Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Woher weiß man, ob man für das Studium geeignet ist?
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Bis man selber die ganze Verantwortung trägt, dauert es ja noch ein paar Jahre. Da wächst man langsam hinein.
Du kannst ja später beim Arbeiten immer Kollegen fragen, Oberärzte, Leitlinien konsultieren...
kirschbluete
17.06.2015, 22:36
Das mit der Verantwortung wirst du vielleicht irgendwann mal anders sehen kirschbluete. Verantwortung ist nicht gleich Verantwortung. Ich denke, dass wollten dir hier die meisten sagen. Auch im Arztberuf liegt zumindest meiner Meinung nach nicht alleine die größte Verantwortung darin in "Leben oder Tod" Situationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Man greift auch mit Dingen wie der Bestätigung einer Berufsunfähigkeit fundamental in das Leben eines anderen ein. Auch auf den Schultern der Putzfrau, die mit dem Geld das sie nach Hause bringt jemand anderen ernährt, liegt eine Menge Verantwortung. Wertschätzung und Empathie sind meiner persönlichen Meinung nach gute Eigenschaften für einen Arzt.
Mach doch wirklich erstmal ein Praktikum und behalte die Ratschläge der anderen (wie daran denken, dass man nicht in die Pflege möchte sondern Arzt werden etc.) im Kopf.
Was für mich den Unterschied macht, ist, dass der Arzt für andere Menschen verantwortlich ist und die Putzfrau 'nur' für sich selbst (bzw. ihre eigene Familie) sorgen muss. Ich habe eher weniger Respekt vor den "Leben und Tod" Entscheidungen, sondern ich habe einfach Angst irgendwelche Medikamente falsch zu dosieren, schlimmere Krankheiten zu übersehen oder so. In meinem Gehirn ist noch nicht angekommen, dass man das im Studium auch wirklich lernt und vor allem danach auch kann ;)
kirschbluete
17.06.2015, 22:38
Bis man selber die ganze Verantwortung trägt, dauert es ja noch ein paar Jahre. Da wächst man langsam hinein.
Du kannst ja später beim Arbeiten immer Kollegen fragen, Oberärzte, Leitlinien konsultieren...
Ja, ich weiß. Irgendwie gestört, dass ich mir da jetzt schon Gedanken drüber mache, obwohl ich noch nicht mal mein Abi habe ;)
Kackbratze
17.06.2015, 22:41
Es braucht eine ganze Menge Arzt um einen Menschen umzubringen. Wenn der Körper nix aushalten würde, wären wir nie aus der Höhle rausgekrochen oder hätten den Sturz vom Baum überlebt.
Mach erstmal Abitur und überlege dann in Ruhe, was Du werden willst. Nutze deine Zeit. Noch hast Du sie ;-)
erdbeertoertchen
17.06.2015, 22:41
Die Basics lernt man im Studium, die Erfahrung und die Routine kommen im Job. vielleicht schaust du mal im Assistenzarztforum vorbei, dort gibts einen Thread über den ersten Dienst, deine Befürchtung haben auch noch frischgebackene Ärzte.
kirschbluete
17.06.2015, 22:49
Es braucht eine ganze Menge Arzt um einen Menschen umzubringen. Wenn der Körper nix aushalten würde, wären wir nie aus der Höhle rausgekrochen oder hätten den Sturz vom Baum überlebt.
Mach erstmal Abitur und überlege dann in Ruhe, was Du werden willst. Nutze deine Zeit. Noch hast Du sie ;-)
Danke, das beruhigt mich irgendwie. Zitat eines Familienmitgliedes: "Also wenn du wirklich Medizin studierst, lasse ich mich ganz sicher nicht von dir behandeln". ;)
kirschbluete
18.06.2015, 13:18
Die Basics lernt man im Studium, die Erfahrung und die Routine kommen im Job. vielleicht schaust du mal im Assistenzarztforum vorbei, dort gibts einen Thread über den ersten Dienst, deine Befürchtung haben auch noch frischgebackene Ärzte.
Das ist klar. Und bestimmt in jedem Job so.
Habe mir den halben Thread durchgelesen und bin froh, dass noch andere so denken wie ich :-dafür
erdbeertoertchen
18.06.2015, 13:55
Das ist klar. Und bestimmt in jedem Job so.
