teaser bild

Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

HeiCuMed – reformierter Studiengang seit 2003

Medizinische Fakultät Heidelberg

Nina Dalitz

 

Die erste medizinische Vorlesung in Heidelberg fand im Jahr 1388 statt. Das hält die Heidelberger aber nicht davon ab, alle Elemente der traditionellen Wissensvermittlung auf den Prüfstand zu stellen. Seit dem Jahr 2003 ersetzt HEICUMED, das „Heidelberger Curriculum Medicinale“ den Regelstudiengang an der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Ruprecht-Karls-Universität.

Theorie muss weichen

Bewerbungen sind an die ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) zu richten, aber nur zum Wintersemester möglich. Gute Ergebnisse beim „Test für medizinische Studiengänge“ (TMS) erhöhen die Chancen auf einen Studienplatz. Wer in Heidelberg Medizin studiert, lernt automatisch im Modellstudiengang. Eine Grundlage für das neue Curriculum ist die Feststellung, dass das bisherige Medizinstudium zu kopflastig ist, während praktisches Üben zu kurz kommt. Mit HeiCuMed soll das relevante Wissen praxisorientierter vermittelt werden. Schon sehr früh im Studium findet Patientenkontakt statt, aber erst, nachdem die angehenden Ärzte an sich selbst und an Modellen im „Skills-Lab“ die Grundlagen gelernt und geübt haben.
 

Patientenkontakt ab dem ersten Studienjahr

Das theoretische Wissen wird fachübergreifend gelehrt. Dazu dienen Module, die jeweils mit einer mündlich-praktischen Prüfung und gegebenenfalls einem Wissenstest abschließen. Durch diese ständige Leistungsüberprüfung wird das Wissen gefestigt und nicht nur am Semesterende abgefragt. Schon im ersten Studienjahr bekommen die Mediziner durch das Heidelberger Hospitationsprogramm Patientenkontakt. Sie lernen die Anatomie des Menschen theoretisch, im Präparierkurs und durch Ultraschallübungen kennen. Gleichzeitig werden naturwissenschaftliche Grundlagen vermittelt. Im zweiten Studienjahr stehen medizinische Grundlagen auf dem Lehrplan. Der Unterricht erfolgt fachübergreifend. Während des gesamten Studiums wir ein Mentoren-Tutoren-Programm angeboten.


Gleicher Abschluss

Im dritten bis fünften Studienjahr rotieren die Studenten in festen Gruppen von 25 bis 55 Teilnehmern durch die Kursmodule, die jeweils zwei bis vier Wochen lang sind. Es gibt rund 20 Module inklusive Stationspraktika, bei denen das Gelernte sofort in die Praxis umgesetzt werden kann. Die einzelnen Module lassen sich insgesamt fünf großen Blöcken zuordnen, unter anderem Propädeutik, Innere Medizin und Chirurgie. Während der drei Jahre stehen 10 zusammenhängende Monate für eine wissenschaftliche Tätigkeit zur Verfügung. Der Zeitpunkt dafür ist relativ frei wählbar und kann bei Bedarf verlängert werden. Das sechste und letzte Studienjahr ist wie bei Regelstudenten das Praktische Jahr, das im Krankenhaus stattfindet. Anschließend stellen sich die HeiCuMed-Teilnehmer dem „Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung.“ Wer dieses Staatsexamen besteht, erhält die ärztliche Approbation.
 

Training im Notfall-Simulator

Die zentrale Unterrichtsform ist das „Problemorientierte Lernen“ (POL). In Gruppen von sechs bis acht Teilnehmern erarbeiten die Studenten Lernziele anhand von Fallbeispielen. Ein Fall kann zum Beispiel sein, dass ein Patient mit starken Rückenschmerzen in die Praxis kommt oder die Studenten als Notarzt zu einer bewusstlosen Person gerufen werden. Passend zum jeweiligen Fall werden im „Skills-Lab“ Übungen untereinander und an Modellen durchgeführt. Eine Besonderheit ist HANS (Heidelberg Anästhesie- und Notfall-Simulator), ein künstlicher Patient zum Training herkömmlicher Narkoseverfahren. Im Medi-KIT (Kommunikations- und Interaktionstraining) finden Rollenspiele zur Verbesserung der sozialen und kommunikativen Kompetenzen statt. Zum Teil wirken daran Laienschauspieler mit, die Standardisierte Patienten verkörpern.
 

