Interview mit Christian Helbig (Arzt im Praktikum)
Das Medizinstudium - Interview mit praktizierenden Ärzten
Redaktion (MEDI-LEARN)
Wir möchten in der Reihe "Interview mit Ärzten" an dieser Stelle das Gespräch mit Herrn Christian Helbig (Arzt im Praktikum) veröffentlichen, der unseren kleinen Fragenkatalog wie folgt beantwortet hat.
Beschreiben Sie bitte kurz Ihren studentischen Werdegang (Studienort, Studienverlauf, Studienzeit etc.). An welche Höhepunkte und auch Tiefpunkte während des Studiums erinnern Sie sich noch heute? WelcheFächer haben Ihnen besonders, welche eher weniger gefallen?
Begonnen habe ich mein Studium im WS 1995 in Würzburg (Wunsch-Uni). Prima Einführung durch die Erstsemestertage. Leider musste ich mein Studium nach dem zweiten Semester für ein Jahr unterbrechen (Zivildienst) und mich exmatrikulieren. In dieser Zeit konnte ich mich dafür ausgiebig auf den Präpkurs vorbereiten und das Eingangstestat vorziehen. So blieb mir zu Beginn des 3. Semesters etwas mehr Luft. Die Höhepunkte waren sicherlich das Bestehen des Physikums und der beiden letzten Staatsexamina. Ewig in Erinnerung werden mir aber auch der Präpkurs, die erste OP-Teilnahme usw. bleiben. Echte Tiefpunkte blieben mir (abgesehen von der zwangsmäßigen Unterbrechung) erspart. Ich habe das Studium nach 13 Semestern beendet, wobei ich ein Freisemester zur Vorbereitung auf das 3. Stex und für meine Doktorarbeit nahm.
Meine Lieblingsfächer in der Vorklinik waren ganz klar Anatomie und Physiologie, die meisten anderen sah ich eher als lästige Pflichtübung. Sicher, das Auswendiglernen irgendwelcher Knochenvorsprünge und Muskelansätze ist nicht unbedingt spannend. Aber die Möglichkeit, den menschlichen Körper im Präpkurs bis ins Detail kennenzulernen und damit die Grundlage für das Verständnis der Funktionen und Krankheiten der einzelnen Organe zu schaffen, entschädigt allemahl für die viele Lernerei. Auch das Physiologie-Praktikum hat mir größtenteils viel Spaß gemacht. Diese beiden Fächer sind in der Vorklinik halt fast die einzigen, die ungefähr meiner Vorstellung von einem Medizinstudium entsprachen.
Nach dem Physikum konnte ich mich besonders für Ortho, Pharma, Radio und Innere begeistern. Als begeisterter Freizeitsportler habe ich mich schon immer sehr für die Orthopädie interessiert. Pharmakologie und Radiologie sind Disziplinen, die man in allen Fächern brauchen kann und von großem praktischen Nutzen sind. Mit der Inneren habe ich mich erst im Laufe des Studiums angefreundet. Anfangs war mir das alles irgendwie zu schwammig und konfus. Man wird von der Wissensmenge, die da auf einen einströmt, erst mal erschlagen. Am Ende meines Studiums sah ich das anders. Dank der mündlichen Prüfungen im 2. und 3. Staatsexamen war ich gezwungen, mich eingehender mit diesem großen Fach zu befassen. Zusammen mit meinem PJ-Tertial hat das wesentlich dazu beigetragen, daß ich mittlerweile v.a. die Kardiologie für eines der ineressantesten Gebiete der Medizin halte.
Was haben Sie am Tag Ihres 3. Staatsexamen(s) gemacht, nachdem Sie die Prüfung erfolgreich hinter sich gelassen und damit das Medizinstudium abgeschlossen hatten?
Gefeiert bis zum Abwinken, was sonst?! Zunächst verspürte ich ein großes Gefühl der Erleichterung. Es hat aber noch einige Zeit gedauert, bis ich einigermaßen realisiert habe, daß jetzt das Studium vorbei sein soll. Anschließend hat sich zur Erleichterung auch ein wenig Unsicherheit gesellt...