PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studiengebührenboykott - seid Ihr dabei?



Seiten : 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 [12] 13 14 15

catgut
23.02.2007, 12:04
Hmmm, ich hab den Artikel auch gelesen und ich denke, dass in den beschriebenen Fällen nicht unbedingt von einer Zweckentfremdung die Rede sein muss. Sachen wie Gebäudesanierung, neue Sportgeräte, geschaffene Stellen etc. kommen den Studenten ja im Endeffekt wieder zugute.

Versteht mich nicht falsch, ich bin auch sehr vorsichtig bei dem Thema Studiengebühren, aber welche Faktoren bedingen denn im Endeffekt eine verbesserte Lehre? Neue Bücher in der Bib, mehr Lehrpersonal mit mehr Zeit für die Studis, genügend Räumlichkeiten für die Lehre und so weiter und so fort.

Was anderes wäre es, wenn die Fakultäten das Geld nur in die Forschung der Lehrstühle stecken würden und den Rest außer Acht ließen. DAS wäre meines Erachtens Zweckentfremdung.

Zum Thema SZ: ich halte sehr sehr viel von der Süddeutschen, aber ich kenne auch einige der Mitarbeiter persönlich. Daher nehme ich nicht alles kritiklos an, was dort geschrieben steht.

alley_cat75
24.02.2007, 10:13
Ja, ja, das ist so eine Sache mit der deutschen Medienfreiheit. Kein einziger Journalist einer deutschen Tageszeitung kann tatsächlich unparteiisch Artikel verfassen. Meine Mutter arbeitet für die größte deutsche Filmproduktion. Was diese Gesellschaft allein den Zeitungen für Gelder zukommen lässt, um werbeträchtige Beiträge zu verbreiten - u. a. auch der FAZ. Ich glaube schon lange nicht mehr bedingungslos an das geschriebene Wort...

milz
24.02.2007, 12:11
Sachen wie Gebäudesanierung, neue Sportgeräte, geschaffene Stellen etc. kommen den Studenten ja im Endeffekt wieder zugute.
Sportgeräte verbessern nicht die Lehre. Im Endeffekt kann man mit dieser Argumentation sagen, dass das Geld immer den Studenten zugute kommt, egal wo es in der Uni eingesetzt wird.

Davon abgesehen, dass die Qualität der Veranstaltungen meistens überhaupt nichts mit Geld zu tun hat, sondern mit dem Engagement und Können der Referenten/Betreuer.

catgut
24.02.2007, 13:09
Sportgeräte verbessern nicht die Lehre.

Doch, die der Sport-Studenten. ;-)


Davon abgesehen, dass die Qualität der Veranstaltungen meistens überhaupt nichts mit Geld zu tun hat, sondern mit dem Engagement und Können der Referenten/Betreuer.

Nun, wenn sich die Betreuer mehr Zeit nehmen KÖNNEN und den Studenten auch außerhalb der Veranstaltungen zur Verfügung stehen KÖNNEN und wenn die Uni das Geld hat, die Betreuer/Referenten zu nehmen, die über die entsprechenden Qualifikationen verfügen, dann hat es schon was damit zu tun. Zum Beispiel.

