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Relaxometrie
20.01.2020, 14:12
Ich finde es unwürdig, dass sich das Gesundheitwesen durch Wettbewerb gesundschrumpfen soll (wobei die Frage natürlich ist, was noch gesund ist) und würde mir glasklare Vorgaben wünschen. Leider scheint das illusorisch zu sein. Aber ich denke trotzdem, daß es möglich ist, ein Konzept aufzustellen, in dem ziemlich klar definiert ist, in welchem Bereich ein Patient behandelt wird:

1. ambulant; also in einer Praxis oder Klinikambulanz

2. erweitert ambulant (z.B. in einer Tagesklinik oder durch einen Pflegedienst)

3. regional stationär bei: 1. leichteren Krankheitsbildern und 2. bei nicht mehr wirklich kurativem Ansatz (z.B. ständig dekompensierte Herzinsuffizienz, Wundmanagement, Palliativstation) 3. zeitkritischen Krankheitsbilden (STEMI, Schlaganfall).

4. Überregional für kompliziertere Krankheitsbilder/ Operationen. Z.B. Tumorchirurgie, onkologische Behandlungen, komplexe Intensivmedizin.


Die Triage, durch deren Ergebnis bestimmt wird, wohin der Patient geht, darf selbstverständich nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, damit eben nicht das passiert, was Christoph_A geschrieben hat (internistische Frischlinge alleine in der ZNA) und was deutschlandweit vermutlich massenhaft Ressourcen verschleudert, weil Patienten unnütz aufgenommen werden, oder Erkrankungen verschleppt werden, weil die Patienten eben nicht aufgenommen worden sind, weil der Anfänger die Behandlungsnotwendigkeit nicht erkannt hat.
Daß kleine Krankenhäuser erhaltenwürdig sind, weil die Bevölkerung es sich so wünscht, sehe ich anders. Die Anspruchshaltung vieler Menschen ist uferlos und zusätzlich ist deren Meinung oft nicht durch Sachkenntnis getrübt. Wer für z.B. eine Whipple-OP oder für komplexe Tumorchirurgie lieber im kleinen Krankenhaus vor Ort bleiben möchte, damit er Besuch empfangen kann, hat eben nicht verstanden, daß die Medizin inzwischen so komplex ist, daß die Mindestzahldiskussion in einigen Bereichen durchaus Sinn hat.

Nicht jeder Patient wird genau in eine der von mir genannten Kategorien passen, weil es immer wieder Grenzfälle geben wird. Trotzdem finde ich diese Einteilung sinnvoll, bzw. stelle sie hier zur Debatte. Vielleicht stellt sich ja auch heraus, daß die Einteilung doch nicht sinnvoll ist, wie ich es im Moment finde :-D
Außerdem muß sich Deutschland überlegen, wieviel Medizin es sich leisten will. Komplexe Tumorchirurgie an jeder Ecke? Schürfwunde in jeder Uniklinik behandeln lassen? Irgendwo in der Mitte wird die Wahrheit liegen. Und die Variante, für die sich Deutschland entscheidet, sollte diskutiert und dann zügig umgesetzt werden. Aber die wettbewerbsorientierte Marktbereinigung des Gesundheitswesens finde ich für alle Beteiligten (Patienten und Mitarbeiter) unwürdig und auch menschenverachtend.

daCapo
20.01.2020, 14:47
Ich würde mir das auch immer wünschen. Die traurige Realität holt mich nur ständig ein. Da sind diese Patienten die mit mehreren Wochen Rückenschmerzen in die Notaufnahme kommen weil sie keinen Termin beim niedergelassenen Orthopäden bekommen. Die sich dann weigern wieder nach Hause zu gehen

Das werden irgendwann Äpfel und Birnen die du vergleichst. Gehts um die Belegung und Bezahlung gesetzlich versicherter Patienten oder Privatpatienten? Was bei Privatpatienten gemacht wird ist wieder was völlig anderes. Da besteht ja alleine schon die Frage ob manche Diagnostik "notwendig" ist. Ich würd mich da in der Argumentation zurückhalten einfach um nicht in einem Durcheinander zu enden.

