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Memoiren Prof. Dr. Dr. Steinhausen: Die 40er Jahre

Schule im Wandel der Zeiten

Prof. Dr. Dr. Michael Steinhausen

 

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Michael Steinhausen ist pensionierter Professor für Physiologie. Er ist zudem Leiter des Heidelberger Ärzteorchesters und Buchautor. In „Schule im Wandel der Zeiten: die 40er und 50er Jahre“ berichtet er in anschaulichen Episoden aus seiner Kindheit & Jugend.

Prof. Dr. Dr. Michael Steinhausen:
Schule im Wandel der Zeiten:
Schüler unter Nazis und Kommunisten: 1936 – 1949

 

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Folge 1: Privilegiertes Kind

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Die ersten 10 Jahre meines Lebens (die 30er Jahre) habe ich überwiegend heiter – mit viel Sonne - in Erinnerung. Zur Welt gekommen bin ich 1930 im Physiologischen Institut der Universität Greifswald, d.h. als Hausgeburt in der Dienstwohnung meines Vaters. Die Direktorwohnung dehnte sich als Obergeschoss über die ganze Fläche des darunter liegenden Institutes aus. Der Flur war so lang, dass meine Brüder dort Fahrrad fuhren, während ich bis zu unserem Auszug immerhin mit dem Roller fahren durfte.

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Folge 2: Erste schulische Erfahrungen und eine wichtige Freundschaft

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Mein erster Schultag begann mit Ostereiersuchen. Eine rührende alte Lehrerin, zu der wir “Muhme” und “Du” sagen durften, brachte uns ohne “Mengenlehre” und ohne “Ganzheitsmethode” Lesen, Schreiben und Rechnen mit der guten alten Schiefertafel bei. Unsere Fibel aus dem Jahr 1936 war allerdings bereits vollständig „braun“, voller Hakenkreuzfähnchen mit dem „Führer“, der uns die „Eintopfsuppe“ bescherte etc. Meine Mutter überwachte daheim liebevoll meine Schularbeiten. In den letzten Monaten dieser Volksschulzeit wurde leider unsere gute alte Muhme kriegsverpflichtet aufs Land geschickt. Wir hatten Vertretung bei einer strammen Nazi-Lehrerin, welche uns schon am ersten Tag ihrer Tätigkeit das Horst Wessel-Lied lernen liess. Von da ab sang ich: „Kameraden die Rotfront und Redaktion (!) erschossen“.

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Folge 3: Prägende Erfahrungen in der schulischen Laufbahn

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Bei mir unvergessen ist wenige Tage vor Kriegsbeginn der Besuch einer etwas exaltierten Kollegenfrau bei meinen Eltern. Die Dame schwärmte in höchsten Tönen, wie grossartig es sei, dass sich Hitler und Stalin auf einen Nichtangriffspakt geeinigt hätten und uns nun gewiss der Frieden erhalten bliebe. Ich sehe noch meinen Vater vor mir, der diese Dame sehr ungläubig abfertigte. Als dann wenige Tage später der Krieg begann, war ich sehr stolz auf meinen klugen Vater, der mal wieder recht behalten hatte, wenn ich auch die ganz Tragweite des Kriegsbeginns nicht begreifen konnte, und ich es nur interessant fand, dass sich so viel zu ändern schien.

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Folge 4: Erste Konfrontation mit dem Nationalsozialismus

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Zu Anfang meiner Gymnasialzeit war das politische Klima der Friedrich Ludwig Jahn-Schule noch relativ friedlich. In Ermangelung eines Direktors wurde die Schule von dem offenbar nur äusserlich mit einem Parteiabzeichen geschmückten Stellvertreter geleitet. Der Wind drehte sich aber komplett mit der feierlichen Einführung des neuen Direktors: Dr. Hommer. Endlich hatte die Schule einen 150% strammen Nationalsozialisten, an dem man nur mit gestrecktem Hitlergruss vorbeigehen durfte, wenn man nicht im Laufschritt zurückgeschickt werden wollte, um erneut an ihm vorbeidefilieren zu müssen. Regelmässig wurde nun die ganze Schule in der grossen Aula versammelt, um Sondermeldungen von Wehrmachtserfolgen zu feiern oder Heldenehrungen zu begehen oder was auch immer im Verlauf des Krieges an nationalsozialistischen Weihehandlungen möglich war.

