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Einarbeitungszeit macht sich schnell bezahlt

Weitergabe wichtiger Informationen hilft Fehler zu vermeiden

Redaktion (MEDI-LEARN)

Nach dem Zeigen der Station und der Erläuterung der typischen Abläufe steht das große Ganze der Klinik auf dem Programm. Wie komme ich zur Radiologie und zur Endoskopie? Wann ist jemand im Chefsekretariat? Brauche ich einen PIN-Code für bestimmte Türen? Eine Chipkarte für den Mitarbeiter-Parkplatz? Wo befinden sich Schockraum, OP-Trakt, Anästhesie, Aufwachraum, Intensivstation, die Patientenanmeldung und der Kiosk? Zwar gibt es für alles und jedes Hinweisschilder, doch zeigen die stets den „offiziellen“ Weg, und in Krankenhäusern ist das selten der kürzeste und schnellste.

Am günstigsten ist es für den Neuen daher, sich in den ersten Tagen und Wochen wie ein Schatten an die Fersen desjenigen zu heften, der ihn einweisen soll. Vieles geschieht in Krankenhäusern nach dem Prinzip „See one – do one – teach one“, wird also anstelle langer Erklärungen am Schreibtisch lieber in der konkreten Situation gezeigt. Allerdings ist die nicht beliebig planbar oder überhaupt vorhersehbar, weshalb das ständige Mitlaufen auf vielen Stationen der beste Lehrmeister ist. Nimm unbedingt ein Notizbuch mit, denn vermutlich wirst du mit Informationen regelrecht überschüttet: Telefon- und Piepernummern von Kollegen oder „interne Standards“: Welcher Vorgesetzte möchte welchen Vorgang wie durchgeführt sehen? Das frühzeitig zu wissen und nicht gleich wieder zu vergessen, kann dir etliche Rüffel ersparen.

Getreu dem gerade erwähnten Prinzip darf es beim einfachen Zuschauen natürlich nicht bleiben. Beginnend mit einfachen Dingen gilt es den Anfänger schnell die Aufgaben erledigen oder wenigstens vorbereiten zu lassen, die mit einem selbstständigen Arbeiten auf dieser Station verbunden sind. Das können beispielsweise Neuaufnahmen sein – mit allem, was dazugehört: Anamnese, Blutabnahme, Aufklärungen, Konsile anmelden oder gegebenenfalls die Anästhesie informieren. Gleiches gilt für das Auswerten von Befunden und das Erstellen von Arztbriefen.

Sicher dauert das länger, als wenn der Altassistent es „eben schnell selbst erledigt“. Doch bekäme dadurch sein neuer Kollege schnell das Gefühl, dass ihm nichts zugetraut wird. Andererseits ist es im besten Interesse des Altassistenten selbst, dass er auf Dauer nicht der Einzige weit und breit ist, der die betreffende Aufgabe übernehmen kann. Deshalb: Zeit nehmen für Fragen, für das Durchsprechen der vom Anfänger erhobenen Befunde und Zeit lassen für einen zweiten Anlauf, wenn etwas nicht gleich beim ersten Mal perfekt erledigt wird.

Gleichwohl kann man bei der Einarbeitung nicht selten durch Planung und Absprache auch Zeit sparen. Wahrscheinlich gibt es auf anderen Stationen im Haus weitere Kollegen, die gerade eingearbeitet werden. Mit ihnen kannst du dich zusammentun, um beispielsweise Erläuterungen zu gängigen Medikamenten und Anwendungen in der Gruppe zu hören. Das macht besonders viel Sinn, wenn für obligatorische Geräte-Einweisungen externe Fachleute einzuladen sind oder ein Kurs außer Haus stattfindet.

Als Teil der Einarbeitung kann zudem der Besuch von Kongressen und Tagungen angesehen werden. Wer hinfährt, entscheidet in der Regel der Oberarzt, und die Handhabung ist von Abteilung zu Abteilung, manchmal sogar von Station zu Station recht unterschiedlich: Möglicherweise muss der Arbeitnehmer Urlaub nehmen und alle Kosten selbst tragen. Andernorts werden Fahrt, Unterbringung und die Teilnehmergebühr bezahlt – eventuell mit der Auflage, bald nach der Rückkehr in einem kurzen Vortrag das neu erworbene Wissen an die Kollegen weiterzugeben.

Wann und wo Kongresse stattfinden, erfährst du unter anderem auf den Internetseiten der Fachgesellschaften. Zudem bieten die Ärztekammern sogenannte Logbücher für die Weiterbildung an, die wichtige Anregungen für die Einarbeitung geben können – oder dafür, wie diese im Idealfall aussehen könnte. Denn die Wirklichkeit steht im Zeichen des allgegenwärtigen Personalmangels, weswegen neue Mitarbeiter nicht selten nach kürzester Zeit „ins kalte Wasser gestoßen“ werden.

Das muss nicht immer schlecht sein: Du bist schließlich nicht mehr im PJ, sondern ein approbierter Arzt. Das heißt zwar nicht, dass du schon alles weißt und dich in Zweifelsfällen nicht mit der Bitte um Rat an deine Vorgesetzten oder andere erfahrene Mitglieder des Teams wenden solltest. Das Ziel, selbstständig und eigenverantwortlich handeln zu können, wirst du aber kaum erreichen, solange stets ein älterer Kollege dir das Händchen hält.
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