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He-Man
24.01.2007, 10:59
Ganz einfach: wenn eine Universität von den Beiträgen von Studenten und - in dieser Linie weitergedacht, also dem Prinzip der Privatisierung - den Geldern von Firmen finanziert wird, wird in der Folge automatisch irgendwann die Freiheit von Forschung und Lehre darunter leiden. Im Falle der Uniklinik könnten die Betreiber irgendwann auch sagen: auch unsere Krankenversorgung richten wir nach unseren Bedürfnissen aus. Ich versuche nur das Prinzip der Privatisierung weiterzudenken. Siehst Du noch immer gar keine Nachteile?

wanci
24.01.2007, 11:43
Zum Thema Studiengebühren und studentische Mitbestimmung:

In Hessen wurde das Hochschulgesetz 2004 geändert. Gleichzeitig mit dem Passus zur Einführung von Studiengebühren wurde z.B. dem Senat (in dem wenigstens noch ein paar Studenten vertreten sind) stark Kompetenzen entzogen und auf das Präsidium übertragen. Studentische Mitbestimmung wurde als auf ein Minimum reduziert...

Irgendein lächerlicher Satz, dass die Studierenden über die Beiträge entscheiden können steht schon drinnen, aber nichts Konkretes und so wird das auch bleiben, nehme ich an.

Desweitern sind die Studenten in Senat und Fachsbereichsräten stark in der Unterzahl und das wird sich auch bestimmt nicht ändern.

Soviel dazu...Ich finde, so kann das einfach nicht gehen.

Smartinchen
24.01.2007, 11:53
Desweiteren hat die Berliner Landesregierung den Etat für die Unis deutlich gekürzt.


Auch bei uns wurden die Senatsgelder für die Uni deutlich reduziert und die Unis damit aufgefordert, eigene Gelder in die Kassen zu bringen - mittels Studiengebühren.


Wir sind uns also einig, dass die Studiengebühren nicht - wie immer behauptet wurde - ZUSÄTZLICHE Mittel für die Unis sind, sondern dass stattdessen einfach an anderer Stelle das Geld gestrichen wird, richtig?

In Diskussionen habe ich bei Befürwortern sehr oft den Satz gelesen: "Ich bin für Studiengebühren, WENN SIE DER UNI ZUGUTE KOMMEN UND NICHT VERWENDET WERDEN, UM HAUSHALTSLÖCHER ZU STOPFEN".


Da das ja nun offensichtlich nicht der Fall ist, würde mich interessieren, wie die Befürworter von einst jetzt dazu stehen. (und ich meine nicht die Befürworter, die grundsätzlich für Gebühren sind/waren!).

alley_cat75
24.01.2007, 13:27
Du bildest Dir doch nicht wirklich ein, dass irgendwer in einem Land, das ein milliardengroßes Haushaltsloch hat, finanziell gut dastehen würde?! Durch Studiengebühren werden Hochschulen zukünftig besser dastehen, als sie es jetzt tun, schon weil sie eigenständiger über ihre Gelder verfügen können. Dass der Staat im gleichen Atemzug Uni-Gelder kürzt ist selbstverständlich unschön, aber wie schon mehrmals erwähnt - der Staat ist pleite.

Smartinchen
24.01.2007, 15:23
Was hat denn das mit Einbildung zu tun, ich habe lediglich eine Frage gestellt! (und was ist das eigentlich für ein Tonfall deinerseits?...) :-???


Der Tenor der Politik lautete immer: "Zusätzliche Mittel für die Uni, kein stopfen von Haushaltslöchern".

Unter dieser Bedingung gaben sich viele Studenten mit Gebühren zufrieden. DIESE Befürworter habe ich nun gefragt, ob sie immer noch für Gebühren sind, wo nun klar ist, dass doch lediglich Haushaltslöcher damit gestopft werden.


Und ich hatte auch eigentlich im letzten Satz deutlich gemacht, an wen die Frage NICHT gestellt war ;)

KingLoui
24.01.2007, 16:08
Und wie erklärst du dir dann, dass gleichzeitig mit der Einführung der Studiengebühren versucht wird, das Mitspracherecht der Studenten mehr und mehr zu reduzieren?
Das Argument könnte zählen, wenn die studentische Mitbestimmung im Zuge mit der Einführung der Studiengebühren ausgebaut wird. Leider ist das Gegenteil der Fall...


Wer hat dir denn so ein Märchen erzählt? Hier werden die Gebühren momentan komplett durch die Fachschaft verteilt, gab sogar diesbezüglich Umfragen hier, wegen Ruheräumen für Studenten und einige andere nette Verbesserungen!

wanci
24.01.2007, 17:50
Wer hat dir denn so ein Märchen erzählt? Hier werden die Gebühren momentan komplett durch die Fachschaft verteilt, gab sogar diesbezüglich Umfragen hier, wegen Ruheräumen für Studenten und einige andere nette Verbesserungen!

Du studierst nicht in Hessen. Es scheint wohl zu sein, dass es da von Bundesland zu Bundesland große Unterschiede gibt. Ich kann nur von der hessischen Situation ausgehen, die sehr unschön ist.

Und dass für die Gebühren dann Ruheräume gebaut werden - das verbessert ja die Lehre ungeheuerlich. Was für eine "tolle" Sache...