dumbo
26.02.2007, 21:04
Um nochmal auf das Thema zurückzukommen, ich würde schon boykottieren, wenn bei uns die Penner vom Asta das nicht verschlafen hätten.
Wenn man exmatrikuliert wird, die Scheine und das Physikum können einem ja nicht genommen werden und man bewirbt sich dann halt wo anders, und in der Klinik hat man auf jeden Fall gute Chancen, genommen zu werden. Ausserdem soll ja nur boykottiert werden, wenn ein bestimmtes Quorum (30 %) erreicht wird. Kein Rektor kann es sich leisten, jeden 3. immatrikulierten Student rauszuschmeißen, das hätte schon politische Folgen.
Studiengebühren sind einfach total unsozial und hätten von Anfang an verhindert werden müssen, was auch möglich gewesen wäre, wenn man sich nicht alles gefallen lassen würde (siehe Frankreich). Meine persöhnliche Existenz gefährden die 500 Euro nicht, aber man muss sich mal vor Augen führen, dass das Studium an sich schon mindestens 500 Euro im Monat kostet und die Studiengebühren in der nächsten Zeit auf jeden Fall noch steigen werden (war in allen Ländern so, wo sie eingeführt wurden, ist nur eine Frage der Zeit). Ich denke nur, daß es genügend andere Leute gibt, für dei alleine schon die Lebenshaltungskosten und der verdienstausfall ein Hinderungsgrund darstellen, ein Studium aufzunehmen und die werden durch die gebühren noch weiter abgeschreckt. Da auch solche Leute medizin studieren können sollen, halte ich es auch für falsch, in diesem Zusammenhang auf die Kosten des Studiums hinzuweisen - da kann man ja gleich sagen die armen Schlucker sollen , wenn überhaupt, Germanistik studieren und unser elitärer Club hier, der sich das leisten kann, Medizin.
Leider sind jetzt die meisten Entscheidungen in dieser von Anfang an nicht fair geführten Kampagne der Gebührenbefürworter gefallen. Man hätte es echt verhindern können, wenn alle die dagegen sind, auch dagegen protestiert hätten - und ist es zu viel verlangt, für eine Demo einmal für zwei Stunden rund ums Carre zu laufen ? In diesem Sinne: Traut euch was, geht demonstrieren und schluckt nicht alles widerstandslos was von oben kommt !

Dr. Jekyll
26.02.2007, 21:23
sehe ich ähnlich, wie du.


wenn du bewerberzahlen von 34.000 leuten hast, bei gleichzeitigem
ärztemangel, wird man im nachhinein die frage stellen:

Warum haben wir nicht mehr studieren lassen?


wenn ich 500 Euro pro Semester nehme, fallen schon mal einige durchs
"raster", weil sie durch die mehrbelastung nicht studieren können und
sich gar nicht erst bewerben, so krieg ich doch bewerberzahlen runter


und das die 500 euro erstmal nur eine halbwegs plausibel begründbare,
sozial halbverträgliche einstiegszahlung sind, die sich im laufe der zeit noch erhöhen wird, ist glaube ich auch klar.

studiengebühren verhindern auf längere sicht, dass kinder aus ärmeren familien studieren können


und ich möchte mal an die ausländischen studenten erinnern,
die nämlich KEIN bafög kriegen, für die ist die mehrbelastung
von 100 Euro/Monat immens.


letztendlich wird sich die vorteile der mehreinnahmen
in grenzen halten, weil mehr studenten nebenbei arbeiten müssen,
und sich ihr studium verlängert aufgrund der doppelbelastund beruf/studium

catgut
26.02.2007, 21:40
Leider sind jetzt die meisten Entscheidungen in dieser von Anfang an nicht fair geführten Kampagne der Gebührenbefürworter gefallen. Man hätte es echt verhindern können, wenn alle die dagegen sind, auch dagegen protestiert hätten - und ist es zu viel verlangt, für eine Demo einmal für zwei Stunden rund ums Carre zu laufen ?

Nun, wir HABEN demonstriert. Aber

1. War es den Großkopferten wurscht und

2. hat es da eh nix mehr gebracht, weil ALLE (jeder einzelne!) erst reagiert hat (oder reagieren konnte?), als die Entscheidung sowieso schon nicht aufzuhalten war, auch wenn die Politiker was anderes behaupten. Da hätte man schon vor vielen Jahren in die Bresche springen müssen, aber wie denn?

@Jackyll: Bin voll Deiner Meinung!

dumbo
26.02.2007, 21:52
Na ja, es hätten halt viel mehr demonstrieren müssen und mit mehr Ausdauer, wie in Frankreich, da haben sie das Gesetz, gegen das sie protestiert haben, zu Fall gebracht.

