Wir möchten in der Reihe "Interview mit Ärzten" an dieser Stelle das Gespräch mit Frau Dr. med. Andrea Weinbrenner (Ärztin im Praktikum) veröffentlichen, die unseren kleinen Fragenkatalog wie folgt beantwortet hat.
Beschreiben Sie bitte kurz Ihren studentischen Werdegang (Studienort, Studienverlauf, Studienzeit etc.). An welche Höhepunkte und auch Tiefpunkte während des Studiums erinnern Sie sich noch heute?
Begonnen habe ich mein Studium 1995, direkt nach dem Abitur - und nach dem Krankenpflegepraktikum -, an der Universität Düsseldorf. Dort habe ich dann auch mein gesamtes Studium verbracht.
Das Physikum habe ich planmäßig nach vier Semestern Vorklinik absolviert, 1.Staatsexamen dann 1998 und das 2. Staatsexamen dann 2001. Vor dem 2.Stex habe ich mir ein Semester „freigenommen“ zum Lernen und um meine Doktorarbeit fertig zu schreiben.Meine Dissertation habe ich in der Gefäßchirurgie gemacht, war eher ein Zufall, nachdem ich lange gesucht hatte und mit mehreren potentiellen Doktorvätern gesprochen hatte bin ich da einem Aushang gefolgt. Ich habe zwar mehrmals Punkte gehabt,an denen ich dachte, ich könnte alles wieder hinschmeissen, weil entweder Patienten oder Doktorvater nicht erreichbar waren oder irgendwelche anderen Probleme auftraten, aber ich hab es dann doch durchgezogen und die Arbeit bis zum PJ fertig gehabt, nach dem 3.Stex eingereicht (geht in Düsseldorf leider nicht eher) und dann schon im AiP den "Dr." gehabt.
Das PJ habe ich in einem Lehrkrankenhaus der Uni Düsseldorf in Duisburg gemacht (siehe auch mein
Erfahrungsberichtzum PJ), im April 2002 habe ich dann dort das 3.Staatsexamen gemacht.
„Höhepunkte“ waren sicherlich in der Vorklinik der Präpkurs, weil er unheimlich viel Zeit gekostet hat (drei lange Nachmittage pro Woche im Formalinduft, drei Testate die einen ziemlichen Lernaufwand und Stress bedeutet haben) und das Physikum als erste wirkliche Hürde.
Absolute Tiefpunkte im Medizinstudium, an denen ich über einen Studienwechselnachgedacht habe oder arg frustriert war, gab es die? Nein, eigentlich nie. Solche Gedanken kamen mir erst zuBeginn des AiP nach dem Studium - sozusagen der "Realitätsschock"...
Welche Fächer waren im Studium Ihre Lieblingsfächer und was hat Ihnen daran gefallen?
Mein Lieblingsfach der Vorklinik war Anatomie, v.a. die makroskopische und der ZNS-Kurs.Wahrscheinlich liegt es einfach daran, weil hier der meiste Praxisbezug zu erkennen war und weil Präparieren irgendwie doch spannender ist als in Physik irgendwelche Schaltungen zu bauen ;-)
In der Klinik fand ich eigentlich fast alle Kurse mit bedside-teaching gut (Innere, Chirurgie, Pädiatrie), leider war hier aber oft alles trotzdem sehr theoretisch und die Gruppen viel zu groß als das man wirklich praktische Dinge erüben konnte.
Welche Fächer haben Sie im Studium eher überhaupt nicht gemocht und warum haben Sie Ihnen missfallen?
In der Vorklinik habe ich v.a. mit Physik und Chemie gekämpft, weil ich nur wenig Grundlagenwissen und noch weniger Interesse an diesen Fächern hatte. Auch waren hier die Kurse z.T. so extrem langweilig gestaltet und die Motivation der Tutoren extrem niedrig...
In der Klinik fand ich dann Pharma sehr öde weil es einfach nur stundenlanges Zuhören erforderte. Biomathematik/Statistik war auch so ein Fach (wobei ich mir dann beim Schreiben der Doktorarbeit gewünscht hätte, doch mal in die Vorlesung gegangen zu sein...).
Was haben Sie am Tag Ihres 3. Staatsexamen(s) gemacht, nachdem Sie die Prüfung erfolgreich hinter sich gelassen und damit das Medizinstudium abgeschlossen hatten?
Direkt nach der Prüfung habe ich erstmal mit den Ärzten der Station wo ich mein Wahlfach gemacht habe angestoßen, dann –nachdem auch die anderen zwei Prüflinge nach mir fertig waren- haben wir zu viert weiter gefeiert (was damit unsere gesamte PJ-Gruppe war – eben ein kleines Lehrkrankenhaus...).
Am nächsten Tag –als ich es irgendwie immer noch nicht fassen konnte das nun alles vorbei war –habe ich dann mit dem lästigen Verwaltungskram begonnen (Berufserlaubnis, Haftpflicht, Meldung bei der Ärztekammer etc.) und natürlich meinen Urlaub geplant!