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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ungefähres Gehalt als AA



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FirebirdUSA
01.12.2017, 14:09
Der Beitrag ist etwas zu pessimistisch

Er ist schlicht weg falsch...
1. gibt es inzwischen schon Zuschläge, die die 0,64c übersteigen (auch einen Nachtdienstzuschlag)
2. natürlich wird dir die fehlende Regelarbeitszeit am anderen Tag abgezogen (wie in jedem anderen Job im übrigen auch)
3. beträgt die Bezahlung im Regelfall bei Bereitschaftsdienst 90 bzw. 95%, es sei denn du hast tatsächlich einen relativ ruhigen Job

Über die Höhe der Zuschläge kann man sich streiten und über die Einordnung der Arbeitszeit als BD auch (die Alternative Schichtdienst geht aber tatsächlich mit weniger Gehalt einher und ist aus sozialer Hinsicht meist noch weniger attraktiv).

tarumo
01.12.2017, 14:42
na ja..
zu 1) sicher gibt es noch eine Vielzahl von anderen Zuschlägen. Abhängig vom Dienstmodell, Tag, Uhrzeit usw. Dann sind wir mittendrin im Tarifdschungel. Und dann ist ja auch noch die Frage nach der Steuerfreiheit. Dem TE ging es um die Höhe der Zuschläge, und ich hatte diese in der genannten Größenordnung/h bei entsprechendem Dienstmodell.
zu 2) stimmt so nicht. Anderswo wird das über die Wochenarbeitszeit gelöst, so daß z.B. der Automobil/Chemie/Stahlwasweißichfacharbeiter (vereinfacht) seine 150 oder 200% Nachtvergütung auch behalten darf (wenn man den nächsten Tag dann wieder abziehen würde, dann hätte er nämlich nur noch 100% Lohn und dann würde keiner mehr nachts arbeiten wollen). Kannst ja mal versuchen, das Minusstundenmodell jemandem außerhalb des Medizinbetriebs zu erklären...
zu 3) Papier ist ja geduldig. Ein Sonntagmorgen von 3h-8.30h oder Bundesligaabend kann jederzeit den Schnitt so runterziehen, daß man unter 90% landet, obwohl man den Rest vom Tag dann zu 150% ausgelastet rödelt, weil alleine. 90% für vermutlich Vollarbeit heißt ja auch 10% Gehaltskürzung. Daß das Schichtmodell in der Medizin so unattraktiv ist, daß man auf sowas eingehen "muß", steht ja auf einem anderen Blatt. Ich kann mich auf jeden Fall nicht erinnern, daß z.B. in der Automobilbranche die Ankündigung von Schichtbetrieb als Bedrohung gesehen würde. Aber auch das hatten wir alles schon x-mal.
"Quelle" ist hier übrigens das sehr große Autowerk im Nachbarort und die Leute, die dort nachts arbeiten, von denen ich einige kenne.

Evil
01.12.2017, 14:58
Na ja, nach 10 Jahren Präsenz im Forum und immer noch den gleichen grundlegenden Problemen darf man ja auch ein wenig zynisch sein, oder?

Klar, aber dann halt nicht über die Reaktion wundern ;-)

Muriel
01.12.2017, 20:25
zu 2) stimmt so nicht. Anderswo wird das über die Wochenarbeitszeit gelöst, so daß z.B. der Automobil/Chemie/Stahlwasweißichfacharbeiter (vereinfacht) seine 150 oder 200% Nachtvergütung auch behalten darf (wenn man den nächsten Tag dann wieder abziehen würde, dann hätte er nämlich nur noch 100% Lohn und dann würde keiner mehr nachts arbeiten wollen). Kannst ja mal versuchen, das Minusstundenmodell jemandem außerhalb des Medizinbetriebs zu erklären...


Quatsch. Der Stahlarbeiter arbeitet im Dreischichtmodell. Wenn er dann nachts acht Stunden arbeitet, bekommt er diese zu 200% vergütet. Dass er in dieser Woche eben nachts und nicht tagsüber seine acht Stunden reißt, ist ja völlig egal, Hauptsache am Ende kommt er auf die 40h/Woche (oder 38 oder was auch immer). Da wird natürlich nichts abgezogen. Wenn ich in der Klinik arbeite und Dienstag auf Mittwoch einen 24h-Dienst mache, dann mache ich eben 24h, die ich auch vergütet bekomme, gleichzeitig zieht mir der Arbeitgeber völlig zu Recht natürlich die eigentlich am Mittwoch zu leistenden 8h von meinemZeitkonto ab, da ich ja schließlich 24h und nicht 32h arbeite, sprich am Mittwoch imBett liegen, frühstücken gehe oder was auch immer. Warum diese einfache Rechnung nie verstanden und als schreckliche Ungerechtigkeit hervorgetan wird, ist mir schleierhaft. Davon unbenommen bleibt die Frage nach einer angemessenen Vergütung dieser 24 geleisteten Stunden. Wenn eine Klinik im Schichtmodell arbeitet, wird auch nichts abgezogen (Analog zum Stahlarbeiter), da da ja die 40h/Woche eben als reguläre Arbeitszeit zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten in den Dienstplan eingepflegt werden. Und glaub mir, das ist die definitiv schlechtere Variante. Quasi nix zum Grundgehalt dazu, und das Sozialleben sowie die eigene Gesundheit bei sieben Nachtdiensten am Stück und solchen Scherzen im Eimer.

