Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Woher weiß man, ob man für das Studium geeignet ist?
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Jukka666
30.12.2015, 13:28
Hmm..ja, das stimmt wohl. Deren Antworten waren auch meist nett...ich fand einige Antworten von Kollegen hier aber schon etwas hart. Klar, das Leben ist eins der härtesten...aber das nutzt der Fragestellerin ja nicht wirklich.
Möchte hier auch keine weiteren Diskussionen lostreten, aber ob die Meinung eines noch-Studierenden zum persönlichen Umgang mit Verantwortung eines Arztes relevant ist, wage ich etwas zu bezweifeln...meine Meinung. :-)
Aber wie gesagt: alles gut.
Feuerblick
30.12.2015, 13:50
Nun, Jukka... alleine auf den ersten fünf Seiten (je nach Foren-Einstellung können es auch die ersten zehn Seiten gewesen sein) haben bei grobem Durchzählen acht Ärztinnen und Ärzte mit teilweise langjähriger Berufserfahrung und sogar Facharztstatus geantwortet...
Jukka666
30.12.2015, 13:54
Jo, sehe ich jetzt auch...hab mich vielleicht von den in meinen Augen "patzigeren" Antworten blenden lassen... hehe...
ad acta..
kirschbluete
30.12.2015, 13:58
Hallo!
Also nachdem ich sehr amüsiert Seite 1-20 dieser Diskussion gelesen habe, aber dann 21-65 übersprungen habe, kann ich es nicht mit 100%iger Gewissheit sagen, aber hat hier jemand, der aktuell wirklich ARZT ist und damit mit dem Studium FERTIG ist und BERUFSERFAHRUNG hat, der Fragestellerin geantwortet... ? :-)
@kirschbluete: ich fand die Kommentare hier z.T. sehr heftig und überzogen. Deine Frage ist vollkommen berechtigt und nachvollziehbar. lass dir nichts von Noch-Studenten über die Verantwortung eines Arztes erzählen und Vergleiche mit Busfahrern sind m.E. vollkommen Fehl am Platz.
JEDE Berufsgruppe muss respektiert werden für das was sie tut. Keine Frage.
Aber die Verantwortung eines Arztes ist nun mal im gelebten Klinikalltag (v.a. im KH) vielschichtiger: sie reicht von banalen "sollen wir den Zucker nochmal bestimmen?" bis "hören wir jetzt mit der Wiederbelebung auf?". Und die musst - irgendwann! Eventuell! - DU ALLEINE treffen. Da wird dich die Krankenschwester mit großen Augen anschauen, der Passant am Bahnhof sowieso oder eben manchmal auch der Kardiologe am Kathetertisch...
Verantwortung heisst manchmal sich entscheiden für a) oder b), für a) "Leben" oder b) Tod.
Und damit leben können.
Und das ist ein Prozess. Das wird niemand seriös von dir am Anfang verlangen, von keinem Studenten und manchmal auch nicht von einem Assistenzarzt in den ersten Jahren. Und manchmal auch nicht von gestandenen Oberärzten. Es kommt auf die Fachdisziplin an und die Situation. Ein Dermatologe wird in seiner Praxis nur selten die Verantwortung für die Einstellung der Reanimationsbemühungen stellen, sondern auf den Notarzt verweisen. Und da hat er ein gutes Recht!
Du musst in dich hineinhorchen und dir grob die Frage stellen, kannst du mit einer vielschichtigen Verantwortung leben? Hängst du z.B. an der Definition "Leben" (z.B. aus religiösen Gründen) so sehr, dass du dir nicht vorstellen könntest, jemanden gezielt und bewußt sterben zu lassen? Kannst du dir vorstellen, in einer Gruppe von Menschen das Kommando zu übernehmen oder Kollegen anzuleiten, was sie zu tun haben, wenn es um ein Menschenleben geht?
Das sind krasse Beispiele.
Du sollst (und wirst! :-)) Medizin studieren und deinen Weg finden. Und das Fachgebiet wirst du im Verlauf wahrscheinlich mehrfach wechseln. Finde deinen Weg und ich bin sicher, du wirst problemlos Verantwortung übernehmen können. Da hab ich bei dir ein gutes Gefühl.
Viel Spass!
Vielen Dank für diese liebe Antwort :-)
Ich hab mich inzwischen wieder ein bisschen gefangen und gebe zu, dass ich etwas hysterisch war ;-) Dieses Jahr war ständig irgendwas anderes mit diversen Familienmitgliedern und ich war überzeugt, dass ich nicht solche Entscheidungen treffen will, wie es die Ärzte tun müssen. Dass man davor ja ein Studium abgeschlossen haben muss, hatte ich irgendwie verdrängt :D Gleichzeitig fand ich es aber richtig interessant und mein Wunsch, Medizin zu studieren, festigte sich.
