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Kanaren für Insider - die andere Seite der Inseln

PJ in der Anästhesie und Chirurgie auf Teneriffa

Yma Markmann

Teil Eins: Anästhesie

Als PJler wird man behandelt wie ein Assistenzarzt im ersten Jahr – wenn man sich entsprechend engagiert. Mit fast allen Rechten und Pflichten. Das beginnt damit, dass morgens um 7.30 Uhr eine kurze Frühbesprechung stattfindet, in der Vorkommnisse des Nachtdienstes besprochen werden: Neuaufnahmen, Komplikationen, Stand der Dinge auf der Aufwachstation und der Tagesklinik, Ausfall von OPs, Not-OPs usw. Ab acht Uhr dann OP mit allem, was dazugehört, Stippvisite im „Wartesaal“, kurzes Einsehen der Krankenakte, Einleitung, Operation, Ausleitung, Verfrachtung in die „recuperación“ (Aufwachraum), Übergabe an zuständigen Anästhesisten, spätere Nachvisite usw.
War man als Student mit dem Anästhesisten alleine im OP, so durfte man auch, abhängig vom jeweiligen Anästhesisten, von der Berechnung der Medikamentendosen und deren Verabreichung, der Bedienung des Anästhesiegeräts, der Intubation und Extubation, der manuellen Maskenbeatmung, dem Legen venöser und arterieller Zugänge bis hin zu Blutgasanalysen und Legen von Magensonden beinahe alles selber unter Anleitung machen. Ich durfte also eine Menge machen, es hing alles aber auch sehr von den Anästhesisten ab. Die meisten waren froh, wenn jemand da war, der ihnen half, weil es so etwas wie Anästhesiepfleger nicht gibt.
Natürlich gab es immer mal einen gestressten Anästhesisten, aber da habe ich nur sehr wenige kennen gelernt, und denen kann man einfach aus dem Weg gehen. Nach einer Weile hält man sich dann eh nur noch an die Handvoll Leute, die einen viel machen lassen, viel erklären und bei denen es richtig Spaß macht. Neben OP kümmern sich die Anästhesisten noch um den Kreißsaal (habe einige Zangengeburten und Kaiserschnitte gesehen) und um die „recuperación“. Sonst war donnerstags immer Fortbildungs-Seminar, zuerst für die ganze Abteilung, danach für die Assistenzärzte angesagt. Das lief immer vormittags (während des OP-Betriebs), mit 2-3 Vorträgen und anschließender Diskussion. Noch ein Seminar gab es dienstagnachmittags.


Bei Nachtdiensten ist Schlafen Fehlanzeige

Der Arbeitstag im OP ist zweigeteilt, von 8 Uhr bis ca. 15 Uhr wird die Warteliste aboperiert und dann bis nachts die Privatpatienten usw. Als PJ konnte man also ohne weiteres auch länger bleiben oder später kommen und dafür bis zur letzten OP mithelfen, was natürlich gleich großen Eindruck gemacht hat. Nachtdienste hab ich auch ein paar gemacht. Die waren echt anstrengend, Schlafen Fehlanzeige. Da die Uniklinik sieben Inseln als Einzugsgebiet hat (Rettungshubschrauber), wurden außerplanmäßige OPs als Not-OPs gerne zwischen Mitternacht und 7 Uhr morgens abgearbeitet. Während dieser Dienste hängt man sich an einen der beiden „residentes“ dran und bekommt so alles automatisch mit. Das Mittag- und Abendessen bekommt man während so eines Dienstes von der Klinik gezahlt. Nach einem Dienst hatte man dann auch den darauffolgenden Tag frei. Das gleiche galt für Wochenenddienste. Abgesehen von langen OPs war man gewöhnlich um 15 oder 16 Uhr fertig und wurde dann auch heimgeschickt.