Apropos Durcheinander: ich war mal in einer Klinik in der wurden vor allem elektiv Kurzlieger operiert. OPs damit von Montag bis Freitag. Damit war Mittwoch bis Freitag der Höhepunkt der Belegung im Krankenhaus, und Sonntag/Montag der Tiefpunkt. Feiertage und vor allem so Sachen wie Weihnachten oder Ostern schlagen dann voll rein. Rein statistisch ist damit die Belegung in dem Krankenhaus teilweise ziemlich mies weil sich die Statistik auf die Durchschnittsbelegung bezieht. In der Realität waren die Betten von Mittwoch bis Freitag voll belegt. Dei spannende Frage ist doch was macht man aus der Statistik. Vermietet man die Betten von Sonntag bis Montag als Hotel an zahlende Gäste? Wer würde das wollen? Reißt man das Gebäude am Samstag ab um es am Dienstag wieder aufzubauen? Die Statistik zeigt dass die Durchschnittsbelegung nicht ausgelastet ist ist nicht falsch. Der Schluss dass es damit in dem entsprechenden Krankenhaus zu viele Betten gibt aber auch nicht richtig.
Und genau das ist es was man verstehen muss.

Ambulant Nicht einstellbare Schmerzen können ja durchaus ein Grund für eine Aufnahme sein, für den Pat. maximal schade, wenn es auch ambulant gegangen wäre.

In genau so einer Abteilung war ich auch: Letzendlich hätte man zahlreiche dieser Therapien auch ambulant durchführen können (werden sie auch in Spezialisierten Praxen). Die Patienten haben teilweise gefragt, warum sie stationär bleiben müssen, wenn es im Nachbargebäude ambulant geht: Man konnte es nicht anders abrechnen. Die Abteilung hatte keine Ambulanz hierfür.


. Abgesehen davon, dass viele ältere Patienten auch von ihren Angehörigen/Freunden abgeschnitten werden im Falle einer Hospitalisation, da die halt aufgrund verschiedener Gebrechen dann nicht mal eben 50km zu Oma Luise ins Krankenhaus fahren müssen. Das mag in Kleinstaaten wie Holland oder Dänemark ganz schnieke sein, in einem Flächenland klappt das nicht.
Aber Hauptsache ein Gesundheitsökonom kann sich auf die Schulter klopfen, wie toll er Geld gespart hat.
Diese ganze Sparwut wird uns noch furchtbar auf die Füsse fallen, die Pflegemangeldiskussion zur Zeit ist da nur der Anfang.

Die Niederlande sind größer als man denkt von Meer bis an die Ostgrenze sind es gern 3h Fahrt. Nebenbei gibt es auch Flächenländer wie GB/FR mit deutlich weniger Betten (faktisch alle vergleichbaren Staaten).



Ja, und in der Konsequenz sind die Notaufnahmen der verbliebenen Maximalversorger immer stärker überlastet. Kapiert das eigentlich niemand von den Entscheidungsträgern oder will es keiner kapieren?
Wenn Krankenhäuser geschlossen werden, werden die Kranken eben nicht weniger.

Hier ist der stärkste und dringlichste Reformbedarf in unserem Gesundheitswesen. Die Plakate der Politik mit 3 Pat. mit Husten und einem mit Schlaganfall/Herzinfarkt werden nicht ausreichen. Aber ist es da sinnvoll einfach mehr Krankenhäuser mit mehr Notaufnahmen zu errichten ?


