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Interview Assistenzärztin Anästhesiologie

Interviewserie AINS

Anne-Maja Hergt

 

Im Zusammenhang mit unserer Kampagne für den Berufsverband der Deutschen Anästhesisten (BDA) haben wir eine Interviewreihe gestartet. Dabei haben wir Mediziner gesucht, die bereits in Form eines PJ, einer Famulatur oder als Assitenzarzt Erfahrungen in den Bereichen der Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin oder Schmerztherapie gemacht haben.
Heute haben wir Anne-Maja Hergt, die Ihr PJ in Kiel in diesem Bereich absolviert hat, interviewt.

1. Wo genau absolvierst du dein Praktisches Jahr (PJ) und wann hast du mit dem Anästhesiologie-Tertial begonnen bzw. es abgeleistet?

Ich war von Februar bis Juni 2007 im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster.

2. Hattest du vorher auch Famulaturen im Bereich der Anästhesiologie gemacht? Falls ja: Wo und wann? Wie hat es dir gefallen, was du dort erfahren durftest?

Ich hatte vorher keine Famulaturen dort gemacht.

3. Warum hast du dich dazu entschieden, die Anästhesiologie als PJ-Wahlfach auszuwählen?

Weil die Notfallmedizin einem in jedem Fach zugute kommt und es außerdem vom Lernaufwand her gut machbar ist, da die Anästhesie viel von Chirurgie und Innerer enthält. Also von den Fächern, die man fürs Examen auf jeden Fall lernen muss.

4. Das Fachgebiet der Anästhesiologie umfasst vier Säulen: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und die Schmerztherapie. Mit welchem/welchen dieser Bereiche bist du im PJ in Berührung gekommen? Wie hat es dir jeweils dort gefallen?

In Berührung gekommen bin ich vor allem mit den ersten drei genannten Säulen. Schmerztherapie haben wir zwar auch, vor Allem im Rahmen des PJ-Unterrichtes, besprochen, dies war allerdings der kleinste Teil der gesamten Ausbildung.

In der Anästhesie hat es mir von den drei Bereichen, die ich kennen gelernt habe, am besten gefallen. Wir konnten sehr viel selber machen und haben eine sehr systematische Vorbereitung auf die examensrelevanten Themen erhalten.

Intensivmedizin war auch interessant zu sehen, allerdings konnten wir hier als PJler nicht so viel selber machen. Hier war in meinem Falle auch die Anleitung nicht so gut, weil ich mit einer jungen Assistenzärztin zusammen dort angefangen habe, die selbst noch sehr unsicher war und viel Anleitung brauchte, die dann für mich fehlte.

Während der Intensivzeit durften wir auch mit Notarztwagen fahren. Das war sehr spannend und hat einem ein bisschen die Angst davor genommen, selbst mal als Arzt einen Notfall behandeln zu müssen, weil man gesehen hat, dass sich auch in solchen Situationen die Grundregeln der Medizin nicht ändern.

Was mir darüber hinaus sehr gut gefallen hat, war eine Hospitation auf der Palliativstation bei uns im Haus, die unter anästhesistischer Führung läuft. Mit solchen Grenzsituationen im Leben eines Menschen setzt man sich sonst im Studium viel zu wenig auseinander. Hier war auch der Umgang mit den Angehörigen sehr wichtig.

5. Mit welchen Tätigkeiten bist du als PJ´ler in der Anästhesiologie betraut? Kannst du uns einen typischen Tagesablauf in der Anästhesiologie schildern? Wann geht es los? Was machst du im Einzelnen konkret und wie ist der Tag strukturiert?

Anästhesiezeit: Beginn morgens um 7:45 Uhr mit kurzer Frühbesprechung, dann Einleiten der ersten Patienten. Wir konnten relativ schnell selbst Einleitungen übernehmen. Das heißt, Patienten in Empfang nehmen, Zugang legen, Monitoring vorbereiten, präoxygenieren, der Anästhesieschwester ansagen, welche Medikamente in welcher Dosierung gegeben werden sollen, schließlich Intubieren oder Larynxmaske einlegen und die Beatmungsmaschine einstellen. Während der Narkose haben wir den Patienten unter Anleitung überwacht, Medikamente nachgegeben, Narkosegas beziehungsweise Sauerstoffdosierung angepasst und das Protokoll geführt. Bei der Ausleitung war mehr Unterstützung durch den Anästhesisten erforderlich als bei der Einleitung. Aber auch hier durften wir mit „anpacken.“ Anschließend haben wir den Patienten in den Aufwachraum oder die Intensivstation begleitet. Wir durften auch arterielle Zugänge und ZVKs legen oder Spinalanästhesien durchführen. Feierabend war (in der Regel pünktlich) um 16:15 Uhr.

