PJ in Innerer Medizin in Tampa
Delia Baleanu
Motivation
Das berühmte bedside-teaching in den USA , das ich nur vom Hörensagen kannte, hat mich dazu verleitet, ein PJ-Tertial in den USA absolvieren zu wollen, zumal ich auch noch keine englischsprachige Famulatur vorher gemacht hatte. Ich wusste auch, dass ich nur mein Wahlfach-PJ-Tertial an einem deutschen Krankenhaus verbringen und die restliche Zeit, also die PJ-Tertiale Innere und Chirurgie, ins Ausland wollte.
Da meine Heimatuniversität ein Austauschprogramm mit der University of South Florida (USF) für Innere Medizin seit vielen Jahren betreibt, bewarb ich mich eben für dieses und bekam ca. 1 ½ Jahre vor Beginn meines PJs die Zusage. Es war ein absehbares Unterfangen, da bereits zahlreiche Erfahrungsberichte von Generationen von deutschen Studenten existieren und ebenso die Möglichkeit der Auto- und Wohnungsübernahme von Vorgängern.
Ich habe ca. 10 Tage gesucht, bis ich meine Wohnung gefunden hatte. Eine Kommilitonin kam 8 Tage nach meiner Ankunft auch in Tampa an und wir haben zufällig auch ein Haus gefunden, in der wir beide wohnen konnten. Unsere Miete belief sich auf 365 $ / Person und Monat, das Haus ist sehr schön am Hillsborough River im Nord-Osten Tampas gelegen. Mit dem Auto zum USF Campus/ Moffit Center/ VAH ca. 10-15 min., zum TGH ca 20-25 min. Unsere Vermieterin Eva Busato, eine 31jährige gebürtige Italienerin, aufgewachsen in Venezuela, hat 1 Jahr in der Nähe von Freiburg bei einer deutschen Gastfamilie gelebt, ist Architektin und wohnt mit im Haus. Sie hat eine Katze und ist ziemlich pflegeleicht (sowohl die Katze als auch Eva). Beide Zimmer sind sehr schön, gross und ruhig, es gibt aber für beide Zimmer nur ein Bad.
Vorbereitungen
Nach Erhalt der Zusage für den Platz in Tampa habe ich mich entschlossen, mein letztes PJ-Tertial (November 2002 bis März 2003) in Tampa zu absolvieren. Da ich mein 2. Tertial in der Schweiz verbracht habe, stellten sich meine Bemühungen um die notwendigen Dokumente als etwas schwieriger heraus, als ich gedacht hatte. Ich hatte bereits im 1. Tertial, also im April 2002, angefangen, mich um die nötigen Nachweise für die Bewerbungsformulare der Universität und für das J1-Visum zu kümmern (Impfungen –ich habe mich im 2-Wochen Rhythmus ca. 3 Monate impfen lassen müssen; Rö-Thorax-mein Tb-Test war ja positiv aufgrund der Impfung einige Jahre zuvor; Bankbestätigung von den Eltern über die Finanzierung des Aufenthaltes-es ist ein Nachweis über 1500 USD monatlich notwendig; Zum Thema Krankenversicherung schaut man sich übers Internet am besten auch verschiedene Angebote an. Trotz des Austausches musste man sich um die gesamte Prozedur selbst kümmern und auch das normale Bewerbungsverfahren der USF für incoming exchange students durchlaufen –als reine Formalität. Der Austausch garantierte uns einzig den PJ-Platz und das Wegfallen der Studiengebühren für die Zeit (nicht ganz unerheblich bei 4000 USD für 4 Monate!). Ich habe 2 Medical English Kurse besucht, die aber ehrlichgesagt rein gar nichts gebracht haben, da ich sie viel zu früh besucht hatte. Das Buch Medical English (Taschenbuch Thieme Verlag) lohnt sich durchaus zu kaufen und auch mal durchzulesen.
Ein Kommilitone, der sich in Tampa befand, hat mich kurz vor meiner Abreise kontaktiert und mir die Übernahme seines Autos und seiner Wohnung angeboten. Seine Abreise war eine Woche nach meiner Ankunft, so dass ich freudig zustimmte.