Dr. Jekyll
26.02.2007, 21:52
auch wenn das mal nen bißchen pathetisch klingt:

ich finde, es sollte jeder studieren dürfen der möchte.
denn bildung ist ein grundrecht in meinen augen.

da das leben aber kein ponyhof ist, und wir nicht 10 millionen
studienplätze haben und ich kein tagträumer bin, sollten zumindest alle die GLEICHE chance auf die -begrenzten- studienplätze erhalten und wenn
sie den platz erhalten haben, auch kostenlos studieren können.

weil wenn es kosten verursacht, erhalten schon mal NICHT ALLE
die gleichen chancen auf einen platz.

und JA, es gibt die soziale ungleichheit in deutschland, obwohl
auch ein armes kind ein 1,0 Abi machen kann und dann studieren darf.


anders gefragt: und warum sollte ein armes kind keinen studienplatz kriegen?

deswegen wurde ja auch bafög eingeführt. aber dieser "soziale bonus"
wird auch immer mehr beschnitten


hand aufs herz:

wenn ich mir meine kommillitonen angucke, wer alles studiert:

fast alle sind reich, da klafft die soziale schere schon ganz schön.
den rote Polo-reiter oder das grüne krokodil sieht man ständig,
noch schlimmer als zu abi-zeiten auf dem gymi

und an andren unis wird die situation ähnlich sein.
da wird bildung ein privileg der reichen, genau wie in amerika.
und ein paar tolle sportasse kriegen stipendien, die USA will
ja der arbeiterklasse im land der unbegrenzten möglichkeiten ja nicht vor den
kopf stoßen...

bildung solte aber ein privileg der klugen seien!

in diesem sinne

Flauscheding
26.02.2007, 22:30
Hallo zusammen,
ich muß zugeben, ich habe die Diskussion nciht weiter verfolgt, hier und da mal gelesen ( wie jetzt auch ) und gut. Trotzdem bin ich auf den letzten Seiten über ein paar Argumente gestolpert, zu denen ich ein paar Sätze schreiben möchte. Auch bin ich kein Befürworter für Studiengebühren, aber ich möchte trotzdem mal einiges los werden.

Studien haben gezeigt, dass nach der Einführung der Studiengebühren in der Schweiz, die Anzahl an "weniger privilegierten" Studenten NICHT abgenommen hat. Auch ist insgesamt die Anzahl an Studenten nciht zurückgegangen, wie zu befürchten wahr. Warum also sollte das dann für Deutschland zutreffen?

In den USA, wo ein Studium ein vielfaches von den 500€/Sem. kostet, die wir zahlen sollen, hält es nicht wirklich die Leute davon ab, zu studieren. Allerdings ist dort das Stipendiatswesen auch um ein vielfaches ausgebauter als bei uns. Aber - und das muß man bei dieser Diskussion bedenken - auch dieses Stipendiatswesen muß sich erst etablieren. Wo soll es denn plötzlich herkommen?
Ein paar gute Ansätze hat bspw. die KfW mit ihrem Studienkredit.
Darüberhinaus muß man auch bedenken, was unser Studium kostet. Ich meine gelesen zu haben, dass es sich in der Humanmedizin auf bis zu 150.000€ pro Studienplatz beläuft. Da sind 500€ nun wirklich nicht einmal der Tropfen auf dem heißen Stein.

Was das Streiken und eingreifen anbelangt: Frankreich als Beispiel anzuführen, halte ich persönlich schon für sehr zweifelhaft. Wißt ihr, wie es zum Kippen kam? Indem nämlich Menschen schwer verletzt und sogar ( soweit ich mich Recht entsinne ) im Zuge dessen getöten wurden. Es wurden Autos angezündet, es wurde massivst randaliert. Die Regierung war dadurch gezwungen, nachzugeben.
Auch hier in D nahmen die Demos solche Gestalt an ( wenn auch nciht sooo heftig ). Es war sicherlich nciht zweckdienlich zur Hauptverkerhszeit bspw. das Frankfurter Kreuz zu blockieren. Damit hat man nämlich die Bevölkerung, die hinter uns hätte stehen können, nur noch weiter verärgert. Glaubt ihr, das war zweckdienlich?
Auch Gebäude zu beschmieren ( wie in GI geschehen ) ist sicherlich ein Armutzeugnis.
Wir hätten alle eingreifen können. Wir hatten alle dieselbe Chance, wer hat denn die CDU gewählt? Es muß ja nun ein großer Teil gewesen sein, sonst gäbe es die heutige Regierung nciht. Die SPD hat ( und tuts auch heute noch, hat bspw. mit den Grünen zusammen in Hessen Klage gegen die Studiengebühren eingereicht ) sich zu jedem Zeitpunkt gegen Studiengebühren ausgesprochen.
Wer hat bspw. Koch in Hessen gewählt, obwohl abzusehen war, dass uns Studiengebühren ereilen werden?
Kennt ihr die Wahlbeteiligungen?
Sinnvoller und sicherlich auch zielführender wäre sicher gewesen, wählen zu gehen, statt auf Autobahnen zu randalieren ( sorry, zu demonstrieren ).