Pflaume
01.12.2017, 22:13
Warum diese einfache Rechnung nie verstanden und als schreckliche Ungerechtigkeit hervorgetan wird, ist mir schleierhaft.

Mir auch. Wird auch vom Marburger Bund teilweise in Veröffentlichungen so dargestellt, als ob einem geleistete Arbeit vom Stundenzettel abgezogen wird. Finde ich durchschaubare Propaganda. Es ist doch klar, dass mit den geleisteten Stunden erst mal die 40 h Wochenkonto (für die man das Grundgehalt erhält) aufgefüllt werden müssen und nur das darüber hinausgehende bezahlt wird.

Dass Bereitschaftsdienst nicht mit 100% vergütet wird, was z.B. ein guter Freund von mir ständig mit der Begründung "auch wenn ich schlafe oder nur rumsitze, bin ich ja trotzdem in der Klinik" bemängelt, finde ich auch nicht beklagenswert. Denn Vollarbeit ist einfach anstrengender als Bereitschaftsdienst (zumindest wenn es wirklich Bereitschaftsdienst ist). Man könnte niemals so viele Stunden voll arbeiten, wie man Bereitschaftsdienst leistet, und somit kann man sich eben durch den Bereitschaftsdienst schon auch relativ gesehen mehr Geld erarbeiten (solange es eben wirklich Bereitschaftsdienst ist).

Das Problem ist, dass die ZUSCHLÄGE für Überstunden und für Dienst zu ungünstigen Zeiten nicht adäquat sind. Übrigens nicht nur in der Medizin; die Metaller, die ich kenne, bekommen 30% Nachtzuschlag für Vollarbeit, 20% Spätdienstzuschlag für Dienste ab 12 Uhr. Also nicht die erwähnten 100% Zuschlag irgendwelcher Stahlarbeiter (Gießereien haben übrigens traditionell höhere Zuschläge, aber auch besonders harte Arbeitsbedingungen, habe selbst vor dem Studium in einer Gießerei gearbeitet). Andererseits arbeiten Ärzte nicht mal für 30% Nachtzuschlag, sondern sogar nur für 15 oder 20%. Als ich als Arzt angefangen habe, gab es - so wie tarumo noch aus dem Jahr 2006 korrekt schildert - noch überhaupt keine (!) Nachtzuschläge für ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die Bereitschaftsdienste selbst waren bis zum VKA-Streik im Juni 2010 auch sehr viel geringer. Nächtliche ärztliche Vollarbeit (!) wurde bis ins Jahr 2010 mit 1,28 Euro Nachtzuschlag pro Stunde bedacht. Also immerhin ist es besser geworden... aber von Modellen, die ich für adäquat halten würde, wie z.B. 100% Nachtzuschlag oder noch besser pauschal 25 bis 35 Euro Nachtzuschlag pro Stunde - unabhängig vom Stundenlohn - sind wir (und auch andere Branchen!) weit entfernt.

