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Sollte man, bevor man sich frisch nach dem Examen eine Weiterbildungsstelle zum Pathologen sucht, erst noch klinische Erfahrung sammeln und ein oder zwei Jahre in einem Fach der direkten Patientenversorgung arbeiten? Die WBO verlangt dies ja nicht sondern lässt es einem offen.
Dr. Rock
31.10.2010, 20:09
Sollte man, bevor man sich frisch nach dem Examen eine Weiterbildungsstelle zum Pathologen sucht, erst noch klinische Erfahrung sammeln und ein oder zwei Jahre in einem Fach der direkten Patientenversorgung arbeiten? Die WBO verlangt dies ja nicht sondern lässt es einem offen.
Hallo, SDAE,
mittlerweile muß man es zum Glück ja nicht mehr, das würde ich ausnutzen. Klar kann die klinische Erfahrung nicht schaden, man ist sicher auch irgendwo ein "kompletterer" Arzt wenn man z.B. zwei Jahre Innere-Erfahrung gesammelt hat. Andererseits ist das Fach Patho so abartig umfangreich, daß ich, wenn ich heute noch mal die Wahl hätte, sofort in Fach gehen würde.Ich mache das jetzt ca. dreizehn Jahre (ohne die klinische Zeit gezählt) und habe immer noch nicht das Gefühl, daß ich alles überblicke. Trotzdem ist es besser, flott den Facharzt zu machen, allein schon aus finanziellen Gründen und wegen der Aufstiegsmöglichkeit zum Oberarzt.
Ich würde die erste Patho-Stelle als "Wildcard" nutzen: ist es gut, kann man bleiben, ist es sch****, kann man zur Not etwas Klinik machen, wenn man nicht gleich eine adäquate Anschluss-Stelle findet. Ich bin auch von meiner ersten Stelle als AIP nach sieben Monaten abgehauen und habe erst mal das klinische Pflichtjahr gemacht.
Gruß, Dr. Rock
Dr. Rock
31.10.2010, 20:27
Hi,
ich bin z.Zt.in Elternzeit,habe noch keinen Facharzt und möchte später in die Patho... :-))
Seht Ihr Möglichkeiten,auf 400 €-Basis oder im Rahmen einer z.B. Viertelstelle in der Patho zu arbeiten?
In welchen Bereichen?
Gibt es bei Euch solche "Fälle"?
Wo werden diese Kollegen eingesetzt?
Arbeitszeiten? Flexibel?
Danke und lg,MP
Hallo, MummyPat,
aus Ihrem Posting geht nicht ganz hervor, ob Sie schon Patho-Erfahrung haben, oder ob Sie nur die Absicht haben, in das Fach zu wechseln.
Prinzipiell ist Patho schon für Teilzeit geeignet, ich sehe da wirkliche Chancen aber eher nach dem Facharzt als vorher. Wenn man routiniert ist, kann man an einem halben Tag schon ganz gut in der Diagnostik eingreifen.
Andernfalls sehe ich für Anfänger nach einer gewissen Einarbeitungszeit eher die Möglichkeit, im Zuschnitt von Operationspräparaten und im Sektionsbereich meinetwegen halbtags einzugreifen. Bei einer Viertelstelle bin ich skeptisch, ob das irgend ein Chef machen wird. Ein neuer Mitarbeiter benötigt schon ein hohes Maß an "Investition" an Coaching, bis er/sie mal ein paar Stunden arbeiten kann, ohne jeden Handgriff überprüfen zu lassen, deswegen sind natürlich alle an Vollzeitleuten interessiert. Man ja kommt auch als Auszubildender sicher nicht vernünftig voran, man lernt das Fach nur "by doing" und nicht mal so nebenher.
Ich könnte mir allenfalls vorstellen, daß eine Praxisgemeinschaft bereit wäre, jemand in Teilzeit als Zuschnittknecht oder für Sektionen (was im Praxisbereich selten und ohnehin auch nicht vorhersehbar ist) einzusetzen, weil dann klar ist, das man keine Zeit in die Ausbildung hinsichtlich der Diagnostik zu stecken braucht. Wenn das für einen definierten Zeitraum für Sie in Ordnung geht, einfach um den Fuß ´reinzukriegen bzw. drin zu behalten, dann ist das ja für alle ein Gewinn.