Ankunft in Tampa: Unterkunft, Lebenshaltungskosten, Verkehrsanbindungen
Am 17.11.2002 kam ich in Tampa an, mein Kommilitone holte mich ab und führte mich in meine zukünftige Bleibe (sogenanntes „Appartement“), die in einem jämmerlichen Zustand war und 450 $ kosten sollte. Die Vermieter haben in ihrem Hinterhof eine Art Garage zum Appartement umgebaut, wo anscheinend bereits mehrere Generationen von Freiburgern gelebt haben. Spätestens nach der Begegnung mit den 2 Hunden und 4 Katzen, war mir unwiderruflich klar, dass ich dort auf keinen Fall die nächsten 4 Monate meines Lebens verbringen konnte.
Zu den öffentlichen Verkehrsanbindungen in Tampa kann man eigentlich nur eines sagen: Es gibt keine! Deswegen ist ein Auto leider ein MUSS, ohne Auto ist man in Tampa verloren.
Als Lebenshaltungskosten muss man zusätzlich zur Miete mindestens 600 USD monatlich rechnen, insgesamt wird von den amerikanischen Behörden der Nachweis über 1500 USD monatlich erwartet (finde ich persönlich übertrieben, denn darin ist auch noch Urlaub und vieeel Einkaufen enthalten). Geld: Man sollte vorab in Deutschland ein Konto bei der Deutschen Bank eröffnen, man kann mit der Deutschen Bank Bankkarte gebührenfrei bei der Bank of America (am häufigsten in Tampa vertreten) Bargeld abheben.
Hier ein Fahrplan für die ersten Tage in Tampa:
Tag 1:
1. Florida Führerschein machen (Buch im Flugzeug lesen, kann man auch als PDF-Datei aus dem Internet herunterladen).Achtung: Montags geschlossen! Den deutschen Führerschein und Reisepass inkl. IAP-66 und Einreisecoupon mitnehmen, Kosten 20 USD, bei Adressänderung nachträglich 10 USD. Man muss nur die theoretische Prüfung bestehen.
2. Falls ein Auto bereits vorhanden (vom Vorgänger): Tag & Title : Autoregistrierung und Autoschild, Steuer zahlen-6% vom offiziellen Kaufpreis. Gesamtkosten (bei z.B. offiziellem Kaufpreis von 500 USD) ca. 230 USD. Autoversicherung abschliessen, Kosten: bei mir waren es 450 USD für 6 Monate, es hängt aber sowohl vom Autotyp als auch von der Wohnlage ab - bei Kündigung bekommt man (angeblich) einen Scheck mit dem Restbetrag wieder zurück. AAA Plus Mitgliedschaft, Kosten 86 USD für 1 Jahr -entspricht dem Deutschen ADAC und sehr empfehlenswert, wenn man ein altes Auto fährt; falls mit VISA bezahlt wird, wird der Restbetrag bei Kündigung wieder darauf zurücküberwiesen.
Falls kein Auto vorhanden ist: Konto mit z.B. 5 $ bei der Credit Union auf dem Campus eröffen (dann aber erst nach Schritt 3!) und den Beratungsservice in Sachen Autokauf in Anspruch nehmen: Es gibt eine Person, die sich nur damit beschäftigt- wo bekommt man das beste Angebot für das Geld, das ich ausgeben will? Ich habe es selbst nicht ausprobiert, habe aber von einer amerikanischen Medizinstudentin erfahren, dass es diesen Service für USF Studenten gibt, die ein Konto bei der Credit Union eröffnen.
3.Zur Uni (Campus) fahren: College of Medicine; Cooper Hall: Lynn Reilly von ISSS(International Student Services) aufsuchen, am besten vorab (schon aus Deutschland aus) telefonisch einen Termin vereinbaren, Social Security Number erhalten, offizielle Registrierung als USF Student, Antrag für USF ID
Tag 2:
Öfters muss man die Anmeldung an der Uni auf den 2. Tag verlegen. Falls keine Wohnung vorhanden: Wohnungssuche, währenddessen bei einem anderen deutschen Studenten unterkommen. Z.Z. arbeitet eine amerikanische Studentin an einer Möglichkeit für die deutschen Studenten zumindest für eine Woche auf dem Campus im „Wohnheim“ unterzukommen, was bisher aus unerfindlichen Gründen nicht möglich war.Zum Off Campus Living Office im Argos Center auf dem USF Campus gehen, sich eine Wohnungsliste ausdrucken lassen und auch sonstige Angebote am Schwarzen Brett beachten. Man kann sich auch vorab per e-mail eine Liste schicken lassen und sich dann telefonisch aus Deutschland mit den Leuten in Verbindung setzen.