tarumo
02.12.2017, 00:30
Quatsch. Der Stahlarbeiter arbeitet im Dreischichtmodell. Wenn er dann nachts acht Stunden arbeitet, bekommt er diese zu 200% vergütet. Dass er in dieser Woche eben nachts und nicht tagsüber seine acht Stunden reißt, ist ja völlig egal, Hauptsache am Ende kommt er auf die 40h/Woche (oder 38 oder was auch immer). Da wird natürlich nichts abgezogen. Wenn ich in der Klinik arbeite und Dienstag auf Mittwoch einen 24h-Dienst mache, dann mache ich eben 24h, die ich auch vergütet bekomme, gleichzeitig zieht mir der Arbeitgeber völlig zu Recht natürlich die eigentlich am Mittwoch zu leistenden 8h von meinemZeitkonto ab, da ich ja schließlich 24h und nicht 32h arbeite, sprich am Mittwoch imBett liegen, frühstücken gehe oder was auch immer. Warum diese einfache Rechnung nie verstanden und als schreckliche Ungerechtigkeit hervorgetan wird, ist mir schleierhaft. Davon unbenommen bleibt die Frage nach einer angemessenen Vergütung dieser 24 geleisteten Stunden. Wenn eine Klinik im Schichtmodell arbeitet, wird auch nichts abgezogen (Analog zum Stahlarbeiter), da da ja die 40h/Woche eben als reguläre Arbeitszeit zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten in den Dienstplan eingepflegt werden. Und glaub mir, das ist die definitiv schlechtere Variante. Quasi nix zum Grundgehalt dazu, und das Sozialleben sowie die eigene Gesundheit bei sieben Nachtdiensten am Stück und solchen Scherzen im Eimer.
Eigentlich genau das, was ich geschrieben habe. Der Arbeiter reißt seine 40 Stunden nachts runter, kriegt einen mehr oder weniger hübschen Zuschlag und macht deswegen Nachtschicht. Für Gesundheit und Privatleben sicherlich nicht förderlich, aber darum ging es ja nicht. Unter Bereitschaftsdienst leidet mE Gesundheit und Privatleben ganz genauso, auch wenn man nur zu 75% oder 95% ausgelastet ist. Ich habe alle Stundenabrechnungen noch aufgehoben, für eine Nacht unter der Woche Dienst hatte ich dann "Minus 4", bei zwei Diensten "Minus 8". Tag nach dem Dienst war natürlich frei, nach ganzer Nacht durcharbeiten hat man aber nicht wirklich was davon. Einen leichten finanziellen Profit gab es höchstens am Freitagabend, oder am Wochenende. Wenn man zu mehreren ist, schaut aber immer einer in die Röhre, und der nächste Wochendtagdienst wird dann von den 8 Minusstunden komplett "aufgefressen". Wenn man Pech hat, kommt auch nur ein Grundgehalt bei rum, hat aber 8 Nächte und 2 WE im KH verbracht. Man kann auch übrigens toll vergleichen mit KollegInnen der gleichen Stufe, die noch keine Dienste machen können oder dürfen, dann sieht man gleich, was Sache ist. Letztendlich ein Traum für jeden AG, daß die Nachtarbeit so billig ist. Und genau aus diesem Grund werden ja auch gerne Elektiv-OPs in den Bereitschaftsdienst geschoben, es ist unterm Strich billiger.
Die Ansicht, es wäre schon ok, für (vielleicht) etwas weniger Arbeit im BD etwas weniger Geld zu erhalten, ist verbreitet, aber, wie ich finde, leicht weltfremd. Du bist nicht dabeim, hast Dienstklamotten an und darfst auch nicht machen, was Du willst (schon mal versucht, ein Bier im BD zu trinken?). Darfst Du im BD das Krankenhaus verlassen? Übrigens könnte man ja auch die Tagvergütung um die Stunde für die Visite kürzen, weil man da ja auch nur im wesentlichen dem Chef hinterhertrottet...

Evil
02.12.2017, 09:22
Du bist nicht dabeim, hast Dienstklamotten an und darfst auch nicht machen, was Du willst (schon mal versucht, ein Bier im BD zu trinken?). Darfst Du im BD das Krankenhaus verlassen? Übrigens könnte man ja auch die Tagvergütung um die Stunde für die Visite kürzen, weil man da ja auch nur im wesentlichen dem Chef hinterhertrottet...
Du wunderst dich, daß Deine Beiträge ständig hinterfragt werden, wenn Du solche Thesen aufstellst? Finde den Fehler!

Brutus
02.12.2017, 11:50
3. beträgt die Bezahlung im Regelfall bei Bereitschaftsdienst 90 bzw. 95%, es sei denn du hast tatsächlich einen relativ ruhigen Job
Oder der Arbeitgeber hat einen "guten" Personalplaner gehabt, der den BD so plant, dass die Zeiten der Inanspruchnahme noch in der Regelarbeitszeit liegen und danach dann "nur" noch BD mit wenig Arbeitsanfall liegt. ;-)
Dann kann es tatsächlich zu Minusstunden kommen... Aber sollten die nicht laut MB abgeschafft werden, in dem die BD so bezahlt werden, dass man zumindest auf +/- 0 rauskommt? :-nix


