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Die Niere
02.04.2005, 09:19
Besteht eine Rötung, hat sie Fieber?

Auf jeden Fall mal ein Röntgenbild machen. Handgelenk ap/seitl mit Scaphoidquartett oder Stecheraufnahme. Dann auf Entkalzifikationen achten, versteckte Frakturen.

Welche Abstammung hat die Frau? Eher der mediterrane Typ oder doch nördlicher? Psychischer Eindruck? Schmerzemfindung allgemein? Schmerzskala? Möchte sie Sz-Mittel haben?

gruess,e die niere

Faust601
02.04.2005, 10:09
Eine richtige Rötung besteht nicht, die Hand ist wie gesagt eher livide. Fieber besteht ebenfalls nicht.

Die Frau sieht "typisch deutsch" aus, mediterran ganz sicher nicht.

Sie macht einen stark leidenden Eindruck, bricht während des Gesprächs auch mehrmals in Tränen aus. Es sei ja alles so furchtbar.

Auf Nachfrage gibt sie den Schmerz mit VAS 6-7 an.

Nach Schmerzmitteln fragt sie nicht direkt, möchte aber, dass das alles endlich mal ein Ende hat. Warum muss das nur sein? Sie hat doch gar nichts Schlimmes gemacht. Und schon wieder kommen die Tränen.


Bevor wir die Patientin zum Radiologen schicken, möchtet ihr noch was anamnestisch oder klinisch wissen?

Pünktchen
02.04.2005, 10:21
Meine Verdachtsdiagnose ist ebenfalls nen Sudeck :-))


Schmerzcharakter? Schmerzverlauf? (tgl und über die letzten 3 wochen)

Handgelenkspulse vorhanden?

Sind bei der Patientin Vorerkrankungen bekannt?
Nimmt sie regelmässig Medikamenten?

Faust601
02.04.2005, 14:41
Die Patientin beschreibt die Schmerzen als teilweise stechend, vor allem aber brennend.

Der Schmerz ist die ganze Zeit da; es könne schon sein, dass er mal mehr und mal weniger ist, eine Regelhaftigkeit kann die Patientin euch aber nicht sagen.

Wie das in den letzten Wochen war, ist auch schwierig für sie. Sie kann nicht genau sagen, ob es zwischendrin auch mal eine Phase gab, in der es besser war. Jetzt habe der Schmerz aber eindeutig zugenommen.

Der Pulsstatus ist regelrecht.

Nebenbefundlich leidet die Patientin an einer arteriellen Hypertonie, die mit Amlodipin eingestellt ist. Weiterhin nimmt sie Marcumar wegen rezidivierendem Vorhofflimmern (aktuell ist sie im Sinusrhythmus).

So, jetzt dürften wir das wichtigste gefragt haben, also auf zum Radiologen.

Gewünscht waren Handgelenk in zwei Ebenen + Scaphoid-Serie: Es ergibt sich kein Anhalt für eine Fraktur.

Zur Frage der Mineralisierung: Hier zeigt der Radiologie Eigeninitiative und röntgt gleich die andere Hand mit. Der Mineralisierungsstatus im Seitenvergleich ist regelrecht.

Zoidberg
05.04.2005, 11:04
wir könnten zum Test ja mal den Symphathikus blockieren :-))

Faust601
05.04.2005, 11:57
Also gut: Die favorisierte Differentialdiagnose ist, wie ich das überblicke, sicherlich das CRPS Typ I (Morbus Sudeck).

Ist ja im wesentlichen auch eine klinische Diagnose, so richtig tolle technische Nachweisverfahren gibt's da ja nicht.

Wie wollen wir der Patientin nun aber helfen?

Sympathikusblockade ist ja schön und gut, aber ist das der einzige Aspekt?

Und gibt es vielleicht einen Begleitumstand bei der Patientin, der euch in Hinsicht auf eine Sympathikusblockade etwas abschreckt?

Die Niere
05.04.2005, 16:13
Man muss ja nicht gleich den Sympathikus blockieren...erstmal absolute Ruhigstellung, Hospitalisation und kräftige Analgesie. Dann nach Besserung der Beschwerden anfangen mit intensiver Physiotherapie.

gruesse, die niere

Faust601
06.04.2005, 15:33
Nach dieser Antwort hab ich nun noch mal genauer nachgelesen und bin dabei zu der Erkenntnis gekommen, dass es wohl keinen so richtigen Konsens in der Therapie des CRPS gibt.

Ich stelle hier daher einfach mal als unkommentiertes Alternativkonzept die Therapie rein, die die reale Patientin, auf der mein Fall beruht, erhalten hat:

1. Analgesie:
Ibuprofen + Amitriptylin

2. Sympathikusblockaden (nach Absetzen der Antikoagulation!):
Auf jeden Fall mal ein oder zwei Stellatum-Blockaden, wenn's anschlägt, insgesamt 8-10 Sitzungen.

3. Physiotherapie:
Ja, aber GANZ vorsichtig. Es darf zu keinem Zeitpunkt zu einer Schmerzverstärkung kommen!

4. Begleitende Therapie durch den Schmerzpsychologen.

Myntha
07.08.2005, 19:43
Hallo!
Ich hab da mal ne frage
und zwar habe ich seit vier Tagen nach jedem essen ca. ne viertel std danach extreme Bauchschmerzen. Vorher hatte ich noch nie Probleme mit meinem Bauch.
Was kann das sein?
Mfg Myntha

SaschaMei
08.08.2005, 09:21
Und gibt es vielleicht einen Begleitumstand bei der Patientin, der euch in Hinsicht auf eine Sympathikusblockade etwas abschreckt?


