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Interview mit Katja Hoffmeister (Ärztin im Praktikum)

Das Medizinstudium - Interview mit praktizierenden Ärzten

Redaktion (MEDI-LEARN)

Wie sieht der Alltag als Arzt für Sie heute aus? Was macht Ihnen am meisten Spass? Was am wenigsten?

Zur Zeit mache ich mein AIP in einer gemischten allgemein- und unfallchirurgischen Abteilung.
Die ersten drei Monate war ich zusammen mit einem erfahrenen Kollegen in der Ambulanz, jetzt bin ich mit ihm auf einer Station und werde auch im OP eingesetzt (sowohl als Assistenz als auch bei kleineren Sachen als Operateur, Haken halten müssen zum Glück fast nur diePJ´ler). Am besten gefallen mir logischerweise alle praktischen Sachen, also immer, wenn ich Patientenoperiere, Blut abnehme oder Zugänge lege oder was auch immer machen kann.Blöd sind ganz klar Briefe diktieren und der ganze Zettelkram. Auch merke ich jetzt seitdem ich Dienste ( durchschnittlich 5-6 im Monat) machen muß, daß mir dieses viel-Zeit-in-der-Klinik-Zubringen auch zunehmend auf den Keks geht.
Insbesondere wenn dann nachts mal wieder einer mit seit 3 Wochen bestehenden Rückenschmerzen (natürlich ohne vorhergehendes Trauma) kommt und ich ihm im Grunde auch nur Schmerzmittel in die Hand drücken kann und ihn für den nächsten Tag zum Orthopäden schicke. Man wundert sich echt, mitwelchen eher harmlosen Beschwerden die Leute (nicht nur nachts) manchmal in eine Notaufnahme kommen.
Die Ambulanzzeit hat mir insgesamt aber sehr gut gefallen, weil es sehr abwechslungsreich ist, und es abgesehen von zuvor erwähnten Fällen auch schön ist, bei wirklich „richtigen“ Verletzungen die Erstversorgung durchführen zu können. Ein weiterer nicht zu verachtender Vorteil ist hier auch, daß man meist pünktlich Schluß hat, weil zumindest einer der beiden Diensthabenden einen normalerweise zügig auslöst.
Der Vorteil der Station ist, daß man die Patienten eben richtig kennen lernt und auch den kompletten Verlauf der Therapie mitgestaltet. Leider braucht man dafür eben auch mal etwas länger als bis halb 4 (Arbeitsbeginn ist bei uns 7 Uhr, gähn). Und natürlich brenne ich darauf, selbst zu operieren. Bislang geht das ganze zwar noch etwas langsam an, aber (und da habe ich mal wieder Glück gehabt) meine Kollegen und auch die Oberen sind sehr nett und lernen einen in der Regel gut an.


Welche Tipps würden Sie Studenten, die jetzt vor der Entscheidung stehen, Medizin zu studieren, mit auf den Weg geben?

Grundsätzlich denke ich mal, kann man mit dem Studium nicht wirklich was falsch machen, einfach weil es hinterher so viele Fachbereiche gibt, das wohl jeder was Geeignetes für sich finden kann. Dazu dann noch die Möglichkeiten der außerklinischen Beschäftigung.
Auf jeden Fall sollte man Streß gut bewältigen können, und Leute mit Prüfungsangst haben bei der Menge an schriftlichen und mündlichen Prüfungen im Laufe des Studiums auf alle Fälle auch schlechte Karten. Von irgendwelchen Ängsten (von wegen Präp-Kurs, sterbende Patienten oder eben praktische Tätigkeiten, wieden Patienten blutabnehmen oder sie operieren) würde ich mich nicht verunsichern lassen, wenn das Interesse an dem Fach ansonsten stimmt.

Da wächst man einfach so rein, und ich wüßte keinen, der im Präp-Kurs wirklich zusammengeklappt ist oder deswegen das Studium geschmissen hat. Auch wer in dem einen oder anderen naturwissenschaftlichen Fach keine Leuchte ist, kann die ersten Semester trotzdem mit Repetitorien, Altklausuren etc. überstehen.
Man sollte sich nur wirklich klar darüber sein, daß zum einen das Studium natürlich sehr lernintensiv ist (also jeden Abend Party, wie es vielleicht bei anderen Studiengängen möglich ist, ist da nicht immer drin) und daß man, sofern man dann einen Job im Krankenhaus annimmt, doch sehr wenig Zeit für Privates hat, einfach weil die Arbeit doch mal länger dauert und ein Teil der Wochenenden für Dienste drauf geht.
All das wußte ich zwar irgendwie auch schon vor dem Studium, aber wie es sich anfühlt, konnte ich mir, wie ich jetzt merke, dann doch nicht so richtig vorstellen.
Angesichts der allgemeinen Arbeitsbedingungen wird jemand, der zu idealistisch an das Studium herangeht, wohl später auch ein böses Erwachen haben. Wie ich ja zuvor gesagt habe, war für meine Entscheidung kein einschneidendes Erlebnis verantwortlich, und vielleicht komme ich gerade deswegen mit dem Arbeitsalltag ganz gut zurecht, weil ich nicht von Anfang an irgendwelche Flausen im Kopf hatte und mein Interesse an dem Beruf während des Studiums ja eher allmählich zugenommen hat.


Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

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