Die zweite Alternative ist ein Studium in Ungarn, zum Beispiel in Budapest: An der altehrwürdigen Semmelweis-Universität be-steht seit 1983 die Möglichkeit, Medizin auch in deutscher Sprache zu studieren. Das Studium der Vorklinik können deutsche Studenten nämlich in ihrer Muttersprache absolvieren. Erst ab dem dritten Studienjahr werden Ungarischkenntnisse vorausgesetzt, denn von nun an treten die Studenten in Kontakt mit Patienten der Lehrkrankenhäuser. Für diesen Studien-abschnitt werden seit 1989 Veranstaltungen in Englisch an-geboten. Mit 30 % ist der Ausländeranteil unter den rund 4.000 Studenten der Fakultäten Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie entsprechend hoch. Im Fach Medizin werden pro Jahr maximal 150 Studenten aufgenommen. Im Vergleich zu Witten-Herdecke sind in Budapest sehr hohe Studiengebühren fällig: Satte 5.400 Euro pro Semester sind zu berappen. Viele der deutschen Studenten versuchen auch aus diesem Grund, nach ein paar Semestern wieder in heimische Gefilde zu wechseln. Dafür sind die Lebens-haltungskosten besonders für einheimische Produkte in der pittoresken ungarischen Hauptstadt recht niedrig, so dass sich viele Studenten weitläufige Wohnungen in den stadttypischen Ge-bäuden mit Innenhof leisten können. Daneben bieten auch die Universitäten in Szeged, Pecs und Debrecen Medizin für deutsche Studenten an. Wie in der ungarischen Hauptstadt ist auch hier die Möglichkeit eines Studiums in erster Linie abhängig von den finanziellen Möglichkeiten. Wer an ungarischen Unis zugelassen wird, das entscheidet übrigens nicht direkt ein Numerus Clausus, sondern wird individuell anhand der Abinote, der Zusammensetzung der Abifächer (wo-bei Naturwissenschaften vorteilhaft sind) und Vorkenntnissen (Rettungsdienst, Krankenhaus-praktika) entschieden. Den Faktor Wartezeit gibt es nicht, wer also ein Parkstudium macht und sich dann in Ungarn bewirbt, hat dadurch zumindest hier keine Nachteile.
Die dritte Alternative ist ein Studium an der Medizinischen Fakultät der Karls- Universität in Tschechien. Am Standort Hradec Králové (Königgrätz) besteht seit 1992 die Möglichkeit, Medizin in englischer Sprache zu studieren. Jedes Jahr stehen für Studienanfänger aus dem Ausland 45 Plätze für Humanmedizin zur Verfügung. Wie in Ungarn beginnt ab dem dritten Studienjahr der Patientenkontakt, Teilnahme an Tschechisch-Kursen in den ersten beiden Jahren ist daher Pflicht. Zugangsvoraussetzungen: Abitur, das Bestehen einer Aufnahmeprüfung in den natur-wissenschaftlichen Fächern und Mathematik sowie ein Interview. Die Kosten betragen rund 8.900 Euro pro Studienjahr.
Gelauscht (Foren)
Studium in Ungarn
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