Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr wieder Medizin studieren?
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rosa_banana
11.05.2020, 13:20
Blut muss spritzen, Knochen müssen knacken, sonst ist es keine echte Medizin. Aber bitte mit freundlichem Umgangston und pünktlichem Feierabend.
cartablanca
11.05.2020, 13:21
Das ist ein Klassiker:
Ja klar natürlich rettet auch das Reinigungspersonal Menschenleben, wenn es die OPs säubert. Der Hygienejob ist immens wichtig.
Nur wenn mein Job NUR noch aus Bürokratie ohne regelmäßige Erfolgserlebnisse während des Noteinsatzes oder bei der Diagnostik bestehen würde würd ich mich glaub ich erhängen.
Ob du das pathologisieren willst ist dir überlassen. Ich denke das Problem mit der Selbsterhöhung hab nicht nur ich - wenn ich mir hier so einige Kommentare durchlese.
Ich würde ja mal die kühne Behauptung aufstellen, dass in der Anästhesie die Quote der geretteten Leben nicht zu verachten ist. Nicht nur durch die Intensiv- und Notfallmedizin sondern auch durch die Tatsache, dass ohne Beteiligung der Anästhesie viele andere Fachrichtungen in ihrer lebensrettenden Tätigkeit sehr limitiert wären. Und der Hygieniker wird jetzt vielleicht keine heldenhaften Taten vollbringen aber mehr Leben retten als sich so manchmal einer vorstellen kann. Stichwort multiresistenze Keime... und Corona würde uns sicher auch noch deutlich mehr Probleme bringen, wenn da in der Hygiene nicht der ein odere andere Gedanke an das Thema verschwendet worden wäre...
Ich persönlich hätte jetzt die Kardiologie auch jetzt nicht unbedingt als primäres Wunschfach der Lebensretter gesehen. Klar, so eine Katheterintervention oder ein Schrittmacher/Defi hat schon das ein oder andere Leben gerettet aber im großen und ganzen ist die Kardio doch auch nicht lebensrettender oder "glamoröser" als jede andere internistische Fachdisziplin... und für die meisten Kardiologen gehören die oben genannten Internventionen auch nicht unbedingt zu täglichen Alltag. Würde mich doch mal interessieren, was genau da die Kardiologie so attraktiv macht für die Lebensretter.
Ein Großteil meiner Patienten würde ohne Dialyse heute nicht mehr Leben. So gesehen rettet meinen Abteilung also tagtäglich Leben in dem sie den Patienten die Dialysebehandlung ermöglichen. So richtig heldenhaft kommt der durchschnittliche Nephrologe irgendwie trotzdem nicht rüber und meine Arbeit an sich ist jetzt auch eher unspektakulär. Aber vielleicht betrachte ich das aber auch irgendwie aus dem falschen Blickwinkel. Mein Karmakonto im Bezug auf gerettete Leben ist nach fast 10 Jahren Rettungsdienst nämlich schon voll, das konnte ich schon von meiner Lebenszielliste streichen und kann mich anderen Dingen widmen.
Arbeitsbedingungen sind eben auch nicht in Stein gemeißelt und es liegt an jedem selbst, an einer miesen Situation etwas zu ändern. Ich leugne nicht, dass die Medizin ein Fachbereicht ist, in der das Arbeitszeitgesetzt sehr großzügig ausgelegt wird und die Arbeitsbelastung hoch ist. Aber nicht überall herrschen absolut unzumutbare Bedigungen und auch ist es nicht Gesetzt, dass man als Assistenzarzt "schlechter als ein Hund" behandelt wird.
Ich kann das z.B. von meiner aktuellen Stelle in einer internitischen Klinik nicht behaupten. Weder habe ich Arbeitszeiten jenseits von gut und Böse noch werde ich schlecht behandelt. Ja, auch ich mache Überstunden aber von 60-Stunden-Wochen bin ich weit entfernt und alle Überstunden werden erfasst. Ich werde weder von ärztlichen Kollegen noch von Pflegekräften schlecht behandelt und es herrscht ein respektvoller und kollegialer Umgang.
Hier wird immer gesprochen von Bereichen mit guter Work-Life-Balance. Können wir das mal zusammen tragen?
Ich für meinen Teil gehöre auch eher zu den Menschen, die nicht nochmal Medizin studieren würden. Ich mag die Innere, finde die Bedingungen dort aber größtenteils mau und ich habe zwei Häuser kennengelernt bisher. Jenachdem mit welchem Personal man zusammen arbeitet kann ich auch unterschreiben, dass da teilweise wirkliche seltsame und vorallem auch selbstlos Köpfe bei sind. Aber das hat man doch überall oder?