Anfragen kostet nichts, ich würde mir aber keine allzu hohen Hoffnungen machen, insbesondere, falls Sie keine Vorerfahrung haben.
Aber trotzdem viel Glück!
Gruß, Dr. Rock
Ich würde die erste Patho-Stelle als "Wildcard" nutzen: ist es gut, kann man bleiben, ist es sch****, kann man zur Not etwas Klinik machen, wenn man nicht gleich eine adäquate Anschluss-Stelle findet.
Das bin ich mir auch gerade am Überlegen. Bei mir ist es Dauersch***. Jeden Tag unbezahlte Überstunden, ertrinken in Arbeit und ständig die Forschung im Nacken (ich sag nur DEADLINE). Leider sind in der Umgebung keine Stellen frei, und selbst wenn, dann wären die Bedingungen dort teilweise genauso schlecht (Arbeiten von 8 bis 8).
Mein Favorit wäre derzeit die Rechtsmedizin so für 1 Jahr. Das hätte thematisch noch einen Bezug zur Pathologie, keine Nachtdienste (?) und würde vielleicht auch meinen Horizont etwas erweitern. Es würde mir nur leider nicht für den FA anerkannt werden (keine "unmittelbare Patientenversorgung"), Fraglich nur, ob es freie Stellen gibt bei dem ganzen medialen Hype (CSI & Co).
condorito
03.11.2010, 16:02
Stellensituation in der Rechtsmedizin dürfte düster aussehen.
Neuropatho vielleicht? Da ist der Bezug meines Erachtens nach noch näher,und es ist anrechenbar.
Relaxometrie
03.11.2010, 18:28
Mein Favorit wäre derzeit die Rechtsmedizin so für 1 Jahr[................] Fraglich nur, ob es freie Stellen gibt bei dem ganzen medialen Hype (CSI & Co).
In Bonn ist eine Stelle (http://imbie.meb.uni-bonn.de/rechtsmedizin/index.html) frei (Sekretariat/freie Stellen anklicken). Müsstest vorher nur noch eben eine Zeit lang in der Psychiatrie arbeiten.
Dr. Rock
03.11.2010, 19:54
Das bin ich mir auch gerade am Überlegen. Bei mir ist es Dauersch***. Jeden Tag unbezahlte Überstunden, ertrinken in Arbeit und ständig die Forschung im Nacken (ich sag nur DEADLINE). Leider sind in der Umgebung keine Stellen frei, und selbst wenn, dann wären die Bedingungen dort teilweise genauso schlecht (Arbeiten von 8 bis 8).
Mein Favorit wäre derzeit die Rechtsmedizin so für 1 Jahr. Das hätte thematisch noch einen Bezug zur Pathologie, keine Nachtdienste (?) und würde vielleicht auch meinen Horizont etwas erweitern. Es würde mir nur leider nicht für den FA anerkannt werden (keine "unmittelbare Patientenversorgung"), Fraglich nur, ob es freie Stellen gibt bei dem ganzen medialen Hype (CSI & Co).
Hallo, Milz,
klar, jeder hat auch gerne Freizeit, aber zwölf Stunden pro Tag ist meiner Meinung nach in der Patho-Weiterbildung phasenweise doch eigentlich völlig normal. Geht doch gar nicht anders, sich das ganze Zeug draufzuschaffen, auch wenn es zugegebenermassen manchmal hart ist. Man kann ja z.B. bei großen Tumorfällen nicht jeden einzelnen Schnitt dem OA/Chef zeigen, d.h. man muß den Fall zumindest in groben Zügen selbst erarbeiten, was natürlich immens Zeit kostet, so lange man noch keine Routine hat. Und man muss ja den Katalog vollkriegen, sechs Jahre sind ja eher kurz bemessen für den Facharzt. Das Ziel auf Dauer ist natürlich schon, die Tagesarbeitszeit familienverträglich zu gestalten.
Viel wichtiger als ein pünktlicher Feierabend ist m.E. ein Institutsklima der gegenseitigen Wertschätzung und daß man das Gefühl hat, an einem Strang zu ziehen (auch wenn natürlich überall mal Reibereien auftreten können). Wenn das ganze dann nach ein paar Jahren vielleicht noch durch eine (steigende) Poolbeteiligung versüsst wird, steigt auch die Laune, weil man sich dann nicht mehr so ausgenutzt fühlt. Wenn diese Faktoren natürlich fehlen oder im Gegenteil ein Konkurrenzmässiges Klima selbst unter den Assistenten herrscht, ist natürlich das Maß schnell voll.
