Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Dunkelkammer - Treffpunkt für Radiologen
Beide Aussagen hätte ich eher von einem Anfänger erwartet.
Also für ein normales natives CCT im Dienst (ich rede jetzt nicht von krassen MG-Traumata mit zig Frakturen oder komplexen vorgeschädigten Kinderköpfen mit nun zusätzlicher Akutpathologie) braucht man meiner Erfahrung nach einfach nicht länger als 5min. :-nix
@daCapo
"Schmales aSDH rechts frontal ohne relevante Raumforderungswirkung" tuts auch ;)
FirebirdUSA
09.06.2021, 11:04
Also GK hat schon ein berechtigtes Argument, dass es am Ende darum geht den Patienten nicht zu schädigen. Eine minimale tSAB ist irrelevant und wird nie eine Relevanz erlangen (muss auch nicht verlaufskontrolliert werden). Akute SDH und akute EDH können aber natürlich innerhalb kurzer Zeit dramatisch werden (die übersieht man aber auch deutlich schwerer) und wer relevante Parenchymblutungen hat (die ja auch innerhalb kurzer Zeit extrem werden können) ist meist auch klinisch so schwer betroffen, dass es dem Chirurgen auffallen sollte.
Also 5 Minuten ist denke ich für eine CCT Beurteilung durchaus machbar... da hätte ich das ganze sogar schon fertig befundet... ein Anfänger sollte sich aber natürlich mehr Zeit nehmen relevante Areale systematisch anzusehen.
GelbeKlamotten
09.06.2021, 17:01
Na klar ist eine sehr simple CCT oft innerhalb von 5 minuten zu befunden. Aber selbst bei ner besagten diskreten SAB bei der typischen Klientel (z.B. 80+, Treppensturz, Z.n. zwei Schlaganfällen und Z.n. MammaCa mit mehreren Zyklen Chemo, multiple Voruntersuchungen, zuletzt CCT von vor 2 Jahren und CMRT von vor 6 Monaten) kommt man auch als erfahrener Radiologe niemals mit 5 Minuten hin. Zumindest dann nicht, wenn man einen Befund diktieren will, den man auch angemessen fände, wenn es um die eigene Mutter ginge. Die „erfahrenen schnellen“, die grundsätzlich nur 5 Minuten brauchen, liefern dann meistens trotz ihrer Erfahrung Scheißbefunde ab.
Ich finde es generell kontraproduktiv, pauschal irgendwas von „das und das dauert nur x minuten“ zu erzählen. Ist meistens entweder ein Indiz für mangelnde Erfahrung oder mangelnde Sorgfalt. Und so ein typisches Chefarztargument: „Wieso haben Sie denn 2 Überstunden gemacht? Sie hatten doch nur 35 CTs zu befunden.“
ehem-user-02-08-2021-1033
09.06.2021, 18:29
Ich habe mir CT Bilder zumindest auf ITS eigentlich immer selbst angeschaut... Um etwas zu lernen.. dabei einmal 1 Mal Milzruptur und 1 Mal eine LAE gesehen, die der Radiologe (Facharzt!) aufgrund von Überlastung übersehen hat.
(Darf als ehrenamtlicher Hobbyradiologie hier ja auch mitschreiben ;-) )
FirebirdUSA
09.06.2021, 19:44
Ich finde es generell kontraproduktiv, pauschal irgendwas von „das und das dauert nur x minuten“ zu erzählen. Ist meistens entweder ein Indiz für mangelnde Erfahrung oder mangelnde Sorgfalt. Und so ein typisches Chefarztargument: „Wieso haben Sie denn 2 Überstunden gemacht? Sie hatten doch nur 35 CTs zu befunden.“
Da stimme ich dir uneingeschränkt zu und das Ziel sollte nie sein so schnell wie möglich zu befunden.
Umso mehr Befunde zu beschreiben sind umso länger dauert es und dann kann es auch länger dauern. Aber glaub mir mit entsprechender Erfahrung braucht man keine 5 Minuten, um ein CCT darauf zu beurteilen ob es unauffällig ist (ich glaube aber inzwischen auch, dass du dss gar nicht sagen wolltest).
Und nicht umsonst ist eigentlich ein 4 Augenprinzip beim Befunden sinnvoll, jeder hat seinen blinden Fleck.
GelbeKlamotten
09.06.2021, 21:16
Da stimme ich dir uneingeschränkt zu und das Ziel sollte nie sein so schnell wie möglich zu befunden.