Hmm, bei Marcumarisierung da im Gewebe rumstochern? ...

Zoidberg
08.08.2005, 12:44
Hallo!
Ich hab da mal ne frage
und zwar habe ich seit vier Tagen nach jedem essen ca. ne viertel std danach extreme Bauchschmerzen. Vorher hatte ich noch nie Probleme mit meinem Bauch.
Was kann das sein?
Mfg Myntha

Hallo Myntha,

ich würde dir empfehlen einen Arzt aufzusuchen, da hier natürlich keine Diagnose über das Internet gestellt werden kann und darf.

Myntha
08.08.2005, 18:16
So war es auch nit direkt gemeint sondern was es sein könnte. nicht was es ist! Ich habe halt das Problem das ich schiss davor habe zum arzt zu gehen! weiß auch nit warum!
mfg Myntha

Zoidberg
08.08.2005, 18:39
hier im Thread "Chir. Ambulanz" geht es auch mehr um fiktive Fälle

wenn es dir allein ums theoretische was könnte sein geht, schreib es doch ins Fachsimpelei Forum!

Pünktchen
13.10.2005, 17:53
*reaktivier*

Eine Patientin 67 Jahre alt sitzt putzmunter im Wartezimmer der Ambulanz. Die Schwester meint, irgendetwas stimme nicht mit ihrem Finger...


und denkt dran kurz und knapp sind schliesslich nur eine Ambulanz :-))

Chrima
13.10.2005, 18:02
*reaktivier*

Eine Patientin 67 Jahre alt sitzt putzmunter im Wartezimmer der Ambulanz. Die Schwester meint, irgendetwas stimme nicht mit ihrem Finger...


und denkt dran kurz und knapp sind schliesslich nur eine Ambulanz :-))


Hmmm ... und wie kommt die Schwester darauf ? Was ist denn mit dem Finger ? Steht er entsprechend der Anatomie oder ist er irgendwie schief ? Welche Farbe hat er ? Ist er geschwollen ? Gibt die Patientin Schmerzen oder Kribbelgefühl oder ähnliches an ? Falls der Finger irgendwie falsch steht oder verfärbt ist oder kribbelt oder so, seit wann ist das denn so ? Ist dem Ganzen ein Trauma voraus gegangen ?

Pünktchen
13.10.2005, 18:17
ok...dannn schreiten wir mal zum Äussersten: rufen die unauffällige Patientin ins Zimmer rein und fragen sie... :-))

Sie sagt, das sie heute morgen beim Einkaufen von so nem kleinen Rüpel mit dem Einkaufswagen angefahren wurde. (wir lassen uns nicht irritieren und hören weiter zu....) Sie meint darauf hin, dass im grunde ihr Einkaufswagen angefahren wurde, den sie grade schob. Und dabei hätte sich ihr Finger (den sie uns demonstrativ zeigt) irgendwie in den Speichen verhedert.


Der Finger ist leicht geschwollen, aber anatomisch äusserlich unauffällig. Die Patientin meint, das das nicht so sehr weh tut, aber sie kann den Finger nicht mehr richtig bewegen.
-> Dig IV Hand rechts

Chrima
13.10.2005, 18:30
Gut, dann schauen wir uns den Finger nochmal genau an. Ausser der Schwellung fällt nichts weiter auf ?
Dann würde ich mal Untersuchung. Was ist mit aktiver bzw. passiver Beweglichkeit ? Mal bewegen lassen, selbst durchbewegen. Dann Sensibilität prüfen. Durchblutung wird wohl intakt sein, nehme ich mal an.

Und dann würde ich wohl mal ein Röntgenbild des Fingers anfertigen in zwei Ebenen und schauen, ob uns das Aufschluss gibt.

Pünktchen
14.10.2005, 19:20
Passiv sind alle bewegungen in dem Finger möglich, aber ihr seht schon das das Fingerendglied nicht so richtig steht... und genau das scheint das Problem zu sein. Eure Patientin meint, das sie seid dem Hängenbleiben das Fingerendglied nicht mehr aktiv strecken kann.

Durchblutung und Sensibilität ist in Ordnung.

ok...Röntgen wir den Finger mal...warum tun wir das und welche Aufnahmen benötigen wir?

Werwolf
14.10.2005, 19:48
Hm- schaut so aus wie ein Strecksehnenabriß, oder? Luxiert ist er nicht? Stabilität der Seitenbänder? Drehfehler? Beugesehnen (tief und oberflächlich checken) sind dann wohl auch intakt, wenn nur das Endglied ein bißchen traurig in der Gegend herumhängt... Also: Röntgen Dig. IV rechts in 2 Ebenen zum Ausschluß knöcherner Verletzungen bzw. um einen knöchernen Ausriß der Strecksehne/Aponeurose auszuschließen.
Wenn´s echt bloß das Endglied ist- Stack´sche Schiene. Bei knöchernem Ausriß könnte man ggf. das Stück auch wieder anpinnen. Und bei proximalerem Riß der Strecksehne könnte man die auch nähen.

Pünktchen
14.10.2005, 20:29
Seitenbänder sind intakt!

Röntgen: keine ossären Läsionen sichtbar.

was machen wir nun? nehmen wir Werwolfs Therapievorschlag an?