'Zunächst klang der Inhalt der Arbeit klar verständlich '
Interview mit Doktoranden
MEDI-LEARN
1. Wann hast du deine Doktorarbeit angefangen? Wie lange bist du schon dabei?
Kurz nach dem Physikum (2003) fingen viele meiner Kommilitonen an, wie verrückt nach einer Doktorarbeit zu suchen. Von allen Seiten durfte ich mir anhören, wie schwer die Literatursuche sei, die Doktorväter mit den Leistungen und Fortschritten der Arbeit nicht zufrieden seien und überhaupt alles ganz furchtbar sei!! Naja, das Ganze habe ich mir ein halbes Jahr angehört, bis ich mich selbst auf die Suche machte. Themen mäßig war ich sehr flexibel (ich hatte eigentlich gar keine Ahnung, welches Fach ich wählen sollte). Ich wusste nur: ich wollte eine statistische Arbeit, die halbwegs nah an der klinischen Praxis lag. Also habe ich überall nachgefragt, aber immer passte etwas nicht. Schließlich habe ich dann im März 2004 ein schönes Doktorarbeitsthema gefunden!
2. Wie lange und an welchen Stellen hast du nach deiner Doktorarbeit gesucht?
Zuerst gefiel mir Neurologie (da wir dieses Fach gerade behandelten). Aber dort war grad keine Doktorandin zu gebrauchen. Also habe ich unsere Dozenten vor oder nach den Vorlesungen gefragt, ob sie nicht ein Thema zu vergeben hätten. Von einem unserer Inneren-Professoren erhielt ich dann (wie von allen anderen auch), ein Kopfschütteln. Am nächsten Tag hatte er dann eine Überraschung für mich: er hatte sich noch einmal in seiner Klinik umgehört und doch noch eine offene Doktorandenstelle im Angebot. Ich sollte mich "nur" mit einem seiner Oberärzte in Verbindung setzen. Und nach zwei Tagen frustrierenden Telefonierens und Stationsschwester nerven, lernte ich einen meiner Betreuer kennen.
3. Warum hast du dich gerade für diese Doktorarbeit entschieden?
Ganz einfach: Zunächst klang der Inhalt der Arbeit klar verständlich und lag in dem Fachgebiet, in dem ich (damals schon und immer noch) arbeiten möchte: Innere. Die Arbeit war bereits von einer anderen Studentin angefangen worden, die sich dann aber ins Ausland abgeseilt hatte. Laut meinem Betreuer war die Vorarbeit (Fragebögen, Datenbank) bereits fertig erstellt, die Fragebögen bereits alle ausgefüllt und ich bräuchte nur noch die Statistik machen. Und Statistiknachhilfe sollte auch kein Problem sein. Das klang zunächst wunderbar.
4. Kannst du in wenigen Sätzen und allgemein verständlich beschreiben, um was genau es bei deiner Doktorarbeit geht?
Es geht um Lebensqualität bei Patienten mit Pulmonaler Hypertonie. Die Patienten mussten jeder einen Fragebogen (bestehend aus unterschiedlichen Fragebögen zur Erfassung verschiedener Aspekte der Lebensqualität) ausfüllen. Dazu kamen noch Daten aus der Diagnostik: Ergospirometrie, Rechtsherzkatheter... Ich untersuche jetzt, wie subjektive Wahrnehmung der Lebensqualität und objektive Messwerte der Diagnostik miteinander korrellieren - oder auch nicht.
5. Was war der bislang absolute Tiefpunkt der Doktorarbeit?
Der war gleich am Anfang. Mein Doktorvater hatte inzwischen an ein anderes Krankenhaus am anderen Ende von Deutschland gewechselt. Das war für mich zunächst kein Problem. Aber bei dem Umzug waren die Fragebögen meiner Patienten (bereits ausgefüllt!) verschwunden. Nachdem ich die Bögen nach langer Suche doch noch aufspüren konnte, wusste auf einmal niemand mehr, wie man einzelne der Fragebögen auswerten muss!!! Und zum Schluss stellten meine Betreuer fest, dass die Anzahl der eingeschlossenen Patienten noch nicht ausreichend war! Also leeren Fragebogen kopiert und verteilt. Bis die Daten da waren, ist einige Zeit ins Land gegangen.
6. Was war der bislang absolute Höhepunkt deiner Doktorarbeit?
Ein Teil der Daten wurde bisher in zwei Fortbildungsvorträgen verwendet.
7. Wieviel Zeit investierst du in deine Doktorarbeit?
Da es eine statistische Arbeit ist, kann ich mir die Zeit selber einteilen. Ich habe immer an der Arbeit geschrieben, wenn ich nicht für irgendwelche Klausuren büffeln musste. Aber ich habe mich dabei nicht todgeschuftet.
8. Wieviel Zeit hast du für die Doktorarbeit ursprünglich eingeplant? Wieviel hast du tatsächlich (ggf. bis jetzt) gebraucht?
Eigentlich wollte ich vor oder in meinem PJ fertig werden. Jetzt bin ich grade zwischen schriftlichem und mündlichem Hammerexamen und werde wohl noch ein paar Wochen im Anschluss in die Arbeit investieren. Insgesamt bin ich aber ganz zufrieden. Immerhin bin ich weiter als viele meiner Kommilitonen, die sich gleich nach dem Physikum auf eine Arbeit gestürzt haben.
9. Welche Tipps würdest du an andere Doktoranden zur Doktorarbeit weitergeben wollen?
Achtet auf das Thema und, für mich noch viel wichtiger, auf euren Betreuer. Ihr müsst gut mit ihm klarkommen. Fragt am besten andere Doktoranden von diesem Betreuer, wie sie mit ihm zufrieden sind. Und fragt sie auch gleich mal, wie lange sie schon an ihrer Arbeit sitzen. Mehr als vier Jahre ohne(!) Land in Sicht wäre für mich kein gutes Zeichen.
10. Nun noch einige allgemeinen Fragen zu deiner Person - diese würden wir gerne in die Einleitung des Interviews schreiben: In welchen Semester bist du bzw. seit wann bis du Arzt? An welcher Uni studierst du bzw. hast studiert? Was sollten die Leser des Interviews noch zu dir wissen?
Zur Zeit befinde ich mich gerade in einem Motivationstief zwischen schriftlichem und mündlichem Hammerexamen und hoffe Anfang 2008 in der Inneren anfangen zu können. Jaja ich weiß: das ist nicht sehr originell, aber mir gefällt dieses Fach einfach. Zur Zeit studiere ich - wenn ich mich denn dazu überwinden kann - an der TU Dresden, also der medizinischen Fakultät einer der schönsten Städte Europas (vor allem nachts!), wie ich finde.