Ohne Bio-LK keine Chance in der Vorklinik?
Zweifel vor dem Studium
Claudia Beyrich
„Du willst Medizin studieren? Aha...ja sehr interessant! Da hast Du Dich sicherlich für den Leistungskurs Biologie entschieden und Chemie oder Physik dann als schriftliches Fach in der Prüfung – oder etwa nicht? Wie bitte, Du hast die Leistungskurse Französisch und Geschichte belegt und traust Dich, mit dieser Vorbereitung ein Medizinstudium auf Dich zu nehmen? Na viel Spaß dabei! Damit erlebst Du noch nicht mal das Physikum!“ – so oder ähnlich lauten die Fragen und Standardkommentare auf die wichtigen und weniger wichtigen Fächer, die für das Medizinstudium als unabdingbar gelten.
Durch Zweifel, Ängste, Selbstvertrauen hin zum Physikum
Der Boden der vermeintlichen Tatsachen
Bei mir war es der Bio-Lehrer, der mich mit diesen Fragen auf den Boden der vermeintlichen Tatsachen zurückholte. Denn dieser Einwurf des Lehrers hatte bei mir erst mal gesessen. Jetzt hatte ich mich endlich mal entschieden, was ich nach dem Abitur studieren möchte und dann so etwas. Mein Biologie-Lehrer hatte mich zugegebener maßen mit den obigen Aussagen total geschockt! Und ich begann auf seine Einwände und Anmerkungen hin nun wirklich, verschärft und kritisch nachzudenken: wie soll ich das schaffen?
Das Kreuz mit dem Kreuz der Fächerwahl in der Oberstufe
Meine Ausgangssituation hinsichtlich der Fächerwahl in der Oberstufe war die folgende: Chemie und Physik hatte ich nach der 11. Klasse abgewählt, Biologie nur als Grundkurs belegt und das auch nur in der 12. Klasse.
Von den Stoffen in diesen Fächern hatte ich auch bei verschärftem Nachdenken nun wahrlich keine profunden Kenntnisse mehr parat: Atmungskette und Co? Keine Ahnung. Zellzyklus? Nun, ich hatte das Wort einmal gehört, auch der Klostermönch und Erbsenzüchter Mendel sagte mir nur dem Namen nach etwas. Die Punkte aus dem Bio-Grundkurs musste ich ja auch nicht ins Abitur einbringen und meine Bewerbung an die ZVS hatte ich auch schon abgeschickt.
Hatte ich die richtige Studienwahl getroffen?
Angst, Ungewissheit bis hin zur Panik machte sich in der Folgezeit immer wieder bei mir bemerkbar. Und immer wieder kreiste diese Frage in meinen Gedanken: Habe ich die falsche Entscheidung für das Studium getroffen? Kann ich gar kein Medizin studieren, weil ich den naturwissenschaftlichen Unterricht an der Schule nicht gerade als pädagogisch äußerst empfehlenswert und für mich persönlich höchst interessant eingestuft habe? Was tun? Französisch und Geschichte Leistungskurs – das gibt das schon her...zumindestens für ein Lehramtsstudium: ich wollte aber kein Lehramt, sondern Medizin studieren.
Schwarze Nächte und Lichtmomente der Hoffnung
Eine verzwickte Lage, die mich schier an den Rand der gedanklichen Verzweiflung trieb, doch auch Lichtmomente in dieser Zeit des Haderns und Zögerns leuchteten auf: Oh ganz ruhig...schön locker und relaxed...warum soll das nicht gehen...so dumm bin ich doch hoffentlich nicht, dass ich das nicht irgendwie hinkriege....grübel....oh nein...mir ist grad noch was aufgefallen...in PHYSIKum steckt das böse Wort drin....nein nicht rückfällig werden...DU schaffst das... – ich versuchte mich zu beruhigen, was mir mehr oder minder, keinesfalls aber immer gelang. Und dieses innerliche Zögern und Zaudern ging dann im Prinzip bis zum Semesterbeginn im Oktober weiter.