Ich finde es unwürdig, dass sich das Gesundheitwesen durch Wettbewerb gesundschrumpfen soll (wobei die Frage natürlich ist, was noch gesund ist) und würde mir glasklare Vorgaben wünschen. Leider scheint das illusorisch zu sein. Aber ich denke trotzdem, daß es möglich ist, ein Konzept aufzustellen, in dem ziemlich klar definiert ist, in welchem Bereich ein Patient behandelt wird:

1. ambulant; also in einer Praxis oder Klinikambulanz

2. erweitert ambulant (z.B. in einer Tagesklinik oder durch einen Pflegedienst)

3. regional stationär bei: 1. leichteren Krankheitsbildern und 2. bei nicht mehr wirklich kurativem Ansatz (z.B. ständig dekompensierte Herzinsuffizienz, Wundmanagement, Palliativstation) 3. zeitkritischen Krankheitsbilden (STEMI, Schlaganfall).

4. Überregional für kompliziertere Krankheitsbilder/ Operationen. Z.B. Tumorchirurgie, onkologische Behandlungen, komplee Intensivmedizin.


Die Triage, durch deren Ergebnis bestimmt wird, wohin der Patient geht, darf selbstverständich nur von erfahrenen Ärzten durchgeführt werden, damit eben nicht das passiert, was Christoph_A geschrieben hat (internistische Frischlinge alleine in der ZNA) und was deutschlandweit vermutlich massenhaft Ressourcen verschleudert, weil Patienten unnütz aufgenommen werden, oder Erkrankungen verschleppt werden, weil die Patienten eben nicht aufgenommen worden sind, weil der Anfänger die Behandlungsnotwendigkeit nicht erkannt hat.
Daß kleine Krankenhäuser erhaltenwürdig sind, weil die Bevölkerung es sich so wünscht, sehe ich anders. Die Anspruchshaltung vieler Menschen ist uferlos und zusätzlich ist deren Meinung oft nicht durch Sachkenntnis getrübt. Wer für z.B. eine Whipple-OP oder für komplexe Tumorchirurgie lieber im kleinen Krankenhaus vor Ort bleiben möchte, damit er Besuch empfangen kann, hat eben nicht verstanden, daß die Medizin inzwischen so komplex ist, daß die Mindestzahldiskussion in einigen Bereichen durchaus Sinn hat.

Nicht jeder Patient wird genau in eine der von mir genannten Kategorien passen, weil es immer wieder Grenzfälle geben wird. Trotzdem finde ich diese Einteilung sinnvoll, bzw. stelle sie hier zur Debatte. Vielleicht stellt sich ja auch heraus, daß die Einteilung doch nicht sinnvoll ist, wie ich es im Moment finde :-D
Außerdem muß sich Deutschland überlegen, wieviel Medizin es sich leisten will. Komplexe Tumorchirurgie an jeder Ecke? Schürfwunde in jeder Uniklinik behandeln lassen? Irgendwo in der Mitte wird die Wahrheit liegen. Und die Variante, für die sich Deutschland entscheidet, sollte diskutiert und dann zügig umgesetzt werden. Aber die wettbewerbsorientierte Marktbereinigung des Gesundheitswesens finde ich für alle Beteiligten (Patienten und Mitarbeiter) unwürdig und auch menschenverachtend.

Ja das sehe ich genauso, vor allem ist es wichtig zu verstehen, dass das Gesundheitswesen nicht freie Marktwirtschaft ist und Gelder der Solidargemeinschaft nicht aus dem Fenster geworfen werden können. In der jetzigen Situation ist der Umgang damit sehr verschwenderisch.

Pflaume
20.01.2020, 16:27
or allem ist es wichtig zu verstehen, dass das Gesundheitswesen nicht freie Marktwirtschaft ist und Gelder der Solidargemeinschaft nicht aus dem Fenster geworfen werden können.

Da hast du was falsch verstanden oder bist einfach noch zu jung. *Gerade* Gelder der Solidargemeinschaft können hemmungslos aus dem Fenster geworfen werden.

Christoph_A
20.01.2020, 16:38
Die Niederlande sind größer als man denkt von Meer bis an die Ostgrenze sind es gern 3h Fahrt. Nebenbei gibt es auch Flächenländer wie GB/FR mit deutlich weniger Betten (faktisch alle vergleichbaren Staaten).