Mir auch. Wird auch vom Marburger Bund teilweise in Veröffentlichungen so dargestellt, als ob einem geleistete Arbeit vom Stundenzettel abgezogen wird. Finde ich durchschaubare Propaganda. Es ist doch klar, dass mit den geleisteten Stunden erst mal die 40 h Wochenkonto (für die man das Grundgehalt erhält) aufgefüllt werden müssen und nur das darüber hinausgehende bezahlt wird.
D'Accord! Aber es hat halt schon ein G'schmäkle, wenn Du 20 Stunden im Haus bist, 8 Stunden Regelarbeit + 0,5 Stunden Pause, gefolgt von 11,5 Stunden BD, der aber eben aufgrund von geschickter Beratung nur mit 70% vergütet wird, obwohl Du mittlerweile deutlich mehr als 40% arbeitest im BD, und am nächsten Tag bleibt die ernüchternde Erkenntnis, dass vom BD EINE lächerliche Stunde übrigbleibt, die bezahlt wird. Und da gebe ich Tarumo in gewisser Weise recht: der AG schreibt mir vor, wo ich zu sein habe, wie schnell ich anfangen muss zu arbeiten, wo ich schlafen kann. Damit sollte eigentlich das Entgelt, genauso wie im ArbZG die Stunden, als Arbeitszeit angerechnet werden und wie die Regelarbeit vergütet werden. Denn solche Spielchen wie "Wir lassen den BD erst um 22 Uhr anfangen und bezahlen ihn nur mit 70%, ziehen aber zwei Arbeitstage ab, weil der AN ja am BD-Tag und am Tag danach nicht gearbeitet hat, und dafür darf der AN dann - 5 Stunden "nacharbeiten", sollten doch endlich der Vergangenheit angehören.
Aber wahrscheinlich wird erst der entsprechende Druck etwas bewirken. Die kleinen Häuser auf dem Land bemerken es ja bereits, dass man den AN entgegen kommen muss. Ich kenne ein Haus, dass BD pauschal mit +30€/h und OHNE Abzug des folgenden Tages vergütet. Und bei einer unserer letzten Besprechungen meinte ein ÄD durchaus ernsthaft, dass es "irgendwann" wohl so kommen muss, dass die Stunden zu 100% bezahlt und ohne Abzug des Folgetags berechnet werden müssten, wenn man eben weiterhin AN finden will, die gewillt sind am entsprechenden Haus zu arbeiten und auch Dienste zu leisten...


Dass Bereitschaftsdienst nicht mit 100% vergütet wird, was z.B. ein guter Freund von mir ständig mit der Begründung "auch wenn ich schlafe oder nur rumsitze, bin ich ja trotzdem in der Klinik" bemängelt, finde ich auch nicht beklagenswert. Denn Vollarbeit ist einfach anstrengender als Bereitschaftsdienst (zumindest wenn es wirklich Bereitschaftsdienst ist). Man könnte niemals so viele Stunden voll arbeiten, wie man Bereitschaftsdienst leistet, und somit kann man sich eben durch den Bereitschaftsdienst schon auch relativ gesehen mehr Geld erarbeiten (solange es eben wirklich Bereitschaftsdienst ist).
Sehe ich nicht so! Mit Ende 20 oder Anfang 30 konnte ich auch 2 Tage CounterStrike durchspielen, ohne ernsthaft müde zu werden. Aber wenn in der Nacht mittlerweile 5 Mal die Intensiv anruft, dann bin ich genauso platt am nächsten Morgen, als wenn ich durchgearbeitet hätte. Und das waren Telefonate, die im Schnitt 1-2 Minuten gedauert haben... Davon ab, wenn ich überlege, wieviele Dienste ich in letzter Zeit Ruhe hatte, die kann ich an einer Hand abzählen.
Auf der anderen Seite sind die meisten 24h BD-Dienste ja mittlerweile zu gut 100% bezahlt, 90% BD, dazu Zuschläge, kommt man auf ca. 100%. :-nix

bremer
02.12.2017, 13:21
Da kann man jetzt auch nicht unbedingt Aussagen treffen, die für jedes Krankenhaus zustimmen, sondern man sollte seine eigene Situation überprüfen und sich fragen, ob man mit der derzeitigen Vergütung und Arbeitsbelastung zufrieden ist. Dann sich mit den anderen Assistenzärzten absprechen und zusammen mit dem Sprecher und der Verwaltung eine Lösung finden. In manchen Häusern ist die Dienstbelastung natürlich geringer und ich persönlich finde es durchaus berechtigt, weniger als 100% Vergütung nachts zu erhalten (wie gesagt, für mich in meiner Situation in meinem Krankenhaus bei meiner durchschnittlichen
Dienstbelastung, die in manchen Nächten enorm, in anderen Nächten auch extrem ruhig sein


(...) Du bist nicht dabeim, hast Dienstklamotten an und darfst auch nicht machen, was Du willst (schon mal versucht, ein Bier im BD zu trinken?). Darfst Du im BD das Krankenhaus verlassen? (...)

