Tansania – District Krankenhaus Handeni - Chirurgie
Februar – April 2002
Constantin Wauschkuhn
Zur Zeit gibt es etwa 800 studierte Ärzte in Tansania, davon arbeiten 400 im Gesundheits-ministerium. Weitere 200 haben administrative Aufgaben in kleineren Krankenhäusern. Es gibt also nur 200 studierte Ärzte, die am Patienten arbeiten. Da dies natürlich zu wenig ist, gibt es sog. Assistent Medical Officers, die hier den Ärzten gleichgestellt sind. Dazu kommen noch Clinical Officers, die eine noch kürzere Ausbildung haben und etwa zwischen Arzt und Pfleger angesiedelt sind. Diese managen die Ambulanz... Der Distict Medical Officer (DMO) ist der einzige studierte Arzt in meinem District (ausser dem deutschen Chirurgen). Doch der DMO hat reine Verwaltungsaufgaben und gibt somit sein Wissen nicht an andere weiter.
Da sich die Angestellten im Krankenhaus nicht für ihre Patienten verantwortlich fühlten, war die Versorgung oft schlecht. Viele arbeiteten so vor sich hin, ohne sich an feste Konzepte zu halten. Auch Prinzipien des Qualitätsmanagement gelangen nur sehr sehr langsam in das Bewusstsein der Leute. Konsequenzen aus falschen bzw. schlechten Behand-lungen werden nicht gezogen. Es gibt kein System der Belohnung und Bestrafung.
Die schlechte Behandlung lag mehr am fehlenden Einsatz der Ärzte und Pfleger als am mangelnden Geld - das war nämlich im Grossen und Ganzen genug vorhanden - die Behandlung von Malaria, Durchfall und Pneumonie ist hier einfach und sehr billig. Aber wenn niemand darauf achtet, ob die Patienten die Medikamente auch regelmässig nehmen / ihre Spritzen bekommen, kann der Erfolg nicht gut sein. HIV-Aufklärung und Prävention sowie Betreuung der Aidskranken (HIV-pos. ~3% der Gesammtbevölkerung (30 Millionen)) wird nur sehr wenig beachtet.
Es mangelt also am Personalmanagement und am Interesse am Wohle des Patienten
7. Kultur, Wirtschaftsverhältnisse u.ä.
Tansania hat sehr viele verschiedene Bevölkerungsstämme, die aber bis auf die Massai sehr gemischt wurden in der sozialistischen Zeit. Die Massai grenzen sich selber ab und werden von den anderen ausgegrenzt - z.B. kriegen sie im Krankenhaus nur die Betten, die am weitesten vom Schwesterntisch entfernt sind... Letztes Jahr gab es bei Auseinandersetzungen ein paar Dörfer weiter einige Tote. Ob die Massai sich in Tansania langfristig behaupten können, ist äusserst fraglich.
An Religionen gibt es die verschiedenen christlichen, dazu kommen viele Moslems und einige Buddhisten und Hinduisten. Auf Sansibar überwiegen die Moslems mit über 95%. Die Religionen kommen aber gut mit einander aus.
Das Land selber ist seit Anfang der 60er Jahre unabhängig und war dann kommunistisch. Davon ist aber nicht mehr viel übrig. Tansania ist ein Zusammenschluss aus Tanganjika (dem Festland) und dem Sansibar-Archipel mit den beiden grossen Inseln Unguja (Sansibar) und Pemba.
Ausserhalb der grossen Touristenorte leben die Menschen meist von der Landwirtschaft, im Süden gibt es an vielen Orten noch keinen Strom, fliessendes Wasser, Telefon und befestigte Strassen. In der Regenzeit ist man dort dann völlig abgeschnitten.
Stichpunkte zu
Art und Kosten der Unterkunft
Ich hatte die phantastische Möglichkeit, in einem eingerichteten Haus eines deutschen Entwicklungshelfers wohnen zu können, der die meiste Zeit meines Aufenthaltes verreist war. Ich wurde bekocht, bekam Wäsche gewaschen... ich sollte an die Angestellten 50 US $ pro Monat zahlen.