Also, das NHS als irgendeine Richtgröße für Qualität zu betrachten ist, gelinde gesagt, amüsant. Und wenn die Niederland groß sind, ist Bayern ein Weltreich:-blush
Weiters machst du den Fehler, Gesundheitssysteme, die nicht vergleichbar sind aufgrund der Fläche des Landes zu vergleichen, das bewegt sich bereits im Äpfel- und Birnenbereich der Gesundheitsökonomen. Der Neusozialist mit der Fliege der früher bei McKinsey war, wäre stolz auf Dich.
Wie Evil schon sagte, die Zahl der Krankenhäuser zu reduzieren bei gleichzeitig überalternder Bevölkerung, welche zuletzt sogar zunahm, anstatt demographisch vorhergesagt abzunehmen. Alles in allem eine Milchmädchenrechnung sondersgleichen.

daCapo
20.01.2020, 17:18
Die Lebenserwartung in Großbritannien ist genausohoch wie in Deutschland (sogar diskret höher), obwohl die Briten weniger KH-Betten haben, weniger Ärzte und weniger für ihr Gesundheitssystem ausgeben. Dasgleiche gilt für Frankreich. Die Niederlande hat ca. 17 Mio Einwohner, Bayern 13 Mio.

Diese Ansicht teile ich nicht. Ich kenne genug von den in den Artikel beschriebenen kleinen Häusern mit ihren Defiziten und entsprechenden Nachteilen für die Patienten. Dass zahlreiche Patienten nicht stationär sein müssen, aber trotzdem auf der Station sind, ist ein offenes Geheimnis.
Resourcen sind also viele vorhanden, aber ungünstig verteilt.


Da hast du was falsch verstanden oder bist einfach noch zu jung. *Gerade* Gelder der Solidargemeinschaft können hemmungslos aus dem Fenster geworfen werden.

Naja man wird ja noch träumen dürfen.

Evil
20.01.2020, 17:56
Hier ist der stärkste und dringlichste Reformbedarf in unserem Gesundheitswesen. Die Plakate der Politik mit 3 Pat. mit Husten und einem mit Schlaganfall/Herzinfarkt werden nicht ausreichen. Aber ist es da sinnvoll einfach mehr Krankenhäuser mit mehr Notaufnahmen zu errichten ?
Sicher nicht. Mit der Gießkanne unspezifische Kapazitäten zu fördern bringt genausowenig.
Das Problem ist, daß das DRG-System falsche Anreize setzt, so wie die vorherige Vergütung ebenfalls falsche Anreize setzte (aber in anderer Hinsicht). Ich habe keine Patentlösung (wenn ich die hätte, würde ich als Gesundheitsminister kandidieren), halte aber eine schwedische oder britische Lösung eher für schlechter. Mag sein, daß die nach den puren Zahlen etwas besser aussehen, daher stelle ich abermals die Frage: Ist Statistik alles?

Denn:

Die Lebenserwartung in Großbritannien ist genausohoch wie in Deutschland (sogar diskret höher), obwohl die Briten weniger KH-Betten haben, weniger Ärzte und weniger für ihr Gesundheitssystem ausgeben.
Und die Briten finden ihr Gesundheitssystem so geil, daß sie mit dem Versprechen, daß es verbessert wird, für den Brexit gestimmt haben :-))
Soviel dazu...

daCapo
20.01.2020, 18:52
halte aber eine schwedische oder britische Lösung eher für schlechter. Mag sein, daß die nach den puren Zahlen etwas besser aussehen, daher stelle ich abermals die Frage: Ist Statistik alles?

Denn:
Und die Briten finden ihr Gesundheitssystem so geil, daß sie mit dem Versprechen, daß es verbessert wird, für den Brexit gestimmt haben :-))
Soviel dazu...

Das sehe ich anders. Ich empfinde das Gesundheitssystem in Deutschland nicht als einzigartig menschlich, freundlich, kooperativ, sozial, gut organisert, es gibt eine eher dünne Personaldecke, Weiterbildung durchschnittlich usw. ; man kann damit leben.