Klinische Erfahrungen in den Rotations
Dermatology (gehört in Florida zur Inneren Medizin)
In dieser rotation bekommt man anfangs einen Stundenplan, den man befolgen muss. Entsprechend Stundenplan rotiert man täglich in einer anderen Klinik (VAH, USF, Moffit, Health Care Park, Davis Blvd. Klinik), an manchen Tagen sogar innerhalb eines Tages in 2 Kliniken. Es ist ein outpatient service, das bedeutet, dass es keine Nacht- und keine Wochenenddienste gibt. Morgens beginnt die Klinik um 9.00 Uhr und dauert bis um 12.00 Uhr, am Nachmittag geht es weiter um 13.00 bis um 17.00 Uhr. Man wird ins kalte Wasser geschmissen, gerade in Kliniken wie das VAH, denn die Ärzte sind so beschäftigt, dass sie einfach keine Zeit haben, einen einzuweisen. Man zählt als vollwertiges Mitglied, das einem die Arbeit abnehmen und erleichtern kann. In Abhängigkeit vom attending wird man vor dem Patienten unterrichtet oder auch nicht, insgesamt gilt aber für die gesamte rotation: Das meiste bringt man sich selbst bei!
Am VAH und in der USF Klinik daf man gleichwertig mit den residents agieren, d.h. Biopsien machen, notes schreiben, etc. In anderen Kliniken wie Davis Blvd. Klinik beschränkt sich die Arbeit des Studenten auf die mündliche Mitarbeit und Mithilfe bei procedures wie kleine Ops, etc. Die Grand rounds alle 2 Wochen um 7.30 Uhr sind sehr interessant und lehrreich, es gibt auch andere lectures, die man besuchen kann - allerdings ist alles mit einem erheblichen Fahraufwand verbunden. Im Nachhinein würde ich die rotation trotz mangelnder Zuwendung empfehlen, aber nicht als erste rotation in den USA, da alles sehr verwirrend am Anfang sein kann-man kennt die Kliniken nicht, man kennt die Stadt nicht und man muss überall hin, ohne wirklich die Zeit zu haben, sich an einem Ort einzuarbeiten.
Emergency Room (ER) in TGH
Wer schon mal ER im Fernsehen geschaut hat, soll wissen dass es in gewissen Dingen sehr realistisch ist: es ist laut, es sind tausend Leute gleichzeitig dort, es ist chaotisch und desorganisiert. Alle Ärzte im ER sind z.Z. attendings, ab Juli 2003 soll aber ein residency program starten. Als Student wird man für 11 Dienste a 12 Stunden in 4 Wochen eingeteilt, die meistens recht gleichmässig auf Schichten von 7 a.m.-7p.m., von 12 a.m.-12 p.m. oder 11 a.m.-11 p.m. und von 7 p.m.-7 a.m. verteilt sind. Man arbeitet gemäss seinem Schichtenplan mit verschiedenen attendings und dementsprechend schwankt die Qualität auch. Im ER bekommt man alle Arten von Notfällen zu sehen von gynäkologisch über neurologisch bis zum Polytrauma, es kommen auch einfach Patienten, die einen Platz zum Übernachten suchen oder die sich keinen Hausarzt leisten können, da sie keine Versicherung haben.
Ablauf: die Patienten werden von einer Krankenschwester gleich anfangs in urgent und non-urgent eingeteilt und die Krankenakte mit einer kurzen Geschichte angelegt . Als Student nimmt man die Akte, in die man selbst nicht hineinschreiben darf, geht zum Patienten, macht eine komplette Anamnese und Untersuchung und versucht dann, einen der attendings dazu zu bekommen, sich den Patienten anzuschauen und einen anzuhören. Die besten Dienste waren die Nachtdienste, die etwas ruhiger waren als die Tagesdienste und der attending mehr Zeit zum Abnehmen der Fälle und zum teaching hatte.
Ich habe meine Dienste alle innerhalb von 14 Tagen gemacht und habe dadurch 2 freie Wochen über Weihnachten/ Sylvester gewonnen. In meiner ER rotation habe ich in erster Linie etwas über die niedere amerikanische soziale Schicht, über das Versicherungssystem und den damit verbundenen Problemen gelernt, weniger über Medizin.
