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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Würdet ihr wieder Medizin studieren?



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andi93
10.06.2019, 10:59
Mir ist schon klar, dass nicht jeder meine Laufbahn nachmachen kann, aber unmöglich ist es nicht.
Was das Gehalt betrifft, so ist mein Bruder ein recht hohes Tier (über ihm nur Partner) bei einer großen Consulting-Firma, und er verdient etwas weniger als ich. Ich kenne einige IT-ler, Ingenieure, Lehrer etc., und die meisten von ihnen müssen mit mehr Stress weniger Gehalt verdienen. Klar, wir müssen durch die Weiterbildung durch, die ist kein Zuckerschlecken und gelegentlich sehr frustrierend; aber wir können uns durchkämpfen und es dann deutlich besser haben; die meisten Menschen in anderen Berufen können das nicht.
Ihr seid mir einfach zu viel am Jammern und abraten. Dann ist sie eben nicht mehr 20, und hat Physik studiert. Ist doch super: Medizinstudium, Partner finden, Weiterbildung zum sagenwirmal Facharzt für Strahlentherapie, während der Weiterbildung Kinder bekommen, Fachärztin mit 40, noch 27 Jahre Berufstätigkeit vor sich, und das ohne Überstunden und ohne Arbeit nachts und am Wochenende, mit Oberarztgehalt im Mangelfach locker mal von mindestens 120.000 pro Jahr. Klingt das sooo unrealistisch? Nicht garantiert, klar, insbesondere die Kiste mit Partner und Kindern, aber auch alles andere als unmöglich. Wenn man euch allen jedoch so zuhört, könnte man meinen, das Dasein eines Arztes sei eine einzige Enttäuschung, und alles nur Mist. Das ist doch Quark.

Was verdienst Du denn so? Der TV Ä für Oberärzte ist auch nicht soo Krass. Ist ja anonym hier. Und vor allem welches Fach?

][truba][
10.06.2019, 11:11
Als leitender Oberarzt bekommt man mit Verhandlungsgeschick doch einiges außertariflich. Bei uns gab es zwei oa die zb laut ihrem Vertrag gar keine Dienste mehr gemacht haben.

Rahmspinat
10.06.2019, 11:52
[truba][;2100088']Als leitender Oberarzt bekommt man mit Verhandlungsgeschick doch einiges außertariflich. Bei uns gab es zwei oa die zb laut ihrem Vertrag gar keine Dienste mehr gemacht haben.

So ist es. Saß als Student einige Male in Berufungskommissionen für Professuren von interventionellen Fächern und dort kam an die Bewerber immer die Frage, wie man denn sich vorstelle das Personal zu halten, wenn periphere Häuser Gehälter von 250.000/Jahr bieten können. Wer sich in für Kliniken profitablen Fächern als OA rein nach Tarif bezahlen lässt, macht einiges falsch.

LasseReinböng
10.06.2019, 12:13
Was verdienst Du denn so? Der TV Ä für Oberärzte ist auch nicht soo Krass. Ist ja anonym hier. Und vor allem welches Fach?

Stimmt, aber John Silver ist LOA...ist nochmal ein Unterschied !

John Silver
10.06.2019, 12:37
Ich nenne keine Summen, aber man ist ja nicht verpflichtet, sich nach Tarif bezahlen zu lassen. Das Tarifgehalt stellt nur die untere Grenze dar. Heutzutage ist es eigentlich schon üblich, als OA, erst recht als LOA, ein übertarifliches Gehalt zu fordern. An Uniklinika blitzt man damit eher ab, aber in allen anderen Häusern lässt man sich eher für dumm verkaufen, wenn man nur das Tarifgehalt akzeptiert.

andi93
10.06.2019, 13:22
Ok das wusste ich nicht. Interessant

Bonnerin
10.06.2019, 13:59
Ich würde es definitiv nicht nochmal machen. Oder ich wünschte mir, ich hätte wirklich die Eier gehabt, das Studium abzubrechen, so oft, wie ich daran gezweifelt habe. Leider ist das aus finanzieller Sicht unmöglich gewesen.
Wenn ich nochmal die Wahl hätte, wäre ich Maschinenbauerin geworden. Auch nicht stressfrei, auch viel Verantwortung, entspricht aber eher der Lebenswelt in der ich mich zurecht finde und wohl fühle.

Was ich jetzt machen werde? Kein Ahnung. Die meisten Arbeitgeber verlangen ja trotzdem nen FA für medizinische Quereinsteiger, also muss ich mich wohl oder übel da durchquälen und drauf hoffen, im Lotto zu gewinnen.