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Folge 5: Erziehung mit „doppeltem Hosenboden“

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Der eigene Vater trug schwer daran, zu Beginn des nazistischen Ungeistes den Beamteneid auf den neuen Reichskanzler geschworen zu haben und das bereits als langjähriger ordentlicher Professor, der doch “Bekenner” sein wollte. Aber war man zum Märtyrer ausgebildet? Wie viel leichter ist es, in einer Zeit zu leben, welche keine Märtyrer verlangt. Immerhin hat meine Generation noch die Nazi-Zeit bewusst miterlebt. Handeln im Einklang mit seiner Überzeugung ist jetzt viel billiger. Leider scheint das oftmals auch nur so zu sein.

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Folge 6: Statt Militärdrill: Jugendorchester und Laienspielgruppe

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Schon nach einigen Monaten vormilitärischer Grundausbildung ergab sich für mich die Gelegenheit, den Kasernenhofdrill durch Überwechslung zum Musikzug zu mildern. Da ich schon seit meinem sechsten Lebensjahr Klavierstunde gehabt hatte, war man sofort mit meinem Wechsel einverstanden. Zum Gespött meiner Brüder kam ich bald darauf mit einer Fanfare nach Hause. Die Fanfare musste ich leider wieder zurückbringen. Mein Vater meinte aus ärztlicher Sicht (-ich hatte zu dieser Zeit häufig Mittelohrentzündungen-) die Fanfare verbieten zu müssen, weil das starke Blasen beim Marschieren gegen den hässlichen pommerschen Ostwind für einen kleinen Jungen viel zu ungesund sei.

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Folge 7: Alle acht Tage Quartett spielen

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Am Stadtrand von Greifswald war ein grösseres Kriegsgefangenenlager, von wo aus die Gefangenen zu Arbeitseinsätzen in der Stadt gebracht wurden. Für die französischen Kriegsgefangenen war dort der erste Geiger vom Streichquartett meines Vaters und Französischlehrer unserer Schule als Dolmetscher tätig. Da unser Klavierstimmer zum Kriegsdienst eingezogen war, brachte dieser Lehrer gelegentlich einen freundlichen französischen Kriegsgefangenen zur Stimmung unseres Flügels in unser Haus. Im übrigen war dieser Lehrer unübersehbar in soldatenfähigem Alter. Es hiess, wegen irgendeines Herzfehlers sei er vom Militärdienst freigestellt worden. Er konnte aber alle 8 Tage mit meinem Vater Quartett spielen. Er erzählte auch in meiner Gegenwart die schlimmsten politischen Witze, was mein „nichtarischer“ Vater niemals tat. Diese Witze hätten ihn damals das Leben kosten können: z.B. die Russen stürmen die Berliner Reichskanzlei.

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Folge 8: Lebensumstände im 2. Weltkrieg

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Während des gesamten 2. Weltkrieges muss die Versorgung der Bevölkerung - zumal in dem nicht durch Bomben zerstörten Greifswald - viel besser als während des 1. Weltkrieges gewesen sein. Einen Rübenwinter wie 1916/17 gab es zwischen 1939 und 1945 nicht. 1941/42 spottete mein Vater sogar “wir verlieren den Krieg, weil unsere Küche mitten im Krieg gekachelt wird, anstatt sie nur mit Ölfarbe neu anzustreichen”. Makaber ging damals der Spruch um: „Lasset uns den Krieg geniessen, denn der Friede wird furchtbar sein.“ Während des ganzen Krieges erhielten wir auch genügend Koks, um unsers grosses, schlecht isoliertes Greifswalder Haus mit Koks zu heizen. Leider war mein Vater nicht so vorsorgend wie die Eltern meines Freundes Hans-Hinrich, welche schon im Krieg Öfen setzen liessen, um von einer Koksversorgung unabhängig zu sein. Die Nachkriegs-Winter 1945/46 und 46/47 waren deshalb für uns eine besondere Strafe.

