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Dr.Oetker
26.09.2019, 09:47
Im Gegensatz zu den meisten hier im Forum sehe ich den neuen Tarifabschluss skeptisch.
In unserer relativ kleinen Abteilung gilt entweder reguläre Arbeitszeit, alles was außerhalb der Kernarbeitszeit anfällt wird durch einen 24h-Dienst habenden Assistenzarzt abgedeckt. So kommen wir mit 5 bis maximal 6 Bereitschaftsdiensten im Monat gut über die Runden und niemand würde nur im Traum daran denken, dieses Modell zu ändern.
Nun sieht aber der neue Tarifvertrag maximal 4 Bereitschaftsdienste vor. Dies hätte zwangsläufig zur Folge, dass wir auf ein Schichtdienstmodell umstellen müssten. Mit der Folge, dass die Wochenenden zwangsläufig von 3 statt von zwei Ärzten abgedeckt werden müssten, was wiedrum in Konflikt mit den zugesicherten zwei freien Wochenenden steht.
Weitere Nachteile:
Bei 5 Diensten im Monat fehlt man höchstens die 5 Kompensationstage im Tagesgeschäft (falls der Dienst nicht ohnehin auf ein Wochenende fällt).
Im Schichtmodell, mit 5 Spät- und 5 Nachtschichten würden aber bereits 10 Tage wegfallen, also ein halber Monat ohne Ausbildung in den Funktionsbereichen und ohne Sozialleben, statt 5 Tage. Hinzu kommt, dass man viel häufiger zur Arbeit kommen muss - anstatt 2x24h und einen Tag FZA dann 5 mal zum Nachtdienst, in dem man dann größtenteils Däumchen dreht da Schlafen dann ja nicht mehr zulässig ist Und nicht zuletzt ist die Bezahlung im Schichtdienst wesentlich schlechter als im Bereitschaftsdienst. Kurzum: Wir wollen unser Dienstmodell auf gar keinen Fall ändern. Gibt es eine opt-out Regelung, die uns auch in Zukunft die Möglichkeit geben wird, mehr als 4 Bereitschaftsdienste im Monat zu machen?
juke5489
26.09.2019, 10:09
Ihr könntet zusätzliches Personal einstellen...
Christoph_A
26.09.2019, 10:38
@ Juke 5489: Pssssssst, nicht zu laut sagen, sonst würde sich ja glatt mal was ändern.....:-blush
GelbeKlamotten
26.09.2019, 10:43
Steht da wirklich drin, dass man nur 4 bereitschaftsdienste im Monat machen kann? Kann ich mir kaum vorstellen. Das wäre ja in jeder abteilung ein problem, die nicht mindestens 8 nachtdienstfähige ärzte hat. Ich hatte das eher als anspruch verstanden, den man aber ggf. aktiv durchsetzen müsste.
Dr.Oetker
26.09.2019, 10:44
Dann müssten wir aber trotzdem häufiger/regelmäßiger zur Arbeit, bekämen immernoch weniger Ausbildung und würden weniger verdienen. Ganz abgesehen davon, dass fähiges Personal nicht auf Bäumen wächst und wir uns daher in steter Reglmäßigkeit mit Honorarärzten helfen. Und nun versuch mal einen Honorararzt für eine 8h-Schicht zu finden. Da lohnt sich doch die Anreise gar nicht. Ist doch alles Blödsinn IMHO.
Dr.Oetker
26.09.2019, 12:54
Doch. Das ginge z.B. mit einem Mischmodell, unter der Woche drei Schichten, am Wochenende 24h rechnerisch ab 4 Personen, mit einer 5ten gäbe es noch eine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung:
111111 12
222222 21
333333 43
444444 34
555555
Allerdings fallen bei dem Modell faktisch mehr Wochenenddienste an, da die Freitag/Samstag-Schicht ja in dem tollen Tarifvertrag nicht als Wochenende zählt.
Ich hab schon mal eine Woche am Stück Nachtdienst gemacht. Nein Danke. Brauche ich nicht noch mal. Dann lieber 24h Dienste mit ein paar Stunden Schlaf.