Aber ich glaube, der OP sieht, wie bunt gemischt das Bild ist, viele verschiedene Meinungen.
Eventuell würde ich versuchen, mal ein Praktikum bei einem Arzt zu machen an deiner Stelle oder irgendwie versuchen mal 1, 2 Tage in einer Klinik zu hospitieren, falls das rechtlich machbar ist. Mich macht es bis heute ziemlich wütend, dass alle Ärzte in den Pflegepraktika auf Nachfrage immer nur meinten wie toll ihr Job ist und dass sie das alles sofort wieder machen würden - und wenn man dann 3 Jahre später als Famulantin da war (egal ob Uniklinik oder kleine Klitsche), kommt nur "Oh, ich hasse den Job, ich würde es nie wieder machen." - "Und warum meintet ihr dann vor 3 Jahren wie toll alles ist?" - "Ja, wenn so Pflegepraktikanten fragen muss man das ja sagen, außerdem kann man nicht davon ausgehen, dass ihr überhaupt nen Studienplatz bekommt."

Biene88
10.06.2019, 14:41
Was man auch nicht vergessen darf ist das Abhängigkeitsverhältnis in dem man während der WB-Zeit steckt. Das hab ich definitiv unterschätzt. Motivierend ist zu sagen, dass eig alle die ich kenne ihre Arbeitsbedingungen nach der Weiterbildungszeit und zum Großteil in der amb. Medizin als angenehmer empfinden. Da würde ich schon sagen, dass Work- Life- Balance und Bezahlung stimmig sind. Als Facharzt in der Klinik oder Oberarzt ist das sehr von ,,ökologischer Nische‘‘, Fach und Klinik abhängig.
Man muss halt wie gesagt nach dem Studium noch mal 5-6 Jahre für die WB-Zeit die Pobacken zusammenkneifen und sich ein dickes Fell zulegen.

h3nni
10.06.2019, 23:18
Auf Twitter gibts ne Kernphysikerin, die jetzt Medizin studiert und in die Rechtsmedizin will (https://twitter.com/JuleRiede ) . Vielleicht kannst du die ja mal kontaktieren?

GelbeKlamotten
11.06.2019, 02:14
Das einzig tolle am Arztberuf ist doch, dass man in der Apotheke seinen Arztausweis zücken kann. „Heute nehme ich mal ein Päckchen Cialis, zwei Pakete Lyrics, 10 Tabletten Metronidazol und eine Tüte Ihrer köstlichsten Pfefferminzdrops.“

Ne, ernsthaft: Ich würde es nicht noch mal machen. Würde denke ich Informatik studieren mit dem langfristigen Ziel, mich damit selbstständig zu machen. Als Frau hat man in dem Bereich eh oft einen Bonus, oder kann ihn sich „erarbeiten“ ;-). Mein Krankenhausalltag ist schon recht trist und unangenehm. Als Assistenzärztin wird man nur ausgebeutet und schickaniert. Und von meinen Oberärzten/innen führt keine/r ein Leben, das ich als erstrebenswert empfinde.

tragezwerg
11.06.2019, 07:05
Ich schreib jetzt auch mal was, weil ich zu denen gehöre, die wieder Medizin studieren würden. Ich mochte das Studium insgesamt ganz gerne und hab auch nie gezweifelt ob es das richtige ist. Ich bin gerne Ärztin (bin Anästhesistin, das Fach hat natürlich den Vorteil, dass ich kaum nervige Stationsarbeit machen muss und viel eigenständig arbeite). Natürlich stört mich vieles an den Arbeitsbedingungen, aber trotzdem wollte ich keinen anderen Job machen (auf der anderen Seite ist das Gras eh immer viel grüner...schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Familienverträglichkeit gibt es in fast jedem Beruf).
Aber es ist immer schwierig, Empfehlungen abzugeben. Jeder hat seine eigenen Ansprüche und Bedürfnisse, was für den einen passt ist für den anderen unerträglich.

tammytwotoes
11.06.2019, 12:37
Also man muss schon einmal anmerken, dass das Medizinstudium ein relativ wenig zeitaufwendig und kognitiv kaum herausforderndes Studienfach ist. Ich habe zuvor Maschinenbau studiert und auch in der Branche gearbeitet. Der Zeitaufwand im Studium war locker das 3-fache. Die Arbeit war dann monoton und für die meisten halt eher ein Job als eine Karriere.
Ich bin dann mit Anfang 30 aus dem Studium rausgekommen und hab bis auf je 100 Tage vor den Staatsexamina und PJ unverschämt viel Freizeit gehabt. Andere Arbeiten da schon 15 Jahre lang 40 Stunden Wochen.
Und wenn dich das Fach dann am Schluss nicht gepackt hat, wirst halt Pathologe, oder Geriater, oder Arbeitsmediziner und gehörst zu den 90%, die nicht leidenschaftlich für Ihre Arbeit brennen, sondern einfach Ihren Job machen.

