Erfahrungen in der Facharztprüfung
Facharztgespräch in Pädiatrie
Marion W.
Ein weiterer, wichtiger Schritt im Laufe deiner Karriere als Arzt liegt vor dir: das Facharzt-Gespräch. Nun ist guter Rat teuer, schließlich willst du bestehen. Wir bieten dir Interviews mit Fachärzten, die diese Hürde erfolgreich genommen haben und unsere Fragen zum Facharztgespräch beantworten. Heute berichtet Marion über ihre Erlebnisse in der Prüfung zur Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin (Pädiatrie).
Facharztgespäch in Kinder- und Jugendmedizin in Frage und Antwort
Wie lange hat deine Prüfung gedauert und wie viele Prüfer waren zugegen?
Meine Prüfung war nach rund 45 Minuten beendet, es ging also recht zügig „durch“. Es waren 3 Prüfer zugegen, wovon aber nur 2 Prüfer Fragen gestellt haben, der Dritte hat nur protokolliert.
Wie viele Fragen hast du beantworten müssen?
Insgesamt 4 große Themen wurden behandelt:
1) U1, U2, NG-Screening, Mukoviszidose beim Neugeborenen
2) Nierenbeckenspreizung
3) Hodenschmerz
4) Hüftschmerz
Wie viel Zeit hattest du pro Frage?
Ich hatte nie das Gefühl unter Zeitdruck zu stehen, wenn ich mal nicht weiter wusste, wurde eine neue Frage formuliert. Ansonsten kann man nur sagen: Die Prüfer waren sehr nett, das Prüfungsgespräch hatte die Atmosphäre eines Gesprächs unter Kollegen, und keiner will, dass man durchfällt, also macht Euch nicht verrückt.
Wie hast du dich vorbereitet (Dauer, verwendete Literatur)?
Folgende Literatur habe ich in der Vorbereitung komplett gelesen: Speer/Gahr: Pädiatrie, Hürter/Danne: Diabetes bei Kindern (weil ich davon einfach sehr wenig Ahnung hatte) und große Teile von Hofmann/Deeg: Ultraschalldiagnostik in Pädiatrie und Kinderchirurgie. Außerdem habe ich in Erlangen das Ultraschall-Repetitorium für die Facharztprüfung (Ultraschall für Pädiater) besucht (sehr zu empfehlen), und dann noch das DGKJ-Repetitorium für die Facharztprüfung. Die beste Vorbereitung auf die Prüfung ist der tägliche Alltag als Arzt, am Besten in einer Klinik, in der man ein sehr breites Patientenspektrum hat, am Besten auch mit Ambulanztätigkeit. Da ich aufgrund meiner Schwangerschaft ab Juni zuhause war, und die Prüfung erst im September stattfand, hatte ich sehr viel Zeit zum „entspannten“ Lernen, was sehr angenehm war.
Hast du die Prüfungsfragen als schwierig oder leicht empfunden?
Die Fragen waren sehr praktisch orientiert, und damit zunächst auch einfach. Manchmal schon beinahe verwirrend einfach, so dass man sich kaum getraut hat zu antworten, weil man dachte, da müsste mehr dahinter stecken… Im Endeffekt wurde dann aber jedes Thema immer noch weiter und weiter ausgedehnt, bis irgendwann keine Antworten mehr von mir kamen, weil ich nicht mehr weiterwusste. Aber es war mir immer klar, dass diese Antworten nicht zum Bestehen notwendig waren, sondern eher so ein kleines „Schmankerl“, bei dem die Prüfer dann auch genossen, einem noch etwas beizubringen. Sie erzählten teilweise auch davon, dass sie, als sie im Alltag mit der Frage konfrontiert waren, auch erst keine Lösung hatten, und dann durch Zufall oder Spezial-Untersuchungen erst die Diagnose fanden.
Welche Tipps möchtest du Weiterbildungsassistenten für die Prüfung mit auf den Weg geben?
Wichtig war den Prüfern zu sehen, dass man praktisch denkt und mögliche Differenzialdiagnosen in Erwägung zieht. Wenn man diese Dinge ausspricht, selbst wenn es sich um teilweise banale Untersuchungen handelt, sind die Prüfer zufrieden.
In meiner Prüfung wurden einige Röntgenbilder und Ultraschallbilder gezeigt. Da ich beides auch schon als Assistent sehr oft selber durchgeführt und befundet hatte, waren die Fragen für mich gut zu beantworten. Für jemanden der in seiner Assistenzzeit keine Ultraschalluntersuchungen durchgeführt hat, und darin keine Routine hat, wären einige der Fragen schwierig gewesen, da alles sehr praktisch orientiert war. In diesem Fall kann ich nur raten: Macht wenigstens einen Ultraschallkurs und z.B. das Ultraschallrepetitorium in Erlangen, das hilft Euch schon mal deutlich weiter!
Was findest du an deiner Fachrichtung Pädiatrie besonders faszinierend?
Mir hat schon immer die Arbeit mit Kindern sehr viel Spaß bereitet. Außerdem gefällt mir, dass unser Fachgebiet so umfassend ist, und alle anderen Fachgebiete wie Dermatologie, Orthopädie, Infektiologie, Neonatologie, Gynäkologie, Urologie usw beinhaltet.
Warum möchtest du auf diesem Fachgebiet tätig sein?
Es war schon immer das einzige Fachgebiet, dass ich mir vorstellen konnte. Auch wenn wir den Kindern öfter mal weh tun müssen – sie verzeihen (fast) alles, und es gibt doch kaum was Schöneres, als das Lachen eines Kindes, wenn es wieder gesund ist. Außerdem kann man in diesem Fachgebiet wirklich noch oft heilend und nicht nur palliativ tätig sein.
Was findest du an deiner Fachrichtung im Alltag nicht so prickelnd, was ist dir eher unlieb?
Wenn Fälle infaust sind oder ein Kind eine bleibende Behinderung behält, ist dies noch dramatischer als bei Erwachsenen. Manchmal ist der Umgang mit den gesunden Eltern, die nicht verstehen wollen, dass Ihr krankes Kind eine bestimmte Behandlung benötigt, schwierig.
Vielen Dank, Marion, für die Beantwortung unserer Fragen!