KingLoui
24.01.2007, 18:21
Etwas vom Neid zerfressen oder einfach nur so frustriert? Es werden übrigens ausserdem, wiederum nach Umfrage, viele neue Bücher für die BiB angeschafft, ein Monitor gesteuertes Präpsystem (frag nix genaueres), sowie Kittel für Praktika und einiger weiterer Kram der mir jetzt gerade nicht einfällt. Ausserdem finde ich Ruheräume 'ne absolut sinnvolle Sache; denn ausgeruhte Studenten können sicherlich mehr leisten, probier's doch mal aus mit dem Ausruhen! Mit Sicherheit wirst du jetzt an allem auch wieder irgendwas Negatives finden, was du dann zum Besten geben wirst, macht aber nix.

wanci
24.01.2007, 18:50
Mach dir da mal keine Sorgen, ich ruhe mich zur Zeit eigentlich dauernd aus;) Und das geht auch ohne Ruheräume relativ gut.

Bücher für die Bib und kleiner Gruppen wären eine echt sinnvolle Sache - aber wie gesagt, bis jetzt hat mich keiner gefragt, was mit den Gebühren passieren soll und ich bezweifle dass das noch passieren wird. Aber wer weiß...

KingLoui
24.01.2007, 19:11
Naja, das klingt ja auch schon etwas anders. Finde diesen Bildungsföderalismus sowieso dämlich. Kann schon verstehen, dass du etwas sauer reagierst, wenn das Geld nur in irgendwelche dunklen Kanälen verschwindet.

alley_cat75
24.01.2007, 19:41
@smartinchen: :peace: :peace:

War definitiv nicht so gemeint, wie es "klingt"! Sorry, wenn das anders angekommen ist.


Der Tenor der Politik lautete immer: "Zusätzliche Mittel für die Uni, kein stopfen von Haushaltslöchern".

Politikern fehlt von Natur aus das Gen, ehrlich zu sprechen.

Roxane
24.01.2007, 20:19
Wanci hat Recht, KingLoui. Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden - in Baden-Württemberg haben Fachschaften z.B. faktisch überhaupt keine Rechte. Bei der Verteilung der Gelder mitwirken? Von wegen. Baden-württembergische Unis wollen damit Heizkosten decken und ähnliche, die Lehre extrem verbessernde Dinge einführen.

Dr. Pschy
24.01.2007, 21:18
In der Hinsicht bin ich froh in Wien zu sein, hier gibt es eine extra Zweckwidmung mit 3 Auswahlmoeglichkeiten (wobei 1 oder 2 von der Fachschaft kommen), bei der jeder Student abstimmen kann, mal ganz davon abgesehen dass ich mit 378 Euro noch billig davonkomme.

Solara
25.01.2007, 21:10
@ Pschy

Habt ihr nicht kürzlich wieder gegen Studiengebühren demonstiert ... hab nur im Radio gehört, dass in Wien und Graz diverse Straßen gesperrt sind, weil Studenten draufstanden :-D !

He-Man
15.02.2007, 10:37
Ein schöner Artikel zum Thema, gar in der FAZ: Link (http://www.faz.net/s/RubCF3AEB154CE64960822FA5429A182360/Doc~E7D93D3E98882480F9ED81E8C6DFEEC7F~ATpl~Ecommon ~Scontent.html) :-stud

Dr. Pschy
15.02.2007, 11:47
Solara:

Ich les deinen post grad erst (danke an He-Man fuers raufschieben), aber du hast recht. Ausschlaggebend fuer die Proteste war eigentlich die Tatsache, dass die Roten die Wahl gewonnen haben (und den Kanzler stellen), aber ihr Versprechen, die Studiengebuehren abzuschaffen nicht umsetzen (wegen grosser Koalition mit Schwarz).

Wobei ich kein Problem mit den knapp 400 Euro hab, da ich weiss, wo das Geld hingeht. Aber gar keine Gebuehren waer natuerlich auch was feines gewesen :-)

milz
21.02.2007, 16:41
http://www.sueddeutsche.de/,mucl2/jobkarriere/berufstudium/special/376/46330/index.html/jobkarriere/artikel/923/102821/article.html


21.02.2007

Studiengebühren werden zweckentfremdet

Eigentlich soll mit den Studiengebühren die Lehre an deutschen Universitäten verbessert werden. Stattdessen werden sie genutzt um Haushaltslöcher zu Stopfen und Imageroschüren zu finanzieren.

Da bin ich aber völlig überrrascht.

alley_cat75
21.02.2007, 17:13
Ich sehe nicht wirklich eine Zweckentfremdung darin, u.a. universitäre Computersysteme auszubauen bzw. zu sanieren. Stehst Du auf Kreide und Schiefertafel in der Biblio? :-dagegen "Haushaltslöcher stopfen" ist eine extrem weit gefächerte Formulierung. Da Universitäten zum größten Teil durch die Länder finanziert werden, verursachen sie selbstverständlich im Umkehrschluss Haushaltsdefizite. Muss ich das noch weiter ausführen? Zufälliger Weise lese ich täglich den Tagesspiegel, Quelle dieses Süddeutschen-Artikels. Typisch Presse, pickt sich eine Hand voll Stichwörter heraus und heizt damit die Massen an. Unseriös!

Dr. Pschy
21.02.2007, 17:22
lol, die Sueddeutsche ist neben der FAZ wohl eine der angesehensten Zeitungen Deutschlands, das Blatt als "unserioes" zu betiteln ist imho schon ein starkes Stueck, mal ganz unabhaengig davon wo der Artikel eigentlich herkam und was drinsteht.

Roxane
23.02.2007, 10:07
Dacht ich auch gerade. Ist eine der seriösesten Tageszeitungen überhaupt, wenn nicht gar DIE seriöseste, aber egal, macht ja nichts.