Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [B]Alternativen zum Arztberuf
Seiten :
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
[
11]
12
@dieGrille
Und wo Du gearbeitet hast, bzw. wie Dein Weg dorthin aussah? :-)
Falls noch jemand sucht...klingt ganz gut finde ich!
https://www.miamed.de/jobs/aerztlicher_redakteur_englischsprachig
Und
https://www.miamed.de/jobs?utm_source=NL1511Jobs&utm_medium=mail&utm_content=1&utm_campaign=Jobs
Ps: bei Jobaufnahme kann man mich gern als Vermittler nennen (gibt dann ein IPad) :-)):-)):-))
Hallo liebe Forumsmitglieder,
ich stehe jetzt nach 2 Jahren Assistenzarztzeit in der Klinik an dem Punkt, an dem ich nicht mehr weitermachen kann. Die mangelnde Flexibilität, hohe Arbeitsdichte und zunehmende Bürokratisierung setzen mir auch schon gesundheitlich sehr zu (ich könnte hier noch genauer werden, aber möchte nicht unnötig ausschweifen). Ich war in den letzten 2 Jahren so oft krank wie noch nie und kämpfe ständig mit Infekten, teilweise schleppe ich mich auch krank zur Arbeit. Ein Kollege ist wegen Burnout seit Wochen ausgefallen und langsam schwinden auch meine Kräfte. Eigentlich sehr schade, aber meine Motivation ist auch nicht mehr da, obwohl ich so optimistisch in die Klinik gestartet bin. Ich suche jetzt einen Ausweg aus der Klinik und schaue mich gerade um, es ist jedoch anscheinend nicht so einfach überhaupt etwas zu finden ohne Facharzttitel. Die ehemaligen Poster (Bier, Test, Thelma) habe ich versucht zu kontaktieren, jedoch ohne Erfolg. Vielleicht gibt es hier Leute, die diesen Weg ebenfalls gegangen sind und von ihren Erfahrungen berichten können? Oder es hat jemand ein gutes Joangebot (Sachsen, Sachsen-Anhalt)?
Lg und vielen Dank,
Nickl
Welche Fachrichtung machst du denn bislang? Hast du den Arbeitgeber schon mal gewechselt?
Echinococcus
12.07.2017, 12:02
Wie immer in solchen Fälle empfehle ich über die Weiterbildungen in Richtung Mibi/Hygiene/Laborchemie nachzudenken.
Welche Fachrichtung machst du denn bislang? Hast du den Arbeitgeber schon mal gewechselt?
Hallo Solara,
ich arbeite in einem kleinem Fach und es wäre einfach mich hier zu identifizieren (schicke es dir als PM). Gewechselt habe ich noch nicht, aber generell kenne ich auch andere Abteilungen dieses Faches in dieser Region und insgesamt merke ich, dass die direkte Patientenversorgung für mich auf Dauer psychisch zu belastend ist. Der permante Geräuschpegel auf Station (Essenswagen, Hubschrauber von der ZNA, Handwerker) und der kontinuierliche Druck immer mehr schaffen zu müssen in noch kürzester Zeit, ist einfach sehr zehrend, sodass ich überlege in ein patientenfernes Fach zu gehen (viel zu tun, aber dafür keine Patienten) oder mich von der Medizin komplett zu verabschieden (Industrie). Es scheint nicht möglich zu sein, ein normales Leben und Kliniksarztdasein zu kombinieren und ich möchte nicht erst nach Jahren der Anpassung halbwegs normale Arbeitsbedingungen haben (wahrscheinlich wäre ich dann wirklich am Ende meiner Kräfte).
Lg, Nickl
Wie immer in solchen Fälle empfehle ich über die Weiterbildungen in Richtung Mibi/Hygiene/Laborchemie nachzudenken.
Ja, das tu ich auch tatächlich, Transfusionsmedizin kann ich mir sehr gut vorstellen, einziges Manko könnte sein, dass meine bisherige Assistenzarztzeit nicht anrechenbar ist und ich dann wieder in die Klinik müsste... Wie hast du denn deine Assistenzarztzeit erlebt?
Echinococcus
12.07.2017, 12:18
Ich bin noch relativ am Anfang der FA Ausbildung und habe direkt in der Hygiene/UW angefangen. In meinen Augen ein absoluter Traumjob, ich fühle mich einfach nur wohl und kenne die Probleme meiner Freunde in klassischen Assistenzarztbereichen gar nicht. Ist aber sicher nicht für jeden etwas und hat mit dem klassischen Arztberuf fast nix mehr zu tun.
Ich bin noch relativ am Anfang der FA Ausbildung und habe direkt in der Hygiene/UW angefangen. In meinen Augen ein absoluter Traumjob, ich fühle mich einfach nur wohl und kenne die Probleme meiner Freunde in klassischen Assistenzarztbereichen gar nicht. Ist aber sicher nicht für jeden etwas und hat mit dem klassischen Arztberuf fast nix mehr zu tun.
