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Blaze4neon
24.08.2022, 12:58
Hallo zusammen,

Ich bin ebenfalls frisch gebackener Arzt und aktuell am hadern mit der Wahl meiner Fachrichtung.

Nach dem PJ habe ich mich aufgrund der dort gesammelten Erfahrungswerte dazu entschieden, nicht in der direkten Patientenversorgung tätig zu werden, sondern ein primär diagnostisches Fach anzustreben, da dies eher meinen Fähigkeiten und Interessensgebieten entspricht. Mit Pathologie hatte ich in meiner Dissertation zu tun (experimentelle Grundlagenforschung Innere Medizin mit Histopathologischen/Immunologischen Schwerpunkt) und habe meine Zeit im Labor quasi mehr genossen, als das eigentliche Studium. Auf den Gedanken Pathologie zu werden, bin ich erst am Ende meines PJs gekommen, als ich in meinem Innere Tertial in der Schweiz zufälligerweise vermehrt Kontakt zur Pathologie hatte und viele der Kollegen dort mir von Ihrem Arbeitsalltag berichteten, der für meine persönlichen Wünsche und Interessen wie maßgeschneidert klang. Ich spielte mit dem Gedanken auch schon während des klinischen Abschnittes, verfolgte diesen jedoch nicht durch Famulaturen oder innerhalb des PJs (Anästhesie WF).

Nun stehe ich an dem Scheidepunkt, mich zwischen Pathologie und Radiologie zu entscheiden. Beide Fächer finde ich super spannend und habe bereits ausreichend Recherche bezüglich Pros und Cons und Arbeitsalltag etc. betrieben.

An Radiologie reizt mich, neben dem tollten fachlichen Inhalt und dem Workflow (ich liebe technische Inhalte und die Arbeit am PC fast genauso wie das Laborsetting), die potentielle Zukunfsperspektive, remote working betreiben zu können und an keinen festen Standort gebunden zu sein, sowie die für mich doch relevante künftige Einkommensperspektive. Zur Radiologie hatte ich bisher lediglich Kontakt innerhalb des PJs in Interdisziplinären Besprechungen etc. (welche für mich immer das Highlight des Tages darstellten).

Deshalb hier an dieser Stelle die Frage: Wie stehen überhaupt meine Chancen auf eine Stelle in beiden Fächern, ohne PJ/Famulatur aber mit guten/sehr guten Noten und experimentellen Forschungshintergrund (ich würde gerne gegen Jahresende Arbeiten beginngen, wann soll ich mich bewerben)? Wie sind die Zukunftsperspektiven der potentiellen Verdienstmöglichkeiten in Pathologie im Vergleich zu Radiologie (v.a. im niedergelassenen Bereich), gerne auch mit Quellen oder persönlichen Erfahrungen? Wie schaut es mit digitalisierter Pathologie innerhalb Deutschlands aus, ist dies zukunftsträchtig und potentielles remote Working hier innerhalb der nächsten 10 Jahre absehbar? Wie schaut der aktuelle Stellenmarkt im Süden von Deutschland (Bayern/BW) aus?

Vielen Dank für die hoffentlich tollen Antworten und gerne auch Feedback!

LG

Blaze4neon
29.08.2022, 14:24
Über Antworten würde ich mich sehr freuen :).

Zudem würden mich noch Meinungen von erfahrerenen Kolleg:innen in der Pathologie interessieren, ob eine initiale Weiterbildung an einer Uniklinik, im Vergleich zu einer Weiterbildung an einem kommunalen Haus oder gar von Anfang an in einer Praxis mit Ausbildungsermächtigung, signifikante Vorteile mit sich bringt abgesehen von der Möglichkeit zu habilitieren (Workload vs. bessere Lehre und Aufstiegsmöglichkeiten etc. würden mich interessieren)