Als erste Unterkunft kann ich nur empfehlen, sich nach einem Guesthouse des deutschen Entwicklungsdienstes zu erkundigen (GTZ oder DED) - das hat mir als erste Anlaufstelle sehr geholfen.
Fazit
Essen ist sehr billig für uns Europäer, für 5 $ gibts eine Woche Gemüse... vom Markt. Alles Importierte aus dem Ausland ist dafür um so teurer und nur in den grossen Städten zu kriegen - dort gibts aber alles, wenn man nur genug Geld ausgeben will. Am teuersten sind touristische Ausflüge - einen Tag Safari ist unter 100 $ nicht zu machen, eher mehr. Eine Mahlzeit in einem kleinen Restaurant kostet 3-5$, eine Übernachtung 4-20 $. zum Vergleich: der Durchschnittslohn in Tansania liegt bei 30 $!!!
Verkehrsverbindungen
Flüge gibt es über STA Travel billig (Gulf Air oder Emirates Air) - die Übernachtung am arabischen Golf ist im Preis inklusive bei mehr als 8h Aufenthalt! Ethiopian Air soll nicht so dolle sein.
Ich selber bin mit Gulf Air geflogen - das war in Ordnung.
Nach Sansibar kommt man am besten mit dem Schiff, von Dar Es Salaam aus (1,5h Fahrt für 30 $ + 5 $ Hafengebühr). In den grossen Städten gibt's Taxi oder Dala Dala (Sammeltaxi/Bus) - manchmal gefährlich voll aber sicher ein Erlebnis - ansonsten für lange Strecken Busse (am besten vorher den Bus anschauen, ob der einigermaßen vertrauenerweckend aussieht).
Devisen, Visa usw.
Ich habe US $ mitgenommen, aber man kann auch Euro im Land tauschen. Die Safaris müssen meist in US $ bezahlt werden, alles andere geht nur in TSH (Tansanische Schilling). Der Wechselkurs ist zur Zeit sehr gut, es gibt fast 1000 Schilling für 1 Dollar, der Euro liegt bei etwa 850 Schilling. Man kriegt in den grossen Städten auch Geld per Kreditkarte - ganz neu ist in Dar Es Salaam die Möglichkeit, mit der EC-Karte Geld zu ziehen. Beim Bargeldtausch bekommt man einen etwas bessern Kurs, wenn man grosse Dollarscheine tauscht (50$- bzw. 100$-Scheine). Man sollte immer bei offiziellen Banken... tauschen! Direkt auf der Strasse wird man mit Sicherheit übers Ohr gehauen.
Das Visum kostete 40 DM bei der Tansanischen Botschaft in Bonn, neuerdings muss man wohl 30 EUR zahlen. Man kann es aber auch bei Ankuft im Flughafen im Land bekommen. Umbedingt auf den Datumsstempel achten, denn der wird gerne falsch eingestempelt, damit man bei der Ausreise Probleme kriegt und sich dann nur durch etwas Geld unter der Hand wieder "freikaufen" kann.
In den grossen Städten gibt es überall Internetzugang – 1 Stunde kostet 0,5 – 1,5 $.
Rückblick: Wurden die Erwartungen erfüllt? Konsequenzen aus den gemachten Erfahrungen?
Meine Erwartungen wurden absolut erfüllt. Die Zeit im Krankenhaus war spannend, lehrreich... die Leute alle freundlich und hilfsbereit. Als sehr gut empfand ich die "Ausbildungsliste", die wir am Anfang zusammen aufstellten. Die wurde dann nach der Hälfte der Zeit einer Zwischenevaluation unterworfen – auf bis dahin wenig behandelte Themen konnten wir dann noch besonders eingehen.
Vielleicht wäre es gut gewesen, vorher etwas Kisuaheli zu lernen. Dann hätte ich noch mehr von den Patienten selber erfahren können und wäre etwas unabhängiger von dem deutschen Arzt gewesen. Ich kann nur jedem empfehlen, solch eine Famulatur zu machen - dass in dem Krankenhaus ein deutscher Arzt war, hat sich als sehr gut herausgestellt.