Das kommt dem ärztlichen Alltag bedeutend näher

Ein Grundsatz in der Wissensvermittlung bei HeiCuMed ist, dass sie vom Beschwerdebild des Kranken ausgeht. Einige traditionelle Lehrbücher beschreiben erst die verschiedenen Krankheiten und dann die aus ihnen resultierenden Symptome. Der ärztliche Alltag sieht aber so aus, dass sich zuerst die Symptome zeigen und daraus auf die Krankheit geschlossen wird. Nach diesem Schema sind die interdisziplinären Vorlesungen und Seminare in Heidelberg aufgebaut. Sie orientieren sich an Leitsymptomen und behandeln dann mögliche zugrunde liegende Krankheiten. Weitere Lehrformen sind Tutorien mit Grundprinzipien der Diagnostik und Therapie sowie Stationspraktika. Feste Ansprechpartner und ein Aufgabenkatalog helfen den Studenten dabei bei der Orientierung. Sie arbeiten die Aufgaben nacheinander ab und präsentieren ihre Patientenvorstellung anschließend den Dozenten und ihren Mitstudenten.
 

Ausführliche Prüfung aller Kompetenzen

Eine häufig genutzte Prüfungsform sind Multiple-Choice-Klausuren. Die Heidelberger Dozenten haben die Möglichkeit, zur Auswertung einen Belegleser zu verwenden, der bisher sehr zuverlässig arbeitete und gleichzeitig die Korrekturzeit um bis zu 95 Prozent reduziert. Daneben gibt es in den Fächern Innere Medizin und Notfallmedizin sogenannte Key-Feature-Prüfungen, die die Problemlösungskompetenz in begrenzter Zeit prüfen.

Mündlich-praktische Prüfungen finden im HANS, im Skills-Lab mit Standardisierten Patienten oder in Form von OSCEs (Objective Structured Clinical Examination), einer Art Prüfungsparcours, statt. Bei einem OSCE sind nacheinander verschiedene praktische Übungen zu absolvieren, zum Beispiel eine korrekte Blutentnahme am Modell oder eine Intubation.
 

Online-Infos zu allen Fächern

Mittels des CAMPUS-Prüfungssystems sind computergestützte Prüfungen möglich. Auch sonst kommen Computer häufig zum Einsatz: Studenten können sich mittels E-Learning auf Module vorbereiten und zahlreiche Informationen über ihr Studium online abrufen. Alle wichtigen Termine, Lehrveranstaltungen, Stundenpläne, Kursunterlagen, Mitteilungen und der Lernzielkatalog finden sich, geschützt über ein persönliches Passwort, auf der Lernplattform „Moodle.“

Hier finden sich auch ein Zentrum für virtuelle Patienten, ein virtuelles Mikroskop, die radiologische Fallsammlung und ein Projekt mit dem Namen HORST (Heidelberger OSCE-relevanter Skills-Trainer). Zur Information und Planung sind für jedes Fach Inhalt, Dauer, Ziele, Voraussetzungen (zum Beispiel das Bestehen anderer Kurse im Voraus), die Unterrichtsmethoden, die Prüfungsformen und –Termine sowie die empfohlene Literatur abrufbar. Zum internationalen Vergleich steht neben jeder Veranstaltung die Anzahl der ECTS-Credits.

Der dadurch geschaffene Überblick soll nicht nur beim Lernen helfen, sondern auch die Motivation der Studenten erhöhen.


Medizinische Fakultät Heidelberg:www.medi-learn.de/STF304