Das Hammerexamen steht ins Haus. Eine Prüfungsform, die Angst auslöst. Wie soll ich mich vorbereiten? Wo soll ich anfangen zu lernen? Wo aufhören? Die Vorbereitung auf eine Prüfung, die bisher und in dieser Form noch nie absolviert wurde, ist verständlicherweise mit zahlreichen Unsicherheiten verbunden. Als Student fühlt man sich wie auf den Weg durch einen langen Tunnel geschickt, in dem man den Lichtschalter nicht findet. Licht am Ende des Tunnels könnte die druckfrisch und in dieser Form völlig neu aufgelegte Schwarze Reihe zur 2. Ärztlichen Prüfung (kurz: 2. ÄP oder Hammerexamen) aus dem Hause Thieme bieten. Das Konzept dieser Reihe basiert auf der neuen Approbationsordnung, dem neuen Gegenstandskatalog und dem IMPP-Vortest. Wir stellen euch an dieser Stelle die neue Schwarze Reihe ausführlich vor.
Sie ist schlanker geworden
Studenten, die noch das 2. Staatsexamen nach alter AO absolvierten, mussten zum Transport der GK-Bücher eine prall gefüllte Umhängetasche nutzen. Die neue Schwarze Reihe kommt wesentlich schlanker und mit weniger einzelnen Bänden daher. Dies sorgt schon vor dem Lernen für eine bessere Motivation, denn der zu erklimmende Lernberg erscheint deutlich niedriger. Weniger ist in diesem Falle allerdings mehr, denn: der Gegenstandskatalog betont die Konzentration auf häufige Krankheitsbilder aus dem klinischen Alltag. Auch die neue Schwarze Reihe läßt durchgängig das Bemühen erkennen, die Fragen- und Themenauswahl an der Realität des Patientenguts eines Krankenhauses und nicht eines Forschungslabors zu orientieren. Zu den meisten Krankheiten bringt man als Student schon Vorwissen mit, so dass man die Beantwortung der Fragen nach dem Motto „Gutes Thema, da weiß ich wenigstens etwas“ antritt und die Momente, in denen man nach dem Lesen der Frage dachte „Hilfe, von der Krankheit habe ich nie etwas gehört“, weitaus seltener auftreten.
Neue Reihe, neuer Aufbau
Da der neue Gegenstandskatalog nicht mehr fächerorientiert aufgebaut ist, gibt es nicht mehr für jedes im Examen geprüfte Fach einen einzelnen Band, vielmehr besteht die neue Schwarze Reihe aus 6 Schwerpunktbänden, 2 Bänden mit Einzelfragen und 1 Band mit komplexen Fallstudien.
Endlich Fallbeispiele trainieren
Die breite Palette der Leitsymptome und Krankheitsbilder des neuen Gegenstandskataloges wurde vom Verlag in übersichtliche und thematisch passende Schwerpunktbände (z.B. chirurgische Schwerpunkthemen samt Orthopädie und Urologie) zusammengefasst. Dem wichtigen Themengebiet der Inneren Medizin ist ein kompletter Band gewidmet. Die Schwerpunktthemen werden dabei durchgängig fallbezogen geprüft: „Eine 50-jährige Frau leidet seit Jahren an zunehmenden Rückenschmerzen. Anlässlich einer orthopädischen Untersuchung wurden röntgenologisch Deckplatteneinbrüche LWK 4 und LWK 5 sowie weitere Zeichen einer generalisierten Osteoporose festgestellt.“ - Dies ist der Auszug aus einer Fallgeschichte, die in den Schwerpunktbänden den MC-Fragen vorangestellt ist. Die anschließenden MC-Fragen sind strikt an diesem Fall orientiert. Man lernt also, Patienten bezogen zu denken und bearbeit zu einer ausgewählten Patientengeschichte mehrere Fragen am Stück. So kann man in der Tat das Fall bezogene Vorgehen trainieren und problemorientiert denken. Man hüpft nicht von Thema zu Thema, sondern „bleibt am Ball“. Dies ist eine wesentliche und sehr erfreuliche Neuerung, die die Anforderungen der neuen Approbationsordnung und des neuen Gegenstandskataloges umsetzt. Es macht einfach mehr Spaß mit einem konkreten Fallbeispiel vor Augen sein Wissen zu prüfen.
