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Einfühlungsvermögen und gesunder Verstand

Wichtigste Ebene der Arzt-Patienten-Beziehung ist das Gespräch

Redaktion (MEDI-LEARN)

Gutes Einfühlungsvermögen

Vieles im Mediziner-Alltag ist echte Handarbeit, doch in der Beziehung zwischen Arzt und Patient stellt das Gespräch die wichtigste Ebene dar. Das Studium bereitet dich auf diesen zentralen Aspekt deines Berufs nicht wirklich vor, aber mit etwas Einfühlungsvermögen und gesundem Menschenverstand kommst du trotzdem in den meisten Fällen gut zurecht. Denn wie so oft gilt auch hier die einfache Regel: Geh mit anderen so um, wie du es selbst gerne hättest.

Sicher findest du es beispielsweise nicht gut, wenn man von oben herab mit dir spricht. Doch genau das passiert am Krankenbett ständig, und für ein paar Worte beim Vorbeibringen der Medikamente oder Servieren des Essens geht das selbstverständlich in Ordnung. Aber schon für eine oder zwei Minuten lohnt sich der Griff zum nächsten freien Stuhl, um buchstäblich auf Augenhöhe mit dem Patienten zu reden. Du signalisierst ihm damit Zuwendung, Wertschätzung und die Bereitschaft, dir gegebenenfalls für seine Fragen Zeit zu nehmen.

Ganz ähnlich wie bei der Medikation kommt es jedoch bei der Kommunikation auf die richtige Dosis an. Der Kranke hat das Recht auf ein ordentliches Gespräch, und sei es je nach Situation auch nur ein kurzes. Dein sonstiges Arbeitspensum musst du trotzdem schaffen, und manchmal ist es besser, ihn einfach schlafen zu lassen. In einer Klinik zu liegen, ist nämlich für sich genommen anstrengend genug: Vielleicht war die Nacht unruhig, weil der Zimmernachbar schnarcht. Trotzdem wird man spätestens um 7 Uhr geweckt und hört von da an selbst durch die geschlossene Tür den ganzen Tag Telefone, Alarme und so weiter.

Andererseits kann der Klinikaufenthalt auf Dauer unfassbar langweilig sein. Lesen ist möglicherweise jetzt zu anstrengend und Fernsehen kein Ersatz für „echte“ Unterhaltung. Vor allem jene Menschen, die nur selten oder nie Besuch bekommen, sind deshalb wahrscheinlich sehr dankbar für die kurzen Momente, in denen du dich auch einmal ganz ohne konkreten Anlass zu ihnen setzt, sofern es deine Arbeitsbelastung zulässt. Wenn du allerdings etwas mitzuteilen hast, dann tu es erstrecht bald. Liegt ein frisches Laborergebnis vor, willst nicht nur du es kennen, sondern der Patient ebenso. Spann dein Gegenüber also nicht lange auf die Folter und vermeide Fachwörter.

Mit dem Patienten sprechen kannst und solltest du sogar dann, wenn er nicht bei klarem Bewusstsein ist oder sich in Narkose befindet. Erwähne das aktuelle Datum, ob Angehörige in der Nähe sind oder erwartet werden, in was für einem Zimmer und auf welcher Station er sich befindet, welche medizinischen Maßnahmen zurzeit ergriffen oder in Erwägung gezogen werden. Schau während einer Untersuchung oder Behandlung zudem so oft wie möglich in sein Gesicht, um festzustellen, ob sie ihm Schmerzen verursacht. Achte auch, wenn es möglich ist, auf eventuelle Änderungen von Blutdruck und Pulsfrequenz. Diese Vitalwerte bieten einen guten Anhalt darüber, ob der Patient merkt, was Du mit ihm machst und er sich nur nicht motorisch oder verbal dazu bemerkbar machen kann.

Mach unabhängig vom Bewusstseinszustand möglichst nie etwas mit dem Patienten, ohne es vorher anzukündigen – angefangen beim Anheben der Bettdecke. Privatsphäre ist generell Mangelware im Krankenhaus, und nicht selten platzt jemand ins Zimmer, während der Patient gerade nackt auf der Bettkante sitzt, um sich zu waschen. Dabei sind Takt und Einfühlungsvermögen insbesondere im Zusammenhang mit Schamgefühlen sehr angebracht. Oft reicht es schon, nach ein paar Minuten wiederzukommen, wenn nicht mehr so viele Menschen im Zimmer sind. Nicht zuletzt in solchen Fällen ist das offene Gespräch die wichtigste Ebene deiner Beziehung zum Patienten.

 

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