Und ja, ich finanziere mich zu 100% selbst, gehe neben des Studiums im Semester und in den Semesterferien jobben, erhalte kein Bafög und werde auch nicht von meinen Eltern ausgehalten ( für den Fall, dass ein solches Argument kommen könnte :) ). Ich spreche mich definitiv gegen Studiengebühren aus, aber denke auch, dass vieles hausgemacht ist.
In diesem Sinne liebe Grüße,
Flausche

catgut
26.02.2007, 23:01
Wir hätten alle eingreifen können. Wir hatten alle dieselbe Chance, wer hat denn die CDU gewählt? Es muß ja nun ein großer Teil gewesen sein, sonst gäbe es die heutige Regierung nciht. Die SPD hat ( und tuts auch heute noch, hat bspw. mit den Grünen zusammen in Hessen Klage gegen die Studiengebühren eingereicht ) sich zu jedem Zeitpunkt gegen Studiengebühren ausgesprochen.
Wer hat bspw. Koch in Hessen gewählt, obwohl abzusehen war, dass uns Studiengebühren ereilen werden?
Kennt ihr die Wahlbeteiligungen?
Sinnvoller und sicherlich auch zielführender wäre sicher gewesen, wählen zu gehen, statt auf Autobahnen zu randalieren ( sorry, zu demonstrieren ).


Nun, die Frage, welche Partei man heutzutage wählt, hat ja nichts mit einem oder zwei Aspekten dieser Partei zu tun, sondern damit, wer im Endeffekt das kleinere Übel ist. So traurig das ist.

Ich persönlich wähle seit Jahren konsequent schwarz (ist aber auch in meiner Herkunft, tiefschwarzes Bayern), bin aber deswegen noch lange nicht mit jeder Entscheidung einverstanden, im Gegenteil. Die Schwarzen bauen sei Jahren so viel Mist, aber die Roten sind da ja noch viel schlimmer, die Grünen und Gelben erwähne ich jetzt mal gar nicht.

Das ist traurig, ich hätte es auch lieber anders. Aber man darf nicht so kurzsichtig sein und eine Wahlentscheidung von einem Kriterium aus zu sehen.

Mfg,
catgut,
(die eindeutig gegen Studiengebühren ist (zumindest, wenn ich sie zahlen soll, so konsequent bin ich dann doch noch) und trotzdem pro-CSU ist.)

Dr. Jekyll
26.02.2007, 23:36
Studien haben gezeigt, dass nach der Einführung der Studiengebühren in der Schweiz, die Anzahl an "weniger privilegierten" Studenten NICHT abgenommen hat. Auch ist insgesamt die Anzahl an Studenten nciht zurückgegangen, wie zu befürchten wahr. Warum also sollte das dann für Deutschland zutreffen?

In den USA, wo ein Studium ein vielfaches von den 500€/Sem. kostet, die wir zahlen sollen, hält es nicht wirklich die Leute davon ab, zu studieren. Allerdings ist dort das Stipendiatswesen auch um ein vielfaches ausgebauter als bei uns. Aber - und das muß man bei dieser Diskussion bedenken - auch dieses Stipendiatswesen muß sich erst etablieren. Wo soll es denn plötzlich herkommen?
Ein paar gute Ansätze hat bspw. die KfW mit ihrem Studienkredit.
Darüberhinaus muß man auch bedenken, was unser Studium kostet. Ich meine gelesen zu haben, dass es sich in der Humanmedizin auf bis zu 150.000€ pro Studienplatz beläuft. Da sind 500€ nun wirklich nicht einmal der Tropfen auf dem heißen Stein.



