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SineNomine
21.06.2019, 20:24
unwichtiges Bonbon - wichtiger ist der Fuß in der Tür und dass Arbeitgeber sich nicht mehr so leicht rausmogeln können - zumal ein gültiger Tarifvertrag auch notfalls einklagbare Rechte beinhaltet...
Puh, einerseits hast Du recht. Aber, a glaube ich zu wenig an unseren Berufsstand. Als ich gestern Feiertags Dienst hatte, mache ich ein Arztzimmer auf und da grüßt mich freundlich eine nicht-eingestempelte Kollegin, die den Feiertag zum Arztbriefschreiben nutzt. So lange so etwas Usus ist, kann im Papier stehen, was will. Dass die Kollegin damit implizit auch die Arbeitsbedingungen für den Rest von uns verschlechtert - geschenkt.
Tarumos Gedanke von Krankenhauszeit = gehaltstechnische Arbeitszeit hat tatsächlich auch etwas für sich. Es kommt auch niemand auf die Idee, der Pflege weniger zu bezahlen, wenn die Nachts weniger zu tun hat. Es gibt, ganz im Gegenteil Zuschläge für den Nachtdienst (und Wechselschichtzulage).
Relaxometrie
21.06.2019, 20:54
Als ich gestern Feiertags Dienst hatte, mache ich ein Arztzimmer auf und da grüßt mich freundlich eine nicht-eingestempelte Kollegin, die den Feiertag zum Arztbriefschreiben nutzt.
:-kotz:-kotz:-kotz
Arztbriefe an einem freien Tag habe ich zwar auch schon diktiert. Aber nur mit dem Wissen, daß wir das als Überstunden aufschreiben dürfen und diese Überstunden auch bezahlt werden. Wobei ich den (wahrscheinlich kläglichen) Stundenlohn dafür nicht kenne.
Hast Du die Kollegin gefragt, warum sie sich nicht einstempelt? Wenn ja, kamen vermutlich die üblichen larifari-Antworten: "Ich bin noch nicht lange dabei/ bin zu langsam/ mache ich ja nicht oft/ traue mich nicht, dafür Überstunden aufzuschreiben."
SineNomine
21.06.2019, 21:07
Sie schaffe es sonst nicht, meinte sie. Hat das gar nicht verstanden, dass man sowas nicht toll finden könnte.
Ist im 1. Jahr und arbeitet mit Berufserlaubnis (Nicht-EU), was beides irgendwo mit hineinspielen mag. Aber da das jetzt kein Einzelfall war, finde ich das schon ziemlich nervig, da es sich eben nachteilig auf die Arbeitsbedingungen auswirkt.
Und ich vermute mal, dass meine Klinik jetzt auch kein Ausnahmefall im Lande ist und die entsprechenden "Tarifvertragsbestimmungen" auch andernorts munter freiwillig unterlaufen werden, was dann irgendwann zur Folge hat, dass andere "mit-unterlaufen" müssen.
Relaxometrie
21.06.2019, 21:48
Sie schaffe es sonst nicht, meinte sie. Hat das gar nicht verstanden, dass man sowas nicht toll finden könnte.
Ist im 1. Jahr und arbeitet mit Berufserlaubnis (Nicht-EU), was beides irgendwo mit hineinspielen mag. Aber da das jetzt kein Einzelfall war, finde ich das schon ziemlich nervig, da es sich eben nachteilig auf die Arbeitsbedingungen auswirkt.
Jo......habe ich auch schon mehrfach genau so erlebt.
Seitdem mir bei meiner vorletzten Stelle ein aus Syrien stammender Kollege bzgl. seiner 3-4 täglichen und nicht dokumentierten Überstunden gesagt hat, daß alles besser als Krieg sei (was ja absolut richtig ist....aber deswegen dürfen wir ja trotzdem erträgliche Arbeitsbedingungen haben, bzw. für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen), halte ich das System eh für verloren. Die kranken Häuser werden genau diese Denkweise weiterhin und vermutlich zunehmend schamlos ausnutzen.