Das mit der Forschung ist natürlich völlig blöd, wenn man es nicht aus eigenem Antrieb macht. Mich störte an der Uni auch immer die Erpreßbarkeit, weil man sich ja immer von einem Zweijahresvertrag zum nächsten gehangelt hat (zumindest damals, als es noch Bewerber im Überangebot gab). Für mich war die Konsequenz, der Uni den Rücken zu kehren.
Das mit der Rechtsmedizin halte ich in mehrerlei Hinsicht für einen Holzweg: erst mal bringt ein Jahr ja nix, wenn man gerade eingearbeitet ist, geht man schon wieder. Zweitens gibt es das ja bis auf einige wenige kommunale Institute nahezu ausschließlich an der Uni, und da muß man natürlich wieder forschen. Vom von Relaxometrie angesprochenen Bonner Institut weiß ich z.B., daß Prof. Madea großen Wert auf Forschung legt, das hat er mir selbst gesagt, als ich mal vor vielen Jahren bei ihm war, als ich auch mit dem Gedanken spielte, in die Rechtsmedizin zu gehen.
Drittens ist es so, daß zwar in der Patho die Nächte und Wochenenden frei sind, weil die Messerschwinger dann keine Schnellschitte brauchen. Die für die Rechtsmedizin relevanten Messerstecher halten sich aber leider nicht an sozial verträgliche Arbeitszeiten, d.h. man hat dann schon Bereitschaft und muß nachts und an den Wochenenden raus, entweder zum Tatort oder irgendwelchen Suffköppen Blut abnehmen.
Ich würde die Zähne zusammenbeissen, bleiben und möglichst viel mitnehmen und mich locker und ohne übertriebene Eile nach Stellen im Ärzteblatt umgucken. Wenn man partout in der Region bleiben will, kann es natürlich dauern. Ein Tipp wäre eventuell auch der Berufsverband, sie müssen denen ja nicht unbedingt beim Nachfragen unter die Nase binden, in welchem Laden Sie jetzt gerade sind. Irgendwann wird sicher eine Stelle ohne Forschung in einem größeren Städtischen Haus dabeisein. Die Zukunftsaussichten für Pathologen sind doch super, da würde ich jetzt nicht Zeit in einem anderen Fach verplempern.
Gruß, Doc Rock
Vielen Dank für Deine Ausführungen! Hat mir sehr geholfen.
Ich komme jetzt nochmal zu einem praktischen Problem aus der Praxis, vielleicht jat jemand Tips oder eine Literaturstelle (jetzt und in der Zukunft werde ich hierbei wichtige Schlagwörter fett markieren, damit die Themen leichter wiederzufinden sind. vielleicht gibt es ja auch irgendwann ein eigenes Unterforum für fachspez. Fragen):
Bei Fetenobduktionen ist der Abgleich der Körpermaße mit Perzentilen wichtig um eine IUGR zu diagnostizieren. Dafür braucht man den genauen Todeszeitpunkt. Bei IUFT hat man den aber leider nicht. Eine Abschätzung anhand des Mazerationsgrades ist ungenau. Theoretisch kann man das Gestationsalter z.B. anhand der Fußlänge bestimmen, das setzt aber ein regelrechtes Wachstum voraus und hier beißt sich die Katze in den Schwanz.
Dr. Rock
08.11.2010, 19:18
Vielen Dank für Deine Ausführungen! Hat mir sehr geholfen.
Ich komme jetzt nochmal zu einem praktischen Problem aus der Praxis, vielleicht jat jemand Tips oder eine Literaturstelle (jetzt und in der Zukunft werde ich hierbei wichtige Schlagwörter fett markieren, damit die Themen leichter wiederzufinden sind. vielleicht gibt es ja auch irgendwann ein eigenes Unterforum für fachspez. Fragen):
Bei Fetenobduktionen ist der Abgleich der Körpermaße mit Perzentilen wichtig um eine IUGR zu diagnostizieren. Dafür braucht man den genauen Todeszeitpunkt. Bei IUFT hat man den aber leider nicht. Eine Abschätzung anhand des Mazerationsgrades ist ungenau. Theoretisch kann man das Gestationsalter z.B. anhand der Fußlänge bestimmen, das setzt aber ein regelrechtes Wachstum voraus und hier beißt sich die Katze in den Schwanz.
