Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [B]Alternativen zum Arztberuf
Seiten :
1
2
3
4
5
6
[
7]
8
9
10
11
12
MatzeXXL
08.12.2007, 14:36
Und, machts Spass?
Ja, sehr. Ich bin jeden Tag froh, die Entscheidung so gefällt zu haben. Wer unbedingt Patientenkontakt haben will, sollte natürlich in der Klinik bleiben, jeder andere sollte sich nach Alternativen umsehen (meine Meinung).
MatzeXXL
08.12.2007, 15:00
Was ist da genau deine Aufgabe? Meinst du, man braucht als Mediziner in der Pharmabranche extrem hohe Qualifikationen oder kann man da auch als "Normalo" Fuss fassen? Was fandest du an der Klinik blöd? Arbeit an sich oder "Umstände"?
Anmerkung meinerseits: Ich habe den Eindruck, daß es gerade auch in kleineren Biotech-Firmen, die im medizinischen Sektor tätig sind, einige Stellen für Arzte gibt (Studien, Regulatory Affairs etc.). Sind halt Schreibtischjobs (wie ich das sehe)
Oh ja, das würde mich auch interessieren.
Wie bist Du an den pharma job gekommen? Hast Du noch andere Zusatzqualis?
Also,
Mediziner sind in der Pharmaindustrie wirklich gerne gesehen. Man hat - idealerweise mit mindestens 1-2 Jahren Berufserfahrung - ziemlich gute Chancen. Gute Noten, Auslandserfahrung, Englisch fliessend, Doktorarbeit sind Voraussetzung.
Es gibt erstens den Direkteinstieg (hier wird Berufserfahrung vorausgesetzt) oder Traineeprogramme (meist 1-2 Jahre Job-Rotation oder Training on the Job).
Welche Bereiche gibt es? V.a. Klinische Forschung, Medical Affairs (Zulassung, Arzneimittelsicherheit, wissenschaftlicher Bereich) und Marketing.
BWL-Kenntnisse werden nicht vorausgesetzt, oft wird ein MBA aber berufsbegleitend bezahlt.
Screent doch einfach die Stellenangebote der Pharmafirmen, dann könnt Ihr euch auch ein gutes Bild über die Anforderunge machen.
Mir war schon relativ früh klar, eher in diese Richtung zu gehen, Medizin habe ich nie als "Arztausbildung" gesehen. Patientenkontakt hat mich nicht besonders erfüllt, der Beruf ist zu schlecht bezahlt und die Arbeitsbedingungen zu chaotisch organisiert.
Gruss
Relaxometrie
08.12.2007, 15:28
Man hat - idealerweise mit mindestens 1-2 Jahren Berufserfahrung - ziemlich gute Chancen.
In welchem Fach hast Du Deine eineinhalb klinischen Jahre gemacht?
Gibt es Fächer, die besonders geeignet sind, um sich den Einstieg in die Pharmaindustrie offen zu halten?
Ich habe in der Inneren gearbeitet.
Aber: eigentlich spielt es keine grosse Rolle, es sei denn, du möchtes unbedingt in ein spezielles Indikationsgebiet, da ist es natürlich ein Pluspunkt, genau dort Erfahrungen gesammelt zu haben.
Die Bereich, wo die Pharmakotherapie eine grosse Rolle spielt (Innere, Anästhesie etc.) haben vielleicht nochmals eine etwas grössere Chance, als wenn sich z.B. jemand aus der Rechtsmedizin ;-) bewirbt.
Bei der Bewerbung spielt halt ein gewisser "Roter Faden" im Lebenslauf eine Rolle, als Arzt, der aufgrund der schlechten Bedingungen aussteigt, hat man geringe Chancen.
Aber hier laufen auch ein paar Fachärzte für Chirurgie herum, die nun ein völlig anderes Indikationsgebiet betreuen.
Gruss
Darfst Du sagen für welches Unternehmen Du arbeitest...? :-dafür
docmoechtegern
08.12.2007, 16:07
Hier (ist allerdings schon von 2002) steht, in GB gebe es einen Facharzt für Pharmazeutische Medizin.