Es paßt in dem Zusammenhang auch hervorragend, daß sich Führungskräfte einer gewissen Organisation sowohl auf dem gerade abgelaufenen als auch bei vorherigen Ärztetag sich GEGEN eine verschärfte Überprüfung von Zuwanderern aus dem Nicht-EU-Gebiet gestellt haben (und damit auch entgegen einem Mehrheitsvotum des DÄT), obwohl die Problematik z.B. falscher Papiere durchaus anerkannt wird. Weiterhin schlechte Arbeitsbedingungen durch solche Konkurrenz scheinen ja gewollt, ansonsten kann man sich das nicht erklären.
Was die "freien Wochenenden angeht". Ich vermisse da auch noch eine eindeutige Regelung. Erst mal muß der Mißstand per Antrag dokumentiert werden (was per se schon mal abschreckt, z.B. MA in der Probezeit oder solche, deren Aufenthaltserlaubnis an den Job geknüpft ist). Dann soll im nächsten halben Jahr ausgeglichen werden, Ist das nicht möglich- was passiert dann? Der Anspruch verfällt? Und dann auch noch die Hintertür mit der Patientengefährdung.
Mein Vorschlag wäre gewesen, pro Schicht über dem Limit eine wirklich für den AG schmerzhafte Konventionalstrafe (über Leiharztniveau) anzuberaumen, z.B. die 2000 EUR Prämie der Fluglotsen. Da es doch angeblich um das Patientenwohl geht, sollte das doch nicht zu teuer sein. Ich bin sehr gespannt.
Ist im 1. Jahr und arbeitet mit Berufserlaubnis (Nicht-EU), was beides irgendwo mit hineinspielen mag. Aber da das jetzt kein Einzelfall war, finde ich das schon ziemlich nervig, da es sich eben nachteilig auf die Arbeitsbedingungen auswirkt.
Sie schadet damit auch sich, da z.B. bei einem Wegeunfall die BG nicht zuständig ist. Mit schlimmstenfalls Konsequenzen bis zur Rente. Falls ein elektronisches Zeiterfassungssystem genutzt wird, würde ein cleverer Jurist dann auch noch eine Urkundenfälschung daraus machen (z.B. um die KH-Leitung "reinzuwaschen"). Sollte man ihr mal sagen. Solche Probleme will man ja nicht im 1. WBJ als zumal als nicht EU-ler haben...
Meine Hoffnung ist, daß mit dem unlängst ergangenen EU-Urteil auch eine verschärfte Überwachungspflicht einhergeht und der Zoll neben "nicht eingeloggten" Bauarbeitern oder Spülgehilfen auch mal sowas kontrolliert. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt:-(
Es paßt in dem Zusammenhang auch hervorragend, daß sich Führungskräfte einer gewissen Organisation sowohl auf dem gerade abgelaufenen als auch bei vorherigen Ärztetag sich GEGEN eine verschärfte Überprüfung von Zuwanderern aus dem Nicht-EU-Gebiet gestellt haben (und damit auch entgegen einem Mehrheitsvotum des DÄT), obwohl die Problematik z.B. falscher Papiere durchaus anerkannt wird. Weiterhin schlechte Arbeitsbedingungen durch solche Konkurrenz scheinen ja gewollt, ansonsten kann man sich das nicht erklären.
Das ist tatsächlich kurios. Nur wenige Berufsgruppen sind so doof, mehr Konkurrenz so widerstandslos hinzunehmen.
Man wäre derzeit in einer beispiellos guten Verhandlungsposition - aber die Ergebnisse sind recht bescheiden. Niemand weiß, wie lange die gute Verhandlungsposition anhalten wird, nachdem inzwischen laufend neue Studienorte diskutiert, beschlossen und eröffnet werden (Augsburg, Bayreuth, Brandenburg, Cottbus, Passau, Siegen...).
SineNomine
24.06.2019, 18:15
Ist so.
2018 ist der Nominallohn im Schnitt über die diversen Branchen hinweg um 3,1% gestiegen, das relativiert die 2%, die der Marburger Bund so erzielt.
Vereinfachte Anerkennung von nicht EU-Ärzten ist tatsächlich ein heißes Pflaster, da es tatsächlich hilft, die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern weiter zu drücken. Wie schon oft gesagt wurde, haben wir letztlich auch keinen Medizinermangel.