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Folge 9: Kein Einsatz an der Front, sondern Botenspiele

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Im Sommer 1944 mussten wir mit der Hitler-Jugend-Spielschar auf der Insel Rügen Kinder betreuen. die aus Deutschlands durch Bomben gefährdeten Gross-Städten evakuiert waren (sog. Kinderlandverschickung). .Immerhin konnte ich mich grinsend hinter meinem grossen Cello verstecken, wenn Parteiredner abenteuerliche Naziparolen verkündeten. Die Mehrzahl der Spielscharjugend war wie ich mit „doppeltem Hosenboden“ versehen. Wir führten auch Laienspiele auf z.B. Hans Sachs: „Der Doktor mit der langen Nase“, in welchem ich die Rolle des Narren zu spielen hatte, was mir und offenbar auch dem Publikum gefiel.

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Folge 10: Kriegsende: Fliegerbomben und die Russen

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Im Sommer 1944 mussten wir mit der Hitler-Jugend-Spielschar auf der Insel Rügen Kinder betreuen. die aus Deutschlands durch Bomben gefährdeten Gross-Städten evakuiert waren (sog. Kinderlandverschickung). .Immerhin konnte ich mich grinsend hinter meinem grossen Cello verstecken, wenn Parteiredner abenteuerliche Naziparolen verkündeten. Die Mehrzahl der Spielscharjugend war wie ich mit „doppeltem Hosenboden“ versehen. Wir führten auch Laienspiele auf z.B. Hans Sachs: „Der Doktor mit der langen Nase“, in welchem ich die Rolle des Narren zu spielen hatte, was mir und offenbar auch dem Publikum gefiel.

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Folge 11: Familie Katsch

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Im Sommer 1944 mussten wir mit der Hitler-Jugend-Spielschar auf der Insel Rügen Kinder betreuen. die aus Deutschlands durch Bomben gefährdeten Gross-Städten evakuiert waren (sog. Kinderlandverschickung). .Immerhin konnte ich mich grinsend hinter meinem grossen Cello verstecken, wenn Parteiredner abenteuerliche Naziparolen verkündeten. Die Mehrzahl der Spielscharjugend war wie ich mit „doppeltem Hosenboden“ versehen. Wir führten auch Laienspiele auf z.B. Hans Sachs: „Der Doktor mit der langen Nase“, in welchem ich die Rolle des Narren zu spielen hatte, was mir und offenbar auch dem Publikum gefiel.

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Folge 12: Nun folgten die Panzer ...

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Bevor wie an diesem denkwürdigen Tag (29.4.1945) nach Ladebow aufbrachen, war mein Vater zu Fuss aus seinem Institut in der Innenstadt zu uns nach Hause gekommen. Der Weg führte an der Villa des Klinikchefs der Inneren Medizin Prof. Gerhard Katsch vorbei. Meine Eltern waren mit der Familie Katsch gut befreundet, wobei diese Freundschaft bereits aus gemeinsamer Frankfurter Zeit stammte. Katsch erhielt vor meinem Vater einen Ruf nach Greifswald und zog meinen Vater 1928 nach Greifswald nach.

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Folge 13: Flüchtlingslager unter russischer Besatzung

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Am Ende der ersten Woche unter russischer Besatzung hielt plötzlich vor unserem Haus ein grosser Planwagen mit 2 Zug-Pferden: Dem Wagen entstiegen die Gutsbesitzerin mit ihrer Schwägerin von einem Rittergut aus der Greifswalder Umgebung mit Kutscher, polnischer Kochfrau, Kindermädchen und 5 kleineren Kindern. Meine Eltern kannten die Familie über meinen Patenonkel, den Bruder meines Vaters, welcher Lehrer, nach dem Krieg sogar Direktor der Landwirtschaftsschule in Soest/Westfalen war. Zahlreiche zukünftige pommersche Rittergutsbesitzer besuchten vor dem Krieg diese Schule, um sich auf ihre spätere Tätigkeit als Landwirte vorzubereiten.

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Folge 14: Nachkriegszeit und Neuanfänge

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In den ersten Nachkriegsmonaten lernte ich auch von einem Flüchtling, wie man kaputte Fensterscheiben durch neue ersetzt. Da in Greifswald nur wenige Bomben gefallen waren, war die Beschaffung des Glases bei der Frau des Glasermeisters unproblematisch, nur war eben der Glaser selbst irgendwo im Krieg. Statt Latein lernte ich nun neben Dachdecken auch Glasern. Die Bewunderung durch meine Eltern wirkte stimulierend: Bei meiner Erziehung sollten die schlechten Erfahrungen meiner Mutter mit ihrem mangelnden Selbstgefühl durch mangelnde Anerkennung nicht wiederholt werden.