Parotis
30.08.2022, 10:57
Hallo Blaze4neon,

Pathologie ist definitiv ein sehr spannendes Fach mit vielen Vorteilen (aus meiner Sicht), das ich nur empfehlen kann. Grundsätzlich solltest du mit deinem Profil gute Chancen haben eine Stelle zu bekommen, auch problemlos an einer Uniklinik. Natürlich ist es immer ein Bonus, wenn man in dem Fach schon Vorerfahrungen in Form einer Famulatur oder eines PJ-Tertials hat, aber kein Muss. Patho ist natürlich ein recht kleines Fach, das heißt nicht in jedem Institut wird gerade eine Stelle frei sein. Insofern musst du örtlich schon ein wenig flexibel sein und dich bei mehreren Instituten bewerben. Wenn du dich dafür entscheiden solltest, würde ich möglichst zeitnah entsprechende Bewerbungen rausschicken.

Das Institut in dem ich arbeite liegt übrigens in BW, allerdings haben wir gerade keine offenen Stellen. Wir nehmen grundsätzlich gerne ehemalige PJler, wenn von deren Seite aus Interesse besteht. Aber das ist wie gesagt kein Muss. Ich selbst hatte bei meinem Berufseinstieg auch nicht vorher in der Patho PJ gemacht oder famuliert.

Ob du besser an die Uni, ein anderes größeres Haus oder in eine Praxis gehen solltest, kann man nicht pauschal beantworten. Viel wichtiger als die Größe der Einrichtung ist, ob man dort angenehm miteinander umgeht und ein vernünftiges Weiterbildungskonzept hat. Das ist individuell sehr verschieden, von sehr gut bis grottenschlecht gibt es leider alles. Da musst du dich ein wenig umhören und unbedingt mit den Assistenzärzten sprechen, ob die Stelle dort was taugt.

Ich denke die Verdienstmöglichkeiten sind gut. Im stationären Bereich hast du natürlich keine Dienstzuschläge wie in den patientennahen Fächern, dafür musst du aber auch keine Dienste machen. Niederlassung geht grundsätzlich auch, man kann Teilhaber in einem Institut werden und verdient dann auch recht gut. Meiner Meinung nach dürftet die Bedeutung der Pathologie eher zunehmen, da man immer individuellere Therapien für Tumorerkrankungen anbietet und die Pathologen diejenigen sind, die genau dafür entsprechende Untersuchungen am Tumor vornehmen. Die Digitalisierung wird sicherlich das Berufsbild verändern, aber uns noch nicht so schnell arbeitslos machen.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.

Viele Grüße

Blaze4neon
19.09.2022, 12:21
Lieber Parotis,

Danke für das positive Feedback! :)
Hat mich sehr gefreut, dass ich von einem erfahrenen Kollegen diesbezüglich Erfahrungswerte erhalten konnte.

Ich würde gerne gegen Ende diesen/Anfang nächsten Jahres meine erste Stelle als Assistenzarzt in der Pathologie in Bayern/Badenwürtemberg antreten und würde mich über Tipps, bzgl. offener Stellen an Instituten, sehr freuen! Örtlich bin ich ziemlich flexibel.

Gerne auch per PN!

LG

Parotis
20.09.2022, 08:57
PN musst du allerdings erst freischalten.

Blaze4neon
20.09.2022, 10:05
Hab ich gemacht :) !

Blaze4neon
25.10.2022, 11:43
Ich bin aktuell auf der Suche nach einer Assistenzarztstelle in der Pathologie im Süden von Deutschland (Bayern/Baden-Würtemberg) zum Jahreswechsel hin (vorzugsweise an einer Uniklinik).
Wenn jemand Informationen über mögliche freie Stellen hat, würde mich eine Nachricht hier oder per PN sehr freuen.

LG

milz
29.10.2022, 08:00
Kennt zufällig jmd. eine Pathologie wo man als versierter FA 100% im Homeoffice arbeiten kann und die übertariflich bezahlt?

Gerne PN.

