Dekongestiva und Kortison
Bei Entzündungen schwillt das Gewebe an, da sich die Permeabilität der Gefäße ändert und Wasser in das Gewebe gelangt. Das Gewebeödem drückt auf seine Umgebung und schmerzt. Der Gehörgang schwillt zu, was die Therapie erschwert. Zur initialen Gewebeabschwellung hat sich 70%iger Isopropylalkohol bewährt. Darauf basieren viele Rezepte für Ohrentropfen. Allerdings reizt Alkohol die Gehörgangshaut (initiales Brennen), entfettet sie, trocknet aus und macht sie empfindlicher. Daher Alkohol nur kurz geben, bis die Abschwellung eingetreten ist.
Auch mehrwertige Alkohole wie Butandiol oder Glycerin (Propantriol) entziehen Wasser durch ihre hygroskopischen Eigenschaften. Dadurch wird auch Bakterien die Lebensgrundlage entzogen. Die mehrwertigen Alkohole sind in den benutzten Mengen nicht toxisch. Zur weiteren abschwellen den Behandlung kommen i. d. R. Steroide, v. a. Hydrokortison (Kortisol), zum Einsatz. Dexamethason wirkt ebenfalls entzündungshemmend und lindert Juckreiz. Der Einsatz lokal wirksamer Kortikoide im Ohrbereich ist auch langfristig unproblematisch, da wegen der fehlen den subkutanen Fettschicht Nebenwirkungen wie Haut atrophien nicht auftreten.
Anästhetika
Wegen der sensiblen Innervation des Gehörgangs und seiner Umgebung gehen alle entzündlichen Ohrerkrankungen mit starken Schmerzen einher. Die lokale Schmerzstillung besteht in der Gabe von Oberflächenanästhetika wie Lidocain, Cinchocain, Procain-HCl oder Tetracain. Die Kombination Phenazon (ein wasserlösliches, nicht steroidales Schmerzmittel) und Procain ist lediglich als Tropfen verfügbar. Mit einem systemischen Schmerzmittel sollte auch bei der akuten Otitis media nicht gespart werden, da die Schmerzen besonders in den frühen Morgenstunden unerträglich werden können.
Otitis media acuta
Mittelohrentzündungen treten zu über 80% bei Kindern auf und gehen immer mit plötzlich einsetzenden heftigen Ohrenschmerzen, einer Hörminderung, reduziertem Allgemeinzustand sowie optional Fieber und Schwindel einher. Bei der Otitis media handelt es sich i. d. R. um eine durch die Tuba Eusta chii aufsteigende Keimbesiedelung des Mittelohres durch Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae oder Streptococcus pyogenes. Im Sinne einer Begleitmastoiditis sind immer auch die Schleimhäute im Warzenfortsatz mit betroffen.
Eine Röntgenaufnahme ist i. d. R. überflüssig (es sei denn, es besteht der Verdacht auf eine Komplikation); sie wird immer eine Verschleierung der Mastoidzellen zeigen und bringt keinen diagnostischen Mehrwert. Nur selten ist bei der Otitis media der äußere Gehörgang mitbetroffen (Barrierefunktion des Trommelfells). Ausnahmen sind ein akut perforiertes Trommelfell (spontan nachlassender Schmerz) oder ein chronisch laufendes Ohr. Von der Mittelohrentzündung zu unterscheiden ist der Mittelohrerguss (Paukenerguss). In der englischsprachigen Literatur wird dieser als „Otitis media with effusion“ bezeichnet, was teilweise zu der falschen Auffassung führte, dass damit eine Mittelohrentzündung gemeint ist. Ein reiner Mittelohr erguss wird i. d. R. nicht mit Antibiotika behandelt. Die antibiotische Therapie der akuten Otitis media wird international kontrovers diskutiert. Die Grundsätze der Therapie der Otitis media sind in Tabelle 3 aufgeführt.
„Grippeotitis“
Die sogenannte Grippeotitis ist gekennzeichnet durch einen Paukenerguss und blutige Bläschen auf dem Trommelfell (Myringitis bullosa), die nach dem Platzen einen blutig tingierten Ausfluss aus dem äußeren Gehörgang verursachen können. Die „Grippeotitis“ tritt häufig im Rahmen einer viralen Rhinitis auf; in diesem Fall können abschwellende Nasentropfen/- sprays hilfreich sein. Gefürchtet sind Innenohrhörminderungen bis zur Ertaubung als Komplikation.
Wie kann man vorbeugen?
Die häufig z. B. bei Tauchern empfohlene Pflege des Gehörgangs besteht z. B. in einem Tropfen Olivenöl (Apotheke!) in jeden Gehörgang. Sollte es dennoch zu einer Entzündung kommen, werden verschiedene „Taucher ohrentropfen“ empfohlen. Ihr wirksamer Bestandteil ist meist Essigsäure und Alkohol sowie Eisessig, der ebenfalls desinfizierend wirkt, aber weder reizt noch austrocknet, sondern das leicht saure Milieu des Gehörgangs unterstützt und erhält.
Hinweis:Dieser Artikel stammt aus (
MMW Fortschritte der Medizin, Heft 33, 2010, S. 38-41). Er wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion
MMW Fortschritte der Medizin hier präsentiert.