Alles richtig, die Frage habe ich mir auch schon gestellt. Allerdings kann ich Samstags mit meinem Laptop während eines ruhigen Dienstes Fussball streamen (natürlich legal), einen Cappuccino trinken und mit Freunden telefonieren, was ich alles bezahlt bekomme. Dass ich dafür nur 70% bekomme, ist für mich durchaus verschmerzbar (vor allem aufgrund fehlender Minusstunden).

Andererseits wird der BD auch durchaus gerne (bei mir Innere) genutzt, um liegen geblieben Schreibtischarbeit, vor alle Briefe schreiben, zu erledigen. Da müsste man eigentlich konsequent genug sein, um die nicht während des BD, sondern während der regulären Arbeitszeit zu erledigen, auch auf Kosten von Überstunden.

tarumo
02.12.2017, 14:41
Letztendlich bringt es überhaupt nichts, irgendwas zu "planen", jeder, der in Deutschland in einem KH arbeitet, weiß, daß viele "Notfall"-Patienten kommen, wie sie wollen (und nicht, wie es medizinisch zu erwarten wäre). Variablen sind u.a. Feiertage, Fernsehprogramm, Wetter und Sprechstunden der niedergelassenen Ärzte.
Fair wäre es, dann einen komplett durchgearbeiteten BD ex post dann auch zu 100 oder 110% zu bezahlen. Sollte im EDV-Zeitalter theoretisch kein Problem sein.

tarumo
02.12.2017, 14:51
Du wunderst dich, daß Deine Beiträge ständig hinterfragt werden, wenn Du solche Thesen aufstellst? Finde den Fehler!

Kein Fehler. Wenn man über den Tellerrand hinaussieht, wird man feststellen, daß der Unterschied zwischen nichtbezahlten Pausen und bezahlter Arbeitsbereitschaft per Definition die Möglichkeit ist, den Arbeitsplatz zu verlassen (in der StVO z.B., dort kommt man sofort mit dem Gesetz in Konflikt, wenn man da vesucht, zu tricksen). Aber Ärzte machen ja lieber unbezahlte Arbeitsbereitschaft. Die Sache mit den Visiten war natürlich ironisch gemeint, de facto ist der Bereitschaftsdienst im KH aber das, was viele Nachtarbeiter regulär machen, nämlich umgezogen am Arbeitsplatz präsent sein, Überwachungsaufgaben wahrzunehmen und aktiv zu werden, wenn es nötig ist. Sorry, es käme kein Mensch auf die Idee, den Leuten, die nachts im Leitstand einer U-Bahn, eines Kraftwerks oder einer Chemiefabrik hocken, oder Piloten im Reiseflug, wegen "Minderauslastung" Teile der Vergütung abzuziehen. Oder frag mal den Pförtner.
PS: ich mußte für die nächtliche Taxifahrt neulich sogar mehr als tagsüber bezahlen, dabei waren die Straßen leer und die Ampeln ausgeschaltet. Unfair, oder? Tssss...

tarumo
02.12.2017, 15:31
Aber wahrscheinlich wird erst der entsprechende Druck etwas bewirken. Die kleinen Häuser auf dem Land bemerken es ja bereits, dass man den AN entgegen kommen muss. Ich kenne ein Haus, dass BD pauschal mit +30€/h und OHNE Abzug des folgenden Tages vergütet. Und bei einer unserer letzten Besprechungen meinte ein ÄD durchaus ernsthaft, dass es "irgendwann" wohl so kommen muss, dass die Stunden zu 100% bezahlt und ohne Abzug des Folgetags berechnet werden müssten, wenn man eben weiterhin AN finden will, die gewillt sind am entsprechenden Haus zu arbeiten und auch Dienste zu leisten...