Ich finde, dass die Ärzteschaft in kleineren Bereichen wie Uro und Gyn deutlich zufriedener wirken als wie in größeren Bereichen wie der Inneren.
Christoph_A
11.05.2020, 14:40
Kardiologen sind die allergeilsten und natürlich die Krone der Internistenschaft :-D
Spaß beiseite, ich finde, daß man in den allermeisten medizinischen Bereichen Leben retten (welch hehres Wort) oder zumindest Leiden lindern kann, was ja im Endeffekt der Sinn unseres Berufs ist. Die Leute, die sich daran hochziehen waren mir aber bereits im Studium sehr suspekt und sind wirklich oftmals stark Neurosen- oder Burnout gefährdet, oder schlimmstenfalls beides.
Klar, die Bedingungen gerade im KH sind teils mehr als suboptimal, aber wie bereits von den Vorschreibern ausgeführt, kann man heute eigentlich fast immer kündigen und was neues suchen, was früher bei weitem nicht so einfach war und endet auch die längste Assistentenzeit irgendwann mal und es kommen angenehmere Arbeitszeiten und doch teils deutlich mehr Kohle.
Ich jedenfalls kenne kaum einen niedergelassenen Kardiologen, der verhungert oder über seine Arbeitsbelastung schimpft, wenn einem eine Beteiligung/eigene Praxis zu stressig ist, kann man sich ja auch für gutes Geld anstellen lassen, viele Praxen suchen händeringend qualifizierte Mitarbeiter.
Ist halt dann etwas langweiliger als FA für 80% Normalbefunde und mit weniger akute geretteten Leben versehen, dafür hat man immer freie WE, nen doch sehr pünktlichen Feierabend und ein gut gefülltes Bankkonto.
WackenDoc
11.05.2020, 16:57
Ach je, die Einorgankollegen mit ihrer Flickschusterei :rolleyes::-D
][truba][
11.05.2020, 17:15
Denke ohne Hygiene würden ziemlich viele Patienten sterben. Wie eben bei allen Fachrichtungen? Egal ob Mibi, der mir sagt welche Antibiose ich nehmen soll, Hygiene, welche Maßnahmen ich bei irgendwelchen Keimen anwenden muss oder Patho, der mir sagt, ob ich nun R1 oder 0 operiert habe und der Patient ggf. weitere Maßnahmen brauch. Vom Kardiologen der das Herz rettet (und sonst alles bluten lässt ;-) ) über den Hausarzt der den Mensch rettet. Schubladen und "ich bin der geilste" hat noch nie jemandem geholfen.
cartablanca
12.05.2020, 10:49
Also, wenn ich Kardiologe wäre würde ich mich jetzt aber durch das ganze Bashing ganz schön angegriffen fühlen. Wie gut dass ich das nicht bin. Und interessant was einige Leute offenbar für Minderwertigkeitskomplexe gegenüber Kardiologen zu haben scheiben (lässt alles Andere bluten, Kardiologen sind die geilsten, Einorgankollegn etc.).
Rahmspinat
12.05.2020, 10:59
Also, wenn ich Kardiologe wäre würde ich mich jetzt aber durch das ganze Bashing ganz schön angegriffen fühlen. Wie gut dass ich das nicht bin. Und interessant was einige Leute offenbar für Minderwertigkeitskomplexe gegenüber Kardiologen zu haben scheiben (lässt alles Andere bluten, Kardiologen sind die geilsten, Einorgankollegn etc.).
Also ich als Assistenzarzt in der Kardio fühle mich davon sicher nicht angegriffen, wie so ziemlich jeder mit einer gefestigten Psyche. Und die Stereotypen und Witze gibts doch über jede Abteilung, wer zum Lachen in den Keller geht, erkennt das vielleicht nicht direkt. Aber so wie du hier schreibst, bist du wahrscheinlich nicht mehr als ein Troll
Genau: Lasst uns doch mal die Anzahl der "geretteten" Leben bzw. die Anzahl der Menschen, denen man tatsächlich mal helfen konnte, in Relationen zu der Anzahl stellen, denen man nicht helfen konnte bzw. deren Maßnahme eher schädlich war. Datengrundlage: subjektive Einschätzung des Patienten bzw. der Angehörigen.
Diesen Koeffizienten berechnet man für jede Fachrichtung als Grundlage für eine ganze neu Art der Vergütung. Wie wärs?
( Ich glaube übrigens, jeder Sportlehrer rettet mehr Leben, wenn er es wirklich schafft, die Schüler so zu motivieren, dass sie regelmäßig Sport treiben. )
cartablanca
12.05.2020, 11:09
Blut muss spritzen, Knochen müssen knacken, sonst ist es keine echte Medizin. Aber bitte mit freundlichem Umgangston und pünktlichem Feierabend.
