teaser bild

Benutzername:

Passwort:

Jetzt registrieren

Passwort futsch!?

;-)

Famulatur in Panama

Klinikeinblicke aus Mittelamerika

Patrik Roser

Sprache, Bevölkerung und Gesellschaft: als Fremder wird man sofort integriert

Die offizielle Landessprache Panamás ist Spanisch. Trotz der langjährigen und immer noch bestehenden kanalbedingten Anwesenheit der US-Amerikaner spielt die englische Sprache im Alltag keine Rolle und wird auch von den meisten Panamesen nicht gesprochen. Im Hospital Nacional trifft man auf manche Ärzte, die der englischen Sprache mächtig sind, aber sie sind nicht unbedingt die Regel. Folglich sind für eine Famulatur in Panamá Spanischkenntnisse unabdingbar. Anfangs kann man sich mit dem schnellen und verwaschenen Akzent und einigen landesspezifischen Vokabeln etwas schwer tun, aber dieser Umstand legt sich mit der Zeit. Die multikulturelle Gesellschaft Panamás mit ihren 3,5 Mio. Einwohnern spiegelt die Geschichte des Landes wider. Die Bevölkerung setzt sich zu 67 % aus Mestizen und Mulatten, zu 14 % aus Schwarzen, zu 12 % aus Weißen, zu 5 % aus Indianern und zu 2 % aus Asiaten zusammen. Kolonisation, Sklaverei, Kanalbau und Wirtschaftsimigration trugen zu diesem bunten Bild bei. Anfängliche Rassendifferenzen wurden mit der Zeit beigelegt, die diversen ethnischen Gruppen verständigten sich zu einem größtenteils friedlichen Zusammenleben. Insofern fiel man als Ausländer auch gar nicht auf.

Gelauscht (Foren)

Famulaturen
Das panamesische Volk zeichnet sich durch ein hohes Maß an Offenheit, Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft aus. Als Fremder wird man sofort integriert. Die Freude an der Kommunikation zeigt sich nicht selten bei der Lösung von Problemen und half mir oft weiter. Fremde und Freunde werden konsultiert, die wiederum in ihrem Bekanntenkreis völlig uneigennützig tätig werden. Diese Angewohnheit der Panamesen erleichtert das Kennenlernen von Einheimischen ungemein und fördert den permanenten und konstruktiven Diskurs mit den Menschen. Die Fröhlichkeit und Gelassenheit des Volkes, die sich auch und gerade an Karneval offenbart, darf aber über die Tatsache, daß es sich um ein Entwicklungsland handelt, nicht hinwegtäuschen. Fast 50% der panamesischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze in den Slums von Panamá-Stadt und Colón als auch über das Land verstreut. Panamá hält sich zwar mit dem Export von Bananen, Rohrzucker und Kaffee über Wasser, und auch der stetige Ausbau des Finanzdienstleistungssektors und die Kanalverwaltung tragen zum Einkommen bei, dennoch rangiert das Land noch immer als „Dritte-Welt-Land“. Eine Lösung sieht der Staat im Ausbau der Tourismusbranche, der infolge der schwachen Infrastruktur nur sehr zögerlich anläuft. Es bleibt abzuwarten, ob sich die hohen Erwartungen des Landes an einen zukünftigen Tourismusboom (mit all seiner Problematik) erfüllen. Ich jedenfalls habe die Unberührtheit fernab des Massentourismus sehr genossen.

Gesundheitssystem

Die Krankenhäuser des Landes werden entsprechend der Ausstattung in drei Stufen eingeteilt. Auf dem Land dominieren die Krankenhäuser der untersten Stufe mit einfachster Ausstattung, ihnen stehen die Krankenhäuser mittleren und hohen Standards der Hauptstadt gegenüber. Ähnlich verhält es sich mit den Krankenversicherungen, die nicht obligat sind. Die Hälfte der panamesischen Bevölkerung verfügt über keinen Versicherungsschutz und wird folglich nur in staatlichen Krankenhäusern behandelt. Die Behandlung bezahlt in diesen Fällen der Staat. Die zweite Hälfte ist entweder staatlich (seguro social) oder privat krankenversichert. Entsprechend besser ist dann auch die Behandlung. So ist es nicht verwunderlich, daß die meisten Absolventen – auch in finanzieller Hinsicht - in der Hauptstadt, die die Hälfte der Bevölkerung ausmacht, bleiben wollen. Die Hauptstadt bietet mit ihren drei Universitäten landesweit die einzige Möglichkeit, Medizin zu studieren. Um dieser Bewegung entgegen zu wirken und die Versorgung des Landesinneren sicher zu stellen, ist jeder Absolvent verpflichtet, ein Jahr des zweijährigen „internado“ (ähnlich dem AiP) außerhalb der Hauptstadt zu verbringen.
Weiter
auf Seite