Eine inzwischen ab und zu anzutreffende Kompromißlösung ist es kleine Krankenhäuser unter die Verwaltung eines großen Krankenhauses zu stellen, um so Resourcen zu sparen und Patienten optimal zu versorgen z.B. hat die Uniklinik Münster das KH in Steinfurt gekauft.

Die Briten sind damals nicht aus idealistischen Gründen beigetreten, sondern weil ihr Wirtschaft mit der Deindustrialisierung nicht zu Recht kam. Wer weiß, ob sie nach diesen ganzen Diskussionen/und noch weitergehenden Diskussionen nochmal austreten würden. Aktuell hört man von Salvini, LePen, AfD nix mehr von EU Austritt.

Evil
20.01.2020, 19:40
Das sehe ich anders. Ich empfinde das Gesundheitssystem in Deutschland nicht als einzigartig menschlich, freundlich, kooperativ, sozial o.ä.
Das ist es sicher nicht, wobei man es aber auch nicht schlecht reden sollte.
Warst Du schonmal in GB? Es geht immer noch schlechter...

FirebirdUSA
20.01.2020, 21:39
Obwohl die NHS Leitlinien zur Diagnostik durchaus gut sind und hierzulande auch einiges an Überdiagnostik vermeiden könnten

anignu
20.01.2020, 22:24
Dass zahlreiche Patienten nicht stationär sein müssen, aber trotzdem auf der Station sind, ist ein offenes Geheimnis.
Nicht mal ein Geheimnis. Wenn ambulante Strukturen nicht vorhanden sind oder nicht ausreichend dann werden die Patienten stationär behandelt.

Und wenn die Niederland groß sind, ist Bayern ein Weltreich:-blush
Bayern IST ein Weltreich. Aber das ist Off-Topic hier und eigentlich braucht das auch nicht erwähnt zu werden. Wissen eh alle.

Ich bin kein Neurologe, aber niedergelassener Kardiologe, also auch durchaus mit "Wiedergängern" gesegnet. Wir klären bereits vieles mit "guter ambulanter Versorgung", jedoch ist es so, dass wir der Patientenflut, die durch unsere Tür bricht, nicht immer Herr werden können. Viele dieser Wiedergänger sind Patienten, die eigentlich stationär aufgenommen gehören (RR Einstellung bei rezidivierenden hypertensiven Entgleisungen, mäßige kardiale Dekompensationen etc.), aber aufgrund nicht vorhandener Klinikkapizitäten oder einfach überforderter Notaufnahmeassis (was ich verstehen kann, wenn man sich z.B. die frisch gebackene Uniklinik vor meiner Haustüre ansieht, die 2. Jahresassis alleine mit 80 Notfallpatienten pro schicht werkeln lässt) einfach wieder weggeschickt werden und dann als "Notfälle" unseren Praxisalltag durcheinander bringen. Wer mehr in die ambulante Versorgung outsourcen will, muß diese auch fördern und nicht nur motzen, wenn Termine nicht am nächsten tag vorhanden sind. Den Vogel abgeschossen hat da unser Ex Bundesgesundheitsminister mit seiner genialen Ansage, dass jeder Patient, der 4 Wochen keinen FA Termin hatte eine Notaufnahme aufsuchen kann. Hat die Kollegen da sicher gefreut....
Vielen Dank für diesen Beitrag.
So wir ich als Krankenhausarzt merke dass teils die ambulante Versorgung nicht funktioniert (ich merke es vor allem im Bereich der ambulanten Wundversorgung bei "meinen" Gefäßpatienten oder bei chronischen orthopädischen Problemen in der Notaufnahme) so merken offensichtlich die Niedergelassenen dass Probleme bei der stationären Versorgung oder den Notaufnahmen gibt.
Und was wird als Lösungen vorgeschlagen? Pauschale Kürzungen wegen was auch immer? Klingt nach einem hochdifferenzierten Plan. Das ist das Niveau das ich von einem Akademiker erwarte... NICHT.

