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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Dunkelkammer - Treffpunkt für Radiologen



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tarumo
11.03.2018, 09:52
Ich hätte da mal eine Frage an die Radiologen:
Da vermittelt immer den übelen. Beigeschmack, dass es über kurz oder lang schwierig für Radiologen werden könnte Jobs zu finden (zudem kommt noch das Argument "Teleradiologie")
(=
Ich komme hier auch mal dazu;-)
Und zu Deinem Post:
Bitte nicht immer auf diese Schalmeienklänge der Politik und IT-Industrie reinfallen. Ja, die Telemedizin ist aktuell "schwer im kommen" und wird im Vergleich zu den letzten Posts demnächst auch offiziell abgesegnet (Ärztetag usw.). Großes aaaaber dazu: das Problem ist ja der Ärztemangel. Und wenn kein Arzt mehr da ist, dann macht auch keiner Telesprechstunde oder Teleradiologie, die obendrein nicht nur genauso schäbig bezahlt sein wird, sondern auch mehr Unkosten mit sich bringt wegen der IT sowie einen verringterten Patientenkontakt plus eklatante Haftungsrisiken. Noch dazu ist das Internet ja gerade auf dem vielzitierten "Land" ja auch nicht besonders schnell. Man tut immer so, als hätte man ein paar Tausend Ärzte irgendwo auf Halde, die nur darauf warten, Telemedizin zu betreiben. Der ganze Telehype dient dazu 1) die Politik kann Aktivitäten vortäuschen 2) Herr Plattner bekommt noch die zweite Milliarde voll 3) man kann schon mal versuchen, die Ärzte finanziell zu drücken, wie man es auch mit Industriearbeitern tut Stichwort "Industrie 4.0" 4) Kassenpatienten vorgaukeln, es gäbe noch ausreichend ambulante Kassenärzte, frei nach dieser englischen Karikatur "sorry, I can´t examine you, but your health insurance does allow you access to a self-diagnosing website"...
Ganz praktisch steht in Deutschland dem u.a. die RöV (die demnächst von Verordnung zu einem Gesetz aufgewertet wird) und in der KV-Praxis die Präsenzpflicht des Facharztes plus die Pflicht zur eigenhändigen Befundung entgegen. Von Sonderfällen wie Screening, Fallkonferenzen und kleinen Häuser, die ihre Notfallversorgung auslagern, wird die Teleradiologie auch in Zukunft in Deutschland IMHO keine besondere Rolle spielen. Wenn es viel billiger und juristisch unkompliziert wäre, die Befundung irgendeinem Teleradiologen auf dem indischen Subkontinent zu überlassen, dann hätte man das ganz sicher in großem Stil schon längst getan. Ich glaube auch nicht, daß da irgend jemand für Minusstunden arbeiten würde...
Also, bitte nicht immer auf die Politik reinfallen.

tarumo
11.03.2018, 10:12
Ich habe das schon oft gehört bzw. gelesen - ich meine auch hier im Forum. Kann natürlich sein, dass das eine Fehlinformation ist.

Wohl in der Laienpresse oder der "Ärzteprawda". Hier im Forum taucht das Thema auch immer wieder auf. Gerade, wenn es um eine berufliche Orientierung geht, würde ich mich aber eher weniger auf solche Quellen verlassen und mich anderweitig informieren. Speziell in deutschen Krankenhäusern braucht man ja immer noch einen Arzt vor Ort zwecks Aufklärung und natürlich auch für hochkomplizierte Eingriffe wie einen venösen Zugang legen. Den Befund kann man ja dann in Pakistan erstellen lassen, das wird sicher ganz spannend bei Rückfragen;-)
PS: ich wäre übrigens dafür, zuerst mal die Codierung und dann das Briefeschreiben telemedizinisch auszulagern. Da braucht man noch nicht mal schnelles Internet dafür. Wie, das geht nicht? Ach so....

anignu
11.03.2018, 22:37
Es wird ja immer wieder gesagt, dass Radiologie die einzige Fachrichtung ist, in welcher mehr Fachärzte neu ausgebildet werden, als in den Ruhestand gehen.
Ok, ich dachte das wäre allgemein die Tendenz so ungefähr in allen Fachrichtungen...

Das geht los bei der Gesamtzahl: ständig steigend. Seit 50 Jahren. Und wird wohl (ohne in allen Fachrichtungen nachgeschaut zu haben) bei den meisten Fachrichtungen so sein. Ok, nicht bei den Allgemeinchirurgen. Die wurden eher von der Spezialisierung abgelöst. Vielleicht auch Allgemeinmediziner, da hört man einen starken Mangel und man kann heutzutage auch als Internist eine Hausarzt-(=Allgemeinmedizin)praxis aufmachen. Aber welche Fachrichtung soll denn deiner Meinung nach weniger Fachärzte neu ausbilden als in den Ruhestand gehen?

