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Die Theorie in der Praxis unter Beweis stellen

PJ-Tertial in der Anästhesie in Siegburg

Csaba Losonc

 

Nach harten Jahren der Entscheidungsfindung was nun richtig sei – A , B, C, D, oder doch E – und am Ende zu wissen, dass man trotz des Lernen eigentlich nichts weiß, kommt man nun in den Genuss sein theoretisches Wissen in der Praxis unter Beweis zu stellen. Für viele Mediziner ist es eine Freude wenn sie zum Schluss für eine längere Zeit die Bücher in der Ecke liegen lassen können und einmal ausnahmsweise Geschick-lichkeit oder ähnlich Dinge gefragt sind. Vor dem Praktischem Jahr bekommt man die Gelegenheit ein zusätzliches Fach zu den jeweils 16 Wochen Innere Medizin und Chirurgie zu wählen. Die einen sind pragmatisch und nehmen was kommt, für die Anderen kommt nur das eine Fach in Frage, möglicherweise weil sie es später praktizieren möchten. Es gibt natürlich immer Argumente die für das ein oder andere Gebiet sprechen.

Wer in Bonn studiert – oder wie viele Andere auch – nach dem 2. Staatsexamen zum PJ nach Bonn wechselt, hat einige Krankenhäuser in der Region zur Auswahl. Als neuestes Krankenhaus in der Familie der Lehrkrankenhäuser der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn präsentiert sich das Klinikum Siegburg. Seit April 2004 wird pro Semester 4-5 Studenten ermöglicht dort ihr Praktisches Jahr zu absolvieren. Siegburg ist eine Kleinstadt mit einem besonderen Flair, die Vorzüge sind möglicherweise nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Mit den Wochen allerdings bekomme ich immer mehr einen positiven Eindruck von der Stadt, so dass ich mich hier ganz wohl fühle. Die Nähe zu Köln und Bonn ist nur ein Highlight der erwähnt werden sollte.

Die ersten Studenten werden mit Spannung erwartet, wir sind besonders in den ersten Tagen im Frühjahr letzten Jahres auf dem Präsentierteller, hier eine Hand schütteln, dem noch Vorgestellt werden, man kommt sich schon relativ bedeutend vor. Nach einem Rundgang durch das Haus mit einer kurzen Einführung, sowie Vorstellung des ärztlichen Direktors Herr Prof. Müller, des PJ-Beauftragten OA Dr. Oppermann und des Verwaltungsdirektors Dr. Kilian, werden wir auf die Stationen verteilt. Das Wahlfach Anästhesie beginnt erst mal mit den Worten: “Es ist schon relativ spät, gehen sie ruhig nach Hause und kommen sie morgen früh am besten gegen 7 Uhr auf die Intensivstation.“

Der erste Morgen in der Besprechung ist schon ein mulmiges Gefühl, ein großer Tisch, viele unbekannte Gesichter, teilweise müde ausschauend, teilweise ruhig da sitzend, man grüßt freundlich, lächelt nett – was man morgens um sieben nett nennen mag – nun bloß nicht auf den falschen Platz setzten und dann ist es erstmal geschafft. Eine kurze Konferenz folgt, es prasseln die Worte: „…..Notfall……Sectio……Maschinen…..“ Wovon sprechen die? Nach einer gewissen Zeit denk ich kommt der Moment, wo die Besprechung beendet ist. ,jetzt geht’s los mit der Heilkunst, kommt in einem Abschlusssatz des Chefarztes: „….ich möchte außerdem unseren neuen und ersten PJler Vorstellen, äh, am besten stellen Sie sich selber vor“ Na toll, alle schauen, einen gescheiten Satz habe ich mir nicht zurechtgelegt, mit so etwas habe ich nicht gerechnet, „Guten morgen, ich bin……und habe in Giessen studiert…“ Gelächter unterbricht meine Ausführungen, mmh, ist Giessen keine richtige Uni? Habe ich einen Zahnpastafleck am Mund und tausend andere Dinge gehen mir durch den Kopf. Ich lass mich nicht durcheinander bringen, weiter jetzt „…bla bla.“ Fertig, ist doch gelungen!