Umso mehr Befunde zu beschreiben sind umso länger dauert es und dann kann es auch länger dauern. Aber glaub mir mit entsprechender Erfahrung braucht man keine 5 Minuten, um ein CCT darauf zu beurteilen ob es unauffällig ist (ich glaube aber inzwischen auch, dass du dss gar nicht sagen wolltest).
Und nicht umsonst ist eigentlich ein 4 Augenprinzip beim Befunden sinnvoll, jeder hat seinen blinden Fleck.
Dass man eine komplett unauffällige CCT (oder eine mit nur der üblichen Mikroangiopathie) in 5 Minuten befunden kann, bezweifle ich gar nicht. Und ich bin jetzt auch nicht eine von denen, die sich dann bei unauffälliger Untersuchung ewig lang über die leichte Nasenseptumdeviation oder die fraglichen kleinen Hippocampal remnant cysts auslassen.
Aber es ist doch im Krankenhaus nicht so, dass der überwiegende Teil der Untersuchungen vollkommen unauffällig ist. Zumindest bei uns nicht. Vielleicht werden bei euch auch junge Patienten wesentlich niederschelliger untersucht, das kann natürlich sein.
Selbst bei den unfallchirurgischen Patienten tendiert bei uns das durchschnittsalter bei den CCTs gegen 80. Da haben die Leute dann halt schon öfter mal noch einigen Beifang zu bieten. Und dem jungen Patienten wurde mit Pech dann so gründlich die Fresse poliert, dass man allein 10 Minuten braucht, um die ganzen Frakturen des Gesichtsschädels zu beschreiben. Mal ganz abgesehen von der Zeit die zusätzlich draufgeht bis man die MTRA überredet hat noch dünne Knochenschichten zu machen oder man sie selbst rekonstruiert hat.
Ne unauffällige Thorax-CT eines jungen Patienten kann man auch in 5 Minuten befunden. Das gilt bei halbwegs übersichtlicher Situation je nach Fragestellung sogar für Abdomen-CTs. Aber im Schnitt dauerts dann doch insgesamt etwas länger. Und auch nach 5 Jahren Radiologie muss ich ab und an mal bei nicht ganz offensichtlichen Befunden ein bisschen nachdenken, Voruntersuchungen und alte Arztbriefe oder OP-Berichte anschauen oder etwas telefonisch nachfragen. Und dann dauert der angebliche 5 Minuten Befund auf einmal doch 45 Minuten. Doof wenn man dann vorher überall rumerzählt hat, dass das alles immer in 5 Minuten erledigt ist.
Dass es primär am Wichtigsten ist keinen Schaden zuzufügen und nichts klinisch Relevantes zu übersehen ist die Meinung eines Arztes; nicht die des Codierers der einem immer im Nacken sitzt. Und der zählt bei manchen Trägern ja auch mehr. Eine Zusatz-ICD (wenn auch klinisch nicht relevant) kann immerhin dazu führen, dass der Patient länger bleiben darf, was manchmal aus anderen Gründen positiv für ihn ist - die aber abrechnungstechnisch nicht zählen. Bei manchen Trägern muss man in Richtung Codierung ausreizen was geht damit der Patient nicht unter den strammen Vorgaben des Controllings leidet. Klar ist es nicht die Aufgabe eines Radiologen einen Codierer oder "Profiler" zufrieden zu stellen - leider aber Aufgabe des Klinikers dem selbiger fast jeden Tag im Nacken sitzt.
Die Codierung erfolgt aber doch (noch) nicht nachts um 3, oder?:-nix
Natürlich nicht. Kann sein, dass ich euch auch falsch verstanden habe. Dachte das sei auch auf den endgültigen Befund bezogen.
In der Radiologie codiert man keine Fälle, wie in der Inneren, Chirurgie immer noch oft üblich usw...höchstens OPS bei Interventionen. So kenne ich es.
Und auch die Codiererei sollte eigentlich Codierer aus dem Controlling machen, die sich damit besser auskennen und mehr rausholen können.
Übrigens kann man auch im Controlling als Arzt arbeiten...
Du kannst als Arzt auch aufm Bau arbeiten, ist wahrscheinlich sogar noch angenehmer als im Controlling...
