Die Preise für Medikamente sind in den Ländern der EU nicht einheitlich. Schon allein die äußerst unterschiedlichen Vertriebswege und Mehrwertsteuerregelungen sorgen dafür.
Um eine Einschätzung für das Preisniveau in verschiedenen Ländern zu bekommen, sind systematisch Preisvergleiche quer durch das Arzneimittelsortiment aussagekräftiger als das Vorführen von willkürlich gewählten Einzelbeispielen. Einen solchen systematischen Preisvergleich hat das Forschungsinstitut SNF2009 für das norwegische Gesundheitsministerium erarbeitet. Hier zeigt sich, dass Arzneimittel in Deutschland nicht teurer als in vielen anderen Industriestaaten sind. Die deutschen Preise sind vielmehr im Mittelfeld der verglichenen Länder, gleichauf mit Österreich, Schweden und Dänemark. Untersucht wurden die Preise von Medikamenten mit den 200 meist verkauften Wirkstoffe in zehn europäischen Staaten.
Wie Apothekenpreise zustande kommen: Nur 57 % bekommt der Hersteller
Eine wesentliche Preiskomponente ist die Mehrwertsteuer. Deutschland hat dabei mit einem MwSt.-Satz von 19 % die dritthöchste Besteuerung von zulasten der Krankenkassen verordneten Medikamenten in der ganzen EU. Höher ist der Wert nur noch in Dänemark (25 %) und in Irland für Medikamente, die nicht geschluckt werden können (21 %); in fast allen anderen europäischen Ländern gibt es für sie hingegen eine erniedrigte oder gar keine Mehrwertsteuer. Die Länder erkennen damit an, dass es sich bei Medikamenten um Versorgungsgüter besonderer Art handelt, die nicht mit gehobenen Konsumgütern gleichzusetzen sind.
Mehrwertsteuersätze für Arzneimittel in Europa
- Dänemark: 25 %
- Irland: 21 % für nicht-oral einnehmbare Arzneimittel; sonst 0%
- Deutschland: 19 %
- Slowakische Republik: 19 %
- Italien: 10 %
- Slowenien: 8,5 %
- Griechenland: 8 %
- Finnland: 8 %
- Polen: 7 %
- Niederlande: 6 %
- Belgien: 6 %
- Portugal: 5 %
- Ungarn: 5 %
- Lettland: 5 %
- Tschechische Republik: 5 %
- Estland: 5 %
- Spanien: 4 %
- Luxemburg: 3 %
- (Schweiz: 2,4 %)
- Frankreich: 2,1 % auf erstattungsfähige, 5,5 % auf die übrigen Arzneimittel
- Österreich: 0 % auf erstattungsfähige, 20 % auf die übrigen Arzneimittel
- Schweden: 0 % auf verschreibungspflichtige Arzneimittel, sonst 25 %
- Großbritannien: 0 % auf Arzneimittel, die im Rahmen des National Health Service verordnet wurden, sonst 17,5 %
- Litauen: 0 Prozent auf verschreibungspflichtige Arzneimittel, sonst 5 %
- Malta: 0 %
- Zypern: 0 %
Quelle: Europäische Kommission |
Insgesamt machen Steuern und Rabatte am deutschen Apotheken-Endpreis von Medikamenten in Deutschland sogar nicht nur 19 %, sondern 24 % aus. Weitere Preiskomponenten sind die Margen der Apotheker (15 %) und Großhändler (4 %), so dass der Hersteller nur 57 % des Endpreises einnimmt.