Intensivmedizin: Beginn 7:30 Uhr, ebenfalls mit einer Frühbesprechung und anschließender Visite zusammen mit den Chirurgen (Oberärzte und Chefärzte). Dort wurden Patienten, Verlegungen und geplante postoperative Zugänge besprochen. Danach war noch mal eine Visite mit dem Stationsarzt. Wir haben Bestellungen von Blutkonserven übernommen, die voraussichtlich noch benötigt wurden, und Röntgenanmeldungen ausgefüllt. Sonst haben wir hier, wie gesagt, sehr viel zugesehen.
 


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Diesen Artikel präsentieren wir in Zusammenarbeit mit dem Berufsverband Deutscher Anästhesisten im Rahmen der Kampagne "Mein Pulsschlag"



6. Was gefällt dir besonders an den Tätigkeiten und den Themengebieten der Anästhesiologie?

Was mir gefällt, aber am Anfang des PJs auch sehr schwierig war (Anästhesie war mein erstes Tertial), ist dass hier viele Fachbereiche zusammenfließen: Innere, Chirurgie, Klinische Chemie/Laboratoriumsmedizin,... Außerdem musste man Besonderheiten bestimmter Patientengruppen berücksichtigen, zum Beispiel. geriatrische Patienten, Kinder oder Schwangere.


7. Und andersherum: was liegt dir in diesem Bereich nicht so und macht eher weniger Spaß?

Die Intensivmedizin.


8. Was hast du neues hinzulernen dürfen während deiner PJ-Zeit? Fühlst/fühltest du dich gut betreut im PJ in der Anästhesiologie?

Die Betreuung war wirklich sehr gut. Eine Schwierigkeit war anfangs, dass ich bei einer Anästhesie-Assistentin war, die bei der Betreuung ängstlich war und mir Sachen schneller aus der Hand genommen hat als die erfahreneren Kollegen. So hatte ich anfangs Schwierigkeiten, das Intubieren richtig zu lernen. Ich war dann aber auch bei verschiedenen anderen Kollegen, die mich sehr viel haben machen lassen. Die Stimmung war sehr gut. Es waren alle sehr bemüht, uns PJlern etwas mitzugeben. Auch der PJ-Unterricht war sehr gut. Wir waren nur zu zweit - das war eine sehr intensive Ausbildung!


9. Welche Tipps möchtest du Studenten mit auf den Weg geben, die mit einem PJ-Tertial in der Anästhesiologie liebäugeln?

Ich kann das Jedem wärmstens empfehlen. Mir hatte man gesagt, ich solle mir ein kleines Haus suchen, weil dort nicht so viele Assistenten rumlaufen, die alles selber machen wollen, um ihren Katalog voll zu bekommen. Aber es gibt auch genug Studenten, die in der Uni sehr zufrieden waren.


10. Kannst du dir später vorstellen, Facharzt für Anästhesiologie zu werden? Was reizt dich an diesem Fachgebiet?

Die Arbeitszeiten sind für jemanden, der in der Klinik arbeitet, noch einigermaßen geregelt. Es ist, besonders in der Anästhesie (im Vergleich zur Intensivmedizin) sehr facettenreich. Facharzt würde ich aber eher nicht machen, weil ich bisher das Ziel hatte, später in einer Praxis zu arbeiten.

11. Welche Fähigkeiten und Eigenschaften sollte man deiner Meinung nach als Anästhesist mitbringen?

Interesse an chirurgischen Fächern ist sehr hilfreich. Wenn man versteht, was auf der anderen Seite des Vorhangs gemacht wird, kann man die Narkose besser darauf einstellen. Außerdem braucht es sehr viel Einfühlungsvermögen in Patienten.

12. Für den Fall, dass du sogar schon jetzt daran denkst, dich später einmal als Facharzt für Anästhesiologie niederzulassen: ist dir bewusst, dass das Fachgebiet dazu beste Voraussetzungen bietet?

Naja, als niedergelassener Anästhesist, also außerhalb von Klinikwänden, hat man es nicht so leicht wie im Krankenhaus. Ich habe von Kollegen gehört, die jeden Tag sehr viel unterwegs sind, um irgendwo im ambulanten Bereich Narkosen durchzuführen. Mir schien das sehr viel anstrengender, unsicherer und familienunfreundlicher als eine Anstellung in einer Klinik.