Roadkiller
02.11.2022, 10:23
Mich interessieren solche Modelle auch.
Wie würde die ÄK eigentlich mit so einer Situation umgehen, wenn man z. B. aus der Karibik befunden würde...

Blaze4neon
13.11.2022, 11:01
Hallo zusammen,

Ich bin mittlerweile fündig geworden bezüglich einer Stelle und habe sogar theoretisch die Möglichkeit einer grundsätzlichen Entscheidung: Uniklinik oder städtisches (kleines) Institut (jeweils mit voller Weiterbildungsermächtigung)

Nun meine Frage: Ich hadere mit meiner Entscheidung ob ich direkt nach dem Studium das Kapitel "Uni" abhaken soll oder nicht ... Grundsätzlich kann ich mir vorstellen noch zu habilitieren, möchte aber ersteinmal in das Berufsleben starten und mich einfinden, bevor ich so eine Entscheidung treffe.

Ist es ein "Muss" wenn man in der Pathologie eine gute Ausbildung und Karriereoptionen haben möchte, an eine Uniklinik zu gehen, oder wäre eine Ausbildung an einem kleinen Haus (wir sprechen von 2-3 Oberärzten und einem Assistenten + reichlich MTAs) bezüglich der Betreuung und Weiterbildung an sich sogar besser? Wie schaut es mit einem Wechsel von einem kleineren Haus an eine Uniklinik nach ein paar Jahren aus?

Die gesamten Rahmenbedingungen des kleineren Hauses (Keine Befristung im Arbeitsvertrag, Möglichkeit einer Poolbeteiligung, frühe Einbindung in die Histologie, Freizeitgestaltung und Work-Life Balance) sind besser, aber ich habe "Angst"/Bedenken, dass ich, wenn ich nicht zumindest ein paar Jahre Uniklinik gemacht habe, "Potential" verschenke oder mich Karrieretechnisch bereits durch diese Entscheidung sehr einschränke ...

Einziges Manko an dem kleinen Institut: Die jährlichen Obduktionszahlen sind Einstellig ... Es wird jedoch die Möglichkeit einer zweiwöchigen Rotation pro Jahr in ein Rechtsmedizinisches Institut gewährleistet, um die Fallzahlen voll zu bekommen. Ansonsten sind die anderen Fallzahlen bezüglich Einsendegut etc. realistisch erfüllbar.

Ich bitte um Einschätzungen und Erfahrungen von Kolleg:innen die den Job eine Zeit lang machen und hierzu etwas beitragen können.

LG

milz
13.11.2022, 12:44
Die gesamten Rahmenbedingungen des kleineren Hauses (Keine Befristung im Arbeitsvertrag, Möglichkeit einer Poolbeteiligung, frühe Einbindung in die Histologie, Freizeitgestaltung und Work-Life Balance) sind besser, aber ich habe "Angst"/Bedenken, dass ich, wenn ich nicht zumindest ein paar Jahre Uniklinik gemacht habe, "Potential" verschenke oder mich Karrieretechnisch bereits durch diese Entscheidung sehr einschränke ...

Pauschal kann man schlecht antworten. Aber ich würde erst mal das kleinere Haus nehmen. Nach 2 Jahren kannst du immer noch an eine Uni wechseln. Ich fand die Uni stressiger wegen der 3fach Belastung aus Forschung, Lehre und Diagnostik und den diagnostischen Lerneffekt in der Praxis höher, da deutlich mehr Fälle pro Zeit zu bearbeiten sind.

Roadkiller
14.11.2022, 08:00
Bis auf wenige Ausnahmen habe ich kaum wirklich gute und routinierte Unipathologen kennengelernt, es macht eben schon einen Unterschied wieviel man in der Diagnostik ist.

runningMan18
22.11.2022, 16:44
Hi zusammen, ich bin am Überlegen, ob ich meine Weiterbildung nach meinem Studium in der Pathologie starten soll. Habe leider keine Famulaturen gemacht, da es oft gar nicht erlaubt war. Leider auch kein PJ, sodass mir Erfahrung fehlt. Wo sollte ich mich als Anfänger denn zuerst bewerben? Wo kriege ich die bessere Ausbildung? In Kliniken oder Instituten?
Ich bin da ein wenig überfragt mit meinen Bewerbungen, da ich nicht aus diesem Metier abstamme.