Wir haben einzig einen Mangel an EU-Ärzten, die sich den Beruf zu den gegebenen Bedingungen antun will. Darauf mit vereinfachter Anerkennung für Nicht-EU-Ausländer zu reagieren ...
@davo: ja, die Verhandlungsposition geht absehbar flöten. Wobei, wenn die Arbeitsbedingungen so bleiben, kommen von 1.000 zusätzlichen Medizinern auch nur 600 in der Patientenversorgung an.
pillango
25.06.2019, 15:25
Hier mal ein paar Zahlen zum Thema:
https://www.monitor-versorgungsforschung.de/news/zi-stellt-bedarfsprojektion-fuer-medizinstudienplaetze-in-deutschland-vor
Ist halt nur auf die vertragsärztliche Versorgung limitiert. Ignoriert somit völlig die Kliniken mit der dort großen Bedeutung von Assistenzärzten.
vanilleeis
30.07.2019, 08:55
Hat jemand eine Ahnung, wann der Tarifvertrag unterschrieben ist und damit umgesetzt wird? Den Zeitzuschlag für den BD ab dem 01.07. gibt dann vermutlich auch erst rückwirkend oder?
Jukka666
30.07.2019, 13:01
Also unsere Verwaltung hat uns neulich mitgeteilt, dass mit der Gehaltszahlung im August der neue Vertrag rückwirkend bedient wird, sprich im August sollte es fette Nachzahlungen geben... :-)
GelbeKlamotten
01.09.2019, 11:15
Bei uns ist die Tariferhöhung auch in der Abrechnung für August nicht berücksichtigt. Sind die Verträge immer noch nicht unterschrieben?
vanilleeis
01.09.2019, 14:05
Nein, sind sie nicht. Was ich jetzt rausgefunden habe, ist, dass der Höherbewertung der Stunden, in denen man Zwangs-FZA hat (0,1 Zeitstunden), mit dem neuen Tarifvertrag wegfällt.
Bedeutet, dass von den hochgelobten 0,15 h-Zuschlag für BD schon mal 0,1 h wegfallen für die FZA-Stunden. Da fühle ich mich schon ziemlich verarscht
Magst Du das genauer erläutern? Was für eine Höherbewertung?
GelbeKlamotten
01.09.2019, 14:14
Nein, sind sie nicht. Was ich jetzt rausgefunden habe, ist, dass der Höherbewertung der Stunden, in denen man Zwangs-FZA hat (0,1 Zeitstunden), mit dem neuen Tarifvertrag wegfällt.
Bedeutet, dass von den hochgelobten 0,15 h-Zuschlag für BD schon mal 0,1 h wegfallen für die FZA-Stunden. Da fühle ich mich schon ziemlich verarscht
Verstehe ich nicht so richtig. Für was für stunden gibt es Zwangs-FZA?
Wenn ich Nachtdienst habe, der teilweise als Bereitschaftsdienst gilt und dann am Folgetag frei habe, dann bekomme ich künftig weniger Geld?
Und sind die Gründe bekannt, warum sich die Unterzeichnung so lange hinzieht? Gibt es noch strittige Punkte?
Hätte ja schon gerne so langsam mal das Geld, die ETF Anteile kaufen sich ja nicht von selbst ;)
vanilleeis
01.09.2019, 14:39
Es geht um §12, Abschnitt 6:
"Erfolgt Freizeit- ausgleich in Zeiten, zu denen gemäß §§ 5 und 7 Abs. 9 ArbZG Ruhezeit zu ge- währen ist, wird abweichend von Absatz 1 und Satz 1 diese Zeit in der Bereit- schaftsdienststufe III mit dem Faktor 100 v.H., in der Bereitschaftsdienststufe II mit dem Faktor 85 v.H. und in der Bereitschaftsdienststufe I mit dem Faktor 70 v.H. als Arbeitszeit bewertet. "
Also mir (BD Stufe 1, also 60 % der BD-Zeit gilt als Arbeitszeit) war es bisher so:
15,5 h Bereitschaftsdienst mit 8 h FZA am nächsten Tag machten:
7,5*0,6 + 8*0,7 (0,7 eben wegen der Höherstufung der Zeiten des FZA)= 10,1 h
davon gingen 8 h wg. FZA weg, also 10,1 h -8 h= 2,1 h , die ich bezahlt bekommen habe
Im neuen Tarifvertrag fallen die 0,1 h weg, dann sind es nur noch 15,5 *0,6=9,3 h
minus 8 h FZA=1,3 h, die ich bezahlt bekomme
Der MB rühmt sich mit dem Zeitzuschlag zum BD, das wäre 0,15*15,5 h = 2,325 h
Davon abziehen muss man dann die 0,8 h , die wegfallen, also bleibt netto ein Gewinn von 1,525 h. Ein Witz! Und das wird nirgendwo so deutlich erwähnt, das ist ein Unding. Zumal es als der große Durchbruch in Bezug auf die Minusstundenproblematik dargestellt wird.