Die Aufnahme eines Studienkredits habe ich auch schon erwogen, es ist der letzte mist, fast ein ganz normaler kredit, der als große ausnahme
mit dem wort "Studien-" beginnt. Das ist nur eine nette Verpackung
um die Arm-Reich-Schere nicht ganz so offensichtlich klaffen zu lassen.
Und ne gute Ausrede zu haben, dass ärmere doch studieren können.

genau so toll wie eine "Ausbildungsplatzversicherung"


In den USA liegen die Stipendien weder auf der Straße, noch sind für alle
genügend da.

so ziemlich alles über der low level/mid level education kostet geld.
Um dann an ner richtigen uni zu studieren (vergleichbar mit dem niveau
einer deutschen uni, also nicht der master oder bachelor in
wie koch ich käsekuchen oder statistik) brauch man schon mal geld
um sein kind in die reichweite dieses stipendiums zu bringen, nämlich
vorbildung.

wir erhalten in dem sinne ALLE stipendien, nämlich vom staat.
wer sol mir denn sonst mein studium bezahlen, die helios-klinik
oder General Electrics?

alley_cat75
27.02.2007, 09:38
... Studiengebühren verhindern auf längere Sicht, dass Kinder aus ärmeren Familien studieren können. ...


Ich möchte hier auf keinen Fall eine tiefe sozialwissenschaftliche Diskussionen starten, aber diese Formulierung finde ich doch arg übertrieben. Kinder aus armen Familien scheitern schon vor Aufnahme eines Studienplatzes daran, dass sie meist erst gar nicht Abitur machen, obwohl der Gymnasialbesuch nichts kostet. Woran mag das wohl liegen? Der Wunsch nach weiterführender Bildung entsteht in den Familien selbst - es dürfte wohl ein gegebenes Phänomen sein, dass Eltern, die einfache Arbeiter sind, dies ihren Kinder nicht mit auf den Lebensweg geben. Und wer dann doch wider der Familientradition studieren möchte, bekommt ja die staatliche Unterstützung in Form von Bafög. Damit kann man übrigens auch Studiengebühren bezahlen.
Die beschriebenen Medizinstudenten mit Krokodilen u. diversen anderen Schriftzügen auf Shirts stellen doch nicht die Mehrheit dar. Während meines Studiums kamen 99% aus normalen mittelständigen Familien, die meisten von uns mussten sich ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten. Keiner fuhr mit Papas Porsche oder gar mit seinem eigenen vor.

Wie mein Vorredner bereits zu Frankreich gut erklärt hat - schlechtes Vorbild. Nicht nur Studenten haben demonstriert und vor allem randaliert, sondern der ganze frustige Mob. Das empfinde ich nicht als das ideale Niveau, um Gesetzgebungen zu diskutieren. Jeder in Deutschland kann sich politisch einbringen, sei es in Berufs- und Studentenverbänden oder in Parteien. Scheinbar ist dann doch nur eine Minderheit gegen Studiengebühren, sonst würden sich längst viel mehr engagieren und viel mehr würde sich zu diesem Streitthema tun.

He-Man
27.02.2007, 10:04
Ich möchte hier auf keinen Fall eine tiefe sozialwissenschaftliche Diskussionen starten [...] Warum tust Du es dann?
Kinder aus armen Familien scheitern schon vor Aufnahme eines Studienplatzes daran, dass sie meist erst gar nicht Abitur machen, obwohl der Gymnasialbesuch nichts kostet. Woran mag das wohl liegen? Der Wunsch nach weiterführender Bildung entsteht in den Familien selbst - es dürfte wohl ein gegebenes Phänomen sein, dass Eltern, die einfache Arbeiter sind, dies ihren Kinder nicht mit auf den Lebensweg geben. Achja, die selbstverschuldete Unmündigkeit. Das Ammenmärchen der unaufgeklärten Aufklärung Kants. Ob wohl Studiengebühren das wünschenswerte Ziel einer Erhöhung der Akademikerquote näherbringen werden?

Scheinbar ist dann doch nur eine Minderheit gegen Studiengebühren, sonst würden sich längst viel mehr engagieren und viel mehr würde sich zu diesem Streitthema tun. Was für ein Argument! Sind das die letzten Argumente der Gebührenbefürworter?