Cardiology Consults in TGH
attending: Dr.Patel; resident: Dr. George Blanco; fellow: Dr. Tywaun Tillmann
Ich habe in Kardiologie insgesamt 3 Wochen verbracht, davon 2 Wochen im Consult service und 1 Woche in der Cardiac Care Unit = CCU(bedeutet „normales“ Kardiologieteam, das primär für die Kardiologiepatienten zuständig ist). Consults (Konsil) bedeutet, dass die Patienten primär einem anderen Team zugeordnet sind (z.B. Chirurgie oder Gyn oder allgemeine Innere) und das Kardiologieteam die Patienten nur in 2. Linie sieht, weil das primary team es für notwendig erachtet hat und ein consult angefordert hat. Meine Zeit in cardiology consults war sehr angenehm, ich hatte ein sehr nettes Team, das immer ein offenes Ohr für meine Fragen hatte und mir auch ansonsten und ganz freiwillig mir Sachen gezeigt bzw. erklärt hat, mein attending hat mich während der Visiten („rounds“) immer mit Fragen gelöchert und habe ich die Antwort nicht gewusst, musste ich in der Bibliothek bis zum nächsten Tag das Thema nachlesen und dann darüber erzählen.
Tagesablauf war: 8.45 a.m. morning conference, dann bis 12.00 a.m. Patienten allein oder mit dem resident sehen, um 12.00 a.m. Mo, Mi und Fr noon conference mit Essen (for free!), ab 13.00 rounds mit dem attending bis wir durchwaren, danach freie Studienzeit in der Bibliothek. Zum Ende der 2. Woche hat das Team gewechselt und Dr. Patel hat vorgeschlagen, dass ich vielleicht in meiner letzten Woche mir einen Einblick in die CCU mit Dr. Cintron verschaffe. Übrigens kann man über Cheryl Beckler nicht in die CCU direkt gehen, man kann aber diesen kleinen Umweg über den consult service machen. In der CCU war einiges mehr los, mein resident und intern haben täglich um 6.00 a.m. angefangen, da wir um 9.30 a.m. schon mit rounds angefangen haben und nachmittags noch einige Neuaufnahmen aus dem ER hatten. Dr.Cintron ist ein sehr guter Lehrer und nimmt sich immer Zeit für die Studenten, diese wenigenTage mit ihm haben sich sehr gelohnt.
Das Beste (fast) zum Schluß: Infectious Diseases (ID) am Moffit Cancer Center (MCC)
And now last but not least…. Das Beste kam zum Schluss! Zunächst die Akteure: Der attending: Dr.John Greene; Sein fellow: Dr. Cherurut Samboobwit, Dr. Nadeem. Dr. Greene ist ein Phänomen, er bringt einem ID auf höchst angenehme Weise bei und man lernt ausserdem etwas, was man sonst äusserst selten lernt: wie sollte ein Arzt mit seinem Patienten bzw. seiner Familie in schwierigen Situationen umgehen oder sprechen? Am MCC hatten wir wie der Name schon sagt ausschliesslich Krebspatienten, die in der Phase post Chemotherapie und meist neutropenisch waren und sich die exotischsten Infektionen eingehandelt haben. Begonnen hat der Tag gegen 9.00 morgens, bis um 11.00 oder 12.00 hat man nach einigen Tagen Einarbeitung seine eigenen Patienten gesehen, danach gab es fast täglich entweder von Dr.Greene oder intra- bzw. interdisziplinär von anderen OÄ eine Fortbildung, die manchmal sogar vom Mittagessen begleitet war (allerdings deutlich seltener als am TGH, da durch Pharmavertreter gespendet und Dr. Greene das selten annimmt). Die Fortbildungen waren sehr gut und interessant, aber man muss sich darauf gefasst machen, dass v.a. Dr. Greene sein Publikum der Reihe nach ausfragt und man als Student in der Anfangsphase doch sehr ins Schwitzen kommt. Am Nachmittag ab 13.00 haben wir dann Visite gemacht, der Tag war meist zwischen 17.00 und 18.00 Uhr zu Ende. Dr.Greene bietet öfters an, dass seine Studenten in dieser rotation zusätzlich zur klinischen Arbeit noch eine research Arbeit übernehmen und mit an seinem Buch schreiben, aber es ist keineswegs als Pflicht gemeint. Er ist durchaus auch zu beeindrucken, wenn man z.B. selbstständig Literaturrecherche betreibt und neue Fakten anbringt, wenn man einen aussergewöhnlichen Fall gerade hat. Zum Schluss gibt es dann meist einen sehr wohlwollenden Empfehlungsbrief und ein sehr nettes Abschlussgespräch. Über Dr.Greene und diese rotation kann man nur in Superlativen sprechen.