Hi,
ich denke, das ist nicht immer exakt möglich. Idealerweise hat man ja die errechnete SSW der Kliniker und die Information, daß zu einem gegebenen Zeitpunkt bei der Vorsorgeuntersuchung noch alles im Lack war.
Oft sind natürlich detailliertere Infos nicht drin.
Ich schaue dann halt auf die entsprechende Tabelle, die schon mal zwischen Maßen für Totgeborene und Lebendgeborene differenziert (habe ich mir mal irgendwo kopiert). Meist hat man ja zur Korrelation den entsprechenden pathologischen Placentabefund, der nahelegt, daß die anhand der Größenretardierung anzunehmende Minderversorgung tatsächlich vorlag. Ich mache mir da keinen großen Kopf drüber, da die Tabellen ohnehin auf älteren Daten basieren, die zudem eine ganz andere Population als unsere hiesige zugrundelegen. Ausserdem gibt es neuere Untersuchungen, die belegt haben, daß das Gewicht zwischen Totgeburt und Obduktion meist signifikant abnimmt. D.h. man muß ohnehin die Perzentilentabellen mit Vorsicht genießen.
Ansonsten habe ich noch dies hier gefunden:
http://www.nature.com/modpathol/journal/v14/n1/full/3880251a.html
Viel Spaß beim Gehirn wiegen :-D
Gruß, Doc Rock
Vielen Dank! Ich habe da auch noch was gefunden und versuche das mal anzuwenden:
http://journals.lww.com/greenjournal/Abstract/1992/10000/Estimating_the_Time_of_Death_in_Stillborn_Fetuses_ .1.aspx
http://journals.lww.com/greenjournal/Abstract/1992/10000/Estimating_the_Time_of_Death_in_Stillborn_Fetuses_ .2.aspx
http://journals.lww.com/greenjournal/Abstract/1992/10000/Estimating_the_Time_of_Death_in_Stillborn_Fetuses_ .3.aspx
Forschung ist die beste Medizin. Für meine Patienten gilt das nicht, denn die dürfen länger auf ihre Befunde warten, da ich forschen muss und der Zeitverlust auch durch unbezahlte also "freiwillige" Überstunden nicht kompensiert werden kann. Schade. Sektionsergebnisse (Histologie) sind für die Kliniker bestimmt auch noch spannend, wenn sie ein Jahr inkubiert wurden.
condorito
16.11.2010, 03:07
Forschung ist die beste Medizin. Für meine Patienten gilt das nicht, denn die dürfen länger auf ihre Befunde warten, da ich forschen muss und der Zeitverlust auch durch unbezahlte also "freiwillige" Überstunden nicht kompensiert werden kann. Schade. Sektionsergebnisse (Histologie) sind für die Kliniker bestimmt auch noch spannend, wenn sie ein Jahr inkubiert wurden.
Machen eure Kliniker denn da keinen Terz? Grad bei dem Routinegedöns kriegen wir fast immer Nachfragen,wenns was länger dauert (Sektionen exklusive).
Machen eure Kliniker denn da keinen Terz? Grad bei dem Routinegedöns kriegen wir fast immer Nachfragen,wenns was länger dauert (Sektionen exklusive).
Es dauert sowieso meist immer ein paar Tage, bis der Bericht durch sämtliche Instanzen durch ist (Assistent, Fallabnehmender, Schreibkräfte, Chef), da kommt es meist auf einen Tag nicht an (gibt Ausnahmen). Bei den Sektionen gibt es immer einen vorläufigen Bericht anhand der makroskopischen Befunde, dieser geht auch innerhalb einer Woche raus, die Histologie dient dann meist nur noch der Bestätigung. Dringliche Fälle muss man natürlich zuerst abarbeiten.
Dr. Rock
19.11.2010, 18:58
Forschung ist die beste Medizin. Für meine Patienten gilt das nicht, denn die dürfen länger auf ihre Befunde warten, da ich forschen muss und der Zeitverlust auch durch unbezahlte also "freiwillige" Überstunden nicht kompensiert werden kann. Schade. Sektionsergebnisse (Histologie) sind für die Kliniker bestimmt auch noch spannend, wenn sie ein Jahr inkubiert wurden.