Darf ich fragen wie dein Alltag aussieht? In der Schweiz war ich auch oft bei den Infektiologen im angegliederten Mibi Labor und fand es zum Teil wirklich interessant. War es für dich schon immer dein Ziel diesen Facharzt zu machen oder haben dich Arbeitsbedingungen und Co dahin gezogen?
Du kannst auch mal über Patho nachdenken. Hohe Arbeitsdichte haben wir auch, aber keine Patienten und geregelte Arbeitszeiten.
Echinococcus
12.07.2017, 17:04
Darf ich fragen wie dein Alltag aussieht? In der Schweiz war ich auch oft bei den Infektiologen im angegliederten Mibi Labor und fand es zum Teil wirklich interessant. War es für dich schon immer dein Ziel diesen Facharzt zu machen oder haben dich Arbeitsbedingungen und Co dahin gezogen?
Oh, Hygiene ist wirklich nochmal etwas ganz anderes als MiBi. Ich mache viel Qualitätsmanagment, lese Veröffentlichungen, helfe bei Isolierungen und ABS etc.. Viel Büroarbeit, keine Patienten, keine Dienste. Ein Traum ;)
Ich wollte immer Mibi machen, das wusste ich schon vor dem Studium, aber in die Hygiene bin ich dann eher durch Zufall gekommen.
querfeldein
06.12.2017, 16:41
Hi Nickl, vielen Dank für dein Update! Das ist sehr spannend zu hören :) Schön, dass es dir so gut gefällt!
Hi Nickl, vielen Dank für dein Update! Das ist sehr spannend zu hören :) Schön, dass es dir so gut gefällt!
Vielen lieben Dank!:-love
querfeldein
06.12.2017, 21:04
Nickl! Ich weiß gar nicht wo anfangen.... "sieht ¾ des Tages Patienten", "wöchentlich ... für 1-2 Stunden blocken lassen, damit man in Ruhe Akten zu Ende schreiben kann und liegengebliebenes nachholen kann", "Als Arzt machst du ... Tätigkeiten, die nicht delegiert werden können", "Überstundenabbau möglich", ""wird für jede Indikation speziell trainiert", "Bezahlte Fortbildungen und man darf sie sich nach Interesse aussuchen" und natürlich ... "fliegt man meist innerhalb Europas zu einem angenehmen Ort zu einem Kick-off meeting" :-)) gut, das letzte ist natürlich ein netter Bonus. Aber all die anderen Punkte....... einfach traurig, dass es den meisten Klinikärzten vorkommen muss, als würdest du vom Mars erzählen! GLÜCKWUNSCH zu deiner tollen Stelle! Weiter viel Vergnügen und Eifer, Danke für's Teilen und ich werde mir deinen Kontakt merken :-top
Nickl! Ich weiß gar nicht wo anfangen.... "sieht ¾ des Tages Patienten", "wöchentlich ... für 1-2 Stunden blocken lassen, damit man in Ruhe Akten zu Ende schreiben kann und liegengebliebenes nachholen kann", "Als Arzt machst du ... Tätigkeiten, die nicht delegiert werden können", "Überstundenabbau möglich", ""wird für jede Indikation speziell trainiert", "Bezahlte Fortbildungen und man darf sie sich nach Interesse aussuchen" und natürlich ... "fliegt man meist innerhalb Europas zu einem angenehmen Ort zu einem Kick-off meeting" :-)) gut, das letzte ist natürlich ein netter Bonus. Aber all die anderen Punkte....... einfach traurig, dass es den meisten Klinikärzten vorkommen muss, als würdest du vom Mars erzählen! GLÜCKWUNSCH zu deiner tollen Stelle! Weiter viel Vergnügen und Eifer, Danke für's Teilen und ich werde mir deinen Kontakt merken :-top
Hi Querfeldein,
ja, eigentlich absurd, dass einem wie Luxus vorkommt, aber wir Mediziner sind ja leider auch sehr folgsam und halten (zu?) viel aus. Was wiederum dazu führt, dass die Arbeitsbedingungen nur sehr zögerlich besser werden. Für mich war der Abbruch der Facharztausbildung und der Schritt ins Unternehmen goldrichtig. Ich werde nie wieder in eine Klinik zurück kehren, dafür habe ich einfach zu viele Möglichkeiten in diesem Unternehmen. Gerne kannst du mich immer anschreiben. :-)
querfeldein
06.12.2017, 22:43
nickl, ich stimme dir voll und ganz zu :-)
roxolana
07.12.2017, 11:38
ja, eigentlich absurd, dass einem wie Luxus vorkommt, aber wir Mediziner sind ja leider auch sehr folgsam und halten (zu?) viel aus.
Das ist leider wahr! Vielen Dank für deinen Bericht. :-top
Hallo zusammen,
ich bin schon lange nicht mehr hier gewesen und möchte zur Sicherheit auch meine Erfahrungen teilen.