Habe mir den halben Thread durchgelesen und bin froh, dass noch andere so denken wie ich :-dafür
Ich bin auch noch Anfängerin und hab noch keine Dienste hinter mir und genauso Angst vor dem ersten Dienst, weil man einfach nicht kalkulieren kann was kommt. trotzdem vertrau ich auf die Aussagen der alten Hasen, dass es den meisten so geht.
Daher würde ich an deiner Stelle eher überlegen, ob der Job zu dir passt und ob du diesen eine Weile, vielleicht bis zur Rente machen willst.
kirschbluete
18.06.2015, 14:16
@erdbeertoertchen
Ich bin irgendwie erleichtert, dass man das mit der Verantwortung lernen kann und ich nicht die einzige bin, die solche Befürchtungen und Ängste hat.
Eigentlich denke ich schon, dass der Beruf zu mir passt. Auf jeden Fall mag ich Menschen und interessiere mich für das Thema. :-oopss Alles was ich weiß, ist, dass ich nicht mein Leben lang im KH arbeiten möchte.
ehem-user-11022019-1151
19.06.2015, 21:58
Hallo Kirschblüte,
Ich möchte dir auch paar Worte auf den Weg mitgeben.
Ich kann verstehen, dass du Respekt davor hast, eines Tages verantwortlich für Menschen zu sein.
Doch ein wenig schade finde ich deine absolute Sicht. Genauso wie andere schrieben, hat jeder Mensch in seinem Beruf eine Verantwortung.
Ich dachte immer, dass ich gern als Arzt arbeiten möchte, weil ich die Verantwortung haben möchte
Bis ich mal darauf hingewiesen wurde, dass dies nicht der einzige Beruf ist.
Eine GuK muss in ihrer Arbeit auch viel viel Verantwortung übernehmen. Klar schreibst du die Medikamente und die Dosierung. Doch wer richtet sie, oft auch im Nachtdienst?
Genauso gibt es viele andere Bereiche. Aber bist du auch verantwortlich dafür, wie einrr gelagert oder gewaschen wird, z.B.? Vielleicht hat das nicht sofort eine Auswirkung wie ein falsch dosiertes Medikament, aber es ist trotzdem wichtig.
Ich persönlich möchte diesen Beruf eines Tages ausüben, weil ich diese Art von Arbeit mit Menschen sehr schätze und sehr interessant finde.
Doch Entscheidungen muss jeder für sich selber treffen; niemand muss sich jedoch für seine Wahl gerechtfertigen, denn Arzt-sein ist das, was alles andere auch ist: ein Beruf, den jeder ergreifen kann/darf.
Ich wünsch dir alles Gute.
kirschbluete
19.06.2015, 22:32
Hallo Liel, vielen dank für deine Antwort!
Diese absolute Sicht kommt einfach davon, dass ich Panik habe. Ich würde diesen Beruf gerne ausüben, aber ich weiß nicht, wie ich in Notfallsituationen reagiere. Oder auch bei anderen Unvorhergesehenen Dingen. Darüber mache ich mir erst Sorgen, seitdem es in meiner Familie ein paar solche Situationen gab und ich die einzige war, die da war. (Es leben übrigens trotzdem alle noch ;)) Im Normalfall würde ich mir darüber gar nicht so viele Gedanken machen.
Natürlich hat man in allen Berufen Verantwortung. Ich persönlich würde es mir aber eher zutrauen auf eine Schulklasse aufzupassen, auch wenn ich kein Lehrer werden will. Kann natürlich sein, dass das irgendwie selbstverständlich für mich ist, weil ich schon oft mit den Worten "Pass mal auf" stehengelassen wurde und auf einmal die Verantwortung für 10 Kinder hatte.
Elena1989
19.06.2015, 22:48
Ich würde mir bezüglich der Verantwortung nicht allzu viele Sorgen machen.
Du wirst ja nicht mit deinem jetzigen Wissensstand hingestellt und es heißt: Mach mal.
Auch wenn man sicher des öfteren ins kalte Wasser geworfen wird: Du lernst das ja! Zwischen Abi und Arzt sein liegen immerhin 6 Jahre Studium plus viele Praktika!
Und ich kann dir versichern, dass man sich in diesen sechs Jahren doch ziemlich verändert. (Gar micht mal nur wegen des Studiums, aber man wird Immerhin 6 Jahre älterund kriegt natürlich doch Einblicke in den Arbeitsalltag).