vanilleeis
01.09.2019, 14:47
Verstehe ich nicht so richtig. Für was für stunden gibt es Zwangs-FZA?
Wenn ich Nachtdienst habe, der teilweise als Bereitschaftsdienst gilt und dann am Folgetag frei habe, dann bekomme ich künftig weniger Geld?
Und sind die Gründe bekannt, warum sich die Unterzeichnung so lange hinzieht? Gibt es noch strittige Punkte?
Hätte ja schon gerne so langsam mal das Geld, die ETF Anteile kaufen sich ja nicht von selbst ;)
Jein. Du solltest eigentlich mehr Geld bekommen aufgrund der 0,15 h Zeitzuschlag für jede Stunde des BD-Dienstes. Aber dafür verringert sich aber der bisherige Betrag für den BD, bzw. die 0,1 h Zuschlag für Zeiten, in denen Ruhezeit eingehalten werden muss, fallen weg. Öffentlich postuliert wird jedoch nur die 0,15 h Zeitzuschlag.
In meinem MB-Newsletter war von Uneinigkeiten in den Redaktionsverhandlungen die Rede, die die finalen Unterschriften momentan verhindern
In diesem Flyer habe ich es nun auch schriftlich gefunden: "Parallel wird ab 1. Juli 2019 die Höherbewertung der Bereitschaftsdienste im
Falle der Gewährung von Freizeitausgleich und ab dem 1. Januar 2021 der Zuschlag ab der 97. Bereitschaftsdienststunde aufgehoben."
https://www.marburger-bund.de/sites/default/files/2019-06/98259_MB_BV_Plakat_VKA.pdf
GelbeKlamotten
01.09.2019, 14:55
Danke für die Aufklärung! So genau habe ich unsere Gehalts/Zeitabrechung, die sich eh monatlich auf willkürliche Weise zu verändern scheint, ehrlich gesagt nie begriffen. D.h. bei den Nachtdiensten kommt nur ein kleiner Teil der Erhöhung an, bei BD am Wochenende ohne Freizeitausgleich kommt sie voll an. Werde ich in der nächsten Dienstplanbesprechung berücksichtigen :-angel
Bin ja mal gespannt, ob die dieses Jahr noch die Unterschriften zustande bringen...
In meinem MB-Newsletter war von Uneinigkeiten in den Redaktionsverhandlungen die Rede, die die finalen Unterschriften momentan verhindern
Geile Taktik...mit der offziellen Bekanntgabe des Abschlusses herrscht Friedenspflicht und jetzt muß man womöglich alles schlucken, was der VKA so einfällt...Streikrecht vergeigt...sich als "Gewerkschaft" auf die Fahnen zu schreiben, möglichst die Kosten im Gesundheitswesen nicht steigen zu lassen, ist nun mal ein undankbarer Job...
Schaun wir mal, was da noch alles kommt und was man der Basis unterjubelt, um selbst den Minimalabschluss nahe der Inflationsrate für die AG günstiger zu gestalten.
Übrigens hat sich R. Henke bezüglich Zusatzeinkommen auf Platz 16 von 700 Bundestagsabgeordneten vorgearbeitet, mit geschätzt 280.000 EUR Nebeneinnahmen alleien in den letzten zwei Jahren (das war mal eine halbe Miillion DM!). Bei den bekannten Zahlern kann ich keine Instanz erkennen, die Interesse an höheren Ärztegehältern hätte (falls sich jemand wundert, warum das so lange dauert).
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