Teil Zwei: Kinderchirurgie

Nach meinem Anästhesie-Tertial (und fünf Tage Fuerteventura-Trip) kam ich in die Kinderchirurgie. Während des Anästhesie-Tertials war ich dienstags immer im Kinder-OP und habe schnell gemerkt, dass es mir besonders Spaß machte, die kleinen und kleinsten Patienten zu betreuen. Die Kinderchirurgie-Abteilung ist an die Pädiatrie angeschlossen und hat zwei Chirurgen: Isabel und Chefarzt Norberto. Und da Norberto nur bei großen OPs auftauchte, operierte Isabel dienstags immer alleine. Assistenzärzte gibt es in der Kinderchirurgie nicht. Und so liehen mich die Anästhesisten manchmal zwischen In- und Extubation an Isabel aus. Da lag es nicht fern, um ein Kinderchirurgie-Tertial zu bitten. Nach Zögern stimmte Norberto zu, unter der Bedingung, dass ich mittwochs und freitags in den übrigen chirurgischen Fachrichtungen rotierte um alles einmal zu sehen. Ich war sofort einverstanden.
Meine Arbeitswoche sah also folgendermaßen aus: Montag und Donnerstag Ambulanzsprechstunde und danach Stationsarbeit, dienstags bis in die Puppen OP, Mittwoch und Freitag Rotation in den übrigen OPs. Was will ein Chirurgie-PJ-Herz mehr? Die Ambulanzsprechstunde fing immer gegen neun Uhr an, davor eventuell Stationsarbeit oder Visite. Zur Sprechstunde kamen Überweisungen aus dem ganzen Einzugsgebiet des HUCs (Teneriffa, La Palma, El Hierro und La Gomera). Die Kinder wurden postoperativ betreut und die Wunden versorgt, Radiologie-Konzile beantragt und Befunde ausgewertet, OP-Termine vergeben usw.


Viel interdisziplinärer Austausch mit Pädiatern und Radiologen

Am Anfang war hauptsächlich Zuhören und Zusehen angesagt, gegen Ende habe ich dann die Kids selber untersucht und die Befunde Isabel mitgeteilt. War Isabel nicht da und Norberto für die Sprechstunde zuständig, kam es auch mal vor, dass ich allein gelassen wurde mit den nächsten paar Patienten, den jeweiligen Fall in der Akte dokumentierte und an Norberto dann bei Rückkehr berichtete, woraufhin er meistens sein OK gab und die Patienten damit abgehandelt waren. Nach der Sprechstunde ging es dann auf Station und Visite, ab und zu versuchte ich auch mal, einen Entlassbrief zu verfassen. Es gab viel interdisziplinären Austausch mit den Pädiatern und Radiologen.
Danach folgte der Pflichtbesuch auf der Neugeborenen-Station und der angeschlossenen Neo-Intensivstation. Der OP-Tag fing um acht Uhr an. Meistens standen fünf bis sieben Kinder auf dem OP-Plan, die Jüngsten als Erstes. Zum Großteil wurden Routine-OPs durchgezogen, Hernien, Phimosen, Hydozelen, Kryptorchiden usw. Zwischendurch gab es aber auch Gewalt-Abdominal-OPs, plastische Chirurgie, Urologie, Gynäkologie, Laparoskopien, Tumorreduktionen, Atresien, kurz: von allem etwas.
Ich war meistens „zweite Chirurgin“, neben Hakenhalten habe ich viel genäht, Hämostase, Drainagen gelegt, Laparoskop geführt etc. Mittwochs und freitags habe ich mir dann immer auf dem OP-Plan die interessantesten OPs rausgesucht, mich bei den Chirurgen vorgestellt und zugeschaut bzw. assistiert. Am Besten gefallen hat mir (weil man auch am meisten tun durfte) die Herz-, Thorax-, Neuro- und Plastische Chirurgie.
Die Chirurgen waren sehr freundlich, neugierig und bereit, alle Fragen zu beantworten. Sie haben mich nach kurzer Zeit aufgefordert zu assistieren, getreu dem Motto „vom Rumstehen lernt man nix“. Zusammengefasst hab ich im Chirurgie-PJ sehr viel gesehen und selber gemacht.
Bleibt noch zu sagen, dass es mir so gut gefallen hat, dass ich mein PJ bis Ende Oktober verlängert habe. In die Kinder-Sprechstunde bin ich nicht mehr gegangen, dafür in die Radiologie: Einen PJ-Abschnitt in der Radiologie kann ich auch noch empfehlen, PJler haben die Armen nämlich noch nie gehabt und sind sehr bemüht einem alles zu zeigen, kramen sogar alte und kuriose Fälle aus dem Archiv und spielen „rate mal, was das ist“ mit einem.
Alles in allem war es für mich eine unvergessliche Zeit.
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