Auch ich habe damals eine Alternative zur Klinik gesucht und letztendlich in einem globalen Pharmaunternehmen in in einer Großstadt gefunden gehabt. Zu Beginn war ich sehr euphorisch, begonnen hatte ich in einer Medizinischen Abteilung, erst Medizinische Information, dann Safety (alles Callcenter-und Schreibtischarbeit). Das Team war nett, Gehalt angelehnt an Marburger Bund Tarif und keine Dienste. Im Freundeskreis habe ich geschwärmt wie toll es ist, keine Dienste, Ausgleich von Überstunden etc. Nach mehreren Jahren dann und auch der Frage nach Gehaltserhöhungen (da nicht einmal eine erhalten) oder weiteren Entwicklungsmöglichkeiten wurde man dann vertröstet mit "es ist doch immer noch besser hier als in der Klinik" "ihr Ärzte erhaltet schon mehr als die anderen Fachgruppen von Biologen, Apothekern, Chemikern und eigentlich brauchen wir Ärzte nicht, den Job kann jeder Naturwissenschaftler machen". Das meine Freunde und damaligen Kommilitonnen nach ihrem Facharzt an einem vorbeigezogen sind, ihre eigenen Praxen eröffnet haben, bei weitem mehr verdienen und selbstbestimmter sind etc. hat die Medizinischen Direktoren in den Abteilungen nicht interessiert. Man war weiter an seine Leiter gebunden und musste Anweisungen folge leisten (egal wie unsinnig sie waren). Die Überstunden wurden mehr und mehr (aber nach 10 Stunden täglich, werde diese abgeschnitten und man arbeitet wie in der Klinik für lau) Das höchste der Gefühle war ein Studiengang der einem berufsbegleitend angeboten wurde, aber damit einherging sich für weitere 3 Jahre für das Unternehmen zu verpflichten zu arbeiten oder ihn ansonsten zurückzahlen zu müssen. Und drei Jahre in der Industrie können sehr lang sein.
Danach dann typisch Industrie-eine Umstrukturierung nach der nächsten mit der Folge dass Teile der Medizin des Unternehmens nach Indien ausgelagert worden sind, Job war weg (trotz Milliardenumsatz des Unternehmens), Sozialplan wurde erstellt und mit seinem nicht vorhanden Facharzt wurde es mit einem neuen Job schwieriger als zunächst angenommen (insbesondere für die Klinik war man nciht mehr interessant genug bzw. zu lange raus). Letztendlich mussten wir samt Kindern in eine neue Stadt ziehen und versuchen neue Kitaplätze zu finden, was uns auch vor Herausforderungen gestellt hat. Mein Partner ist zum Glück Unternehmensberater und brauch nur einen Flughafen und Bahnhof in der Nähe zwecks Arbeit.
Da ich im Bereich Medical Affairs neu starten wollte (da bessere Entwicklungsmöglichkeiten und höheres Gehalt) aber die Dienstreisen zu Kongressen, Auslandsaufenthalten, Kick-off Meetings etc. deutlich unterschätzt habe, kam es auch zu familiären Herausforderungen. Wöchentliche Arbeitszeit lag bei 60-70 Stunden. Eine Teilzeitmöglichkeit gab es nicht und war auch in anderen Abteilungen nicht gerne gesehen, aber manche Kollegeninnen haben es für einige Jahre arrangiert bekommen.
Der Tag begann um 7 Uhr und hörte manchmal nicht vor Mitternacht auf (gerade wenn ein neues Produkt gelauncht werden musste). Es warteten auch hier Haufenweise Papierkram auf einen, Literatursuchen und was man nicht vergessen darf man ist Werber für sein neues Arzneimittelprodukt bei Ärzten. Ein gewisses Kunden-und Verkaufsfeeling sollte man hier schon mitbringen und sich für sowas auch nicht zu fein sein. Auch das viele Reisen und aus dem Koffer leben sollte man mögen. Nach zwei-drei Jahren wurde die Sparte des vertriebenen Produktes allerdings samt Belegschaft an ein anderes Pharmaunternehmen verkauft, da sich das Unternehmen neu strukturiert hat. Es hätte ein erneuter Umzug organisiert werden müssen, wo ich dann die Reißleine gezogen habe, da man sich eigentlich gerade erst eingelebt hatte und die Kinder gerade eingeschult waren. Ich habe zum Glück eine WB-Stelle in Allgemeinmedizin im Vorort in einer Praxis gefunden und auch wenn das Gehalt geringer ist, der Spaß und die Abwechslung die der Arztberuf mit sich bringt ist nicht zu unterschätzen. Mein Fazit Chefärzte sind manchmal mit Chefs anderer Branchen sehr vergleichbar. Man muss dahingehend Glück haben und man hat noch bei weitem mehr Möglichkeiten mit Facharztausbildung und Selbstständigkeit als ständig im Angestellten dasein. Viele meiner Kollegen +50 waren mit den ständigen Umstrukturierungen kaum vermittelbar, hatten Schwiergkeiten neue Stellen zu finden (trotz des angeblichen Fachkräftemangels) und wer sich hier kein zweites Standbein aufgebaut hatte oder mehrjährige Führungs-und Leitungsfunktionserfahrungen hatte, war raus aus dem Geschäft bzw. einige noch heute ohne Job. Die Mentalität ist und bleibt "Hire and Fire".
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.