Ich hatte nicht nur das Glück, einen hervorragenden OA zu haben sondern ausserdem noch eine ganz herausragende fellow, mit der ich meist vormittags alleine gearbeitet habe. Cherurut war am teaching ganz besonders interessiert und zudem auch sehr fit auf dem Gebiet der ID. Die rotation war sehr anstrengend, wir hatten täglich zwischen 22 und 30 Patienten, aber es hat unheimlich viel Spass gemacht und ich habe sehr viel gelernt.
Sprachprobleme und Beziehungen zur Bevölkerung
Anfangs war mein Englisch noch leicht eingerostet, v.a. im Krankenhaus war es ganz schlimm. Die Amerikaner benutzen in der medizinischen Fachsprache für alles Abkürzungen, die man eben erst mit der Zeit kennt und man braucht drei mal länger für eine Anamnese als ein gleichgestellter amerikanischer Student. In der ersten Woche kommt man sich ganz furchtbar dumm vor und das Schlimme ist, dass es nicht sehr rasch besser wird. Ich habe die Patienten und die Ärzte auch in Abhängigkeit von Ihrer Abstammung besser oder schlechter verstanden: gerade die Leute aus dem Süden und die schwarze Bevölkerung fand ich ziemlich schwierig zu verstehen, während ich die Ärzte, die bespielsweise aus NYC oder Boston kamen, hervorragend verstand. Es ist aufgrund der geographischen Lage durchaus hilfreich und sinnvoll Spanisch zumindest in den Grundzügen zu beherrschen, da ca. 20% von Tampas Bevölkerung NUR Spanisch spricht. Nach 3 Monaten fand ich, dass mein Englisch und mein Fachenglisch bemerkenswerte Fortschritte gemacht hatten. Noch eines: die Amerikaner sind an Fremde, die nur schlechtes oder mittelmässiges Englisch sprechen können, gewöhnt und nehmen KEINE Rücksicht darauf, auch korrigieren sie einen nicht, da es ihrer Auffassung nach unhöflich wäre.
Ich habe einige wenige Freundschaften geknüpft, die meisten allerdings zu Ausländern. Die meisten Ärzte und Mitstudenten waren älter, verheiratet und hatten auch schon Familie und waren deshalb nicht gerade ausgehfreudig. Im Krankenhaus war es sehr leicht Kontakte zu knüpfen, die aber auf die Zeit in der Klinik auch beschränkt blieben.
Gesundheitsversorgung und medizinische Ausbildung
In den USA besteht keine KV-Pflicht, deshalb ergeben sich eine ganze Menge Probleme und neue Berufssparten, die wir so aus dem deutschen Gesundheitssystem nicht kennen. Social workers werden vom Krankenhaus eingestellt, um dem Krankenhaus Geld zu sparen: Sie kümmern sich um die Versicherungsproblematik (z.B. übernimmt die Versicherung einen bestimmten Eingriff oder ein best. Medikament?), wie schnell kann der Patient aus sozialer Sicht entlassen werden und wird die weitere ambulante medizinische Versorgung gewährleistet? Dann gibt es nurse practitioners und physician assistants, entspricht einer Krankenschwester mit Weiterbildung und mehr Weiterbildung, die selbständig unter Aufsicht eines Arztes nichtakute Patienten behandeln dürfen. Alle Eingriffe bzw. Verordnungen werden auch aus dem finanziellen Blickwinkel betrachtet bevor sie durchgeführt werden. Es gibt keine Stationen im klassischen Sinne, sondern Primär-Teams und Consult-Teams, die Patienten auf allen Etagen betreuen- dadurch geht der Überblick verloren und die Patienten sind die Leidtragenden, dafür ist aber die Bettenbelegung optimal!

Medizinstudium in den USA und mein Fazit
Medizinische Ausbildung: 4 Jahre College, 4 Jahre Medical School (bereits ab dem 3.Jahr nur noch Ausbildung im Krankenhaus, das 3. Jahr ist wohl das schlimmste, das 4. Jahr eher locker und wird für Bewerbungen und Interviews genutzt), meist dann 1 Jahr internship in Innerer Medizin oder Chirurgie (ganz wenige Weiterbildungsrichtungen erfordern kein internship, z.B. Ophthalmologie, Dermatologie) dann residency 3 Jahre in der allgemeinen Facharztrichtung (z.B. Innere Medizin, residents rotieren wie Studenten monatlich in den verschiedenen Fachbereichen) und dann 2-3 Jahre fellowship, d.h. spezifische Facharztausbildung (z.B. in Innerer Medizin : Kardiologie oder Infectious Diseases, etc.), nach der Facharztausbildung wird man zum attending= Oberarzt. Die amerikanischen Medizinstudenten haben nach dem Medizinstudium ca. 100.000- 200.000 USD Schulden!!! Die Weiterbildungsstellen werden durch ein zentrales Vergabesystem verteilt und alle erfahren am gleichen Tag („match day“), wo sie ihre Stelle bekommen haben.
