Wir von MEDI-LEARN wollen es genau wissen. Darum haben wir eine Interviewserie gestartet, die sich an alle angehenden Mediziner, Medizinstudenten und junge Ärzte richtet. Ob du dich noch in der Bewerbungsphase befindest, bereits dein PJ absolvierst oder schon als Assistenzarzt den Klinikalltag meisterst. Wir haben zu verschiedenen Themen und Abschnitten Interviews geführt.
Heute haben wir ein Interview zur Famulatur für dich. Martin hat uns unter anderem Fragen beantwortet wie: Wo er famuliert hat, was ihm gefallen und was ihm nicht gefallen hat oder aber ob Uniklinik oder ein kleineres Haus sich besser eignet.
1. Wo fand deine letzte Famulatur statt? Kannst du kurz beschreiben, wie ein typischer Tagesablauf aussah?
Die Famulatur habe ich im Unfallkrankenhaus Wien Meidling gemacht. Um 7.30 Uhr fand eine Frühbesprechung mit allen Ärzten statt, darin die radiologische Vorstellung der am Vortag durchgeführten Operationen und des Tagesplans. Ab 8.30 Uhr gab es mehrere Möglichkeiten: 1. OP-Assistenz
2. Visite (dauerte den ganzen Vormittag, macht dort immer ein Fach- oder Oberarzt)
3. spezielle Sprechstunden (Knie, Hüfte, Hand ...)
4. Wundversorgung (Reinigung, ggf. Naht, Punktionen und Verbandswechsel)
5. Gipsraum
6. Aufnahme (immer mit Facharzt)
Um 12.30 Uhr folgte die Röntgenbesprechung.
2. Was war bisher deine schönste und lehrreichste Famulatur?
Die Famulatur im UK Meidling war sehr lehrreich, mit viel Abwechslung, sehr gutem Kontakt zu Ärzten und dem Pflegepersonal. Eigenständiges Arbeiten wurde gefördert.
3. Welche deiner Famulaturen hat dir bisher gar nicht gefallen? Warum ?
Die in der Allgemeinchirurgie. Man ist eigentlich nur für Blutentnahmen, Verbandswechsel und fürs Hakenhalten da. Aufgrund des chronischen Zeitmangels der Ärzte kam die Lehre definitiv zu kurz. Habe aber gelernt, vier Stunden Leberhaken zu halten, ohne dabei einzuschlafen.
4. In welchem Fachbereich würdest du empfehlen, die 1. Famulatur zu machen? Oder hat dies deiner Meinung nach keine Bedeutung?
In der Notaufnahme, weil dorthin Patienten mit vielen unterschiedlichen Krankheitsbildern kommen. Das Problem ist aber, dass es viel Stress geben kann und dadurch die Lehre zu kurz kommt.
5. Was würdest du empfehlen: die Famulatur an einer Uniklinik oder eher an einem kleineren Haus?
Man muss sich entscheiden: Die Uniklinik hat natürlich die eher die spektakulären, extrem seltenen Fälle. Da sieht man unter Umständen Sachen, welche man in seinem weiteren Leben nie mehr sehen wird. Problem dabei: Vielerorts herrscht chronischer Zeitmangel. Ein kleines Haus bietet dagegen meist wenig spektakuläre Fälle, dafür ist oft die Betreuung einfach besser.