Famulatur in Schottland
Royal Infirmary of Edinburgh
Alex Thies
Schon vor einiger Zeit, genauergesagt letztes Jahr im März beschloss ich, eine Famulatur in Edinburgh zu machen. Ich kannte die Stadt von einem dreitägigen Kurzbesuch und war schon damals begeistert gewesen.Also machte ich mich daran, Möglichkeiten zu suchen, dort an einen Platz als Famulant zu kommen. Über irgendwelche Organisationen ging’s nicht, da ich keinen Nachweis über meine mittelmäßigen Englischkenntnisse erbringen konnte.
Ich hatte zwar einen Kurs in Medical English zu beginn meines Studiums belegt, diesen aber schon nach recht kurzer Zeit wieder abgebrochen, da wir mehr als 35 Leute in dem Kurs waren und man dem entsprechend wenig gelernt hat. Daher bewarb ich mich direkt an der Uni in Edinburgh bei der Electives’ Secretary (Adresse am Ende des Berichtes). Diese schickte mir dann die entsprechenden Bewerbungsunterlagen zu, so dass ich wusste, was ich alles so besorgen musste(Empfehlungsschreiben vom Dekan, vollständiger Impfpass incl. Impfung gegen Rubella etc.).
Bei meinem ersten Anlauf hatte ich leider kein Glück. Ich bewarb mich Ende März’00 für den folgenden September. Leider zu kurzfristig um in Edinburgh angenommen zu werden. Der Run auf die Plätze ist sehr hoch, so dass man sich möglichst mindestens ein Jahr vorher bewerben sollte. Ich versuchte es nach der Absage, die recht zügig(nach ca. 2 wochen) kam, ein weiteres mal für Februar’01 und bekam einen Platz in der Anästhesie. Man sagte mir, dass das restliche Jahr schon ausgebucht sei!!!
Anästhesie kam mir eigentlich sehr entgegen. Zum einen hatte ich dort vorher noch keine Famulatur gemacht, und zum anderen war ich mir nicht sicher, wie weit meine Englischkenntnisse bei dem recht starken schottischen Akzent reichen würden im Umgang mit den Patienten (Anamneseerhebung etc). Das fiel in der Anästhesie ja nun weitestgehend weg. Wäre aber mit der Zeit wohl auch kein Problem gewesen, man gewöhnt sich an die Aussprache, auch wenn ich einige Leute, selbst wenn sie langsam gesprochen haben, absolut überhaupt nicht verstanden habe. Zu 90% ging’s ganz gut.
Nach der Ankunft
Ich kam also an einem total verregnteten Wochenende in Edinburgh an, hatte mir vorher für die erste Woche ein Bett in der Jugendherberge reserviert und wusste erst mal nicht so recht, wo ich hin sollte. Doch dieses Gefühl verging recht schnell. Ansich sind die Briten ja nun auch nicht unbedingt für ihre Offenherzigkeit bekannt, doch dieses Urteil musste ich schnell revidieren. Schon in den ersten paar Tagen haben mich so viele Leute im Krankenhaus darauf angesprochen, ob ich denn nun schon eine Unterkunft hätte, ob sie mir eventuell helfen sollten usw., dass ich von so viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit völlig überrascht war.
Glücklicherweise musste ich auch nur 4 Tage in der Jugendherberge verbringen, bis ich ein privates Zimmer in einer Studenten-WG fand. So verbrachte ich die nächsten dreieinhalb Wochen mit 9 Mitbewohnern aus 5 verschiedenen Ländern, was meinen sozialen Kontakten natürlich gut tat. Sicherlich ist alles ein wenig teurer als Hierzulande(vor allem wenn man viel weggeht), aber mit der Zeit gewöhnt man sich an die Preise und sollte auch nicht weiter dem lieben Geld nachtrauern. Letztendes geht man doch überall hin, wo man hingehen möchte. Daran ändern auch die 24,-DM eintritt ins Castle nichts! Von den Möglichkeiten der Freizeitgestalung in Edinburgh darf ich hier nicht allzu viel erzählen sonst gerate ich ins schwärmen. Für eine Stadt seiner Größe(ca.600000 Einwohner) hat Edinburgh sehr viel zu bieten, allein die Tatsache, dass es hier angeblich über 500 Pubs geben soll(hab es nicht ganz geschafft, alle zu besuchen) spricht wohl für sich.
Die Freundlichkeit und Hilfbereitschaft kann man übrigens auf den gesamten Arbeitsalltag übertragen. Für mich, der ich den deutschen Ablauf in verschiedenen Krankenhäusern kannte, war es sehr interessant zu sehen, mit wie viel Respekt und Freundlichkeit z.b. Pflegepersonal und Ärzteschaft einander behandelten. Hier stimme die Mischung. Man arbeitete eher auf einer Ebene, die Ärzte waren nicht so abgehoben von den Schwestern.