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Mit zitternder Stimme und feuchten Augen

Den Angehörigen schlechte Nachrichten überbringen müssen

Redaktion (MEDI-LEARN)

Zeige Herz

Das Gesagte gilt im Wesentlichen auch für das Überbringen von Todesnachrichten, sei es persönlich oder am Telefon. Red nicht lange drumherum, sondern beschränke dich auf ganz wenige Einleitungssätze: „Wir hatten ja heute morgen schon miteinander gesprochen und ich sagte Ihnen da, dass sich der Zustand Ihrer Mutter in der vergangenen Nacht stark verschlechtert hat. Es sind Herzrhythmusstörungen aufgetreten, gegen die wir mit Medikamenten nichts ausrichten konnten. Ich muss Ihnen jetzt leider mitteilen, dass Ihre Mutter verstorben ist.“ Danach lass genügend Raum für eine emotionale Reaktion der Angehörigen und für ihre Fragen.

Raum lassen hat in diesem Kontext eine doppelte Bedeutung, nämlich einerseits die zeitliche, andererseits eine ganz konkrete: Wirf die Angehörigen nach dem Gespräch nicht gleich wieder aus dem Zimmer. Biete ihnen vielmehr an, dort noch eine Weile zu bleiben und auf Wunsch ein Festnetz-Telefon zu benutzen, um das eben Mitgeteilte vielleicht weiterzugeben oder erste Maßnahmen zu veranlassen. Gleichwohl musst du damit rechnen, dass sie nun sofort den Verstorbenen sehen wollen. Vielleicht kannst du schon vor ihrem Eintreffen veranlassen, dass sein Bett in ein Einzelzimmer geschoben wird und dort eine ausreichende Zahl von Stühlen bereitsteht.

Für viele Angehörige ist es gut, etwas über das weitere Prozedere zu erfahren: Wie lange wird der Verstorbene noch auf der Station bleiben? Welche Katheter werden entfernt und bei welchen ist das nicht möglich? Wann geht es in die Kühlkammer? Ist noch Gelegenheit für eine Aufbahrung, bevor der Leichnam der Pathologie übergeben wird? Wann und durch wen erfolgt die Freigabe für das Bestattungsinstitut?

Spätestens jetzt ist außerdem der Hinweis auf mögliche weitere Gesprächspartner sinnvoll, beispielsweise die für das Haus zuständigen Seelsorger. Keinesfalls darf für die Angehörigen der Eindruck entstehen, mit der Situation allein gelassen zu werden. Dabei kann in manchen Situationen das Andeuten von Nähe hilfreich sein, falls du selbst dich damit ebenfalls wohl fühlst – etwa indem du einen kurzen Moment deine Hand auf den Arm deines Gegenübers legst.

Ebenfalls jetzt wird je nach Lage der Dinge schließlich auch das Thema Obduktion anzusprechen und die Frage nach einer Zustimmung zur Organspende zu stellen sein. Letztere gehört ganz ans Ende des Gesprächs mit den Angehörigen, damit diese sich bis zum nächsten Kontakt mit dem Gedanken vertraut machen und über das Thema eventuell informieren können.

Wenn möglich, solltest du ein paar Mal bei Gesprächen „mitlaufen“, in denen erfahrene Kollegen eine Todesnachricht überbringen. Aber auch danach wird eine solche Situation für dich noch lange Zeit ein emotionaler Kraftakt sein, bei dem deine Stimme ein wenig zittert und die Augen feucht werden. Das braucht dir ganz sicher nicht peinlich zu sein, sondern wird als Zeichen der Anteilnahme eher geschätzt. Immerhin ist gerade ein Mensch gestorben, und das wird auch für dich als Arzt hoffentlich nie zu einer Belanglosigkeit.
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