Grundsätzlich kann man wohl an der USF auch in anderen Fachbereichen PJ machen, es sei wohl aber laut amerikanischen Studenten NICHT empfehlenswert, Chirurgie zu machen: Sehr harte Arbeitszeiten (Beginn um 5.00 morgens täglich!, Schluss ist frühestens gegen 20.00 Uhr, teilweise geht der Dienst bis zum nächsten Tag um 15.00 Uhr....), sehr unfreundliche und arrogante Chirurgen, schlechte Ausbildung, etc.
Freizeit:
Tampa selbst fand ich als Stadt nicht gerade umwerfend, eigentlich ziemlich trist. Es gibt das historische Viertel Ybor City, wo Bars, Discos und Kino zu finden sind und am Wochenende abends viel junges Volk unterwegs ist und noch ein neueres Viertel Hyde Park, wo man ebenfalls Bars, Restaurants und Kino finden kann und ebenfalls abends und am Wochenende ein bisschen was los ist. Downtown ist das Banken- und Geschäftsviertel, das nach 18.00 wie ausgestorben wirkt. Die Strände in Clearwater und St. Petersburg sind sehr schön und durchaus die 45-60 min. Fahrtzeit wert. Umgebung: Sarasota, Orlando (Disney World), Cape Canaveral.
Adressen
College of Medicine: Registrar Robert “Rel” Larkin –e-mail:
- Tel: (001-813-) 974 3427; Assisstentin Ellen Almeida – e-mail:
- Tel: - 974 0828; Cheryl Beckler – Tel: - 974 4881
Bewerbungsadresse: Robert Larkin, Director of Admissions & Records, University of South Florida, College of Medicine, 12 901 Bruce B. Downs Blvd., MDC Box 19, Tampa, Florida 33 612-4799
ISSS: Lynn Reilly – e-mail:
- Tel: - 974 5102
Off Campus Living: Tel. –974 7613
AAA + Tag &Tiltle: 1515 N. Westshore Blvd., Tampa, FL 33607; Tel: 813 289 5000
Andere Tag & Title Stelle: Hillsborough County Tax Collector : 3932 W. Hillsborough Ave. (in the Horizon Park Shopping Center)
Autoversicherung: Agent: Richard Houghtalin,Five Brothers Insurance,3635 S.Dale Mabry Hwy.,Tampa, FL 33 629. Versicherung selbst: Orion Auto
Appartements:
Marsha Spence 9303 A-B Eastfield Rd., Thonotosassa FL 33592; Ph: 813 982 0805; Fax: 813 982 2207;
Eva Busato , 6090 River Trace Street, Tampa/ FL, Zip 33 617, Tel: -980 6412, Handy : -3002130, e-mail:
Fritz and Susan (Hinterhofappt. in W Cleveland Street, South Tampa) : e-mail:
; Tel: -673 8335; Handy: -300 0999
Rückblick:
Obwohl meine Erwartungen nicht erfüllt wurden, bereue ich es nicht, diese 4 Monate in Tampa verbracht zu haben, denn ich hatte eher einen Traum, als eine genaue Vorstellung- und aus diesem Traum bin ich nun erwacht. Das amerikanische Gesundheitssystem und die Krankenhausorganisation haben mich persönlich enttäuscht, das berühmte bed side teaching stellte sich als qualitativ schwankend heraus und ich fand tausend Argumente, warum ich das deutsche Krankenhaussystem und in einigen Gesichtspunkten auch das Ausbildungssystem doch bevorzuge. In der Ausbildung kann man Glück oder Pech haben, alles steht und fällt mit dem Team, dem man gerade in diesem bestimmten Monat zugeteilt wird. Ich hatte mehr Glück als Pech, der ER hat sich bei mir als Reinfall herausgestellt, aber wie wird es beim nächsten sein? Diese Frage kann ich nicht beantworten, aber für sonstige Fragen stehe ich gerne zur Verfügung:Delia Baleanu, 13. Fachsemester an der Universität Freiburg, e-mail:
Kleines Glosar:
TGH: Tampa General Hospital, VAH: das staatliche Militärkrankenhaus für Armyangehörige, rounds= Visite
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