Man brauche dazu zwei Jahre klinische Erfahrung und anschließend vier Jahre strukturierte Ausbildung im Pharmabereich. In der Schweiz gebe es etwas Ähnliches, und wenn dieser Facharzt noch in einem weiteren EU-Land akkreditiert sei, müssten ihn auch die anderen anerkennen:
http://zeus.zeit.de/text/2002/47/C-Med-Pharma
MatzeXXL
08.12.2007, 17:51
Klingt nicht schlecht.
Bier, was mich etwas verunsichert: Bei vielen der Stellenausschreibungen (hab mich schon etwas umgesehen) ist die Rede von hohen kommunikativen Skills und oft ist auch eine Anforderung, daß man auf Kongressen Referent ist.
Würdest du sagen, daß in dem Bereich "Arzt in der Pharmabranche" besonders hohe Anforderungen an persönliche Eigenschaften gestellt werden? Gibt es da auch viele Schreibtischjobs, oder ist man meist eher ein Manager mit Leitungsfunktion?
Man kann sich die Situation auch schönreden, indem man sagt "Woanders ist es auch nicht besser". Aber die Arbeitsbedingungen sind "woanders" tatsächlich besser. Nur sind die Berufe weniger interessant. Irgendein Übel muss man halt hinnehmen.
Ich würde nicht sagen, dass Ingenieurwesen weniger interessant ist; im Gegenteil, man wäre zumindest gefordert, seinen Grips richtig einzusetzen, Kreativität zu entwickeln und Probleme flexibel zu lösen; von wegen Fließbandabfertigungen, wie ich sie in Kliniken und Praxen manchmal sehen musste...allerdings braucht man halt auch erstmal den Grips und die Fähigkeiten, um so etwas wie ein Ingenieursstudium zu schaffen; besonders E-Technik soll ja praktisch unmachbar sein, und wenn dann erst nach endlosen Studienzeiten und Wiederholungssemestern...ich habe meine Facharbeit in der Schule über so ein Thema geschrieben und musste mir ein paar Bücher ausleihen aus diesem Fachbereich; ihr könnt euch nicht vorstellen, wie anstrengend und zeitraubend das war! Das hat mich auch von dem Wunsch abgebracht, das zu studieren (hatte das lange Zeit im Auge)...
MatzeXXL
08.12.2007, 18:00
Und mit Medizin (du bist ja jetzt im 5.) ist kein Grips gefordert? Bereust du die Entscheidung für Med?
Klingt nicht schlecht.
Bier, was mich etwas verunsichert: Bei vielen der Stellenausschreibungen (hab mich schon etwas umgesehen) ist die Rede von hohen kommunikativen Skills und oft ist auch eine Anforderung, daß man auf Kongressen Referent ist.
Würdest du sagen, daß in dem Bereich "Arzt in der Pharmabranche" besonders hohe Anforderungen an persönliche Eigenschaften gestellt werden? Gibt es da auch viele Schreibtischjobs, oder ist man meist eher ein Manager mit Leitungsfunktion?
Also die sogenannten "Soft Skills" sind ja ubiquitäre Anforderung in so ziemlich jedem Job in der freien Wirtschaft. Man arbeitet immer im Team. Einzelkämpfer werden es nicht weit bringen, von daher ist Kommunikationskompetenz sicher essentiell.
Ich weiss nicht, was Du dir genau unter einem Schreibtischjob vorstelltst: sicher sitzt man viel vor seinem Rechner, ist aber auch sehr viel auf Meetings oder auf externen Kongressen unterwegs. Routine habe ich bisher relativ wenig erlebt, vielmehr ergeben sich - gerade in dem vielschichtigen Gesundheitsmarkt - ja täglich neue Inputs. Wenn Du z.B. gerade bei einer Produktneueinführung mitarbeitest, ist das eine sehr abwechslungsreiche Angelegenheit.
Die Hierarchie ist zwar relativ flach, aber es gibt natürlich schon 3-4 Ebenen, wenn Du also "Manager mit Leitungsfunktion" werden willst, musst Du dich schon ein paar Jahre reinknien. Aber wie gesagt, heisst das noch lange nicht, dass Du als Neueinsteiger nicht selbst Entscheidungen fällen musst...