Deine Antwort hat mir so geholfen! Wird es eigentlich irgendwann Routine solche Entscheidungen zu treffen?
Heerestorte
30.12.2015, 14:44
@Jukka666:
Was bringst du denn für eine Qualifikation mit, wenn ich fragen darf?
kirschbluete
30.12.2015, 14:50
Naja gut, ich dachte halt, dass du das FSJ in einem medizinischen Bereich machen willst,
weil du ja auch mit dem Gedanken spielst Medizin zu studieren.
Ne, ich wollte unbedingt in den Rettungsdienst und ich bereue es auch keinen Tag,
dass ich das gemacht habe. Gleiches gilt für den Wehrdienst.
Vor dem Studium wäre aber was "unmedizinisches" auch noch mal ganz cool :D Aber wahrscheinlich läuft es eh auf etwas in einem medizinischen Bereich raus. Ich bewerbe mich im Sommer einfach da, wo ich gerne machen möchte und dann wird sich schon irgendwas ergeben.
Man muss das FSJ doch nicht zwingend so weit weg von zu Hause machen.
Ja schon, aber die Klinik in der ich gerne machen würde ist halt so weit weg. :-)
Ich finde ein FSJ im Ausland ja cool. Kann man auch noch ne neue Sprache lernen oder eine alte verbessern.
Finde ich auch cool, hatte auch noch überlegt ob ich ein FSJ bei ASF machen möchte. Aber ich fände es besser mal eine Zeit lang ohne "Verpflichtung" ins Ausland zu gehen.
Was ist an diesem FSJ so toll, das so weit weg ist?
Das wird doch nicht einzigartig sein?
Ich finde es toll und kenne paar Leute, die ihres dort gemacht haben und es toll fanden.
... wenn einem das Fachliche leidenschaftlich interessiert, d.h. z.B. Offen und neugierig gegenüber medizinischen Berichten zu sein. Wer sich dabei schwer tut, sollte es sich überlegen. Ich gehe regelrecht im Studium auf, weil es mich interessiert. Und das in der Vorklinik. :-love
Wer nur an Kohle und Prestige denkt, zieht sein ärmliches Ego noch weiter herunter, wie ich einige Kollegen so kenne .. solche Leute haben keinen kostbaren Studiumplatz wegzunehmen.
Habe ich irgendwo das Gegenteil behauptet? :D
Kirschblüte - welchen Verein meinst Du mit ASF? Manche Kliniken bieten auch Unterkunft für FSJler, frag doch mal bei dem Haus das Dich interessiert an.
Sie meint bestimmt den AFS.
Jukka666
30.12.2015, 16:18
@Jukka666:
Was bringst du denn für eine Qualifikation mit, wenn ich fragen darf?
Abitur, absolviertes Studium, mehrere Auslandsaufenthalte, Assistenzarztzeit, Zusatzbezeichnungen, Facharzt, Notarzt.
Und du?
ich glaub, das können wir jetzt abschließen. Wichtig ist, dass der Fragestellerin geholfen wird. :-)
Jukka666
30.12.2015, 16:26
Vielen Dank für diese liebe Antwort :-)
Deine Antwort hat mir so geholfen! Wird es eigentlich irgendwann Routine solche Entscheidungen zu treffen?
Uff, ja und nein.. ich müsste lügen, wenn ich an jede schwere Entscheidung mit einem Schulterzucken herangehe. Jeder Mensch ist ja dann doch ein Individuum, und nur weil gestern Herr Müller mit 89 entschlafen ist, kann das bei Frau Maier mit 45 am nächsten Tag bei gleicher Krankheit extrem anders sein.
Entscheidungen solcher Art sind ja auch sehr sehr oft Team-Entscheidungen.
Entscheidungen der "täglicheren Art" wie z.B. welches Medikament, welche Therapie, welches Verfahren etc.., wo es nicht um Leben und Tod geht, gehen einem natürlich mit den Jahren viel leichter von der Hand bzw. von der Seele. das kann manchmal auch richtig gefährlich sein. Denn Routine killt oft Sorgfalt! Und davor ist niemand geschützt.
Aber der anfängliche Herzkasper der ersten Arzt-Jahre geht schon vorüber..
es ist ein bisschen wie in der Schule und im Studium: am Anfang der Oberstufe alles neu, Abitur ist aber auch irgendwann rum, der Schrecken der Vorklinik ebenso, die Klinik macht mehr Spass, dann PJ usw. usf...
Ich sag ja: ein Prozess.
