Bis ich endlich gemütlich und sorglos im grünen „Pyjama“ im OP des Hospital Universitario de Canarias (HUC) stand, musste ich sehr viel Geduld aufbringen, eine ganze Portion mehr als man sowieso aufbringen muss, wenn man es mit den ohnehin langsamen spanischen Bürokratie-Schnecken zu tun hat. Es ist fast so, als müsste man ihnen dabei zusehen, wie sie unorganisiert versuchen, einen Kopfsalat zu verschlingen, der aber noch in Folie verpackt ist! Damit meine ich aber eher kanarische Alltagssituationen (Mietwohnung, Auto, Versicherung, Einwohnermeldeamt, Telefonanschluss usw.) und weniger die Organisation meines PJ.
Als „Hispanogermana“ (halb spanisch, halb deutsch) hab ich so viel Zeit wie möglich auf dem spanischen Festland verbracht (inklusive Jobs und Famulaturen). Ich habe mir also tatsächlich eingebildet, ich wüsste, wie die Spanier ticken! Die Canarios, die sich selber nicht als Spanier verstehen und die Festlandspanier nur „Godos“ (Goten) schimpfen, sind aber noch einmal eine ganze Spur unorganisierter!
Unterkunft vorher organisieren
Ein Flug auf die Kanaren ist schnell und einfach zu finden, gibt es massenhaft im Internet. One-Way hab ich ca. 120 Euro gezahlt (Condor). Es ist wirklich sinnvoll, sich vorher eine Unterkunft zu organisieren. Dazu surft man in Internet auf den diversen Uni-Sites. La Laguna ist voller Studenten aus aller Welt, die nie lange dort bleiben, eine entsprechend hohe Mieter-Migration ist vorhanden und die Chancen auf eine relativ billige Unterkunft sind gegeben. Alternativ steigt man vor Ort ein paar Tage in einem Hotel oder einer Jugendherberge ab und telefoniert herum, die Telefonzellen von La Laguna sind mit Wohnungsaushängen vollgepflastert.
Oder aber man hat Glück wie ich und kennt jemanden, der jemanden kennt usw. der in Santa Cruz lebt. Santa Cruz ist die Hauptstadt von Teneriffa, die Uniklinik liegt exakt zwischen La Laguna und Santa Cruz, je 30 min mit dem Bus, der auf den Kanaren niedlicherweise „Guagua“ heißt. Ich hab mir in Santa Cruz eine Wohnung gemietet, weil ich keine Lust hatte, mir nach dem deutschen Winter auch noch in La Laguna den Hintern abzufrieren, denn in Santa Cruz ist es immer mindestens sieben Grad wärmer als in La Laguna, wo es im Februar oder März auch mal schneien kann.
Sonst braucht man sich vor dem Abflug um nicht viel zu kümmern, Visum oder Aufenthaltsgenehmigung sind nicht notwendig, Immatrikulation an der ULL (Universidad de La Laguna) auch nicht. Personalausweis und Führerschein (ist in Spanien gültig) nicht vergessen.
Stethoskop vielleicht noch einpacken, den restlichen Kram zuhause lassen. Badesachen wären nicht schlecht. Obwohl – genug Nudistenstrände gibt es ja....
OP, endlich! – Pero en Español, por favor
Also wenn jemand auf Teneriffa, oder überhaupt in Spanien, ein PJ-Tertial Anästhesie machen will, sollte er ein gewisses Sprachniveau haben. Sonst macht es keinen Spaß, besonders weil man die derben Witze im OP nicht versteht! Im Ernst: Spanisch sollte man schon gut können für alle Fachrichtungen, abgesehen von der Chirurgie. Für Fächer wie Anästhesie braucht man einfach fundierte sprachliche Kenntnisse, man sollte gegebene Instruktionen verstehen und entsprechend ausführen können, damit einem der Anästhesist auch mal größere Aufgaben anvertrauen kann, ohne allem mit Händen und Füßen Nachdruck verleihen zu müssen. Es kommt halt nicht gerade gut, wenn man gebeten wird ein bestimmtes Medikament vom OP gegenüber auszuleihen und mit einem Dreier-Tubus für Kinder zurückkehrt oder dem Aufwachraumpersonal den Patienten übergibt und die nur Bahnhof verstehen.
Kein einziges Mal als Schwester fehlinterpretiert
Das HUC ist eine recht große Uniklinik mit allen Fachrichtungen. An das Gebäude angeschlossen ist die medizinische Fakultät, man läuft also immer Studenten und Dozenten über den Weg. Auch die Pathologie, Gerichtsmedizin usw. liegen um den Campus verstreut. Gleich um die Ecke ist das Hospital de la Candelaria, ein noch etwas größeres Krankenhaus, das allerdings von der Uni-Klinik abgetrennt ist. Trotzdem gibt es einen regen Austausch zwischen den beiden Häusern. Eine vorgeschriebene Kleiderordnung gibt es nur für das Pflegepersonal und die Sicherheitsleute. Ärzte ziehen sich auch mal einen Kittel an, besonders die Assistenten. Chefärzte sieht man eher in Anzug und Krawatte. Unter dem Kittel trägt jeder Arzt individuell das, was er will: Anzug, Sommerkleid, Jeans, T-Shirt, Trägertop, Sandalen, Pfennigabsätze. Als PJler leiht man sich einfach einen Kittel oder zieht sich das grüne OP-Oberteil an, sofort wird man mindestens als „residente“ angesprochen. Kein einziges Mal wurde ich als Schwester fehlinterpretiert, und das tut echt mal gut.