Ich fürchte, würde so ein System erzwungen werden wird sich niemand (fähiges) mehr finden, der freiwillig an einem kommunalen Haus arbeitet...
rosa_banana
26.09.2019, 13:14
Ihr könntet jemanden einstellen, der nur Dienste machen möchte. Teilzeitmäßig, jemanden der Tagesfreizeit braucht.
Dr.Oetker
26.09.2019, 13:21
Du findest ja schon niemanden für die regulären Stellen. Außer Honorarärzte für die 24er, und auch das ist schwierig.
Außerdem hast Du keine Tagesfreizeit, wenn Du 5 Nächte durcharbeitest.
rosa_banana
26.09.2019, 13:22
Müssten ja keine 5 Nächte hintereinander sein. Und wenn man die alle durcharbeitet, ist es ja schon mal kein Bereitschaftsdienst. Ich hatte das so verstanden, dass es nachts relativ gemütlich geht.
GelbeKlamotten
26.09.2019, 14:03
Müssten ja keine 5 Nächte hintereinander sein. Und wenn man die alle durcharbeitet, ist es ja schon mal kein Bereitschaftsdienst. Ich hatte das so verstanden, dass es nachts relativ gemütlich geht.
Also ein Assistenzarzt, der nur dienste machen will, dürfte wohl sehr schwer zu finden sein und ein facharzt zu teuer bzw. wäre man dann wieder beim Honorararzt.
Und Bereitschaftsdienst und durcharbeiten schließt sich nicht aus. Bei uns werden am Wochenende nahezu 100% und nachts etwa 50% der bereitschaftsdienste ohne pause durchgearbeitet, oft noch mit zusätzlichen überstunden danach um den ganzen mist noch sauber aufzuarbeiten.
rosa_banana
26.09.2019, 14:15
Das weiß ich wohl, dass es oft so läuft. Aber Oetker meinte doch, dass man bei ihm in der Nachtschicht dann oft dasitzen würde und Däumchen drehen müsste, da schlafen nicht mehr erlaubt. Also schließe ich daraus, dass in seiner Abteilung im BD nachts nicht meistens durchgerödelt wird. Wenn man dann einen Arzt hätte, fortgeschrittene Weiterbildung, z.B. Mutter die noch nicht voll einsteigen will etc., der/die 5 BDs im Monat macht, dann könnte man beim BD-Modell bleiben und alle wären glücklich. Nein?
GelbeKlamotten
26.09.2019, 17:05
Das weiß ich wohl, dass es oft so läuft. Aber Oetker meinte doch, dass man bei ihm in der Nachtschicht dann oft dasitzen würde und Däumchen drehen müsste, da schlafen nicht mehr erlaubt. Also schließe ich daraus, dass in seiner Abteilung im BD nachts nicht meistens durchgerödelt wird. Wenn man dann einen Arzt hätte, fortgeschrittene Weiterbildung, z.B. Mutter die noch nicht voll einsteigen will etc., der/die 5 BDs im Monat macht, dann könnte man beim BD-Modell bleiben und alle wären glücklich. Nein?
In der Theorie vielleicht denkbar, aber hältst du es wirklich für sinnvoll, ein dienstsystem dauerhaft darauf aufzubauen, dass immer eine Teilzeitkraft verfügbar ist, die ständig dienste schieben will? Kann schon sein, dass man so jemanden einmal findet, aber wenn diejenige dann wegfällt müsste man ja direkt wieder die nächste haben.
Ich habe selbst kein Kind, aber die Kolleginnen, die bei uns in Elternteilzeit gegangen sind, haben immer Wert darauf gelegt, trotzdem auch in ihrer Facharztweiterbildung voranzukommen, sprich auch im normalen Tagdienst zu arbeiten.
Rhiannon
26.09.2019, 18:46
Bei uns scheinen sie es so regeln zu wollen, dass man freiwillig sagen kann, ob man mehr als 4 Dienste machen will. Dann für das im Tarifvertrag festgelegte mehr an Geld pro Dienst über 4.
Soll voraussichtlich alle 6 Monate re-evaluiert werden und sich jeder neu entscheiden können.