Hallo, Milz,
ich kann Deinen Frust gut nachvollziehen. Ich hatte auch überhaupt keinen Bock auf Forschung, denn es hätte bedeutet, auch noch die Wochenenden zu opfern, wo ich ohnehin schon zwölf bis vierzehn Stunden ausser Haus war, und das als Familienvater. Ich bin auch nicht der Überflieger, er alles so nebenbei durch ein mal Durchlesen lernt.
Ich würde an Deiner Stelle hinterfragen, ob Du überhaupt am richtigen Laden ist und ob das noch länger Sinn macht. Uni bringt m.E. nur etwas, wenn man Spaß am Forschen hat oder unbedingt Chef werden will, da die Habil. ja vielfach noch Voraussetzung ist.
In ein andereres Fach abzuwandern, wie mehrfach angedacht, wäre schade, auch für uns Pathologen, weil dringend Nachwuchs gebraucht wird. Durch den relativen Bewerbermangel sind ja heute für die Nachwuchsleute ganz andere Optionen möglich. Ich würde erwägen, dem Chef gegenüber mit offenen Karten zu spielen, d.h. um ein Gespräch bitten und eröffnen, daß ich festgestellt habe, daß Forschung doch nichts für mich ist und der Schwerpunkt auf Diagnostik liegen soll (zumindest bei mir war es so, daß er bei der Kündigung gesagt hat, ich müsse nicht forschen, wenn ich bliebe).
Entweder er geht drauf ein, oder Du gehst an ein kommunales Haus.
Auch ein Zwischenaufenthalt in einem fremden Fach ist kontraproduktiv, weil es nur den Facharzt verzögert und damit eine deutliche Gehaltsverbesserung sowie die Option auf eine OA-Stelle.
Ich habe den Schritt in den nicht universitären Bereich jedenfalls nicht bereut. Klar muß man sich da auch erst mal eingrooven und wird zunächst auch wieder erst mal Zuschnitt und Sektionen nach Art des Hauses lernen. Die Forschung fällt aber auf jeden Fall schon mal weg. Ich denke auch, daß der Verdienst an nichtuniversitären Häusern besser ist, weil die Zulagen sich auf viel weniger Leute verteilen.
Wenn man erst mal den Facharzt in der Tasche hat (und bei mir zum Teil schon vorher) kommen dann die Headhunter-Anrufe. Das muß man ja auch im Institut nicht verschweigen bzw. man muß es nur den richtigen Leuten erzählen.
Das soll sich auch mal günstig auf den Status im Laden auswirken ;-)
Wenn man sich erst mal unverzichtbar gemacht hat, kann man heute auch vor dem Facharzt schon mal Forderungen durchsetzen, wie z.B. umfassende Einarbeitung in die Diagnostik. Das bedeutet an kleineren Häusern natürlich, daß auch Fachärzte mal Sektionen und Zuschnitt machen müssen, was an Unis ja meist eher was für die Youngster ist. Finde ich aber prinzipiell o.k., weil es Stabilität und Fairness ins Team bringt.
In den heutigen Zeiten ist vieles möglich was früher undenkbar war.
Gruß, Doc Rock
s_nuggles
01.12.2010, 13:45
Hallo an alle erfahrenen Pathologen unter Euch,
ich muss gerade eine Entscheidung auf Grundlage folgender Tatsachen treffen:
- Stellenangebot eines Uni-Instituts und eines Städtischen Maximalversorgers
- Was mir neu war und sehr sympathisch: Forschen an der Uni ist kein Muss ("reine Diagnostiker halten den "Forschenden" den Rücken frei"), Forschung macht mir zwar Spaß, soll aber keine Existenzberechtigung sein..
Bezogen auf die "Work-Life" Balance weiß ich nun nicht, ob das Städtische Haus einen Vorteil hat? Weniger Assistenzärzte, dadurch mehr Arbeit pro Kopf? Ev. kommt man am Städtischen erst später in die Histologische Diagnostik, da weniger "neue" Assistenzärzte nachkommen? Größeres Team = mehr Ansprechpartner und bessere Kompensationsmöglichkeit bei Ausfall?
Wäre super, wenn Ihr mir Eure Gedanken und Erfahrungen mitteilen würdet!
Großes Merci!
