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Philip_MHH
04.10.2019, 16:13
Und warum bleibt man, wo man so ausgenutzt und erpresst wird?
Eben .... aber solang das genug mitmachen und hinnehmen ändert sich auch nichts. Erkennt doch mal euren Marktwert ...
Und warum bleibt man, wo man so ausgenutzt und erpresst wird?
Kann alle möglichen Gründe geben. Vielleicht, weil man seine Forschung dort am Laufen hat (in die man vielleicht schon Jahre seiner Freizeit gesteckt hat), weil man in einem Fach arbeitet, das es pro Stadt nur einmal gibt und man seinen Lebensmittelpunkt mit Partner, Kindern... dort hat etc.
Es hat doch seine Gründe, dass sich diese Methoden seit Jahrzehnten so halten konnten. Letztlich wäre die Welt ja jetzt schon in Ordnung, wenn sich alle an die bestehende Tarifvertrags- und Rechtslage halten würden. Die elektronische Arbeitszeiterfassung ist auch nur ein weiteres Kontrollorgan, das man umgehen kann.
Feuerblick
04.10.2019, 16:19
Die Methoden halten sich seit Jahrzehnten, weil es immer noch Menschen gibt, die sich und anderen einreden, dass man beim Fordern seiner Rechte nur mit Repressalien zu rechnen hat und dass niemalsnicht irgendwer gezwungen werden kann, sich an rechtliche Vorgaben zu halten. :-nix
Da muss man sich halt auch nicht wundern...
Die Methoden halten sich seit Jahrzehnten, weil es immer noch Menschen gibt, die sich und anderen einreden, dass man beim Fordern seiner Rechte nur mit Repressalien zu rechnen hat und dass niemalsnicht irgendwer gezwungen werden kann, sich an rechtliche Vorgaben zu halten. :-nix
Da muss man sich halt auch nicht wundern...
Es ist komplexer. Es gibt diese Repressalien nunmal.
Das ganze ist eine Mischung aus Trittbrettfahrer- und Gefangenendilemma, der charakterlichen Prädisposition der Mehrzahl von denjenigen, die Medizin studieren, der o.g. Tatsache, dass manche nunmal an ihren Job gebunden sind und letztlich auch einer Öffentlichkeit, die sich nicht wirklich für die Arbeitssituation von Ärzten interessiert (im Gegensatz z.B. zur Pflege).
Nichts davon ändert sich durch die elektronische Arbeitszeiterfassung. Das einzige, was meiner Meinung nach helfen würde, wären drakonische Strafen für die Verantwortlichen in Häusern mit derartigen Strukturen (bis hin zum Berufsverbot/Approbationsentzug für die Chefs im Wiederholungsfall).
Feuerblick
04.10.2019, 17:22
Nichts davon ändert sich, wenn man immer Ausreden dafür findet, dass man nicht aus seiner eigenen Komfortzone rausmöchte. Veränderungen kommen nicht durch Verbote und Strafen. Veränderungen entstehen da, wo die Leute nicht alles mit sich machen lassen. Und ja, Mediziner scheinen in besonderem Maß mit Duckmäusereigenschaften und Jammergenen ausgestattet zu sein. Vermutlich bei vielen, weil Papi Arzt ist und erzählt, dass ja DAMALS alles viel schlimmer war. :-nix Aber Fakt ist, dass niemandem irgendwas droht, wenn man sich mal einig ist und sich wehrt.
Veränderungen kommen nicht durch Verbote und Strafen.
Naja, sehr oft eben schon. Sonst bräuchte man ja gar keine Verbote ;)
Veränderungen entstehen da, wo die Leute nicht alles mit sich machen lassen. Und ja, Mediziner scheinen in besonderem Maß mit Duckmäusereigenschaften und Jammergenen ausgestattet zu sein. Vermutlich bei vielen, weil Papi Arzt ist und erzählt, dass ja DAMALS alles viel schlimmer war. :-nix Aber Fakt ist, dass niemandem irgendwas droht, wenn man sich mal einig ist und sich wehrt.
Kommt sehr auf die Umstände an. Bis vor einigen Jahren war es an einer der Unikliniken in München wohl so, dass man in der Dermatologie im ersten Jahr umsonst (!) gearbeitet hat - ging, weil es so viele Bewerber gab. Oft versagt die Kollektivintelligenz halt und es bringt dann auch nichts, auf die Beteiligten mit dem Finger zu zeigen und "selbst schuld" zu rufen.