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Folge 15: Auf in Richtung Musiks tudium…oder doch nicht?
Arbeit auf dem Lande!

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Nach dem Umbruch 1945 kam Friederich Giese (Flüchtling aus Stettin) als Musiklehrer an unsere Schule. Bei den z.T. recht arroganten Schülern des Greifswalder Gymnasiums genoss Herr Giese weder als Musiklehrer noch als Chor- oder Orchesterleiter grosses Ansehen. Giese hatte nichts Dynamisches oder Mitreissendes oder, wie es heute heisst, er besass keine „Ausstrahlung“. Er war klein, dick, alt, schlecht sitzendes Gebiss, ärmlich angezogen, beim Vorsingen lispelnd, schwaches Klavierspiel, kaum Autorität, also eigentlich als Musiklehrer völlig ungeeignet. Giese verstand jedoch mehr von Musik, als alle anderen, welche mir bisher als Musiker bekannt geworden waren.

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Folge 16: Neubeginn in schulischer Laufbahn und Begeisterung

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Als dann im Herbst 1945 wieder die Schule anfing, waren unsere Klassen extrem geschrumpft. Das Lernen machte zum ersten Mal sogar meistens Spass. Weil in diesem Jahr die Schule so lange ausgefallen war, wurde für uns einfach ein Schuljahr drangehängt, sodass von da an 9 Klassen Gymnasialzeit als Regel galten. Allerdings demonstrierte uns der Herr Direktor von Anfang an, was Sozialismus östlicher Prägung bedeutet. Wiederum war äusserste Vorsicht geboten. Der Sohn des Direktors sprang plötzlich in unsere Klasse (von einer Klasse tiefer) und brachte dabei die ihm passenden Lehrer mit.

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Folge 17: Leben unter russ ischer Besatzung

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Noch im zweiten Jahr der russischen Besatzung konnte es passieren, dass kurzfristig (1/2 Tag) eine ganze Strasse der Stadt für russische Besatzung komplett zu räumen war. Nur Haushaltsgegenstände aber keine Möbel durften mitgenommen werden. Als plötzlich ein solcher Befehl 2 Querstrassen entfernt von unserem Haus zum Entsetzen aller Nachbarn einging, half dort jeder, der konnte, bei der Räumung. Als es dunkel wurde und eigentlich schon alles beendet sein sollte, gelang mir noch das unerlaubte Hinauswerfen eines Teppichs aus einem Bodenfenster. Bei der Rückkehr vom Dach in den Boden stürzte ich aber kopfüber in den Boden.

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Folge 18: Rückblickend betrachtet…

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Als dann im Herbst 1945 wieder die Schule anfing, waren unsere Klassen extrem geschrumpft. Das Lernen machte zum ersten Mal sogar meistens Spass. Weil in diesem Jahr die Schule so lange ausgefallen war, wurde für uns einfach ein Schuljahr drangehängt, sodass von da an 9 Klassen Gymnasialzeit als Regel galten. Allerdings demonstrierte uns der Herr Direktor von Anfang an, was Sozialismus östlicher Prägung bedeutet. Wiederum war äusserste Vorsicht geboten. Der Sohn des Direktors sprang plötzlich in unsere Klasse (von einer Klasse tiefer) und brachte dabei die ihm passenden Lehrer mit.

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Ein kurzes Lehrbuch, dessen wichtigstes Anliegen darin besteht, die Physiologie des Menschen verständlich zu machen. Nur was man verstanden hat, lässt sich auch erfolgreich für die Prüfung speichern. Unwesentliches wurde weggelassen. Trotzdem erfährt der Leser in vielen Fällen, wann, wie und warum man hinter die Geheimnisse der Physiologie gelangt ist, und welche Bedeutung der Physiologie auch für die Klinik zukommt. Seit seiner ersten Auflage 1986 ist der "Steinhausen" von Vielen als "Geheimtip für das Physikum" sehr erfolgreich genutzt worden. Die jetzige 5.Auflage ist im Konzept unverändert, jedoch von zahlreichen Fachkollegen aktualisiert.
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