Parotis
24.11.2022, 09:26
Man kann da so gar keine pauschale Aussage treffen. Es gibt sowohl Pathologien in großen Kliniken, auch Unikliniken, als auch kleinere Institute wo man eine sehr gute Ausbildung bekommt und umgekehrt. Wenn es irgendwie möglich ist, würde ich mich umhören, wie denn der Ruf der entsprechenden Institute diesbezüglich ist. In der Regel spricht sich schon rum, ob man irgendwo vernünftig ausgebildet wird oder nicht. Im Zweifelsfall würde ich mich in beiden Bereichen bewerben und dort mit den Assistenten sprechen, da bekommt man schon raus, wie es läuft.

Roadkiller
24.11.2022, 11:33
Es lohnt sich auch mal in die Evaluationen der WB bei den Ärztekammern zu schauen.

runningMan18
28.11.2022, 12:52
Kann mir jemand gute pathologische Institute/Praxen/Klinikabteilungen in NRW empfehlen?

schnurrbart_93
18.12.2022, 12:07
Ich bin in einem staatlichen Institut für Pathologie als Assistenzarzt angestellt und habe neulich von meinem Chef eine kleine zusätzliche, monatliche Assistentenzulage (500 Euro brutto) bekommen. Ich muss sagen, dass das eine nette Geste von ihm ist, weil wir in der Pathologie keine Dienste machen und dadurch keine Zuschläge erhalten - nur das Grundgehalt (rund 3.000 Euro netto), womit ich eigentlich nicht zufrieden bin. Ich war positiv überrascht, weil ich damit nicht gerechnet habe. Ist mein Fall ein Einzelfall oder ist das üblich? Bekommt jemand von euch auch eine solche Zulage? Wenn ja, wie hoch?

Vielen Dank für euer Feedback. 😊

clyde_frog
18.12.2022, 13:44
Ich bin in einem staatlichen Institut für Pathologie als Assistenzarzt angestellt und habe neulich von meinem Chef eine kleine zusätzliche, monatliche Assistentenzulage (500 Euro brutto) bekommen. Ich muss sagen, dass das eine nette Geste von ihm ist, weil wir in der Pathologie keine Dienste machen und dadurch keine Zuschläge erhalten - nur das Grundgehalt (rund 3.000 Euro netto), womit ich eigentlich nicht zufrieden bin. Ich war positiv überrascht, weil ich damit nicht gerechnet habe. Ist mein Fall ein Einzelfall oder ist das üblich? Bekommt jemand von euch auch eine solche Zulage? Wenn ja, wie hoch?

Vielen Dank für euer Feedback. ��

Würdest Du lieber Dienste machen und Nächte und Wochenende in der Klinik verbringen?

schnurrbart_93
18.12.2022, 13:57
Würdest Du lieber Dienste machen und Nächte und Wochenende in der Klinik verbringen?

Ne, natürlich nicht. Ich bin wirklich sehr zufrieden, was die Arbeitsbedingungen angeht. Ich war in einer Klinik tätig, habe Dienste gemacht und kenne das und würde nie wieder Dienste machen und nachts arbeiten.

Ich war, wie gesagt, sehr positiv überrascht, dass ich diese Zulage bekommen habe und wollte einfach nachfragen, ob das üblich ist, weil ich das nicht erwartet habe.

clyde_frog
18.12.2022, 14:53
Also ich habe in der Pathology meine PJ-Wahlfach gemacht und keine Assistent hat da eine Zuschlag bekommen. Dein Chef ist sehr großzugig!