Exakt meine Meinung. Und die geschilderte Situation trifft wohl in den meisten Häusern zu. Leider scheitert eine grundlegende Änderung der Situation auf Assistenzarztebene meistens an diversen "lieben" Kollegen, die entweder nicht anecken wollen, ihren Arbeitsvertrag oder ihre Gehaltsabrechnung nicht verstehen, an dem Glauben, daß so eine supertolle Gewerkschaft das so gut verhandelt habe oder in Bälde ändern wolle, oder an Importärzten, für die "plus 1h" besser sind als "Null h" und wenn man das jede Woche macht, hat man ja auch vier Stunden mehr. Alles schon erlebt. Stellenweise hier auch der Grundtenor im Forum, aber wie heißt das Sprichwort "Zufriedene Sklaven sind der größte Feind der Freiheit". Für mich sind Zuschläge von 0,64 oder 1,28 EUR für eine Arztstunde auf jeden Fall eine Beleidigung, die Größenordnung kassiert eine ungelernte Servicekraft als Trinkgeld pro Vorgang.
Übrigens, nach dem FA bricht die heile MB-Tarifwelt dann alsbald auseinander. Entweder geht man ganz aus dem Wirkungsgebiet mit frei verhandelten Verträgen, oder es kommen alsbald diverse Recruiter auf einen zu (gerade heute wieder das Postfach voll) mit außertariflichen Angeboten, wo es halt nachts 30 EUR/H mehr gibt und keine Abzüge. Interessanterweise teilweise die gleichen KH, die ihre WBAs mit Minusstunden über den Tisch ziehen. Aber es ist ja jedem freigestellt, wie er sich verhält.
Nachdem ich die Sache nunmehr mehr als 10 Jahre mitverfolge, behaupte ich mal, es besteht weiterhin kein großes Interesse seitens des MB, das ganze grundlegend zu ändern. Erst recht, nachdem man sich jetzt wieder an verdi rangewanzt hat. Die vorher verantwortlichen Führungskräfte des MB sind alle die Karriereleiter hochgefallen, und zwar bei Institutionen, denen an hohen Arztkosten nicht soviel gelegen ist, der aktuelle Chef steht bei genug Organisationen mit gegenteiligen Interessen auf der payroll (vgl. Abgeordnetenwatch)
PS: bevor hier die Sozialneidkeule kommt: die Pflege betrifft das ganz genauso. Deswegen haben wir ja neben dem Ärztemangel auch einen Pflegenotstand. Da hilft es aber auch nicht, wenn man mit verd.di "Mülltüten" aktive Mittagspausen und ähnliches durchführt, und ein Obergewerkschaftler kürzt in der Eigenschaft als AOK-Vize die Krankenhausvergütung mit einem Lächeln mal eben ein paar weitere Millionen runter.

Brutus
04.12.2017, 10:25
In manchen Häusern ist die Dienstbelastung natürlich geringer und ich persönlich finde es durchaus berechtigt, weniger als 100% Vergütung nachts zu erhalten (wie gesagt, für mich in meiner Situation in meinem Krankenhaus bei meiner durchschnittlichen Dienstbelastung, die in manchen Nächten enorm, in anderen Nächten auch extrem ruhig sein.
Naja, auf der anderen Seite darf man aber auch nicht vergessen, dass Du egal ob Bereitschaft oder Regelarbeit, Du eine Maximalarbeitszeit pro Tag hast. Und wenn die ausgeschöpft ist, dass muss man das System überdenken und ändern. Insofern ist es eigentlich am Arbeitgeber zu überlegen, ob er lieber einen Diensthabenden hat, der zwar zu 100% bezahlt wird und trotzdem in den "Ruhephasen" schlafen, essen, trinken, spielen odersonstwas machen darf, oder er lieber 3-4 Kollegen mehr einstellen muss, die er dann auch zu 100% bezahlen muss, die dann aber Schichtdienst machen...
Es bleibt aber dabei: der AG schreibt Dir vor, dass Du am Arbeitsplatz bleiben musst und unverzüglich die Arbeit aufnehmen musst, wenn etwas anfällt. Und dafür ist es m.E. eben ein Unding, dass man nicht mit der normalen Vergütung bezahlt wird.
:-meinung


Andererseits wird der BD auch durchaus gerne (bei mir Innere) genutzt, um liegen geblieben Schreibtischarbeit, vor alle Briefe schreiben, zu erledigen. Da müsste man eigentlich konsequent genug sein, um die nicht während des BD, sondern während der regulären Arbeitszeit zu erledigen, auch auf Kosten von Überstunden.
Oder man sieht, dass der OP Plan am Montag / nach Feiertag schon überplant ist und entscheidet dann, dass man doch die Patienten, die neu ins Haus gekommen sind, als "Pseudonotfälle" schon im Dienst operiert, damit der OP-Plan vom nächsten Tag nicht gesprengt wird...

anignu
04.12.2017, 11:17
Oder man sieht, dass der OP Plan am Montag / nach Feiertag schon überplant ist und entscheidet dann, dass man doch die Patienten, die neu ins Haus gekommen sind, als "Pseudonotfälle" schon im Dienst operiert, damit der OP-Plan vom nächsten Tag nicht gesprengt wird...
Pseudonotfälle... wenn ich das schon höre. Ist hier ein Operationsverhinderer am Werk oder ein Anästhesist dem es um den Patienten geht? ;-)
Letzten Mittwoch hatten wir wieder mal einen krass motivierten Anästhesisten im Saal bei dem wir 6 OP-Punkte bis knapp 16 Uhr durchgebracht hatten. Und am Freitag eine Anästhesistin die um 11:30 schon begonnen hat über eine "kleine" Abszessspaltung bei einer knapp septischen Patientin zu diskutieren ob die dann Richtung 13:30 bestellt werden sollte. Denn wenn das in den Dienst rein geht und die ist ja so krank und da muss man ja soviel überwachen usw... Für ne Abszessspaltung. Gut, war dann schon Schnitt-Naht 30min und wir waren locker vor 16 Uhr fertig. Aber diese Diskussionen.