Nehmen wir mal beliebige, jeweils 2006 und 2016 und nehmen dann dein Argument her...
- Anästhesie 17.418 vs. 23.531 -> Anästhesie wird beruflich schwierig, da werden "mehr Fachärzte neu ausgebildet [...], als in den Ruhestand gehen."
- Chirurgie: 28.414 vs. 36.148 -> Chirurgie wird beruflich schwierig, da werden "mehr Fachärzte neu ausgebildet [...], als in den Ruhestand gehen."
- Gyn: 15.811 vs. 18.253 -> Gyn wird beruflich schwierig, da werden "mehr Fachärzte neu ausgebildet [...], als in den Ruhestand gehen."
usw.

Ich würd bei manchen Fachbereichen sogar einen massiv wachsenden Bedarf sehen, alleine aufgrund der technischen Entwicklungen:
- Arbeitsmedizin/Betriebsmedizin: Beratungsbedarf, Wissen, Arbeitssicherheit etc. steigt doch massiv.
- Radiologie: Interventionen und dann durch die technischen Möglichkeiten (64-Zeilen-CT innerhalb 5 Minuten) steigt auch die Hemmschwelle diese zu Nutzen. Teleradiologie: toll. Dann warten wir mit der Diagnostik nicht bis zum nächsten Tag sondern können sie sofort machen. CT überhaupt verfügbar? Dann lasst uns eines machen. Vielleicht zum Vergleich: mein erstes Haus war eines in der von 15:30 bis 8 Uhr kein CT zur Verfügung stand! Da hat man sich schon überlegt was man im Nachtdienst macht. Und einfach mal den Patienten deutlich engmaschiger klinisch überwacht...
- Angiologie oder Gefäßchirurgie: Interventionen
- Onkologen: alternde Gesellschaft, differenziertere Tumorstrategien
etc.
Das sind jetzt nur die ersten Sachen die mir eingefallen sind. In Kombination mit den ganzen Sachen wie: Arbeitszeitgesetz, Wunsch nach Vereinbarkeit Familie und Beruf, Teilzeitmodelle, Spezialisierungen, höherer Anspruch der Patienten usw. ist der Bedarf inzwischen enorm. In meinem Bereich haben wir lange lange Zeit nach Assistenten gesucht, und was wir nun nehmen mussten ist auch nicht prickelnd. Aber man findet keinen mehr. Es gibt einfach einen massiv gefühlten Ärztemangel in den Kliniken so dass die Stellen nicht mehr besetzt werden können.

Padde
13.03.2018, 09:25
Besten Dank für eure Antworten! (=

FirebirdUSA
20.03.2018, 18:26
Macht ihr eigentlich auch Teleradiologie für kleinere Kliniken oder machen für euch sogar andere Dienst nachts? Wie ist euer Arbeitsaufkommen im Dienst?
Hier schwankt es, durch Telerad sind aber zusammenhängende Ruhezeiten nachts rar geworden.

Laelya
20.03.2018, 18:47
Wir haben momentan eine zusätzliche Klinik für Teleradiologie. Anfangs war das nur im Dienst an Anfang des Jahre sind sie 24h an uns angebunden. Arbeitsaufkommen ist wirklich extrem variabel. Gibt nächte da gehe ich 22-24 Uhr ins Bett und werde nicht einmal gerufen, dann wieder gibt es Dienste (wie den letzten) in dem ich alle 30-45 Minuten eine Untersuchung gefahren also insgesamt nur 2 h Ruhe gehabt. Insgesamt finde ich Dienste aber sehr gut machbar und händelbar und mag die Abenden mit meinen MTARs :-)

Freue mich aber dennoch darauf irgendwann in den Hintergrund zu gehen. Vor allem für Feiertags und Wochenenddienste.