Dr. Rock
03.12.2010, 07:18
Hallo an alle erfahrenen Pathologen unter Euch,
ich muss gerade eine Entscheidung auf Grundlage folgender Tatsachen treffen:
- Stellenangebot eines Uni-Instituts und eines Städtischen Maximalversorgers
- Was mir neu war und sehr sympathisch: Forschen an der Uni ist kein Muss ("reine Diagnostiker halten den "Forschenden" den Rücken frei"), Forschung macht mir zwar Spaß, soll aber keine Existenzberechtigung sein..
Bezogen auf die "Work-Life" Balance weiß ich nun nicht, ob das Städtische Haus einen Vorteil hat? Weniger Assistenzärzte, dadurch mehr Arbeit pro Kopf? Ev. kommt man am Städtischen erst später in die Histologische Diagnostik, da weniger "neue" Assistenzärzte nachkommen? Größeres Team = mehr Ansprechpartner und bessere Kompensationsmöglichkeit bei Ausfall?
Wäre super, wenn Ihr mir Eure Gedanken und Erfahrungen mitteilen würdet!
Großes Merci!
Hallo, S_nuggles,
ich fürchte, da wird man keine allgemeingültigen Auskünfte geben können, das wird von den Gegebenheiten der jeweiligen Institute abhängen.
Tendenziell habe ich persönlich die gegenteilige Erfahrung gemacht, daß man an Unis als Anfänger erst mal der A.... ist (ich habe zwei Unis kennengelernt). In der einen diente ich als menschliches Diktiergerät und MTA-Ersatz im Zuschnitt (habe mich aber als AIP mit umgerechnet 512,20 Euro netto mit weniger Gehalt zufrieden geben müssen :-( und durfte hin und wieder mal eine Sektion machen, die kein anderer wollte (HIV oder Zustand nach Explantation "aller" Organe zu Transplantationszwecken). In der anderen habe ich es länger ausgehalten und durfte dann nach 1,5 Jahren auch mal mit Zuschnitt anfangen. Ich habe also durch Uni-Eskapaden ca. zwei Jahre in der FA-Ausbildung verloren.
Das ist aber über vierzehn Jahre her, daher muß das heute nicht auch noch so sein und war wahrscheinlich auch schon damals nicht überall so. Ich würde mir an den Unis aber die Fallzahlen sagen lassen, um abzuschätzen, wie viel Routinediagnostik überhaupt noch gemacht wird und ich würde gezielt nach dem Curriculum der Ausbildung fragen, d.h. wann geht es mit dem Wesentlichen, der mikroskopischen Eingangsdiagnostik dann de facto los. Aber das hört sich ja schon mal ganz gut an, was die da erzählen. Wenn möglich, würde ich auch mit den anderen Assistenten im Vorfeld ein Wort wechseln.
Entscheidend ist auch weniger die Zahl der Mitarbeiter als das Verhältnis Mitarbeiter vs. Zahl der Untersuchungen.
Wie die Chancen an der Uni sind, wenn man nicht forscht und sich nicht habilitiert, ist auch die Frage. Wenn man dann irgendwann nach dem Facharzt für eine Oberarztstelle ich Frage kommt, wird an einer Uni ja doch wohl eher der habilitierte Kollege zum Zuge kommen. Aber man kann ja auch wechseln...
Ich nehme auch stark an, daß der Verdienst an Unis schlechter ist. Ich habe z.B. auch für Gutachten an der Uni nur einen Bruchteil des Geldes gesehen, obwohl ich ja die ganze Arbeit gemacht habe, während ich am städtischen Haus fast alles kassiere.
Definitiver Vorteil Großer Uni-Institute ist, daß es dort für verschiedene Fachgebiete Spezialisten gibt, die sich ganz besonders gut auskennen bzw. sogar als Referenzpathologen fungieren. Man kann also in einzelnen Sparten definitiv in der Ausbildung profitieren.
Was man im Bewerbungsgespräch oder informell eventuell noch erfragen kann, ist, ob der Arbeitgeber oder der Chef die Teilnahme an IAP-Tutorials finanziell unterstützt. Die IAP (Internationale Akademie für Pathologie) ist ein absolutes Muß ab dem zweiten Weiterbildungsjahr, man kann dort ungalublich viel lernen (üblicherweise Samstagskurse in Bonn) bzw. auch sehen, daß manche alte Säcke auch nur mit Wasser kochen ;-)
Da sitzen Kollegen von Ende 20 bis in die 70er. Wenn man da z.B. zwei mal im Jahr hinfährt, hat man schon über 400 Euro Kursgebühr an den Hacken. Wenn der Arbeitgeber sich da beteiligt (was bei mir so ist, an der Uni aber undenkbar war), kann man sich ja ausrechnen wieviel Schotter da über die Jahrzehnte zusammenkommt...