GelbeKlamotten
11.06.2021, 13:03
Ich glaub nicht, dass so ein Bürojob im Krankenhaus-Controlling soo schlimm ist. Man bleibt halt mit dem Gehalt dauerhaft unter dem eines Assistenzarztes. Wenn einem das nichts ausmacht, ist es wahrscheinlich eine akzeptable Exit-Strategie. Man wirft halt sein Medizinstudium weg. Controller kann man auch mit nem mittelmäßigen BWL-Bachelor werden.
Wenn ich monotone und langweilige Arbeit haben will geh ich ins Mammo-Screening...
Ich glaub nicht, dass so ein Bürojob im Krankenhaus-Controlling soo schlimm ist. Man bleibt halt mit dem Gehalt dauerhaft unter dem eines Assistenzarztes. Wenn einem das nichts ausmacht, ist es wahrscheinlich eine akzeptable Exit-Strategie. Man wirft halt sein Medizinstudium weg. Controller kann man auch mit nem mittelmäßigen BWL-Bachelor werden.
habe da selber auch kein Interesse.
Viele aus der Pflege sind da (oder im CaseManagement) im Rahmen einer Exitstrategie gelandet...und in der Leitungsebene gibts Ärzte. Wird sicherlich nicht besonders fürstlich bezahlt.
ehem-user-25-04-2022-1131
11.06.2021, 17:21
Wenn ich monotone und langweilige Arbeit haben will geh ich ins Mammo-Screening...
Oh ja ....
Wenn man unbedingt monotone, sinnlose, redundante Tätigkeiten durchführen will ist man im Arztberuf doch genau richtig...zwar besteht der Job auch aus anderen Dingen, die machen aber einen immer geringeren Prozentsatz aus (auch wenn sie netto nicht weniger werden, eher im Gegenteil).
GelbeKlamotten
11.06.2021, 19:03
Wenn ich monotone und langweilige Arbeit haben will geh ich ins Mammo-Screening...
Monoton und langweilig ja. Aber halt mit enormen Schlagzahlen. So schnell wie in den großen Screeningzentren die Bilder über die Bildschirme flimmern hat man ja kaum Zeit um mal zu blinzeln. Da würde ich glaube ich eher das Controlling vorziehen.
Wenn man unbedingt monotone, sinnlose, redundante Tätigkeiten durchführen will ist man im Arztberuf doch genau richtig...zwar besteht der Job auch aus anderen Dingen, die machen aber einen immer geringeren Prozentsatz aus (auch wenn sie netto nicht weniger werden, eher im Gegenteil).
Naja wir sind hier im Radiologenthread. Ich würde mal behaupten bei uns halten sich die stumpfsinnigen nicht-medizinischen Tätigkeiten ziemlich in Grenzen im Vergleich zu anderen Fachrichtungen.
Monoton und langweilig ja. Aber halt mit enormen Schlagzahlen. So schnell wie in den großen Screeningzentren die Bilder über die Bildschirme flimmern hat man ja kaum Zeit um mal zu blinzeln. Da würde ich glaube ich eher das Controlling vorziehen.
Nach einer gewissen Anzahl von Mammos ist das eh schon fast im Rückenmark verschaltet. Wenn ich 10k Stück davon im Jahr befunde brauche ich auch nur noch Sekunden um das Mamma-Ca zu sehen. Wir haben altgediente neuroradiologische Oberärzte mit jenseits der 70.000 vidierter NR-MRTs, die machen das gefühlt auch nur noch auf Reflexebene; was die bei einem mal kurz durchscrollen sehen ist unvorstellbar.
galathea1
15.06.2021, 08:18
Nach 2 Jahren klinischer Tätigkeit in einem operativen Fach habe ich langsam gemerkt, dass ich das nicht mein Leben lang machen möchte.
Ich bin dann auf die Radiologie aufmerksam geworden und würde da gerne hospitieren.
Macht es als Anfänger Sinn in einem MVZ (diverse Standorte an mittleren und kleinen Häusern und ein paar Praxen ohne Krankenhausanbindung) anzufangen oder sollte man an eine krankenhauseigene Radio gehen? Von letzteren gibt es in meiner Region fast nur universitäre Einrichtungen.
Wieviele Dienste habt ihr im Monat?
Ich habe bis zu 9 teleradiologische Dienste pro Monat (Arbeitsaufwand von wenig bis mehr als tagsüber). Am nächsten Tag wird normal gearbeitet. Frage mich, ob das viel im Vergleich zu anderen Stellen ist, da ich die Anzahl physisch und psychisch teilweise sehr belastend finde (Schlafmangel, wenig Freizeit, etc.). Würde mich über Rückmeldung freuen.
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