Feuerblick
04.10.2019, 17:38
Ich kann echt nicht fassen, dass man sich auf sowas einlässt. Wie dämlich kann man sein??? Anderes Fach, anderer Ort, andere Klinik, erst Praxis... echt jetzt, es gibt Möglichkeiten. Aber die Komfortzone ist halt sooo nett und „andere machens ja auch“... :-wand
Wenn sich das ein Textilarbeiter in Bangladesh gefallen lässt, dann kann man noch sagen, okay, der hatte vielleicht keine andere Wahl. Aber wenn sich das ein Arzt in Deutschland gefallen lässt, kann man ganz offen sagen: selbst schuld wer so dumm ist. Es gibt unendlich viele Alternativen.
Ich kann echt nicht fassen, dass man sich auf sowas einlässt. Wie dämlich kann man sein??? Anderes Fach, anderer Ort, andere Klinik, erst Praxis... echt jetzt, es gibt Möglichkeiten. Aber die Komfortzone ist halt sooo nett und „andere machens ja auch“... :-wand
Das kann ich dir beantworten :D
Dein Gehalt als Assistenzarzt ist dir egal - dein Daddy druckt eh Geld mit seiner Privatpraxis, die du gerne übernehmen möchtest. Als echte(r) Münchner(in) ist der Rest von Deutschland für dich ohnehin Ghetto oder Provinz, du willst auf keinen Fall weg. Außerdem möchtest du deinen Stammgaststatus im P1 natürlich nicht verlieren. Dann macht man sowas gerne mit.
Ist natürlich etwas überspitzt formuliert ;)
Feuerblick
04.10.2019, 18:04
Okay, also kurz: selbst schuld...
Okay, also kurz: selbst schuld...
Wie gesagt - kommt drauf an.
Anderes überspitztes Beispiel: Du bist wieder Assistent in der Derma, diesmal aber in einer ländlichen Gegend, wo die nächste Abteilung, die für die Weiterbildung in Frage käme, 100km weit weg ist. Deine im Rahmen der Weiterbildung mögliche Praxiszeit hast du schon abgeleistet, dein Partner hat einen Job vor Ort, deine Kinder einen Kita-Platz.
Nun kommt ein neuer Chef, der "frischen Wind" in den Laden bringt. Würdest du deinen Job (und die bisherige Weiterbildungszeit) gefährden, indem du wegen dessen neuen "Arbeitszeitmodell" einen Aufstand wagst, nachdem dir schon klar (natürlich nur mündlich) gesagt wurde, welche Konsequenzen das haben wird?
Feuerblick
04.10.2019, 18:14
Japp, würde ich. Denn bei so einem Chef würde ICH nicht arbeiten wollen. Der hat offenbar null Wertschätzung für seine Assistenten. :-nix Da würde ich lieber in ein anderes Fach oder in eine Praxis wechseln, bevor ich so einem verhaltensoriginellen Kollegoiden meine Zeit opfere. Solche Leute werden dich auch ohne Aufstand immer piesacken, wenn denen deine Nase grad nicht passt.
Japp, würde ich. Denn bei so einem Chef würde ICH nicht arbeiten wollen. Der hat offenbar null Wertschätzung für seine Assistenten. :-nix Da würde ich lieber in ein anderes Fach oder in eine Praxis wechseln, bevor ich so einem verhaltensoriginellen Kollegoiden meine Zeit opfere. Solche Leute werden dich auch ohne Aufstand immer piesacken, wenn denen deine Nase grad nicht passt.
Den Praxisjoker hatte ich bewusst ausgeschlossen - aber du hast ja geschrieben, dass du im Zweifel das Fach wechseln würdest.
Ist, finde ich, eine harte Ansage. Die bisher absolvierte Weiterbildungszeit ist ja letztlich auch etwas wert.
][truba][
04.10.2019, 18:39
Naja, was heißt Praxisjoker gezogen. Man kann ja trotz abgeschlossener Praxiszeit in die Praxis wechseln. Dann geht dir Zeit verloren. Letztlich muss man dann eben nur damit klar kommen den FA spät(er) zu machen.