Komplexe Fallstudien, Einzelfragen und Lernplan von MEDI-LEARN
Der Band, der die größte Neugier hervorruft, trägt den Titel „Komplexe Fallstudien“. Im IMPP-Vortest im Jahre 2005 wurde diese neue Prüfungsform der Zukunft bereits an „studentischen Versuchskaninchen“ ausprobiert und mittlerweile sind auch auf den Seiten des Mainzer Instituts Fallbeispiele verfügbar. Wie wurde diese Aufgabenform nun in der Schwarzen Reihe umgesetzt? Insgesamt 15 Fälle zu gängigen Krankheitsbildern (z.B. Niereninsuffizienz, Rheumatoide Arthritis, Bronchialkarzinom) werden mit ausführlicher Fallbeschreibung (Anamnese, Laborwerte, Sonstige Befunde und Diagnostik wie EKG oder Röntgen, Weiterer Verlauf) präsentiert. Im Anschluß wird mittels 12 bis 15 MC-Fragen der Fall sukzessive bearbeitet. Die Kommentare zu jeder Frage werden in bewährter Thieme-Manier prägnant gehalten. Abgerundet wird der Lernparcour durch einen zusammenfassenden Lerntext, der das im Fallbeispiel trainierte Wissen nochmals auf den Punkt bringt. Man hat als Student nach dem Durcharbeiten das Gefühl, sein Wissen wirklich systematisch, problemorientiert und vor allem Fall bezogen überprüft zu haben. Nach getaner Arbeit klappt man das Buch mit einem guten Gefühl zu.
Nicht zu vergessen: Einzelfragen
Das IMPP stellt die Fragen in den kommenden Examina allerdings nicht durchgehend an Fallbeispielen orientiert: In der neuen Prüfung werden 50% der Fragen ohne Bezug zu einem speziellen Fall gestellt. Um auch auf diesem für die Prüfung wichtigen Gebiet Sicherheit in der Beantwortung der Fragen zu erlangen, gibt es in der neuen Schwarzen Reihe insgesamt 2 Bände mit rund 1.300 Einzelfragen. Auch hier ist es der Verlagsredaktion gelungen, mit Hilfe der Einzelfragenbände zusätzliche Trainingsrunden für die Examenskandidaten anzubieten.
Mit Lernplan von MEDI-LEARN
Ein zusätzliches Bonbon ist in jeden Band der neuen Schwarzen Reihe integriert: Hier finden sich Tipps zur Studien begleitenden Examensvorbereitung, zur Prüfungsvorbereitung während des PJ und Lerntipps der MEDI-LEARN Repetitorien. Ein taggenauer Lernplan gibt Vorschläge für eine Zeiteinteilung bei der Bearbeitung der Schwarzen Reihe. So ist man als Student zusätzlich abgesichert, was Zeitaufwand und -verteilung für einzelne Fächer angeht.
Fazit
Wird der Verlag seinem auf dem Klappentext versprochenen Anspruch gerecht? Ist die Schwarze Reihe die optimale Vorbereitung auf das Hammerexamen? Zwei wichtige Fragen, die man sich ohne Zweifel sofort stellt. Auf jeden Fall lernt man als Student den problemorientierten Umgang und die systematische Bearbeitung von Fallbeispielen, die einen wesentlichen Teil des Examens ausmachen werden. Letztlich wird aber erst die Erfahrung der ersten Studenten, die das Hammerexamen hinter sich haben, endgültige Klarheit bringen. Als Leser hat man auf jeden Fall das Gefühl, sich konsequent, systematisch und Fall bezogen mit den Fragen zu beschäftigen: gute Aussichten also, das Hammerexamen mit einem solide durchdachten Werk aus einem Guss anzutreten.