Kantonsspital Bruderholz
PJ-Tertial Innere Medizin
Falk Lehmann
Circa ein Jahr vor Beginn meines PJ’s bewarb ich mich per E-Mail an die Personalverwaltungen bei verschiedenen Schweizer Spitälern. Vom Bruderholzspital bekam ich schnell eine Zusage, die übrigen Formalitäten ließen sich problemlos per Post/Telefon abwickeln und schon nach kurzer Zeit wurden mir Arbeitsvertrag und Arbeitserlaubnis zugesendet. Das Gehalt beträgt 1000 Schweizer Franken brutto.
Am Vorabend meines ersten Arbeitstages zog ich in ein recht gemütliches Appartement in der Personalwohnsiedlung des Spitals ein. Mit 320CHF monatlicher Miete liegt es im Mittelfeld Schweizer Spitalwohnungen. Alle Zimmer haben Dusche/WC, eine Dachterrasse lädt zu abendlichem Grillen ein. Unbedingt zu erwähnen ist auch das kleine Personalschwimmbad im Haus. Der erste Arbeitstag wurde von einem ganztägigen Einführungskurs für neue Mitarbeiter ausgefüllt. Hier stellten sich sämtliche Abteilungen des Hauses bis hin zur Betriebsfeuerwehr vor, eine enorm ermüdende Veranstaltung. Das Spital verfügt über 430 Betten und beschäftigt ca. 1500 Mitarbeiter. Aktuell befindet es sich im Umbruch, da der Neubau des gesamten Spitals geplant ist.
Als ich die Hoffnung schon fast aufgeben wollte, kam ich doch noch in Kontakt zur Medizinischen Universitätsklinik. Mit diesem Titel darf sich die Innere Abteilung hier schmücken. Als PJ-ler bzw. Unterassistent wird man einer Abteilung fest zugeordnet. Die Stationen umfassen je 12 Betten und einen Assistenzarzt, zwei Assistenzärzte teilen sich ein Arztbüro. Einem Oberarzt wiederum unterstehen zwei bis drei Assistenzärzte. Aufgrund des Rotationsmodells der Ärzte ist einer selten länger als 2 bis 3 Wochen auf einer Station, der Unterassistent bleibt jedoch, sodass man sich ständig an die Arbeit mit neuen Ärzten gewöhnen muss. Auffällig ist die ausgesprochen gute kollegiale Atmosphäre unter allen Ärzten, die bis weit in deren Freizeit hineinreicht. Die Stationen sind gemischtinternistisch, die Ärzte der Subdisziplinen wie Kardiologie, Onkologie oder Rheumatologie visitieren ihre Patienten täglich. Daher sieht man ein breites Spektrum internistischer Krankheitsbilder. Aufgrund des Fehlens einer neurologischen Abteilung, sind auch relativ viele neurologische Patienten auf der Medizin hospitalisiert.
Der Arbeitstag beginnt 7.45 Uhr mit Rapport, Röntgendemo vom Vortag und einer internen Fortbildung, Journal-Club oder Fallvorstellung. Im Anschluss bleibt meist Zeit für ein Tässchen Kaffee und gegen 9Uhr erreicht man seine Station. Dort ist primäre PJ-ler-Aufgabe die Anamnese und Statuserhebung neu eingetretener Patienten. Dabei sind Grundkenntnisse im Französischen und noch wichtiger in Italienischer Sprache unbedingt empfohlen. Gegen 10 Uhr beginnt die Visite und erstreckt sich bis zum Mittagessen gegen 12Uhr. Da das Mensaessen 9 CHF kostet, habe ich es meist vorgezogen, mir etwas zu essen mitzubringen. Den Nachmittag füllen weiter Anamnesen aus, da die überwiegende Mehrzahl der Patienten via Notaufnahme eintritt. Weiter typische Aufgaben sind Schellong-Test, Mini-Mental-State, das Messen arterieller Verschlussdrücke und natürlich das Diktat von Austrittsberichten. Je nach Belastung kommt es gelegentlich vor, dass andere Assistenten sich den Unterassistenten „ausborgen“. Bei Spezialuntersuchungen darf man selbstverständlich dabei sein und es ist möglich bei Endoskopien etc. zuzuschauen. Spezielle Fortbildungen für Unterassistenten gibt es allerdings nicht. Dadurch ist man auf die Praktische Ausbildung durch Assistenz- bzw. zuständigen Oberarzt angewiesen. Fragen werden jederzeit gern beantwort, doch darüber hinaus hängt der Wert der Ausbildung von den jeweiligen Ärzten ab. Ich hatte das Glück, lange Zeit einer Oberärztin unterstellt gewesen zu sein, die viel erklärte und die neu eingetretenen Patienten und deren Krankheitsbilder ausführlich besprach.