Hab keine Angst davor. Da sind bei dir noch 10 Jahre hin, da wächst man wie die Leber an ihren Aufgaben rein :-)
kirschbluete
30.12.2015, 17:50
Kirschblüte - welchen Verein meinst Du mit ASF? Manche Kliniken bieten auch Unterkunft für FSJler, frag doch mal bei dem Haus das Dich interessiert an.
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.
Unterkünfte gibt es sowohl bei ASF als auch in der Klinik :-)
Danke, @Jukka666, deine Antworten helfen echt weiter :-)
ganz ehrlich, meiner Meinung nach kann man das vorher nur schwer sagen. großes Interesse muss definitiv vorhanden sein, logisch ;) und auch guter Umgang mit Druck, Stress und Extremsituationen
WackenDoc
14.03.2016, 08:50
Das mit dem Umgang mit Druck, Stress und Extremsituationen lernt man aber mit der Zeit.
kirschbluete
14.03.2016, 17:18
Bezieht sich das jetzt aufs Studium oder auf den Beruf?
Zur Zeit bin ich mir sicher, dass ich Medizin studieren möchte, mal gucken ob sich das in dem Jahr zum Abi noch ändert. :-)
WackenDoc
14.03.2016, 18:39
Im Studium braucht man vor allem Durchhaltevermögen und die Fähigkeit mit dem Lernstress klar zu kommen. Aber auch damit, dass das Studium eben nicht Schule ist.
Eigenverantwortung und Eigenmotivation sind ganz wichtig.
Mit medizinischen Stresssituationen klar zu kommen, lernt man meist mit wachsender Fachkompetenz. Der eine ist halt schon früher was entspannter in solchen Situationen, der andere später.
Na gut, man braucht wenigstens die Bereitschaft, mit kritischen Situationen klar zu kommen.
Oder man ist so cool, dass es einem egal ist, dass der Patient kritisch ist und man mit der Situation fachlich nicht klar kommt.
kirschbluete
15.03.2016, 17:30
Und genau davor habe ich ein bisschen Angst. Seit diesem Jahr kommt ich mit Lernstress gar nicht mehr klar, vielleicht ist es der Notendruck. Andererseits lerne ich die meisten Fächer gerne. In der Schule läuft es trotzdem nicht wirklich toll. Klar, dass ein Studium immer mir viel lernen verbunden ist, aber gerade vor den ersten Semestern hätte ich doch ein bisschen Respekt. Bei uns gibt es jetzt schon Lehrer, die sich vorne hinstellen, zwei Stunden reden und man kann entweder mitschreiben oder es lassen. Bis zur Klausur müssen die 200 Seiten im Buch halt sitzen.
Die andere Sache ist, dass ich immer noch nicht weiß, wie ich mit der Verantwortung klar komme. Ich gehöre eh zu den eher vorsichtigen Menschen, aber keine Ahnung wie das in Extremsituationen ist.
Ich war mir mal wieder eine Zeit lang so sicher, dass Medizin das richtige ist, aber je mehr ich hier lese, desto mehr zweifle ich.
Warum habt ihr euch letztlich alle für Medizin entschieden?
Bin grade dabei für den TMS zu lernen, weil Medizin schon immer eigentlich mein Traum war, aber ich frage mich ob das ausreicht und man nicht auch mal rationaler drüber nachdenken sollte. Von befreundeten Medizinstudenten hab ich bisher immer nur gehört, dass sie sich nichts anderes hätten vorstellen können als Medizin. War das bei euch auch so?
roxolana
15.03.2016, 20:01
Ich habe mir viele andere Sachen vorstellen können. Medizin war bei mir letztenendes eher eine irrationale Entscheidung, eine Bauchentscheidung. Mein 1. Studium, das ich abgebrochen habe, war dagegen eine rationale Entscheidung, die ich aber ziemlich bereut habe. ;-)
WackenDoc
15.03.2016, 20:21
@kirschblüte: Es wäre wichtig zu analysieren, warum es zur Zeit nicht läuft und was dagegen zu tun.
Die Verantwortung für den Patienten und der Umgang mit kritischen Situationen kommt im Laufe der Zeit. Das ist meist nicht das Problem.
Eigenverantwortung ist gerade zu Beginn des Studiums viel wichtiger.
Wenn du die 200 Seiten aus dem Buch zur Klausur können sollst, dann lern die 200 Seiten aus dem Buch. wenn dir das Mitschreiben hilft, dann schreib mit, wenn konzentriertes Zuhören für dich besser ist, dann konzentrier dich aufs Zuhören.
kirschbluete
15.03.2016, 20:50
Es liegt zur Zeit an zu vielen Fehlzeiten und Lücken aus den letzten Jahren. Also wirklich dagegen was tun kann ich momentan nicht.
Ist die Umstellung von Schule auf Uni eigentlich noch mal sehr hart?
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