Ich würde mir eher Gedanken machen, ob man sich die Thematik sein Leben lang vorstellen kann. wie man mit der Verantwortung umgeht weiß man vorher glaube ich nicht.
Als ich klein war wollte ich immer Pilot werden. Mein Opa interessierte sich sehr für das Fliegen und hatte auch immer ein Flugmodell auf seinem alten Computer stehen. Dieses kleine Modellflugzeug fand ich immer total toll. Na ja, jedenfalls hat mein Opa auch viele Flugsimulatoren auf dem Computer gespielt und mir diese auch erklärt, usw. Mein Berufsziel war somit mit vielleicht 8-10 Jahren ziemlich schnell klar. Ich wollte Pilot werden. Irgendwann hat mein Opa mir auch dieses Flugmodell geschenkt. Leider war es zuhause dann nach wenigen Stunden beim Spielen kaputt gegangen... Die nötige Verantwortung war also schon mal vorhanden....
Meine Sehschwäche wurde über die Jahre auch nicht besser und ich musste einsehen, dass ich in diesem Beruf keine wirklichen Chancen habe. Also widmete ich mich anderen Dingen. Ich interessierte mich für die Informatik und sammelte hier durch Bücher, usw. immer weitere Kenntnisse. Mein neues Berufsziel war gefunden. Ich wollte Abi machen und dann Informatik studieren. Ich hatte auch damals schon darüber nachgedacht, wie es wohl wäre Arzt zu sein, aber mir erschien die Verantwortung viel zu groß und das könnte ich eh nicht... Komischerweise war mir das Jahre zuvor noch egal, denn ein Pilot übernimmt auch Verantwortung wie wir ja nun schon festgestellt haben.
Das Abi war beendet und ich musste zum Zivildienst antreten. Hier sammelte ich dann erste Erfahrungen mit Patienten, Personal und dem Krankenhaus an sich. Außerdem war ich dem Deutschen Roten Kreuz beigetreten und sammelte auch hier in meiner Freizeit weitere Erfahrungen.
Ich stellte fest, dass ich das alles doch ganz gut kann und das es mir viel mehr zurückgibt als es die Informatik tat. Ich machte noch die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger und entwickelte mich hier noch viel weiter. Anfangs war ich mit Patienten sehr unsicher, aber man wächst mit seinen Aufgaben. Ich stellte immer mehr fest, dass es auch die Medizin war die mich antrieb. Und so kam ich letztendlich über Umwege zum Medizinstudium.
Du wirst es also wirklich nur feststellen, wenn du es einfach ausprobierst. Tritt einem Verein bei. Mach Praktika. Es liegt an dir.
Übrigens hat auch eine Putzfrau viel mehr Verantwortung als du vermutest. Wenn sie ihre Aufgabe nicht ordentlich macht, dann schadet sie damit auch Patienten und Personal und sich selbst und ihr Umfeld gleich mit.
Gerade in der Medizin gibt es sehr viele Personengruppen die zusammenarbeiten müssen. Auch wenn du das jetzt vielleicht noch nicht siehst, so gehört die Putzfrau ebenfalls zu genau diesem Team dazu. Die Hierachie die du hier vermutest gibt es nicht, denn jedes Mitglied dieses interdisziplinären Teams ist wichtig. Es ist wie mit einer Kette. Fehlt auch nur ein Glied, dann hält die Kette nicht mehr und es geht schief.
kirschbluete
20.06.2015, 09:07
@Elena1989: Das hat mich irgendwie beruhigt ;) Was mich aber beunruhigt hat, ist, dass im Assistenzarztforum ja auch noch sehr viele sehr unsicher sind. Aber klar kommt die Routine irgendwann... wie in jedem Job halt.
kirschbluete
20.06.2015, 09:18
@Dummie: Ich wollte auch schon so viel werden. Leider waren das alles Berufe, in denen man eh keine Chance hätte. Oder welche, die mich jetzt kein bisschen mehr interessieren. Ich wollte aber nie Ärztin werden, früher hasste ich Krankenhäuser und alles was dazugehört und ich mied sie total. Bis es dann sein musste und ich endlich kapierte, dass das ja gar nicht so schlimm ist. Ich interessiere mich für viele Dinge, leider kann ich die nicht zu meinem Beruf machen, sonst bin ich in sechs Jahren arbeitslos. Aber ich weiß, dass ich später etwas mit Menschen machen möchte.