Gruß, Doc Rock
s_nuggles
03.12.2010, 10:51
Lieber Dr. Rock,
herzlichen Dank für Deine Ausführungen und Deine Mühe!
Ich hätte da noch ein paar Nachfragen...
Laut Vorstellungsgespräch würde ich an der Uni ins kalte Wasser geschmissen werden und direkt mit Obduktionen/Zuschnitt beginnen. Außerdem würde man von Anfang an das ganze Spektrum erfahren, da es keine Unterteilung in Organgruppen gibt (-> ist das eigentlich sinnvoll, von Anfang an mit allem konfrontiert zu sein?! Besteht dabei keine "Erschlagungs-Gefahr";)
Wie ist denn der Stellenschlüssel 1-3-10 (wobei bei den Assis auch noch 1 Facharzt ist) bei einer Einsendungszahl von ca 60.000 einzuschätzen?
Danke und viele Grüße!
P.S: Evtl. noch irgendeine Buchempfehlung für den Anfang?;)
Dr. Rock
03.12.2010, 14:15
Hallo, S_nuggles
ich finde, das hört sich vielversprechend an. Die Eingangszahl ist ganz ordentlich, es wird also schon was zu tun geben, aber so lernt man ja auch was. Wenn das Bauchgefühl hinsichtlich Chef und Kollegen stimmt, würde ich es machen.
Ich denke, es macht auch nichts, wenn man es nicht nach Organen strukturiert. Patho ist ohnehin ein Riesen-Fach, daher: je früher man ins kalte Wasser geschmissen wird, um so besser. Man lernt ja durch die Redundanz und man ist manchmal erstaunt, daß man z.B. einen seltenen Tumor noch erkennt, den man Jahre zuvor mal gesehen hat.
Ansonsten: an Literatur führt eigentlich nichts am "Remmele" vorbei. Das Problem ist, daß die Reihe gerade erst wieder aufgelegt wird, bisher ist erst der Band Kopf-/Hals erschienen, als nächstes erscheint glaube ich der Zyto-Band. Das protrahierte Erscheinen hilft aber auch bei der Anschaffung, weil das Ding ist so teuer, daß man die Reihe auch nicht auf einmal kaufen könnte (zumindest nicht als Jungassistent). Aber man kann das ja steuerlich geltend machen. Prinzipiell kann man die alten Remmeles auch noch gebrauchen, bei einigen Themen hat sich aber sehr viel geändert, z.B. neuroendokrine Tumoren.
Was sehr gut und relativ günstig (ca 68 bis 120€) ist, sind die WHO Blue Books "Pathology and genetics",die gibt es nach Organen sortiert. Mit dem gastrointestinalen, Uro- oder Gyn-Band macht man sicher nichts verkehrt. Dort werden aber nur Tumoren abgehandelt, von daher ist es kein kompletter Überblick über das Organgebiet.
Gruß und guten Start ins Fach, Dr. Rock
P.S: Evtl. noch irgendeine Buchempfehlung für den Anfang?;)
Ich habe mir im Sommer die blauen WHO-Bücher und die bisher erschienen aktuellen Nicht-Tumor AFIP-Bände besorgt. Hier lohnt sich auf jeden Fall der Preisvergleich, gebraucht kaufen ist nochmals günstiger. Wenn man mit der Institutsbibliothek zurechtkommt geht es aber u.U. auch ohne eigene Bücher, bei mir hat das allerdings nicht funktioniert. Ich brauche die einfach am Schreibtisch und nehme sie mit heim zum Nachlesen.
s_nuggles
15.12.2010, 07:39
Herzlichen Dank für die ganzen Tipps und Empfehlungen!! Hat mir sehr geholfen!
Ich werde nun erst mal in der Uni-Patho loslegen und nach zwei Jahren die Karten neu auf den Tisch legen... und entscheiden. Das ist für mich zur Zeit die bessere Entscheidung. Hoffentlich sage ich das in 6 Monaten auch noch...;)
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