Wirbelsäulenbeschwerden zählen zuden häufigsten Gründen einer ambulanten Krankenbehandlung. Schätzungen gehen davon aus, dass der Anteil am Patientenaufkommen inorthopädischen Praxen über 50% beträgt. Volkswirtschaftliche Berechnungen geben die in Deutschland jährlich durch Wirbelsäulenschmerzen verursachten Kosten mit bis zu 35 Mrd. Euro an. Daher ist eine effiziente und adäquate Diagnostik zur Beurteilung und Planung weiterführender orthopädischer und unfallchirurgischer Maßnahmen unerlässlich. Diese Arbeit gibt eine Übersicht über die aktuell verfügbaren bildgebenden Verfahren und deren Stellenwert bei der Diagnostik von Wirbelsäulenerkrankungen(s. Tab. 1).
Technik:
Projektionsradiographie
Die Projektionsradiographie (CR) der Wirbelsäule in zwei Ebenen (a.p. undseitliche Projektion) stellt nach wie vor die Standarduntersuchung dar und sollte als initiale Basisdiagnostik erfolgen(s. Tab. 1). Hierauf können die knöchernen Strukturen der Wirbelsäule, die Stellung der einzelnen Wirbelkörper und deren Alignement beurteilt werden. Zielaufnahmen und Spezialaufnahmen, u.a. die des Dens axis, werden zu besseren Beurteilung des kraniozervikalen Überganges mit geöffnetem Mund im a.p. Strahlengang durchgeführt. Zur Beurteilung segmentaler Blockierungen oder Instabilitäten können Funktionsaufnahmen in Retro-und Anteflexion ergänzend durchgeführt werden. Wirbelsäulenganzaufnahmen mit Abbildung der Beckenkämme werden zum Nachweis skoliotischer Fehlhaltungendurchgeführt. Da die CR einem Summationsbild entspricht, können einige Abschnitte der Wirbelsäule durch die sie umgebenden Organe und knöchernen Strukturen häufig nicht in ausreichender diagnostischer Qualität abgebildet werden. Diese Regionenbetreffen vor allem den zervikothorakalen Übergang durch Überlagerung der Schultern sowie die Sakroiliakalgelenke. Zur überlagerungsfreien Darstellung dieser Strukturen eignet sich die CT, die heute vorzugsweise als MDCT durchgeführt wird.
Computertomographie
Die computertomographische (CT-)Untersuchung der Wirbelsäule sollte als dünnschichtiger axialer Rohdatensatz mit einer Primärschichtdicke von 0,5–1,25 mm generiert werden, um für sekundäre Rekonstruktionen die bestmögliche Bildqualität zu gewährleisten. Routinemäßig werden axiale Rekonstruktionenbei knöchernen Fragestellungen mit einem kantenangehobenen Faltungskern, zur Darstellung der Weichteile und der Bandscheiben mit einem glättenden Kernin einer Schichtdicke von 2–3 mm empfohlen. Neben axialen Schnittbildern werden stets zweidimensionale multiplanare Rekonstruktionen (MPR) in sagittalen und koronaren Ebenen sowie beispeziellen Fragestellungen dreidimensionale Rekonstruktionen als „surface shadeddisplay“ (SSD) und „volume rendering“(VRT) angefertigt. Die enorme Innovatio nund breite Verfügbarkeit hat den Einsatz der MDCT in der Akut- und Notfalldiagnostikvon Wirbelsäulenerkrankungen ermöglicht; die Projektionsradiographieals diagnostisches Mittel der Wahl wurde durch sie bereits teilweise abgelöst(s. Tab. 1).
- Die MDCT hat die Projektionsradiographie als diagnostisches Mittel der Wahl teilweise abgelöst
Eine Applikation von intravenösem Kontrastmittel kann zur Abgrenzung entzündlicher und tumoröser Prozesse beitragen, eine strenge Indikationsstellung zur CT besteht bei Kindern und Jugendlichen, eine Kontraindikation für Schwangere.