 

Nachher erfahre ich, dass sowohl der Chefarzt der Abteilung PD Dr. Zickmann, als auch der größte Teil seiner Oberärzte in Giessen studiert und gearbeitet haben, vielleicht hätte ich mich vorher mal informieren sollen. Später wird mir bewusst, dass jeder Morgen in der Abteilung identisch verläuft, Dienstbeginn ist 7 Uhr 15, mit einer kurzen Visite auf der kardiochirurgischen Intensivstation, darauf folgt eine kurze Besprechung und anschließend eine weitere Visite auf der „normalen“ Intensivstation. Auf den Visiten und in der Besprechung werden besondere Vorkommnisse des Bereitschaftsdienstes und andere Besonderheiten besprochen, donnerstags morgens findet zusätzlich eine abteilungsinterne Fortbildung statt. Es sind 2 Intensivstationen nötig – in der Klinik nennt man sie lapidar nur 23 und 24 – da hier in Siegburg neben den anderen Operationen herzchirurgische Eingriffe durchgeführt werden, die speziell geschultes Intensivpersonal benötigen und ab einer bestimmten Größe eine einzelne Intensivstation zu unübersichtlich wird.

Nach der erfolgreichen letzten Visite begleite ich eine OÄ in den allgemein-chirurgischen, gynäkologischen und unfallchirurgischen OP. Dort bekomme ich alle Räumlichkeiten gezeigt, ich finde 3 OP-Säle, eine Patientenschleuse und einen Aufwachraum vor, teilweise scheinen sie nicht mehr ganz modern zu sein, aber wahrscheinlich ist es Standard in Deutschland. Ich verbringe den gesamten Tag mit der Oberärztin, die mir in aller Ruhe den Ablauf der bestimmten Handgriffe erläutert. Vom ersten Tag wird mir viel erklärt und gezeigt, ich darf dann später im gesamten Tertial unter Aufsicht viele Aufgaben selbstständig durchführen. Ein Teil der Arbeiten eines PJler sind:

Annahme des Patienten
Legen eines peripheren Zugangs und Anlegen der EKG-Elektroden
Intubation unter Aufsicht
Protokollführung während der OP
Auf Ansage Verabreichung von Medikamenten
Ausleitung und Begleitung bis in den Aufwachraum

Meine Zeit ist auf 4 Wochen begrenzt, da ich noch verschiedene Bereiche der Abteilung kennen lernen soll. Diese Zeit reicht auch im Grunde aus, um die Grundzüge der Anästhesie zu verstehen und bei gewisser Nachbereitung auch anzuwenden. Auf meine Fragen bekomme ich fast immer eine Antwort und meine Anwesenheit wird nicht als Belastung angesehen – zumindest lässt man mich das nicht spüren. Beim Pflegepersonal stößt man als PJler zunächst auf Unwissenheit. Was ist ein PJler? Manche haben noch nie einen gesehen und wissen den Unterschied zum AIPler – damals gab es den noch – oder zum Famulanten nicht. Nach gewisser Aufklärung und einigen Gesprächen ist dann aber meine Stellung klargestellt. Wie überall gilt auch hier das Moto: „Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus.“ Wenn man allen freundlich begegnet, auch – und besonders – denen, die einem erst einmal nicht freundlich gestimmt sind, so bekommt man schnell die Akzeptanz des Pflegepersonals. Knochige Worte werden dann mit der Zeit zur Seltenheit, natürlich gibt es aber immer noch – das ändert sich wohl aber auch nicht im späteren Berufsleben – Menschen die an einem die schlechte Laune herauslassen, von diesen sollte man sich einfach nur Fernhalten.
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