Christoph_A
21.01.2020, 08:45
Eine inzwischen ab und zu anzutreffende Kompromißlösung ist es kleine Krankenhäuser unter die Verwaltung eines großen Krankenhauses zu stellen, um so Resourcen zu sparen und Patienten optimal zu versorgen z.B. hat die Uniklinik Münster das KH in Steinfurt gekauft.

Das klappt sicher super, wenn ein großes Krankenhaus ein kleines übernimmt. Das Ergebnis hiervon ist, daß in der kleinen Bude alle Patienten outgesourced werden, die DRG technisch irrelevant sind, man massiven Personalabbau betreibt und dann als Feigenblättchen dafür das Personal des anderen KH moderat aufstockt. Hilft weder den Patienten noch dem kleinen Haus, das als reines Abschreibungsobjekt herhalten muß.

Christoph_A
21.01.2020, 08:49
Vielen Dank für diesen Beitrag.
So wir ich als Krankenhausarzt merke dass teils die ambulante Versorgung nicht funktioniert (ich merke es vor allem im Bereich der ambulanten Wundversorgung bei "meinen" Gefäßpatienten oder bei chronischen orthopädischen Problemen in der Notaufnahme) so merken offensichtlich die Niedergelassenen dass Probleme bei der stationären Versorgung oder den Notaufnahmen gibt.
Und was wird als Lösungen vorgeschlagen? Pauschale Kürzungen wegen was auch immer? Klingt nach einem hochdifferenzierten Plan. Das ist das Niveau das ich von einem Akademiker erwarte... NICHT.

Jup, aber die Klatschpappen mit ihren BWL Diplömchen und sogenannten Gesundheitsökonomen denken tatsächlich so.
Anstatt sich einfach mal gedanken über eine besser Steuerung der Patientenströme oder Verzahnung der ambulanten wie stationären Versorgung zu machen, wird einfach tumb beschlossen, dass man sparen muss. Und dann wird gejault, wenn auf einmal schlechte Presse (wie bei dem von mir beschriebenen Fall mit dem Kind, welcher ja aufgrund personalabbaubedingter Stationsschließungen passierte) und schnell ein anderer Schuldiger gesucht.

Evil
21.01.2020, 14:56
Obwohl die NHS Leitlinien zur Diagnostik durchaus gut sind und hierzulande auch einiges an Überdiagnostik vermeiden könnten
Klar, positive Apekte kann man immer übernehmen, ich bin auch ein großer Fan von "choose wisely".
Das Gesamtsystem NHS finde ich nicht überzeugend.

daCapo
21.01.2020, 18:38
Das ist es sicher nicht, wobei man es aber auch nicht schlecht reden sollte.
Warst Du schonmal in GB? Es geht immer noch schlechter...

Yup war ich schon, find nicht, dass es schlechter ist: Positiv vor allem: Gute effiziente Leitlinien, professionelle Zusammenarbeit mit Kollegen, anderen Berufsgruppen, Vorgesetzten. Ob ein Consultant einen Mitarbeiter (aich in einem konservativen Fach) beleidigen kann oder anschreien kann ohne Konsequenzen? Kann es mir kaum vorstellen. Weiterbildung ist dort allerdings deutlich schwieriger zu erwerben.


Obwohl die NHS Leitlinien zur Diagnostik durchaus gut sind und hierzulande auch einiges an Überdiagnostik vermeiden könnten

Überdiagnostik und Übertherapie, auch zahlreiche durch den NHS durchgeführte Studien sind wegweisend.


Das klappt sicher super, wenn ein großes Krankenhaus ein kleines übernimmt. Das Ergebnis hiervon ist, daß in der kleinen Bude alle Patienten outgesourced werden, die DRG technisch irrelevant sind, man massiven Personalabbau betreibt und dann als Feigenblättchen dafür das Personal des anderen KH moderat aufstockt. Hilft weder den Patienten noch dem kleinen Haus, das als reines Abschreibungsobjekt herhalten muß.

