder Schmerzen noch Druckgefühl. EKG bring uns auch nicht weiter.

Pat. ist schon im RTW, ist auch nicht so wichtig. Also was melden wir an?

Haben wir schon einen i.v.-Zugang( erfahrene NÄ hat eine Weile gebraucht bis sie ihn drin hatte, schlechte Venen, viel Unterhautfettgewebe). Und hier stellt sich die Frage was hängen wir an? Ohne lange zu überlegen Ringer-Lactat. Mit Voranmeldung AKS in die innere Aufnahme.
Wärend der Fahrt" NA abkömmlich?"
"Ja, klar" die NÄ springt raus.
Pat wird in unverändertem Zustand in der Klinik abgegeben.

Labor: Creatinin: 13,2 mg/dl
Kalium: 7,5 mmol/l
Harnstoff: 235,2 mg/dl
pCO2: 23,7 mmHg
HCO3: 2,2mmol/l
pH: 6,61

Diagnose: metabolische Azidose, V.a. akutes Nierenversagen

Also wie am Anfang schon gesagt- nichts Aufregendes. Nur hätte ich im Einsatz was überlegt und nach Urinausscheideung gefragt. Als Infusion wäre natürlich bei diesen Kaliumwerten NaCl angesagt. Im schlimmsten Fall würde sie uns nachdem die NÄ abgesprungen ist ins Kammerflimmern rutschen.

Man lernt ja viel über Säure-Basen-Haushalt, habe es aber nie so anschaulich erlebt und vom lerneffekt hats auch mehr gebracht als ein reanimationspflichtiger Traumapatient.

Gruß

Zaphod.Beeblebrox
26.06.2007, 19:04
Man lernt ja viel über Säure-Basen-Haushalt, habe es aber nie so anschaulich erlebt und vom lerneffekt hats auch mehr gebracht als ein reanimationspflichtiger Traumapatient.

Gruß

Stimmt. :-dafür Vielen Dank.
Bis hoffentlich bald auf einen neuen Fall.

agouti_lilac
26.06.2007, 19:43
Und die Tachypnoe war wg. Abatmung des CO2, oder ?

Nessie79
26.06.2007, 20:29
Yep - der Körper versucht die metabolische Azidose respiratorisch durch verstärkte CO²-Abatmung zu kompensieren...

puschkin
26.06.2007, 21:00
Yep - der Körper versucht die metabolische Azidose respiratorisch durch verstärkte CO²-Abatmung zu kompensieren...

Richtig, das versucht er und schaffts nicht. Metabolische Azidose, respiratorisch teilweise kompensiert.

Der Atemantrieb kann aber meiner Meinung nach in diesem Fall nicht vom CO2 kommen, der ist ja schon mit 23.3mmHg im Keller. Hier sorgen die H+ Ionen (pH=6,61) für den Atemantrieb . Schießt auch der pCO2 in die Höhe haben wir auch eine respiratorische Azidose.

Im Großen und Ganzen war in diesem Fall die Lebensgefahr nicht ausgeschlossen.

Bin aber nur ein doofer RettAss, lasse mich gerne belehren.

Gruß