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Kantonsspital Bruderholz

PJ-Tertial Innere Medizin

Falk Lehmann

Auch ließ sie mich Spezialuntersuchungen wie Knochenmarksbiopsie und Peuraergusspunktion unter ihrer Anleitung selbst durchführen. Dies ist nicht selbstverständlich! Unter anderen Ärzten wurde kein Patient besprochen, nichts erklärt, ich wurde nur herumgescheucht von Schellong zu Status und umgekehrt. Nach der alltäglichen Kurvenvisite gegen 16Uhr kommen dann die Konsiliarärzte vorbei und zweimal wöchentlich gibt es eine Abendveranstaltung, dienstags die Pathologievorstellung der autopsierten Patienten, mittwochs gibt es eine endokrinologische oder pharmakologische Fallbesprechung mit einem Spezialisten aus einem Spital in der Umgebung. Der Arbeitstag endet in der Regel gegen 18Uhr.

Wochenenddienste für internistische Unterassistenten gab es während meines Aufenthaltes nicht, dies ist aber für die Zukunft geplant. Was unbedingt noch zu erwähnen ist, ist die Einteilung in ein dreimal wöchentlich stattfindendes ambulantes kardiologisches Rehaprogramm namens Karamba, das man mit Reanimationsrucksack für den Fall der Fälle begleiten muss. Ernste Zwischenfälle, die den Einsatz des enthaltenen Defibrillators nötig machen, sind aber noch nie vorgekommen.

Der Höhepunkt jeder Woche ist aber die Chefvisite, insbesondere beim stellvertretenden Chefarzt. Dieser verfügt über ein umfassendes differentialdiagnostisches Detailwissen scheinbar sämtlicher medizinischer Krankheitsbilder. In erster Linie sind die Visiten examinierend gestaltet, da viele Fragen jedoch niemand der Beteiligten beantworten kann, erklärt er viel, beantwortet freundlich sämtliche Fragen, stellt differentialdiagnostische Überlegungen an und gibt therapeutische und diagnostische Hinweise. Ein derart umfassend gebildeter Arzt ist mir noch nie begegnet. Der medizinische Wissenszuwachs des Tertiales resultiert zum großen Teil auch aus diesen Visiten.

Mit zunehmender Zeit des Aufenthaltes wächst die Verantwortung, die man als Unterassistent übernehmen darf. So ist es möglich unter praktischer Anleitung Patienten vollständig selbst zu betreuen. In den letzten Wochen schließlich kann man auf freiwilliger Basis die Station verlassen und in der multidisziplinären Notaufnahme arbeiten.

Die verbleibende Freizeit und die Wochenenden lassen sich im benachbarten Basel vorzüglich ausfüllen. Es gibt viele Galerien, Läden, Cafés, Clubs, das Spital ist auch nachts mit Nachtbus gut zu erreichen. Im Sommer kann man im Rhein baden, zum Einkauf von Lebensmitteln ist man innerhalb einer halben Stunde mit dem Auto in Deutschland, wo sich beim Einkauf ca. 50% des Geldes sparen lässt und in ca. einer Stunde erreicht man alle größeren Schweizer Städte, wie auch die Berge.

Abschließend bleibt die Frage, ob ich ein Tertial im Kantonsspital Bruderholz weiterempfehlen würde. Jedoch unterliegt die Beantwortung dieser Frage meiner individuellen Meinung und den Erfahrungen, die ich hier gemacht habe und die bei jedem anderen Menschen natürlich anders ausfallen müssen. Im Vergleich zu meinen Erfahrungen in deutschen Krankenhäusern sind Atmosphäre, die Integration in den therapeutischen Prozess und die praktische Ausbildung hier deutlich besser. Allerdings habe ich im Gespräch mit anderen PJ-lern den Eindruck gewonnen, dass die Ausbildung in anderen schweizer Spitälern ausführlicher ist und vor allem unabhängig von der Motivation der direkten Vorgesetzten stattfindet. Grundsätzlich kann ich ein PJ-Tertial in der Schweiz sicher empfehlen. Allerdings haben sich meine Überlegungen, mich als Assistenzarzt in der Schweiz zu bewerben, zerschlagen. Die Arbeitbedingungen hier erscheinen um nichts besser als in Deutschland, da die Ärzte hier ebensoviel Papier- und Verwaltungsaufgaben leisten müssen, hinzu kommt eine vertragliche Regelarbeitszeit von 11 Stunden am Tag bei lediglich 20 Urlaubstagen im Jahr. Vergleicht man schließlich Einkommen und Lebenshaltungskosten zwischen der Schweiz und Deutschland, erscheinen bessere Verdienstmöglichkeiten in der Schweiz als reine Illusion.
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