Nö so ist das nicht, wie man in dem KH in Steinfurt sieht. Auch die Radiologie der Uniklinik Essen versorgt beispielsweise mehrere Kliniken im Ruhrgebiet mit Dependancen (z.B. Elisabeth KH, KH Mülheim). Angesicht von Personalmangel bei patientenversorgenden Berufen, wäre es ja sehr merkwürdig Personalabbau zu betreiben. Für die Mitarbeiter hat es eher den Vorteil sich einfach weiterbilden zu können oder innerhalb eines großen Unternehmens zu wechseln (vor allem für die Pflege, MFA, MTA interessant). Hier fallen doch direkt zahlreiche Chefarztpositionen weg, die Gelder frei machen: z.B. hat die Radiologie Zugriff auf einen Personalstamm und Spezialgeräte in einem großen Haus. Wenn es gut organisiert ist, finde ich dieses Konzept eines großen KH mit mehreren kleinen peripheren Dependancen im Umland gut.

John Silver
21.01.2020, 18:47
Nur mal eine kleine Anekdote für NHS-super-Finder: Eine Studie zur Hämorrhoidentherapie wurde durchgeführt, bei der festgestellt wurde, dass Ligaturen nach Barron der Stapler-Hämorrhoidopexie ebenbürtig seien, da die Erfolgsraten vergleichbar waren. Ergebnis: Stapler bäh, ab jetzt nur noch Ligaturen. Klingt toll und spart viel Geld; dumm nur, dass in dieser Studie insgesamt nur ca. 40% aller Patienten im OP-Arm eine Indikation zur Stapler-OP aufwiesen (35% Befunde 1. und 2. Grades, somit Stapler als Übertherapie anzusehen, was seit vielen Jahren eh Konsens ist; 25% Befunde 4. Grades, somit Stapler kontraindiziert und ein Erfolg nicht zu erwaten).

Soviel zur tollen Qualität. Es ging nur darum, die teurere Methode mit billigen Tricks zu diskreditieren und von der Liste zu streichen.

daCapo
21.01.2020, 19:38
https://www.nhsdirect.wales.nhs.uk/livewell/LifestyleWellbeing/Alcohol

Ob das alles über Alkohol so stimmt? :-party

Autolyse
22.01.2020, 11:14
Jup, aber die Klatschpappen mit ihren BWL Diplömchen und sogenannten Gesundheitsökonomen denken tatsächlich so.
Anstatt sich einfach mal gedanken über eine besser Steuerung der Patientenströme oder Verzahnung der ambulanten wie stationären Versorgung zu machen, wird einfach tumb beschlossen, dass man sparen muss. Und dann wird gejault, wenn auf einmal schlechte Presse (wie bei dem von mir beschriebenen Fall mit dem Kind, welcher ja aufgrund personalabbaubedingter Stationsschließungen passierte) und schnell ein anderer Schuldiger gesucht.
Als würde die Teppichetage im Gesundheitswesen auch die Besten anziehen und nicht eher den Bodensatz...

Christoph_A
22.01.2020, 11:22
Als würde die Teppichetage im Gesundheitswesen auch die Besten anziehen und nicht eher den Bodensatz...

Komm, jetzt sei mal nicht so, in meiner alten Klinik war die Verwaltungsdirektorin immerhin gelernte Tourismusfachfrau, da kann man jetzt nicht über mangelnde Expertise mäkeln.....:-D

Autolyse
22.01.2020, 16:02
Der Bereich Hotellerie ist in allen Patientenbefragungen sowieso immer derjenige, der besonders schlecht abschneidet. Insofern nachvollziehbar, dass man da Akzente setzt. In das bisschen Rest kommt man schon rein.

Mukopolysaccharid
23.01.2020, 14:34
https://www.br.de/nachrichten/bayern/aufschrei-junger-aerzte-zu-hohe-arbeitsbelastung-in-kliniken,RnpVvng