querfeldein
20.03.2018, 21:05
Wir versorgen auch auch eine weitere Klinik per Teleradiologie. Ist schon so seit ich hier angefangen habe, kann also nicht von einer Zeit "davor" berichten ;-) Zum Glück geht es meist irgendwie auf, dass entweder im Haupthaus oder in der kleinen Klinik was los ist - selten beide gleichzeitig (und noch seltener keine von beiden :D ) Arbeitsaufkommen ist extrem variabel, das würde ich auch bestätigen. Oberarzt ist bis abends um 8 da. Danach gibt's meistens noch bis Mitternacht / ein Uhr was zu tun, meistens ein steter Fluss bzw. das was liegengeblieben ist. Danach mein erster Schlafversuch. Bisher hätte ich gesagt, dass ich meist so 3-4 Stunden schlafe - wobei die beiden letzten Dienste beknackt waren und ich je nur 1-2 Stunden geschlafen hab. Wir befunden nachts alle CTs inkl. CCT. Das kleine Haus meldet sich nachts eigentlich selten, wobei ich von dort auch schon um 4 Uhr morgens mit Frage nach Pneumothorax auf dem Röntgenbild geweckt wurde :-dance

freak1
20.03.2018, 21:40
Das kleine Haus meldet sich nachts eigentlich selten, wobei ich von dort auch schon um 4 Uhr morgens mit Frage nach Pneumothorax auf dem Röntgenbild geweckt wurde :-dance

"Kommt darauf an wer die Drainage legen müsste?" :-lesen

Die klinischen Angaben und Fragestellungen der Orthopäden sind manchmal schon toll. Absolut reudiger Fuß+OSG, keine Voraufnahmen, keine klinischen Angaben, Fragestellung "Kontrolle".

Ja was kontrollieren wir? "OSG links mit Fuß vorhanden." ???

querfeldein
21.03.2018, 09:40
"Kommt darauf an wer die Drainage legen müsste?" :-lesen
Nicht ich...

Laelya
21.03.2018, 12:00
"Kommt darauf an wer die Drainage legen müsste???

Das können die schön alleine, sowas mach ich nicht, schon gar nicht im Dienst! ;-)

FM4
28.03.2018, 20:56
Die klinischen Angaben und Fragestellungen der Orthopäden sind manchmal schon toll. Absolut reudiger Fuß+OSG, keine Voraufnahmen, keine klinischen Angaben, Fragestellung "Kontrolle".

Ja was kontrollieren wir? "OSG links mit Fuß vorhanden." ???

PostOP.
PräOP.
Patient bekannt.
Krea normal.

:-kaffee

freak1
28.03.2018, 21:03
Prä-OP bei Thorax oder Post OP wenn man jetzt neu OSM sieht ist ja okay, das geht schnell.

Aber wer weiß welche komischen Winkel die Orthopäden jetzt gerne hätten? :-nix

FirebirdUSA
28.03.2018, 21:09
"Wie mit CA/OA XYZ besprochen"... der natürlich in dem Moment nicht erreichbar ist

freak1
28.03.2018, 21:19
Im Gegenzug lernt man die präzisen und zielführenden Angaben von anderen Klinikern sehr zu schätzen. :-top

querfeldein
02.05.2018, 16:42
Kollegen, wie geht es euch? Was gibt's Neues? :-)

FirebirdUSA
02.05.2018, 19:59
Urlaub ;-)

freak1
02.05.2018, 20:08
Die Liste der Textbausteine wächst beständig. Und die Lichtempfindlichkeit bleibt konstant. :-))

querfeldein
02.05.2018, 21:28
Urlaub ;-)
Immer noch das Beste!!! Geniiiiiiießen!


Und die Lichtempfindlichkeit bleibt konstant. :-))
Sonnenbrille in die Brusttasche für die Mittagspause!

Hier nicht viel Neues... Der Rücken wird runder :-oopss Dachte es wäre so eine Erleichterung ohne schwere Kitteltaschen umher zu rennen. Es zeigt sich, dass ständig sitzen nur noch schlimmer ist. Wir haben auch die Möglichkeit am Pult zu stehen, aber irgendwie "vergesse" ich das immer....... Tjaaaa.

War jemand von euch schon mal beim Dt. Röntgenkongress? Ist das eine Reise wert? Nehme es schon an... Überlege noch kurzentschlossen hinzufahren. Ist sonst noch wer da?

FirebirdUSA
03.05.2018, 07:20
Röko hat tatsächlich häufig interessante Fortbildungskurse, Frühjahrskurse VSRN finde ich noch informativer wenn du im Süddeutschen Raum bist.
Bin dieses Jahr nur bei Neurorad, Röko las ich aus.

Klärt ihr selbst auf bzw. legt PVKs? Machen wir bei uns selbst und finde ich aus mehreren Gründen auch richtig. Finde den Aufklärungsthread immer wieder überraschend, wir können unsere klinische Expertise auch gleich voll abgeben. Nur sollten wir uns dann nicht beklagen, wenn die klinischen Fächer plötzlich ihre MRT/CT selbst betreiben.

anignu
03.05.2018, 12:06
wir können unsere klinische Expertise auch gleich voll abgeben.
Im Bereich der Ultraschalldiagnostik habt ihr das doch längst vollständig getan...