Heute wird auch spannend: bis ich morgens gegangen bin ist ein tatsächlicher Notfall der garantiert heute operiert werden muss in die Notaufnahme gekommen. Und glaub mir das ist so ein Notfall dass die Anästhesisten selbst den Patienten lieber im OP haben als auf ihrer IMC oder ITS. Und es waren zusätzlich zum vollen OP-Programm noch durchschnittlich eineinhalb OPs zusätzlich pro OP-Saal in der Auftragsleiste. Ich bin jetzt schon sowas von gespannt wie der heutige tatsächliche OP-Ablauf dann morgen aussieht.

Ansonsten wollte ich noch sagen: das mit den 90% oder 100% ist ja auch alles relativ. Wenn mir die Arbeitszeit 100% angerechnet wird muss ich dafür Pausen machen oder andersrum werden mir Pausenzeiten abgezogen. Und das egal ob ich die Pausen gemacht hab oder nicht. Also von 8,5h Vollzeit bekomm ich nur 8h angerechnet. Von wiederum 8,5h Bereitschaftsdienst sind es 7,65h. Damit sind der Unterschied nur noch um die 5% statt der 10%. Und wenn man dann betrachtet dass bei uns die Bereitschaftszeit an die Vollzeit anschließt und ich mit einmal Autofahren zwei Arbeitstage an Zeit erledigt dann hab ich zeitlich schonmal einen Gewinn. Noch dazu kann ich zumindest ein paar Stunden schlafen und seh die Kinder mehr. Mir bringt das System was und es wäre noch besser wenn die Dienste nicht so sinnlos wären. Stichwort: ich bin Chirurg und kein Psychiater

Brutus
04.12.2017, 18:19
Pseudonotfälle? Ganz einfach: das ist die einfache Radiusfraktur, die im Dienst kommt, zur Zeit nicht operiert werden kann, weil der doofe Viszeralchirurg mit dem Ileus im OP steht. Dann wird mehrfach angerufen, wann der denn endlich fertig ist, weil man ja mit dem Radius noch notfallmäßig in den OP muss. Nüchternheit? Mir doch egal, ist ein Notfall. Und wenn man dann merkt, dass der Ileus wohl doch länger dauert, und man ja keine Lust hat, nach 22 Uhr noch anzufangen oder im schlimmsten Fall ja noch nach Mitternacht operieren müsste, wird der Patient dann doch irgendwann auf den nächsten Tag verschoben. Und DAS sind für mich Pseudonotfälle.
:-kotz

tarumo
04.12.2017, 19:08
Pseudonotfälle? Ganz einfach: das ist die einfache Radiusfraktur, die im Dienst kommt, zur Zeit nicht operiert werden kann, weil der doofe Viszeralchirurg mit dem Ileus im OP steht. Dann wird mehrfach angerufen, wann der denn endlich fertig ist, weil man ja mit dem Radius noch notfallmäßig in den OP muss. Nüchternheit? Mir doch egal, ist ein Notfall. Und wenn man dann merkt, dass der Ileus wohl doch länger dauert, und man ja keine Lust hat, nach 22 Uhr noch anzufangen oder im schlimmsten Fall ja noch nach Mitternacht operieren müsste, wird der Patient dann doch irgendwann auf den nächsten Tag verschoben. Und DAS sind für mich Pseudonotfälle.
:-kotz

Die Unfallchirurgen, die ich persönlich in mehreren Kliniken kennenlernen durfte (sorry, nicht persönlich gemeint) waren alle sooo tolle Hengste, daß sie regelmäßig Sachen wie ME, Radiusfraktur etc. zu Unzeiten operiert haben. Und gerne nach 12, 16h Präsenz im Haus. Wenn überhaupt, scheiterten derartige OP-Punkte an der Anästhesie. Resultat war in vielen Fällen aber, daß die Anästhesie dann neue Stellen oder Honorarärzte zugebilligt bekam und die UC eben nicht ("was wollt Ihr denn, es klappt doch alles"). Daß man sich mit einem solchen Verhalten über kurz oder lang selbst ins Knie schießt, verstehen viele nicht.
Vom schlechteren outcome einer Elektiv-OP mit übermüdetem Personal für den Patienten ganz zu schweigen (gehört m.E. auch in eine rechtssichere Aufklärung hinein)

anignu
04.12.2017, 19:22
Aber wenn der Radius doch zwischendrin verheilt und dann wieder bricht? ;-)