Aber mir geht es ja ähnlich. Total unterbesetzte Abteilung zur Zeit aber von den Chefs bisher keine Einsicht.
Zur Zeit versuche ich die anderen Assistenten zu mobilisieren und zu "einen", damit man was bewirken kann. Wenn das nicht klappt, geh ich. Aber es ist schon schwer.
Gelöscht... die häufigen Forenbenutzen haben den Beitrag gelesen. Soll mich offensichtlich hier so nicht mehr äußern...
Aber gerade von einem Chirurgen würde ich eigentlich die Eier erwarten, für seine Grundsätze einzustehen.
Jedenfalls ist dieses Mimimi nicht das, wofür ich und andere 2006 auf die Straße gegangen sind und die Stelle gewechselt haben...
Feuerblick
04.10.2019, 21:52
Nee, Chirurgen werden auch in 100 Jahren noch der Meinung sein, dass man nur durch Popokriecherei und Liebsein sowie in Diensten den Katalog vollbekommt. Und sich dann wundern, dass die Gutsherrenart der chirurgischen Chefs sich irgendwie nie ändert. Dass sie immer noch mit Repressalien drohen, wenn einer nicht spurt. Dass sie immer noch Einläufe verteilen, wenn jemand vermeintlich was falsch gemacht hat. Und dass man immer noch nix lernt...
Evil, vergiss es. Die Generation nach uns hat leider nichts gelernt und nichts draus gemacht... Mich ärgern solche Diskussionen, die zeigen, dass zwar jeder jammern, aber niemand was ändern möchte. Im Mimimi ist man hierzulande echt meisterlich. Und immer immer immer sind die anderen, die Umstände oder das Wetter schuld, dass man selbst jetzt gerade... Ich hatte 2006 ja gedacht, die Ärzteschaft hätte was kapiert. Aber wenn wir ehrlich sind, sind wir jetzt genau da, wo wir waren. Okay, ohne AIP...
Das Problem ist doch aber dass es die chirurgischen Abteilungen wo alles passt einfach nicht gibt. Entweder ist die Ausbildung schlecht oder es gibt miese Rahmenbedingungen. Auch mit x-mal wechseln wird man die eierlegende Wollmilchsau nicht finden. Also macht man eben Kompromisse. Ich habe versucht gegen den Punkt der mich an meiner alten Klinik störte etwas zutun. Bin damit aber gescheitert. Letztendlich war der Punkt trotzdem geringer als die Probleme die es in anderen entsprechenden Abteilungen gibt/gab. Also habe ich mich damit arrangiert. Das Problem ist also dass es Abteilungen wo alles stimmt einfach nicht gibt. Da kann man leicht von mit Füßen abstimmen reden wenn es diese Option quasi nicht gibt und man letztendlich nur vom Regen in die Traufe kommt. Und sorry irgend ein anderes Fach machen wo die Bedingungen vielleicht formal etwas besser sind macht es für mich nicht besser da das für mich die viel schlechteren Bedingungen wären weil ich dann nicht mein ( immernoch) Traumfach machen kann.
Also ich muss sagen, dass meine chirurgische Abteilung schon ziemlich ziemlich gut ist, gerade was Ausbildung angeht. Dafür geh ich den Kompromiss ein, dass die Arbeitszeiten nicht gut einzuhalten sind - aber da ich mich wirklich bemühe, mach ich in einer durchschnittlichen Woche nicht mehr als 2 Überstunden. Sage trotzdem meine Meinung, komme trotzdem in den OP und hab die Aussicht, auf 80% zu reduzieren, was ich allerdings erst nach dem FA will.
Und die Bezahlung der Dienste ist wirklich fair, die sind stressig, aber man bekommt auch ordentlich Kohle. Liege mit durchschnittlich 5 Diensten im Monat bei meist knapp 5k.
escitalopram
05.10.2019, 12:04
Feuerblick, es lohnt sich nicht. Manche werden es nie lernen. Den Mund aufmachen und zu sich und seinen Rechten stehen kann nicht jeder. Weiß nicht, woran das liegt - Scham, soziale Phobie, Dummheit. Wir hatten ähnliche Diskussionen vor einem Jahr und dann hieß es zu mir "boah, arbeite mal". Tja, jetzt arbeite ich - und ich habe meine Ansicht nicht geändert.
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