Wie in ganz Deutschland gibt es auch in Hamburg mehr Bewerber als Studienplätze für Medizin. Auch das Auswahlverfahren ist das gleiche wie an allen anderen Unis: Bewerbungen sind nur über die „Stiftung für Hochschulzulassung“ (ehemals ZVS) möglich. 20 Prozent der Studienplätze gehen and die Abiturbesten, weitere 20 Prozent an die Bewerber mit der längsten Wartezeit und die restlichen 60 Prozent der Plätze verteilt die Uni selbst. Bei diesen 60 Prozent, die im „Auswahlverfahren der Hochschulen“ (AdH) verteilt werden, gibt es an der Uni Hamburg eine Besonderheit: Sie nutzt den HAM-Nat, einen naturwissenschaftlichen Test und das HAM-Int, ein Interviewverfahren, für die Suche nach den besten Bewerbern.
Physik, Chemie und Biologie
Der HAM-Nat ist ein Multiple-Choice-Test, den es in dieser Form seit 2008 gibt. Jedes Jahr im August findet er in Hamburg statt. Testdauer sind etwa zwei Stunden mit Fragen zu „medizinisch relevanten Aspekten“ der Fächer Physik, Chemie und Biologie „auf
Schulniveau.“ Zugelassen werden nur Bewerber, die bei den Ortspräferenzen für den AdH Hamburg an erster Stelle angegeben haben. Das sind jedes Jahr deutlich mehr als 1.500. Diese werden nach Abinote sortiert. Anfang August werden dann die etwa 900 Besten per Email zum HAM-Nat eingeladen. Nicht alle Eingeladenen erscheinen auch zum Test.
HAM-Int als zweite Chance
Für den Test bekommst du maximal 59 Punkte. Pro Frage hast du durchschnittlich 90 Sekunden Zeit und jede Aufgabe zählt gleich viel. Außerdem bekommst du Punkte für deine Abinote von 0 Punkten (Note 4,0) bis 60 Punkte (1,0 oder besser). Die beiden Punktzahlen aus Test und Abinote werden addiert und die besten 100 Bewerber direkt zugelassen. Die 200 Nächstbesten bekommen eine weitere Chance: das HAM-Int. In mindestens sechs Kurz-Interviews von je rund fünf Minuten Dauer können die Teilnehmer maximal 59 Punkte erreichen. Auch hier wird die Punkzahl mit dem Wert der Abinote (maximal 60 Punkte, s. Oben) addiert und die restlichen freien Studienplätze mit den besten Teilnehmern aufgefüllt. Bei gleicher Punktsumme entscheidet das Los.
Teilnahme kostenfrei
Alle Teilnehmer bekommen Ende August ihre Ergebnisse mitgeteilt. Anfang September werden dann von der Stiftung für Hochschulzulassung die Zulassungsbescheide per Post verschickt. Die Teilnahme am Test ist kostenfrei – du musst lediglich für Anreise und eventuelle Unterkunft aufkommen. Du kannst auch mehrfach am HAM-Nat teilnehmen, es werden aber immer nur die Ergebnisse des aktuellen Jahres berücksichtigt.
2010 hatte der zuletzt zugelassene Bewerber 87 Punkte. 35% der im Endeffekt Zugelassenen hatten einen Abischnitt zwischen 1.7 und 2.0. Weitere Ergebnisse:
http://www.uke.de/studierende/index_69712.php
Online selbst testen
Der Test ist zwar so ausgelegt, dass er mit Schulwissen beantwortet werden kann. Doch nicht nur im MEDI-LEARN-Forum sagen ehemalige Teilnehmer z.B. „Das Niveau ist nicht wirklich, was man in der Schule hat, sondern eher im 1. Semester,“ oder „Ich habe den Test 2010 mitgeschrieben und muss sagen, dass man sich doch gründlich vorbereiten sollte.“ Das liegt besonders daran, dass die Konkurrenz härter geworden ist. Auch andere Bewerber wissen von dem Test und bereiten sich darauf vor. Zu allererst kannst du online den Selbsttest der Uni Hamburg machen, um ungefähr zu wissen, was auf dich zukommt. Die Fragen im HAM-Nat sind dann ähnlich, aber natürlich nicht genau dieselben. Es wird sehr gut darauf geachtet, dass keine Originalfragen aus dem HAM-Nat „nach außen“ gelangen. Sie sollen laut der Teilnehmer etwas schwerer als die Testfragen sein. Im Forum empfehlen einige Teilnehmer unter anderem das Buch „Biologie“ von Campbell, das eigentlich für Biologiestudenten gedacht ist sowie das Buch „Kurzlehrbuch Biologie,“ welches auch von Medizinstudenten genutzt wird „Hatte im Test mit keiner Biofrage ein Problem.“ Einer sagt „Heute würde ich wahrscheinlich auch eher die MediLearn Hefte nehmen.“
Hier findest du den Selbsttest:
http://selbsttest.uke.uni-hamburg.de/moodle/index.php
Themenkatalog lernen, Kopfrechnen üben
In den Test darfst du keine Hilfsmittel mitnehmen, auch keinen Taschenrechner. Deshalb heißt es für einige Aufgaben „schnell im Kopfrechnen sein,“ um möglichst viele Aufgaben in der begrenzten Zeit lösen zu können. Aber „bei Berechnungen brauche ich schon mal zwei bis drei Minuten, aber bei Wissensfragen keine Minute.“ Ein anderer Teilnehmer sagt „Wenn man ein Bisschen geübt hat, dann reicht die Zeit dicke.“ Einer beruhigt: „Viel Rechnerei war das letztes Jahr nicht, eher so allgemeiner Kram.“
Schmierpapier für die Rechenwege „hast du insofern genug, als du auf dem Aufgabenzettel herumkritzeln kannst.“
Ein Teilnehmer sagt „Keine Panik! Lernt einfach den Themenkatalog, dann klappt das.“
Die Uni Hamburg stellt auf ihrer Webseite einen „Themenkatalog Studienbewerbertest“ zur Verfügung. Auf zwei Seiten findest du dort die geprüften Themen, aufgeteilt nach Fächern.
Aktueller Themenkatalog zum HAM-Nat:
http://www.uke.de/studierende/downloads/lehr/Themenkatalog_Studienbewerbertest_UKE.pdf
Gute Vorbereitung auf das Studium
Einig sind sich die bisherigen Teilnehmer darin, dass so ein Test gut für diejenigen ist, deren Abitur nicht ganz so gut war, die aber trotzdem naturwissenschaftlich fit sind. Manche finden einen Test auch objektiver und „besser als irgendwelche Auswahlgespräche.“ Der Test hat noch einen Vorteil: „Wenn ihr für den HAM-Nat gut lernt, bekommt ihr nicht nur einen Studienplatz, sondern habt eine gute Grundlage für die Klausuren im ersten Semester.“ Außerdem ist der Test eine gute Übung für den Übergang von der Schule an die Universität. In der Schule „bekommt ihr alles vorgekaut und müsst dann einfach nur diese Informationen wiedergeben.“ In der Uni gibt es dann stattdessen einen Themenkatalog (wenn überhaupt). Diese Themen müsst ihr dann selbstständig erarbeiten. „Ob ihr dafür eine Woche oder ein Jahr benötigt,
interessiert niemanden und hängt von eurem Vorwissen und Lerntyp ab.“ Fast wie im HAM-Nat.