Noch ein Artikel: Link (http://www.sueddeutsche.de/,mucl1/jobkarriere/berufstudium/special/376/46330/index.html/jobkarriere/artikel/559/103456/article.html)

catgut
27.02.2007, 12:26
Kinder aus armen Familien scheitern schon vor Aufnahme eines Studienplatzes daran, dass sie meist erst gar nicht Abitur machen, obwohl der Gymnasialbesuch nichts kostet. ...

Oh Du kurzsichtige Denkweise... Natürlich kostet das Gymnasium was.
1. Büchergeld (macht sich bei mehr als einem Kind schnell bemerkbar)
2. Ausflüge, Fahrten, Kopiergeld, etc.pp (summiert sich, auch wenn die
Einzelsumme gering ist)
3. Lebensunterhalt: Kinder, die länger zur Schule gehen, verdienen viel später und brauchen mehr finanzielle Unterstützung ihrer Familie als ein Hauptschüler, der mit 15 seinen Abschluss hat, in die Lehre geht (dort verdient man ja schließlich auch, wenn auch nicht viel) und mit 18 oder 19 einen Ganztagsjob bekommt (im Idealfall, AlGII nicht mithineingedacht).


Und wer dann doch wider der Familientradition studieren möchte, bekommt ja die staatliche Unterstützung in Form von Bafög. Damit kann man übrigens auch Studiengebühren bezahlen.

Ach ja? Ich kann von meinen 353 Euro Bafög und dem Kindergeld meiner Eltern keine Studiengebühren zahlen. Sonst habe ich nichts mehr zu essen.
Meine Gebühren erarbeite ich mir hart im Sicherheitsdienst. Und zwar mit dem Geld, das eigentlich für Krankenkasse und Rücklagen gedacht war.


Die beschriebenen Medizinstudenten mit Krokodilen u. diversen anderen Schriftzügen auf Shirts stellen doch nicht die Mehrheit dar. Während meines Studiums kamen 99% aus normalen mittelständigen Familien, die meisten von uns mussten sich ihren Lebensunterhalt selbst erarbeiten. Keiner fuhr mit Papas Porsche oder gar mit seinem eigenen vor.


Nun, der Regelfall ist das vielleicht auch nicht, aber es gibt bei uns schon so einige, die mal eben über´s WE mit Freunden nach London fliegen oder drei Wochen Urlaub in der Karibik machen. Ich wäre ja schon froh, wenn ich einen Tag zum Skifahren nach Österreich käme und mir ein Festival pro Jahr mit Ach und Krach leisten kann.

alley_cat75
27.02.2007, 17:19
1. Büchergeld

Eine Menge Schulen, auch Gymnasien, in Deutschland nehmen keinen Cent Büchergeld bzw. leihen Bücher kostenlos an sozialschwache Familien aus.


2. Ausflüge, Fahrten

Bei meinen Cousinen werden derartige Aktivitäten gemeinsam im Klassenverband erarbeitet. Kuchenbasar, Theateraufführungen etc. pp. Wer tatsächlich kein Geld hat, fährt dennoch mit. :-dafür



3. Lebensunterhalt

Das ist für mich tatsächlich ein Argument, aber wie erklärst Du Dir, dass die meisten Kinder der Unterschicht (sorry für das Wort, eigentlich doof) gar nicht erst die notwendigen Leistungen für einen höheren Bildungsweg erbringen? Weil nämlich kein Bedarf besteht. Keine Vorbilder in der Familie (leider, leider). Aber das ist ein ganz anderes Thema.



Ich kann von meinen 353 Euro Bafög und dem Kindergeld meiner Eltern keine Studiengebühren zahlen. Sonst habe ich nichts mehr zu essen. Meine Gebühren erarbeite ich mir hart im Sicherheitsdienst.

Das ist bitter, aber Du bekommst wenigstens Bafög. Zweifelsohne wäre der ideale Zustand, nur zu studieren und sich nicht mit finanziellen Sorgen herumschlagen zu müssen. Aber, wie schon tausend Mal zitiert, einem nackten Mann (in diesem Falle der Staat) kann man nicht in die Taschen fassen. Ich finde es einfach egoistisch, vom Staat ein kostenloses Studium einzufordern. Letztendlich zahlt das der Steuerzahler, d.h. der kleine Lagerarbeiter, der z. B. von einem Germanistikstudenten doch überhaupt nichts hat. Von angehenden Ärzten schon eher, aber die wandern ja früher oder später alle aus...

