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Aufenthalt in Wuhan/China

Famulatur in TCM, Akupunktur und Chirurgie

Sebastian Serwe

 

"Das ist Anästhesiegerät. Ist aus Deutschland." Der Arzt zeigt auf das Beatmungsgerät. Tüv-geprüft verrät ein Siegel auf der Rückseite, verrät auch, dass es wohl wirklich mal aus Deutschland gekommen ist. Auf jeden Fall funktioniert es, der Patient scheint beatmet zu werden. "Lungenproblem, gucke mal", meint der Arzt und deutet auf ein Röntgenbild an der Wand. Unschwer zu erkennen, das Lungenproblem, ein großer Tumor auf der rechten Seite, den sieht man auf dem Bild.

Auch sonst würde man auf die Idee kommen, dass mit der Lunge des Patienten etwas nicht stimmt. 2-3 Chirurgen stochern ja auch in seinem Brustkorb rum. Mehr kann man nicht erkennen, auf der Thoraxübersicht nicht, weil der Leuchtschirm nicht geht, und auf dem Op-Tisch, weil einem die anderen Ärzte die Sicht versperren. Es sind zu viele im Raum. Drei die operieren, zwei Schwestern die helfen, 4 Ärzte, die zuschauen, ein chinesischer Student, und wir vier deutschen Famulanten mit dem Arzt, der uns alles zeigen soll.
"Gehen wir weiter, weitergucken" Unserer Führung wird es auch langweilig, dabei ist es ein Patient von seiner Station. Er könnte wohl auch mehr zu ihm sagen, wenn wir denn Chinesisch sprächen. So müht er sich auf Deutsch ab. Er wird für ein Jahr in Heidelberg arbeiten, deswegen hat er ein bisschen Deutsch gelernt und nutzt unsere Famulatur um sein Deutsch noch zu verbessern. "Wie heißt das, und das, aufschreiben".

Trotzdem war man mit Dr. Liao noch gut gestellt, die meisten anderen Ärzte, denen man zugeteilt war, sprachen chinesisches Englisch. Die hat man wirklich nicht verstanden. Sie einen auch nicht und sie hatten auch keine große Motivation, einem was zu zeigen, sie wollten ja kein Deutsch lernen.

Wir sind zu viert nach Wuhan gekommen, Simone, Iris, Alex und ich, alle im selben Semester, alle von der Universität des Saarlandes. Die beiden Mädels wollten auf die Herz-Thoraxchirurgie, dort wurden sie Dr. Liao zugeteilt. Alex und ich haben uns für die Unfallchirurgie interessiert. Dort hat sich aber keiner für uns interessiert, so dass wir uns nach einer Woche den Mädels angeschlossen haben.
So oder so war die Famulatur auf der Chirurgie eine Art Sightseeing, zwei Wochen Tag der offenen Tür für deutsche Famulanten.
 

Eine Famulatur war es in keinem Fall

Zwei Wochen in denen man einige Lungen-, Herz-, Kopfprobleme gezeigt bekam, mal darauf hingewiesen wurde, dass es sich bei dem Kasten, der aussah wie ein Ultraschallgerät auch wirklich um ein Ultraschallgerät handeln würde, erklärt bekam, dass das Röntgenbild auch tatsächlich ein Röntgenbild wäre, oder in der man die Aussicht vom Ambulanzgebäude über den Unicampus genießen sollte. Eine Famulatur war es in keinem Fall. Selbst wenn man noch kein Medizin studiert hätte und nach Wuhan gekommen wäre, um einen Eindruck zu gewinnen, was denn Medizin überhaupt sei, wäre man enttäuscht gewesen. Aber nach 6 Semestern Medizinstudium reicht es einem nicht, als Diagnose Lungenproblem zu hören, oder es interessiert einem am Röntgenbild auch mehr, als nur die Tatsache, dass es ein Röntgenbild ist.

Das Problem ist wohl die Sprache, nicht, dass in Wuhan schlechte Ärzte wären, die einem nicht mehr sagen könnten, weil sie einfach nicht mehr wüssten. Es ist auch nicht, dass sie weniger Möglichkeiten hätten, Diagnosen zu stellen oder Krankheiten zu behandeln. Auch die Geräte entsprechen westlichem Standart und von der Zeit, die sie für einen hätten, sind sie sogar viel besser dran, als beispielsweise deutsche Kollegen. In China fehlt vieles, aber in keinem Fall gibt es zu wenig Personal. Nein, das Problem ist, dass man sich nur sehr schwer verständigen kann. Chinesen tun sich schwer mit Fremdsprachen, wir ja nun auch mit Chinesisch. Gelernt haben wir medizinisch also recht wenig in der Chirurgie. Aber man lernt doch unser Gesundheitssystem schätzen, in dem der Notfall erst behandelt und dann die Bezahlung geklärt wird. Oder man sieht in China wirkliche Klassenmedizin auch schon bei der einfachsten Platzwunde. Die Behandlung reicht nämlich je nach Honorar von überhaupt nicht behandelt, über ohne Analgesie genäht, bis zur weniger traumatischen Nadel.

Nach zwei Wochen Chirurgie haben wir dann gewechselt, zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Hier bekamen wir Unterricht, je nach Dozent in recht gutem Englisch. Erklärt hat man uns die Grundlagen der Diagnosestellung und der Behandlung in der TCM. Patienten haben wir aber eher weniger gesehen.
Es ist nicht ganz einfach, oder vielleicht sogar gar nicht möglich unsere westliche Medizin und die TCM auf einen Nenner zu bringen.
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