Mal sehen, ob das wirklich so kommt.
Steht da wirklich drin, dass man nur 4 bereitschaftsdienste im Monat machen kann? Kann ich mir kaum vorstellen. Das wäre ja in jeder abteilung ein problem, die nicht mindestens 8 nachtdienstfähige ärzte hat. Ich hatte das eher als anspruch verstanden, den man aber ggf. aktiv durchsetzen müsste.
Das wäre auch bei uns in der Uni mit deutlich über 20 Assis ein Problem weil mehr als ein Dienst zu besetzen ist jeden Tag...
vanilleeis
27.09.2019, 05:44
Es gehen auch mehr als 4, dann allerdings mit 10% Aufschlag auf das BD-Entgelt pro übernommenem Extradienst
Ich bin ja viel mehr auf die elektronische und verpflichtende Arbeitszeiterfassung gespannt. Ich erinnere mich noch wie unsere Verwaltung fast Amok gelaufen ist weil das für einzelne Bereiche vom Gewerbeaufsichtsamt angeordnet wurde.
Für die Unis ist eine lückenlose Zeiterfassung vermutlich der größte Alptraum seit Abschaffung der Leibeigenschaft. Falls das für uns überhaupt auch kommt... :-oopss
Wäre schön, wenn Normalität auch in deutschen Unikliniken Einzug hielte ;-)
kartoffelbrei
27.09.2019, 20:12
Ich freue mich, dass im Falle eines Arbeitsgeberwechsels dann mehr Häuser für mich in Frage kommen würden. Es würde mir im Traum nicht einfallen, in einem Haus ohne vernünftige Arbeitszeit-Erfassung zu arbeiten...
GelbeKlamotten
27.09.2019, 20:26
Ich bin ja viel mehr auf die elektronische und verpflichtende Arbeitszeiterfassung gespannt. Ich erinnere mich noch wie unsere Verwaltung fast Amok gelaufen ist weil das für einzelne Bereiche vom Gewerbeaufsichtsamt angeordnet wurde.
Für die Unis ist eine lückenlose Zeiterfassung vermutlich der größte Alptraum seit Abschaffung der Leibeigenschaft. Falls das für uns überhaupt auch kommt... :-oopss
Spoiler: es wird keine lückenlose zeiterfassung an unikliniken geben, egal was der tarifvertrag sagen wird. Selbst mein kommunales Haus hat schon ziemlich direkt angekündigt, dass sie das so nicht umsetzen werden.
Sebastian1
27.09.2019, 21:15
Spoiler: es wird keine lückenlose zeiterfassung an unikliniken geben, egal was der tarifvertrag sagen wird. Selbst mein kommunales Haus hat schon ziemlich direkt angekündigt, dass sie das so nicht umsetzen werden.
Es gibt kommunale Häuser, die das seit Jahren umsetzen. Und guess what: Da ist tatsächlich relativ wenig Personalfluktuation im ärztlichen Bereich. (Nicht nur deswegen, aber ist halt ein Punkt).
Das große Problem ist, das aktuell nur gehandelt wird, wenn es gar nicht anders geht. Dann, wenn die Hütte lichterloh brennt...
Siehe unser werter Herr MdB Rüddel, der in dieselbe Kerbe schlägt wie Spahn: Pflege in Arbeitnehmerüberlassung? Das passt nicht zu unseren Werten!
Ha, klar. Marktwirtschaft ist halt auch nur solang in Ordnung, wie der Arbeitnehmer seinen eigenen Wert nicht kennt. Vulgo: Wenn Mangel an Pflege ist, sind sich die Pflegekräfte ihres Wertes bewusst und gehen für einen vielfachen Stundensatz arbeiten.
Angebot und Nachfrage. Ganz einfach. In der Ärzteschaft nicht minder...
Auch aus betriebswirtschaftlicher bzw. ökonomischer Sicht macht das überhaupt keinen Sinn.
Positionierung des DBfK, ganz lesenswert und treffend: http://www.haeusliche-pflege.net/Infopool/Nachrichten/DBfK-positioniert-sich-zu-Leiharbeit-in-der-Pflege
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