KingLoui
27.02.2007, 17:58
Sehe das ziemlich genauso wie alleycat, desweiteren finde ich das Lebensunterhalt Argument ziemlich dämlich, denn diesen kann man ja nicht zu den Kosten für ein Studium rechnen. Leben müssen wir schliesslich alle, egal ob wir studieren oder nicht.

So einen hab' ich noch, nehmt den aber nicht zu ernst, bitte: "Umsonst ist nur der Tod und der kostets Leben."

HalloBallo
27.02.2007, 18:15
schließe mich den beiden letzten Posts an, um auch die These zu unterstützen, dass die Studiengebührenbefürworter doch mehr sind als die Studiengebührengegner glauben wollen ;-)

dumbo
27.02.2007, 19:46
Also, manche Posts hier bestätigen nur meine Erfahrung, daß Medizinstudenten doch aus ziemlich privilegierten Verhältnissen stammen, die sich Studiengebühren einfach leisten können. Und damit meine ich nicht nur die Reichen, sondern auch die "normale" Mittelschicht, wie hier so schön gesagt wurde. Studiengebührenbefürworter zu sein ist ein Luxus, den man sich leisten können muss. Wäre mal interessant eine Befragung pro/contra Studiengebühren durchzuführen bei denen die Befragten-Gruppen nach finanzieller Lage der Eltern getrennt sind.

Die tollen "fairen Kredite" sind eine zusätzlich Belastung, die man sich ebenfalls leisten können muss. Nicht jeder kann Arzt werden bzw. Medizin studieren, und so gut verdient man da auch nicht, wie wir ja alle wissen. Das Märchen vom ach so gut verdienenden Akademiker ist ein Argument, mit dem im Vorfeld der Gebühreneinführung auch Stimmung gemacht wurde gegen die Gebührengegner in der Neid-Republik Deutschland. Als Akademiker tritt man später ins Berufsleben ein, d.h. man hat einen langen Verdienstausfall, Kosten für Lebensunterhalt (die in der Rechnung der Gebührenbefürworter immer unterschlagen werden), es wird nichts für die Rente angerechnet, während Facharbeiter wesentlich früher Geld verdienen, auch schon während der Ausbildung. Wenn man dann Geld verdient kommen Kosten für evtl vorhandenen Familie, Altersvorsorge und jetzt noch zusätzlich Gebührenschulden dazu. Das muss man sich mal alles zusammenrechnen und vor Augen halten.

Und ich weiss nicht, welche Studien beweisen sollen, dass Studiengebühren sozial selektiv wirken, aber für glaubwürdig halte ich die nicht. Vielleicht kann die oder derjenige, die/der das behauptet hat, diese Studie hier mal anführen.
Tatsache ist, daß nach der Abschaffung des Voll-BaföGs in den 80ern der Anteil der Arbeiterkindern an den Unis kontinuierlich abgenommen haben. Das alleine zeigt doch schon, wohin eine zusätzliche finanzielle Belastung fürs Studium führt. Und der Zusammenhang ist doch, mit Verlaub, offensichtlich.

In den USA sind die Gebühren wesentlich höher, aber die Frage ist, wollen wir hier solche Verhältnisse. Wenn von den dortigen Unis die Rede ist, wird immer die absolute Elite gezeigt, Harvard und so ähnlich. Dabei sind die deutschen Unis IM DURCHSCHNITT, und darauf kommt es an, sollte jeder wissen, der mal mit Studien gearbeitet hat, wesentlich besser als die amerikanischen, trotz fehlender Studiengebühren. Der Vergleich einer Elituni in Amerika mit einer Durchschnittsuni in Deutschland ist wie der Vergleich des Mittelwerts einer Kontrollgruppe mit einem einzelnen Spitzenwert eine Versuchsgruppe, um dann zu behaupten, das Medikament wäre besser. Und die Stipendien in USAland sind ja schön und gut, aber da muss man sich doch frage: wenn jeder, der im Stande wäre und wollte, dort auch studieren könnte, dann müsste es so viele Stipendien geben, daß man deren Gesamtsumme gleich direkt an die Unis überweisen könnte, die dann die Studiengebühren abschaffen könnten ! Einleuchtend oder ? Ansonsten, und das ist es was ich glaube, sind die Stipendien nichts weiter als ein Almosen und ei n Tropfen auf den heißen Stein. Im Spiegel online war glaub ich vor nicht allzu langer Zeit ein Artikel über die wachsende Schuldenlast von US-Akademikern, die trotz Stipendien nach dem Studium Schulden im 5-stelligen Bereich haben.