Hier (ist allerdings schon von 2002) steht, in GB gebe es einen Facharzt für Pharmazeutische Medizin.
Man brauche dazu zwei Jahre klinische Erfahrung und anschließend vier Jahre strukturierte Ausbildung im Pharmabereich. In der Schweiz gebe es etwas Ähnliches, und wenn dieser Facharzt noch in einem weiteren EU-Land akkreditiert sei, müssten ihn auch die anderen anerkennen:
http://zeus.zeit.de/text/2002/47/C-Med-Pharma
Einen Facharzt für Pharmakologie gibt es auch in Deutschland. Wenn dich das interessiert guck dir einfach mal die Weiterbildungsordnung einer Landesärztekammer an.
Das klingt prinzipiell nicht schlecht!
Aber was meine Sorge ist für den Falls aus der Medizin auszusteigen ohne einen zweiten Studienabschluss (wie BWL oder einen Ing):
Was ist in 10 oder 20 Jahren wenn ich mal einen neuen Job brauch? Ich stell mir dass halt dann so vor: 45 Jahre, Assistenzarzt ohne jede Klinikerfahrung, keinen FA
=> schlechte Karten auf dem Markt.
Ist das so? Oder ist man dann trotzdem "was"?
Muss ich dann bis ich 67 bin Pharmapräsentationen halten oder hat man da auch noch ein paar Nahliegende gute Möglichkeiten, zb als Unternehmesberater oder so?
(Sorry, hoffe du verstehst die Fragen nicht falsch! Bin wirklich interessiert und will das jetzt nicht madig machen! Versteh nur zu wenig vom Berufsleben glaub ich)
MatzeXXL
11.12.2007, 17:24
Ich hab von jemandem gelesen, der nach 12 Jahren Anästhesie zur Pharma gewechselt hat. Daß das umgekehrt möglich wäre, wage ich aber zu bezweifeln.
Ich bin auch kein Fan von aufgeblasenen Präsentationen, aber ich vermute, daß ärztliche Tätigkeiten in der Pharmaindustrie doch einigermassen Hand und Fuß haben.
Vielleicht kann ja Bier noch ein paar Worte dazu schreiben....was z.B. machst du genau, und wie wäre deine prozentuale Einteilung
Organisation/Bildschirmarbeit/Präsentieren/medizinisch-fachliche Arbeit ?
Wäre echt nett.
Ich denke, wenn man sich einige Jahre im Management etabliert hat, kann man auch ganz andere Jobs haben. Ich denke, als erfahrener Arzt in der Pharma mit einem MBA stehen dir einige Türen offen, die auch einem BWLer offen stehen.
Unternehmensberater kannst du mit jedem Fach werden, je mehr BWL-Kenntnis umso besser.
@ Mr.Pink: Du hast doch von Maschinenbau geschrieben. Wenn dieser Zweig was für dich ist, hätte ich folgende Ideen:
-Aufbaustudium Medizintechnik (in München, glaube ich), aber ob du damit Entwickler von Geräten werden kannst, bezweifle ich. Eher Schnittstellenfunktion.
-FH-Studium Maschinenbau dranhängen (vielleicht bist du etwas schneller und schaffsts in 4 Jahren), dann bessere Chancen im Medizintechnikbereich
-Aufbaustudium Medizininformatik, dann haste auch nix mehr mit kurativer Krankenhaustätigkeit zu tun. Biste fit im Programmieren, hast du da sicher auch gute Chancen.
Das beste wäre natürlich, wenn du dein abgeschlossenes Studium irgendwie verwenden könntest.
Danke für die Hilfe Matze, aber irgendwie ist das alles "Nix konkretes" dafür dass man da doch einiges an Kraft, Nerven, Zeit und nicht zuletzt auch einfach Geld rein investiert.
Bin im Moment fast schon wieder mehr auf dem Trichter doch einen FA (am ehsten Auge oder Allgemeinmed) oder eventl eben Zahnmed zu machen.
Da weiss ich dann wenigstens was mich erwartet und starte nicht ins ungewisse.
V.a. bin ich auf lange Sicht auch nicht sonderlich scharf drauf von Würzburg weg zu gehen. Für einen "Traumjob" würde ich es eventl in kauf nehmen, aber nicht für solche Kompromisse.
