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Interview mit Roswitha Jehle (Ärztin im Praktikum)

Das Medizinstudium - Interview mit praktizierenden Ärzten

Redaktion (MEDI-LEARN)

Praktikum im Krankenhaus

© pgm / PIXELIO
Wir möchten in der Reihe "Interview mit Ärzten" an dieser Stelle das Gespräch mit Frau Roswitha Jehle (Ärztin im Praktikum) veröffentlichen, die unseren kleinen Fragenkatalog wie folgt beantwortet hat.


Beschreiben Sie bitte kurz Ihren studentischen Werdegang (Studienort, Studienverlauf, Studienzeit etc.). 

Ich habe das Medizinstudium gleich nach dem Abi in Bayern in Berlin begonnen (ZVS sei Dank in dieser wunderbaren Stadt!). 
Das Physikum habe ich nach 2 Jahren gut überstanden, ich würde auch empfehlen, diese ungeliebte Prüfung so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Wenn Ihr eine Pause machen wollt, macht sie danach – nach der Physikums-Note kräht später keiner mehr und aus Erfahrung von Freunden hält es kaum einer durch, ein halbes Jahr lang durchwegs auf die Prüfung zu lernen. 
Ich habe nach dem 1. Staatsexamen mein erstes Freisemester genommen, um mit der Doktorarbeit zu beginnen – bei arbeitsintensiven Arbeiten ist das sehr zu empfehlen. Manchmal gibt es sogar ein kleines Gehalt.Das zweite Freisemester habe ich nach Ende des experimentellen Abschnitts der Doktorarbeit in New York verbracht, mit Studieren und etwas Arbeiten im Labor. Das hat den Nachteil, das die Arbeit immer noch nicht geschrieben ist, aber wann ist schon der richtige Zeitpunkt fürs Ausland? Geht man früh, dann nimmt man nicht so viel medizinisches mit, weil einem evt. die Vorbildung fehlt; geht man später, dann hängt immer der KlotzDoktorarbeit am Bein.
Im Praktischen Jahr (PJ) hat´s mich noch mal in die Ferne gezogen, in die Schweiz für Chirurgie, um etwas zu lernen und etwas Geld zu verdienen, und um nicht nur der Hakenhalter im OP zu sein.Danach bin ich nach Südafrika für das Innere Tertial, um mal eine andere Medizin und eine andere Welt zu sehen. Beides kann ich sehr empfehlen! 

An welche Höhepunkte und auch Tiefpunkte während des Studiums erinnern Sie sich noch heute? 

Höhepunkte meines Studiums waren sicher die Auslandsaufenthalte. Aber auch das Studium an der HU Berlin, das als sehr verschult gilt, hat mir gut gefallen. Als Neu-Berliner fühlte ich mich in den festen Seminargruppen in der großen Stadt gut aufgehoben, außerdem gab es keinen Stress mit der Suche nach dem Ort der Kurseinschreibung oder solche Dinge.
Ein Tiefpunkt war den ersten Semestern der Anatomie-Kurs, wo ein bißchen diese „Wir zeigen euch mal, wer hier der Chef ist“ Mentalität herrschte. Ich bin kein guter Auswendiglerner, deswegen hatte ich mit den Prüfungen und dem Sinn dieses Kurses so meine Probleme. 
Später wurde die Ausbildung besser, besonders wenn man sich selbst um Famulaturen bemüht. Da habe ich sehr viel gelernt, in den Semester-Kursen an der Uni oft weniger. Sehr gut waren allerdings die Problem-orientiertes-Lernen-(POL)-Kurse, die bei uns z.T. angeboten wurden und auf denen der auch Reformstudiengang aufbaut. Ziel dieser Kurse ist es, den Stoff nicht systematisch abzuarbeiten, sondern anhand von Fällen zu erarbeiten – so wie man später auch anhand des Patient (mit seinem „Problem“) lernt.


Welche Fächer waren im Studium Ihre Lieblingsfächer und was hat Ihnen daran gefallen?

Sehr gemocht habe in der Vorklinik die naturwissenschaftlichen Fächer, Physik und Chemie sowie Biochemie und Physiologie, wahrscheinlich, weil sie mir einfach liegen.
Im Krankenpflegepraktikum habe ich dann Anästhesie kennengelernt, das ich bis heute noch am spannensten finde, da es Physiologie und Pharmakologie mit dem Patienten verbindet.
Ich glaube allerdings, dass alle Fächer ihre spannenden Seiten haben und dass es wichtig ist, einen guten Kurs oder evt. ein gutes Praktikum zu haben. Der POL-Neurologie hat mich z.B. auch für dieses eher Anatomie-lastige Fach begeistert.


Welche Fächer haben Sie im Studium eher überhaupt nicht gemocht und warum haben Sie Ihnen missfallen?

Wie gesagt, Anatomie fand ich furchtbar – in kürzester Zeit Unmengen an Fakten auswendig zu lernen, finde ich relativ unsinnig.
Mein Problem mit der medizinischen Nomenklatur zog sich dann durch´s Studium durch und mit solch beschreibenden Fächern wie Pathologie, Radiologie und Dermatologie konnte ich mich nicht wirklich anfreunden. Aber Gott sei Dank war es nach dem Physikum einfacher, die Prüfungen zu bestehen. Probleme mit relativ hohen Durchfallquoten gab es bei uns nur in der Vorklinik – später wurde das von uns wie von den Lehrenden/Profs. viel lockerer gesehen.
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