80% der Zeit mit dem Ausfüllen von Formularen verbringen dazu ein aggressiver Umgangston und 4 Überstunden pro Tag. Was ist wohl näher an der Realität?
cartablanca
12.05.2020, 11:23
@Rahmspinat Gefestigte Psyche? Das ich nicht lache. Das muss sich richtig erhebend anfühlen als Mitglied einer Gruppe von ca. 7 Teilnehmern einen einzelnen User mit einer abweichenden Meinung anzugreifen. Ich würde mir an deiner Stelle erbärmlich vorkommen. Ich glaube eher derjenige der sich auch mal traut aus der Reihe zu springen und im Zweifel gegen eine Gruppe zu stellen hat die gefestigte Psyche und nicht so ein Mitläufer wie du.
Feuerblick
12.05.2020, 11:31
...und wieder sehen wir, warum der Umgangston und die aufbrausende Art eines gewissen Users Rückschlüsse darauf zulässt, warum er „gemobbt“ wird... :-nix
Christoph_A
12.05.2020, 12:29
Jetzt füttert doch den Troll nicht ständig, so amüsant ist der jetzt auch nicht.....
Feuerblick
12.05.2020, 12:37
Och... in Ermangelung anderer Trolle isser doch ganz niedlich ;-)
Jukka666
12.05.2020, 16:47
Och... in Ermangelung anderer Trolle isser doch ganz niedlich ;-)
Vorsicht, sonst kommt Holm noch vorbei und fragt, ob seine Personalabteilung vielleicht einen Ausdruck über seine geretteten Leben liefern kann und wie sich das mit der Tarifgestaltung in Relation dazu verhält...
mal im Ernst: wir sind uns einig, dass du (cartablanca?) wohl nach wie vor massive Probleme in deinem Berufsleben zu haben scheinst (80% Formulare??) und der Arzt-Alltag wohl nicht das ist, was du dir (von Kindesbeinen?) an erhofft hast.
Das tut mir leid für dich.
Aber in der Hand hast das nur du.. dein Leben gestaltest nur du allein und wenn deine Fachrichtung dir nicht zusagt und es bei dir v.a. um "sinnvolles" wie "Leben retten" geht (absichtlich in Anführungszeichen), dann wird's vielleicht Zeit über einen richtigen Jobwechsel nachzudenken...ich meine richtig..also nicht mehr Arztsein?
Denn meiner Erfahrung nach sind zB im Rettungsdienst v.a. die gefährdet, die genauso reden wie du. Die entspannteren Menschen und Kollegen sind innerlich ausgeglichener, glücklicher und machen meist ihren Job sogar besser als die, die permanent nach einem "höheren Sinn" suchen..
Wobei: wenn selbst das Medi-Learn-Forum mit dem "Karriere-Comic-Strip" ganz oben suggeriert, am Ende steht der lebensrettende Notarzt und nicht der Hygeniker, weiß ich auch nicht weiter.... :-)
Kackbratze
12.05.2020, 17:47
Ich weiss es ist hart.
Hier "rettet" niemand ein Leben. Wir verzögern nur den Tod.
Oder kennt hier jemand irgendeinen Patienten, der nach Arztkontakt nicht mehr gestorben ist oder sterben wird?
Doch! Diejenigen, die bei dem Arztkontakt sterben, können es danach nicht mehr :-))
limbictree
14.05.2020, 13:44
Ich würde es wieder studieren, ich finde die materielle Sicherheit, die aus dem Studienabschluss folgt, ist unfassbar. Selbst Menschen, die durch erhebliche Lebensprobleme und Krankheiten leidlich durchs Studium kamen, oder durch Irrungen und Wirrungen im Leben jahrelang Pausen machen (und so weiter) und einen lückenhaften und mangelhaften CV haben, werden in der Medizin mit den offensten Armen empfangen, weil Menschen gesucht werden, die arbeiten können und wollen. Und dann wird man noch gut bezahlt, hat die Option sehr spannende und vielfältige Dinge zu tun und ne Arbeit zu leisten, die fast immer nachweislich anderen Menschen etwas bringt, oder aber zumindest spannender ist als vieles andere, was Menschen so arbeiten müssen um Geld zu verdienen. Das gibt es so in kaum einer Branche, dass man so leicht einen guten Job findet. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig und Work-Life-Balance ist auch etwas eine Frage des Egos oder der Prioritäten (wie gut und wie heldenhaft muss ich sein, welche Karriere will ich machen, wie viel Langeweile vertrage ich).
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