Passt schon. Ich kenn halt die andere Seite. Diese maximale OP-Verweigerung, dieses "ich werd nach Zeit bezahlt nicht nach Narkosen", diese ewigen Verzögerungen oder Weigerungen den nächsten Patienten zu bestellen. Und auch dass man als Hintergrund die ganze Nacht durch operieren kann um am nächsten Tag doch wieder auf der Matte zu stehen und den ganzen Tag weiterzuarbeiten. Daher sind OPs nach Mitternacht eben so unbeliebt. Oder dass die Station manchmal einfach vollgeknallt ist mit Patienten die so ein "waschen-legen-föhnen"-Programm (Wundrevision, VAC-Wechsel, etc) brauchen und es geht einfach nichts voran und man vertröstet die Patienten täglich weiter...
Unser aktueller Anästhesie-Chef ist so ein OP-Verweigerer. Totale Katastrophe. Und das Schlimmste ist, dass er mit uns Chirurgen die OP-Indikationen diskutiert und dies noch vor der OP beim wachen Patienten. Ich muss dann immer gehen, obwohl ein Gericht sicher in diesem Fall milderne Umstände geltend machen würde.

Den Anästhesisten können die Patienten und deren Warten auf Station ja völlig egal sein und das ist es auch. Die ziehen sich ja ganz billig auf den Standpunkt zurück "die Chirurgen sind schuld mit ihrer Fehlplanung, zu viel einbestellt". Den Anästhesisten können auch Liegezeiten und Fallzahlen egal sein und ist es auch. Unsere Anästhesisten sind Auftragsarbeiter und sonst nichts. Zumindest in unserem Haus. Hauptsache man wird oft genug ausgelöst für Kaffee, Mittag, Kuchen etc., dass unsere Anästhesisten am Ende einer OP noch nicht mal wissen was operiert wurde ist leider viel zu häufig der Fall. Der Chef machts vor, die Assistenten nach. Allein die älteren Oberärzte und drei Altassistenten (Fachärzte) sind anders. Die wissen am Ende der OP sogar was wir operiert haben ohne dass man es ihnen dreimal buchstabieren muss.
Egal. Meine Meinung über unser Haus ist aktuell so schlecht, dass ich Konsequenzen ziehen muss. Schau mer mal wie schnell das geht.

Solara
04.12.2017, 19:53
Anignu,
Time-out gibt's bei euch nicht, so wie's scheint. Da sollte auch der uninteressierteste Anästhesist mitbekommen, was gemacht wird.
Für Fehlplanungen der Chirurgen können Anästhesisten leider nichts. Und mit deiner oben beschriebenen Einstellung wundert mich das schlechte Klima auch eher wenig.

tarumo
04.12.2017, 20:24
Ganz ketzerisch möchte ich noch unterstellen (zumindest war es in meinem bisherigen Leben so), daß die "Pseudonotfälle" in der Regel nur gesetzlich oder BG-lich versicherte Patienten sind. Sei es, daß die Führungsriege keine Lust hat, nachts am Tisch zu stehen, sei es, daß man Argumentationsnotstand im Vorgespräch bzgl. Übermüdung fürchtet oder einen heftigen Rechtsstreit hinterher (von ein paar selbstdeklarierten "Express"- Patienten vielleicht abgesehen). Da eine "private" Radiusfraktur oder ähnliches wohl kaum medizinisch weniger dringend / schlechter oder besser verheilt als eine GKV-liche bleibt hier zumindest der Vorwurf im Raum stehen, daß man hier aus wirtschaftlichen (Fallzahlen/Liegezeiten) und organisatorischen Gründen ein schlechteres outcome durch Übermüdung der Handelnden zumindest billigend in Kauf nimmt. Falls das nicht (mehr) so sein wollte (man kann ja ganz fix einmal die nächtlichen OP-Punkte der letzten Wochen nachzählen), nehme ich das zurück und behaupte das Gegenteil.

facialis
04.12.2017, 20:34
Passt schon. Ich kenn halt die andere Seite. Diese maximale OP-Verweigerung, dieses "ich werd nach Zeit bezahlt nicht nach Narkosen", diese ewigen Verzögerungen oder Weigerungen den nächsten Patienten zu bestellen.

warum seid ihr eigentlich so geil auf arbeit in der dienstzeit?