Praktika sind geplant. Nach dem Abi will ich unbedingt auch ein FSJ machen.
WackenDoc
20.06.2015, 09:25
Die Frage die du dir auch vor dem Hintergrund der familiären Notfälle stellen solltest: Fandest du die Versorgung eher spannend und das was du an erster Hilfe geleistet hast im positiven Sinne eine Herausforderung. So in dem Sinne, dass du mehr in die Richtung lernen zu wollen. Oder kannst du dir gar nicht vorstellen- wohlgemerkt mit besserer Ausbildung- später regelmäßig mit solchen Situationen (oder abstrahiert: Patienten und Notfällen allgemein) konfrontiert zu sein?
In die Verantwortung wächst man wie ja schon geschrieben wurde nach und nach rein. Und durch die Ausbildung hat man ja das notwendige Handwerkszeug (incl. der persönlichen Reife um seine Grenzen zu erkennen) um auch Verantwortung zu übernehmen.
Wenn du trotzdem noch so Panik hast, solltest du überlegen, ob die Medizin wirklich das richtige ist.
Und noch ein Tip: Versuch mal Meinungen, die nicht deinen entsprechen, nicht direkt abzulehnen sondern zu reflektieren.
Klar ist Arzt ein verantwortungsvoller Beruf, aber durch die zugehörige Ausbildung relativiert sich das. Ich glaube das ist es auch, was die anderen sagen wollten.
Hallo,
Ich muss nochmal einwerfen, dass man sich und seine Ansichten ja nicht nur bis zum Ende des Studiums verändert, sondern auch danach noch. Ich kenne eine Assistenzärztin, die ihre ersten 2 Jahre der facharztweiterbildung fröhlich im OP stand, dann wurde sie schwanger, und dann (Hormone? Sensibilität?) konnte sie auf einmal kein Blut mehr sehen. Im Op wird ihr jetzt schlecht und sie muss sich umorientieren.
Sicher nicht die Regel, zeigt aber, dass man keine 40jahre mit der Entscheidung, die man einmal getroffen hat, leben muss. Das nimmt vielleicht etwas die Schwere...
Ansonsten ist der Arztberuf natürlich toll. Und bis du fertig bist, wird sich der Mangel an Ärzten eher noch verschärfen- da muss man also auch keine Angst haben, nach dem Studium auf der Straße zu stehen.
Lg
kirschbluete
20.06.2015, 11:12
@WackenDoc
Ich fand es spannend und auch irgendwie total interessant. Und ja, ich kann es mir auch gut vorstellen, später beruflich damit konfrontiert zu sein.
Ich lehne Meinungen die nicht meinen entsprechen übrigens nicht sofort ab, das kam hier nur falsch rüber und ich wurde oft missverstanden, weil ich von meinen Erfahrungen und meinem Standpunkt ausging.
kirschbluete
20.06.2015, 11:25
@Fr.Pelz
Ich hätte nicht gedacht, dass sich das so krass ändern kann. Bei mir war es eher andersrum, ich hatte zwar noch nie ein Problem mit Blut, mied es aber trotzdem immer ganz gerne. Seit neuestem habe ich eine Schwäche für OP-Videos und so, während ein paar meiner Freunde schon bei Dr.House die Krise kriegen. Klingt das jetzt sadistisch? Wenn ja, ich bin eigentlich nicht so:-blush
Dass man sich später auch noch umorientieren kann, ist beruhigend. Auch wenn ich schon ziemlich genau, was ich will bzw. wollen würde :-lesen
[QUOTE=kirschbluete;1851594]@Fr.Pelz
Auch wenn ich schon ziemlich genau, was ich will bzw. wollen würde :-lesen
Hehe, bei fast allen meiner Kommilitonen hat sich der ursprüngliche FA-Wunsch geändert während des Studiums. Ich kann ja mal sagen, was ich wollte: mit 15 Kinderärztin. Mit 18 rechtsmedizinerin, mit 25 Internistin (auch da promoviert und Famulaturen gemacht), dann gab es eine kurze Humangenetik-Phase, der Kurs war super.
Was ich nie wollte: Chirurgin.
Was ich werde: Chirurgin
Wenn ich merke, dass es irgendwann keinen Spaß mehr macht, mach ich vielleicht mal ärztliches QM-Management, das ist auch spannend (was ich früher nicht gedacht hätte)
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