< sorry, bin eventuell gerade bisschen deprimiert drauf...>
Hab mir gerade mal die Weiterbildung durchgelesen.
3 Jahre Innere um Allgemeinarzt machen zu können? Damit fällt das flach! Die Zeit würde ich nicht überleben. Allein die Vorstellung an 3 Jahre Innere Station verbinde ich automatisch schon mit der Vorstellung vor einen Zug zu springen.
Langsam bleibt wirklich nur noch Auge (2 Jahre Augenklinik gingen schon irgendwie rum hoffe ich), oder eben doch ein Studienplatz Zahnmedizin (aber dann auf keinen Fall mit MKG. Ich hasse Tumoren.)
Man, ich merk immer mehr das ich in einer Traumwelt leb und die Realität bitter anders ist :-kotz
Ich dachte immer mit Motivation, Einsatz und bisschen Krips könnte man was erreichen :-notify
Oder eben doch einfach nochmal neu starten als ob ich am 16.10.07 mein ABI geschrieben hätte... Vielleicht sind 6Jahre "verlohren" besser als 40 Jahre im falschen Kompromiss?
M. Cremaster
12.12.2007, 01:52
besonders E-Technik soll ja praktisch unmachbar sein, und wenn dann erst nach endlosen Studienzeiten und Wiederholungssemestern...
uahh pass mit so Dingen wie "habe gehört ... unschaffbar ... nicht machbar ... die Hölle usw usw" auf. Solche "nettgemeinten Ratschläge" kommen meistens von Leuten dies nicht gepackt haben (exmatr. nach Mathe2, E-Technik2 ..).
Fand den Arbeitsaufwand E-Technik gg. Medizin +wesentlich+ überschaubarer pi mal Daumen Faktor 10 - war aber auch nur auf der FH. An der Uni wird in der Regel dort richtig losgelegt, wo an der FH maximal noch Kochrezepte vermittelt werden ..
Zur Situation der Ing. allgemein - 3-Klassen-Gesellschaft,
1. die bei den grossen Konzernen direkt angestellten habens schön (Fette Tarifverträge, überschaubare Arbeitszeiten),
2. dann bei kleineren Mittelständlern beschäftigte - gute Bezahlung, mehr Stress als im Konzern, Aufgaben meist interessanter weil nicht so detailgefitzel wie bei den grossen -
3. - und diese Gruppe ist leider auf dem Vormarsch - Leiharbeiter die im 1/2 jahres takt durch die Republik ziehen dürfen von Projekt A zu B zu C, sehen beim Kunden vor Ort das süße Leben der Konzernbeschäftigten, dürfen daran aber in keiner Weise teilhaben (werden nicht mal zur Weihnachtsfeier eingeladen sehs gerade wieder +arme schweine+). Bekommen ein Gehalt, da würde nicht mal ein Arzt mehr dafür arbeiten.
Tip: Grosser Laden plus eines der folgenden Wörter kommt in der Stellenbezeichnung vor (manager/controller/consultant) -> das Geld fliesst und vor zuviel richtiger Arbeit bist du sicher :-)
Vielleicht kann ja Bier noch ein paar Worte dazu schreiben....was z.B. machst du genau, und wie wäre deine prozentuale Einteilung
z.B. folgendes:
- Analyse des Marktes aus med./wiss.-Sicht
- Erarbeiten medizinischer Vermarktungsstrategien für Deutschland
- Mitarbeit in der Entwicklung eines klinischen Prüfprogramms (Phase II-IV, AWB)
- Enge Zusammenarbeit mit unabhängigen Forscher- und Studiengruppen Med./wiss.-Schulungen für ID und AD
- Mitarbeit bei Erstellung von AD-Promotionsmaterialien
- Entwicklung einer langfristigen Strategie im Sinne des Life Cycle Management für das anvertraute Produkt, Positionierung der Produktvorteile, Konkurrenzabwehr
- Enge Zusammenarbeit mit Produktmanagement, dem AD und dem Clinical Project Manager
- Aufbau und Betreuung von Meinungsbildnern (deutschlandweit)
- Aktive Teilnahme an Kongressen/Symposien
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.