Echinococcus
11.06.2019, 12:56
Und wenn dich das Fach dann am Schluss nicht gepackt hat, wirst halt Pathologe, oder Geriater, oder Arbeitsmediziner und gehörst zu den 90%, die nicht leidenschaftlich für Ihre Arbeit brennen, sondern einfach Ihren Job machen.

Die Aussage ist...fragwürdig. Wieso sollten die Ärzte aus den von dir genannten Disziplinen keine Leidenschaft haben? Ich bin auch in einer der nicht-klassischen, patientenfernen Disziplinen und habe mindestens genauso viel Feuer für meinen Job wie die Kliniker.

WackenDoc
11.06.2019, 17:05
Klar kann man Arbeitsmedizin ohne jede Leidenschaft machen- aber dann kommt halt wie in jedem anderen Fachgebiet halt nur Sch*** bei raus.

nie
11.06.2019, 17:51
Die Aussage ist...fragwürdig. Wieso sollten die Ärzte aus den von dir genannten Disziplinen keine Leidenschaft haben? Ich bin auch in einer der nicht-klassischen, patientenfernen Disziplinen und habe mindestens genauso viel Feuer für meinen Job wie die Kliniker.

Vermutlich sogar deutlich mehr ;-)


Ich würde auch sofort wieder Medizin studieren. Fand das Studium wirklich ok und das PJ hat mir richtig Spaß gemacht. Ich bin halt erst seit 6 Wochen fertig und kann nicht viel zum Leben als Assistenzärztin sagen. Gut möglich, dass ich nächstes Jahr um diese Zeit schon anders rede. Bisher aber bin ich mir sicher, dass Medizin voll mein Ding ist und habe nie an meiner Fachwahl gezweifelt. Mir würde jetzt spontan auch kein Fach einfallen, dass ich stattdessen lieber machen würde.

Für viele ist das Gras woanders halt grüner, für mich ist "woanders auch scheiße" ;-) Zumindest habe ich in meinem Umfeld niemanden, der einen Job mit super Arbeitszeiten ohne Überstunden, freien Wochenenden und Arztgehalt hat und mit seiner Tätigkeit rundum zufrieden ist weil er weder der Willkür irgendwelcher Chefs noch aberwitziger Bürokratie ausgesetzt ist.

Feuerblick
11.06.2019, 17:54
*schmunzel* Och, Arztgehalt, fast keine Überstunden, super Arbeitszeiten, freie Wochenenden und Feiertage und relativ entspanntes Arbeiten hab ich... Blöd nur: Dafür muss man Medizin studieren und sich durch eine FA-Ausbildung kämpfen :-))

nie
11.06.2019, 18:19
*schmunzel* Och, Arztgehalt, fast keine Überstunden, super Arbeitszeiten, freie Wochenenden und Feiertage und relativ entspanntes Arbeiten hab ich... Blöd nur: Dafür muss man Medizin studieren und sich durch eine FA-Ausbildung kämpfen :-))

Tja, einen Tod muss man wohl sterben ;-)

Vielleicht wird auch der ein oder andere Mensch aus meinen Umfeld ohne Medizinstudium mal dahin kommen aber der Weg ist dann auch nicht bequemer als der über die Assistenzarztausbildung.

escitalopram
11.06.2019, 18:27
Also man muss schon einmal anmerken, dass das Medizinstudium ein relativ wenig zeitaufwendig und kognitiv kaum herausforderndes Studienfach ist.

Als Physiker kann ich das nicht bestätigen. Klar muss man in Medizin hauptsächlich auswendig lernen, aber jetzt wenig zeitintensiv, puh... Wenn ich an die Vorklinik denke oder an die Zeiten vor den Examina? Und kognitiv kaum herausfordernd fand ich Medizin jetzt auch nicht. Es ist sicherlich nicht zu vergleichen mit Mathe oder Physik, aber man muss trotzdem enorme Informationsvolumina aufnehmen und kritisch interpretieren. Aber vielleicht bist du ein Genie...



Und wenn dich das Fach dann am Schluss nicht gepackt hat, wirst halt Pathologe, oder Geriater, oder Arbeitsmediziner und gehörst zu den 90%, die nicht leidenschaftlich für Ihre Arbeit brennen, sondern einfach Ihren Job machen.
Dazu sage ich lieber nichts... Klar, wenn man sich für kein Fach begeistern kann, wird man Arbeitsmediziner - logisch!

Muriel
11.06.2019, 20:51
*schmunzel* Och, Arztgehalt, fast keine Überstunden, super Arbeitszeiten, freie Wochenenden und Feiertage und relativ entspanntes Arbeiten hab ich... Blöd nur: Dafür muss man Medizin studieren und sich durch eine FA-Ausbildung kämpfen :-))

Habe ich auch und das sogar noch in der Patientenversorgung ;-)

Feuerblick
11.06.2019, 21:23
Habe ich auch und das sogar noch in der Patientenversorgung ;-)... die ich ja so überhaupt nicht vermisse ;-)