Und ich finde dass man SEHR WOHL so demonstrieren sollte wie in Frankreich. Ohne Körperverletzung, aber das muss auch nicht sein, damit man Erfolg hat. Mehr Teilnehmer und Ausdauer würden ausreichen was zu erreichen, auch wenn man die heilige "öffentliche Ordnung" dabei stören muss. Aber nur so sind die Politiker zum Handeln gezwungen. Mit Wahlen was ändern zu können haltze ich für einen schlechten Witz, die sind ja keine Abstimmung pro/contra Studiengebühren, sondern da spielen hunderte Faktoren eine Rolle. Eine Kuscheldemo findet jeder toll, süß, einfallsreich, usw, aber am nächsten Tag ist sie vergessen. Radikale Aktionen müssen nicht gewalttätig sein, man kann streiken, den Verkehr lahmlegen und den Mächtigen auf andere Weise in die Suppe spucken, aber worauf es dabei ankommt ist Unterstützung und Solidarität, keine Gleichgültigkeit und Passivität. Und wer sich nichtmal traut seine Stimme zu erheben, der hat die Demokratie nicht verdient, denn sie muss jeden Tag aufs neue verteidigt werden. Der soll ein Untertan bleiben, kein mündiger Bürger.

NO JUSTICE, NO PEACE !

dumbo
27.02.2007, 20:01
Und die üblichen Argumente der Befürworter sind doch echt paradox: z.B. daß die arme Krankenschwester nicht das Studium des Chefarztes bezahlen soll. Sorry Leute, so ist das Steuersystem: ich besuche keine staatlich subventionierten Opern, Schwimmbäder, fahre kein Auto und brauche auch keine 24-Stunden Überwachung durch die Polizei, ich sehe nicht ein wieso ich Autofahrern den Autobahnbau bezahlen soll oder Sicherheitsfanatikern ihre totale Überwachung. Oder Agrarsubventionen, wozu ? Oder eine Bundeswehr ? Aber so ist das Steuersystem. Wenn man immer nur direkt bezahlen würde für die benefits die man hat, könnte man den Staat gleich abschaffen.
Außerdem sollte man nicht vergessen, dass die Krankenschwester vielleicht auch Kinder hat, die studieren wollen, und die werden durch die Studiengebühren noch zusätzlich abgeschreckt, denn so üppig verdient die KS ja nicht.

Ein weiteres Pseudoargument ist "wenn der Kindergarten was kostet, wie kann dann die Unis nichts kosten ?" - die logische Antwort müsste doch sein, den Kindergarten kostenlos zu machen, nicht Studiengebühren einzuführen. Aber vielleicht wird es demnächst auch noch heißen: "wenn der Kindergarten was kostet, wie kann dann die Schule nichts kosten ?"

Dann das unausweichlich Argument der knappen Kassen. Aber da müsste man sich mal anschauen, wohin die Gelder in Deutschland fließen. Wie wäre es z.B. auf die Unternehmenssteuerreform zu verzichten und das Geld statt dessen in Bildung zu investieren ? Wieso gibt es keine Börsenumsatzsteuer ? Was ist mit Steuern auf Kapitaleinkünfte, Erbschafts- und Reichensteuer ? Meinetwegen könnte man auch eine Akademikersteuer einführen, die alle belastet, die in Deutschland studiert haben, so wäre die Kosten wnigstens vom Einkommen abhängig und fair verteilt. Aber statt dessen wird der Staat arm gespart und die Unis schlechtgeredet, um die Einführung von Gebühren zu rechtfertigen. Dieses Sytem hat Methode, sage ich.